Auszug aus dem Auslobungstext

Teil B Beschreibung der Entwurfssaufgabe

1.0 Die evangelische Kirchengemeinde Wendlingen am Neckar

1.1 Situation der Gemeinde

Die Kirchengemeinde Wendlingen am Neckar ist durch die Fusion der bis dahin selbständigenKirchengemeinden Wendlingen und Unterboihingen im Jahre 2013 neu entstanden. Mit demGemeindezentrum soll die neue Kirchengemeinde ein gemeinsames gebäudliches Zentrumerhalten: als „Kirche in der Stadtmitte“ an städtebaulich wichtigem Ort mitten im Zentrum gegenüber von Rathaus und Marktplatz.

Dem heutigen Planungsstand ist die Entwicklungeines Immobilienkonzepts vorausgegangen. Dieses soll das Zusammenwachsen der beiden fusionierten Gemeindeteile fördern und den zukünftigen demographischen und finanziellen Entwicklungen gerecht werden.

Im derzeitigen Gebäudebestand befinden sich die denkmalgeschützten Eusebiuskircheim alten Ortszentrum des Ortsteils Wendlingen und die für den Abriss vorgesehenen Johanneskirche in der heutigen Stadtmitte am künftigen Standort des neuen Gemeindezentrums. Dazu drei Pfarrhäuser, die im gesamten Gemeindegebiet verteilt sind. Hiervon beherbergt eines zusätzlich das Gemeindebüro, ein anderes die Kirchenpflege. Die von den beiden ursprünglichen Kirchengemeinden vor der Fusion genutzten Gemeindehäuser wurden im Zuge der Umsetzung des Immobilienkonzepts veräußert. Als Gemeindehaus mit einem Büro für weitere hauptamtliche Mitarbeitende der Gemeinde (Diakonin, Kantor) dient derzeit eine angemietete ehemalige Schule. Es ist beabsichtigt, alle Bereiche der Gemeindearbeit und des Gemeindelebens an einem Ort zu konzentrieren.

Bezüglich des Gemeindelebens legt die Gemeinde Wendlingen am Neckar ein besonderes Augenmerk darauf, den typischen Folgen der gesellschaftlichen Entwicklung (z.B. Überalterung, wachsende Kirchenferne) durch Offenheit und gute Zusammenarbeit mit anderen Gruppen und Kreisen entgegenzuwirken. Das Angebot an Gruppen, Kreisen und Veranstaltungen bewegt sich im üblichen Bereich zwischen wöchentlichen Kinder- und Jugendgruppen, Frauen- und Bastelkreisen bis hin zu wenige Male jährlich stattfindenden Festen und Veranstaltungen mit bis zu 100 Besuchern.

Die Kirchengemeinde Wendlingen am Neckar weist jedoch in zwei Teilbereichen Besonderheiten auf, die bei der Konzeption des neuen Gemeindezentrums Berücksichtigung finden müssen:

Ein Schwerpunkt der Gemeindearbeit liegt im Bereich der Musik. Ein hauptamtlicher Kirchenmusiker und eine nebenamtliche Organistin (derzeit an der zum Abriss geplanten Johanneskirche) sowie eine ehrenamtliche Leiterin des Posaunenchors sorgen für in Anzahl, Anspruch und Qualität weit überdurchschnittliche Angebote in Form von Chören und Musikgruppen sowie Konzerten und musikalischen Veranstaltungen für Menschen aus allen Generationen.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt im Bereich der Jugendarbeit auf den Angeboten des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Mehrere Sippen (zur Zeit sechs Gruppen mit je ca. 10 Personen) ermöglichen dabei Kindern und Jugendlichen, sich bei pfandfindertypischen Aktivitäten in- und außerhalb des Hauses einzubringen. Hierbei ist neben Bastel- und Werkaktivitäten insbesondere auch das gemeinsame Kochen und der Umgang mit zum Teil großen Zelten wichtig.

