Pressearchiv 2003

Bericht der Wendlinger Zeitung am 30.12.2003

Ein Stück protestantischer Musiktradition

Die Kantorei der Eusebiuskirche begeisterte mit einer Interpretation des Weihnachtsoratoriums

WENDLINGEN. "Jauchzet, frohlocket!" Der Beginn der ersten Kantate tut die Pforte zu dem ganzen Meisterwerk auf, wird zum Schlüssel für das Verständnis, ja Erlebnis der weihnachtlichen Freudenbotschaft. Nichts als dieses Zitat könnte den künstlerischen Gehalt, die ekstatische Stimmung, die von den Musizierenden ausging, besser beschreiben. Der Funke war übergesprungen. Kein Wunder, erfreut sich diese groß angelegte Komposition des Leipziger Thomaskantors seit ihrer Uraufführung im Jahre 1743 einer ungebrochenen Beliebtheit. Die Türen der Eusebiuskirche waren vergangenen Sonntagspätnachmittag gewiss hoch gemacht und die Herzen der geradezu strömenden Zuhörer weit. Auf sie sollten in der Aufführung der Teile I und IV bis VI des Weihnachtsoratoriums Überwältigende Klangeindrücke warten. Schon der Eingangschor zeigte die überragende Leistungsfähigkeit von Ensemble und Kantorei. Man spürt überdeutlich die Hingabe an diese herrliche Musik, die, obwohl "Soli Deo Gloria" verfertigt, selbst als göttlich zu bezeichnen man geneigt ist. Besonders nahe liegt das natürlich, wenn solch eine vollendete, inspirierte Ausgestaltung erreicht wird wie unter der Leitung von Kantor Walter Schimpf. Er weiß seine Leute recht zu fördern und zu fordern. Ein an stimmlicher Beherrschung und Präzision der Eusebius-Kantorei heranreichendes Ensemble findet sich in der Umgebung nicht so rasch. Alle Choräle wurden rhythmisch exakt und aufs Äußerste differenziert wiedergegeben. Zu Beginn prachtvoll, mit Pauken und Trompeten, ein wahrhaft feierlicher Lobpreis. Oder im VI. Teil "Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben", sehr gekonnt akzentuiert, scharfzüngig, packend, fast ein wenig Furcht einflößen. Eine vollkommen gegensätzliche Stimmung boten "Wie soll ich dich empfangen?" und "Ich steh an deiner Krippen hier", die Choristen gestalteten diese Choräle voller Wärme in einem Fluss unbedingter Harmonie, in Demut und Gefälligkeit, ganz wie die Parodie es verlangt. Keinesfalls aber in einem schwelgerischen Klangbild, es war stets die den Bachschen Sätzen eigene Strenge bedacht und für eine angemessene Strukturierung gesorgt. Somit standen die musikalischen Grundpfeiler des gesamten Konzertes auf festem Grund, die dramaturgischen ebenfalls. Der Tenor Johannes Kaleschke stellte einen idealen Evangelisten vor. Stets teilnahmsvoll, mit schlanker, bis in die Höhe klarer Stimme hatte er keine Mühe in der Artikulation und verlieh jeder Passage eine prägende Note. Die Arien waren makellos, sie schlugen durch ihre meisterhaft ausgelebten Koloraturen in ihren Bann; gegen Ende stellte sich eine gewisse Rauheit ein. Die anderen Solisten waren nicht minder tüchtig. Kennzeichnend für die Altistin Isolde Assenheimer war deren gefühlvolle Stimmführung, doch ließ manche Partie an Glanz und Fülle vermissen. Nicht so bei Gundula Peyerl, Sopran, die geradezu gleißende Wendungen vollbrachte, ihre Arien meist echte Glanznummern, etwa die berühmte mit dem Echo, das wiederum einen zu zaghaften Eindruck hinterließ. An Reife, Kompetenz und Volumen ein Meister - diese Beschreibung passt auf den Bass Paul Theis. Er war ein tragendes Element der Aufführung, stets einfühlsam und jeder Dramatik Ausdruck gebend. Nach Aufreizung und Versuchung triumphiert schlussendlich der Chor, der freudenreiche Jubel ist kaum zu überbieten, die alten Mauern der Eusebiuskirche hallen den himmlischen Lobgesang wider. Auch der Jubel des Publikums in der Eusebiuskirche will kaum ein Ende finden, voller Dankbarkeit und Begeisterung mündet die allgemeine Hochstimmung in fulminanten Beifall .Martin R. Handschuh  Die Kantorei der Eusebiuskirche bestach mit einem ausgewogenen Klangbild mrh  Bericht der Wendlinger Zeitung am 09.12.2003 Spende des Bürgervereins sorgt für Licht Pfarrer Stefan Wannenwetsch von