1.2 Erwartungen an das neue Gemeindezentrum

Das neue Gemeindezentrum muss eine starke, attraktive und einladende Präsenz einer offenen Kirchengemeinde zeigen. Die Einladung an alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt muss dabei genauso sichtbar werden wie die Identität als kirchliches Gebäude.

Die Räume der Kirchengemeinde müssen im Sinne einer Ausrichtung zur Stadtmitte im nordöstlichen Teil zusammenhängend untergebracht sein. Dennoch darf die in der Baugemeinschaft mit der Bruderhausdiakonie ermöglichte Inklusion von Menschen mit Behinderungen erkennbar bleiben, auch durch eine gemeinsame Nutzung des Eingangsbereichs. Der christliche Auftrag zur Nächstenliebe und zur Bewahrung der Schöpfung sollte sowohl im Sinne einer nicht nur baulich barrierefreien Willkommenskultur für alle Bürgerinnen und Bürger als auch in der Berücksichtigung ökologischer und ökonomischer Aspekte (z.B. Dachbegrünung, Haustechnik) einen angemessenen Ausdruck finden.

Das neue Gemeindezentrum soll nicht nur die reine Funktion eines Gemeindehauses erfüllen.

Ein in der Größe flexibler und zur Verkehrsfläche erweiterbarer Saal mit der Möglichkeit der sakralen Nutzung ist dabei ein wichtiger Bestandteil.

Für die Nutzer des Gemeindezentrums in all ihren vielfältigen Prägungen muss das Gebäude die Möglichkeit zur Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls bieten. Das gemeinsame Tun ist dabei ebenso wichtig wie die persönliche Begegnung, gerne auch auf den Verkehrsflächen.

Ein besonderes Augenmerk ist sowohl auf eine gute Akustik besonders im Saalbereich als auch auf einen effektiven Schallschutz nach außen zu legen. Ein möglichst guter Tageslichteinfall, ein sinnvolles Beleuchtungskonzept und zugleich eine komfortable Möglichkeit zur Verdunkelung insbesondere des Saales ist uns wichtig.

Angenehme Rahmenbedingungen für die im Gemeindezentrum arbeitenden Menschen in Form moderner, transparenter und nutzerorientierter Büros und ihrer Nebenräume haben für uns einen hohen Stellenwert. Mit dem Projektraum „Forum der Möglichkeiten“, das zusätzlich mit einem direkten Zugang von außen und klarer Ausrichtung zum öffentlichen Platz zu versehen ist, soll eine sichtbare Brücke zur Bevölkerung unserer Stadt geschlagen werden.

Bei den Außenanlagen ist die Kirchengemeinde offen auch für Anlagen, die nicht auf Ebene des Erdgeschosses liegen. Es muss jedoch gewährleistet sein, dass neben ausreichend Möglichkeiten der unverbindlichen Begegnung im Freien (regen- und sonnengeschützt) insbesondere auch Flächen (Terrasse) für einen kommunikativen Austausch von Kleingruppen zur Verfügung stehen. Unerlässlich ist eine von der Straße geschützte, bespielbare Grünfläche (mindestens ca. 200 qm).

Um die Identifikation der Kirchengemeinde mit dem bisherigen Gebäude der Johanneskirche nicht zu verlieren, sind Elemente der Johanneskirche (z.B. Teile der Außenfassade, Fenster, Altarkreuz, ...) in das neue Gebäude zu übertragen. Die im Bereich des bestehen bleibenden Turmes unterirdisch untergebrachte Trafostation (Zugang über den Turm) sowie die Mobilfunkantennen sind zu beachten. Der Turm selbst ist in das Gesamtkonzept des Gebäudes mit einzubeziehen. Denkbar ist auch eine bauliche Integration in das neue Gebäude.

Eine ausführliche Darstellung der Anforderungen an das neue Gebäude ist in unserer Gemeindekonzeption (Anlage 4.3) enthalten.

Verfasser: KGR (Ulrike Dietrich)