der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen hat sich über die Spende von 1000 Euro durch den Bürgerverein mächtig gefreut. Das Geld kann die Kirchengemeinde gut gebrauchen, hat doch die Sanierung der Kirchentreppen viel Geld gekostet. Nicht nur der Treppenaufgang wurde gerichtet, neu gestaltet wurde auch deren Beleuchtung. Und jetzt, in den Wintermonaten, wird auch der Turm der Eusebiuskirche an den Wochenenden angestrahlt - in der Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig sogar täglich. Installiert wurden für diesen Zweck Natrium-Dampflampen. Diese erzeugen ein warmes Licht und sind im Stromverbrauch ausgesprochen sparsam. Helmut Stephan, Vorsitzender des Bürgervereins (rechts), überreichte jetzt an Pfarrer Wannenwetsch (Zweiter von rechts) die Spende und erinnerte bei dieser Gelegenheit an die finanzielle Unterstützung von Projekten in Bodelshofen, für die Kapelle im Hirnholz oder die Sanierung der Kolumbankirche in Unterboihingen. Für die großzügige Spende jetzt für die Evangelische Kirchengemeinde dankte Pfarrer Wannenwetsch herzlich und erwähnte das große Engagement des Bürgervereins für die wenigen verbliebenen historischen Gebäude in Wendlingen. Bei der Scheckübergabe vor der Eusebiuskirche mit dabei waren Detlef Mainx, Rolf Kern und Christine Benz vom Bürgerverein (von links).sel   . Bericht der Wendlinger Zeitung am 25.11.2003  "Sternstunde der Bläsermusik" begeisterte Schwäbischer Posaunendienst musizierte in der Eusebiuskirche Wendlingen - Abend der Superlative WENDLINGEN (pm). Um es gleich vorweg zu sagen: Es war eine Sternstunde der Bläsermusik, ein Abend der Superlative. Eine große Zuhörerschar hatte Anfang November mit ihrem Besuch in der Wendlinger Eusebiuskirche den richtigen "Riecher", so wie die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen, der es glückte, den Schwäbischen Posaunendienst und damit einen der beiden Auswahlchöre des württembergischen evangelischen Jugendwerks in die Eusebiuskirche zu bekommen. Dieses traditionelle Ensemble wurde 1947 vom damaligen legendären Landesposaunenwart Hermann Mühleisen gegründet und wird seither von den jeweiligen Landesposaunenwarten geleitet. Seit zwei Jahren ist dies Kirchenmusikdirektor Hans-Ulrich Nonnenmann. Mit der Ouvertüre der Händelschen Feuerwerksmusik führte sich die mit sechs Trompeten, einem Horn, vier Posaunen und Tuba besetzte Bläsergruppe furios ein und zog die Zuhörer in ihren Bann. Das war auch so beim Eingangschor der Kantate BWV 130 von Johann Sebastian Bach. Mit "Ein feste Burg ist unser Gott" präsentierten die Bläser gewissermaßen ein Stück "Zukunftsmusik". Dieser Choral steht beim nächsten Landesposaunentag in Ulm (am 4. Juli 2004) im Mittelpunkt. In der Eusebiuskirche durfte man schon einmal die brandneue achtstimmige Choralfantasie in zwei Chören von Rolf Schweizer - eigens für Ulm komponiert - hören. Um dem Hörer auch ein entsprechendes Kontrastgefühl zwischen alter und neuer Musik zu vermitteln, wurde dieses Stück in zwei alte Choralsätze von Hans Leo Hassler und Johann Sebastian Bach eingebettet. Der Zuhörer war bei Schweizer in besonderer Weise gefordert. Umso beglückender zu erleben, dass Komponisten und Interpreten auch heute noch den Mut aufbringen, eine Musik mit Klängen abseits der Hörgewohnheiten der breiten Masse zu schreiben und zu musizieren und man wünscht dem Stück eine große Akzeptanz und Verbreitung. Das Konzert hatte gleichzeitig auch den Charakter eines Gesprächskonzerts. Hans-Ulrich Nonnenmann zeigte neben seinem einerseits von knappen Gesten geprägten und doch souveränen und inspirierenden Dirigat auch hier besondere Qualitäten, indem er in Kürze wesentliche Zugänge zu einem Werk eröffnete. Bei der Liedfantasie für zwei vierstimmige Chöre zu "Vertraut den neuen Wegen" von Michael Schütz machte er die Intentionen des Komponisten besonders deutlich, dem es wichtig ist, zunächst behutsam den Weg zu suchen, Richtung und Ziel zu erkunden. Entsprechend verhalten und getragen beginnt auch die Fantasie, die sich dann erst so nach und nach in Tempo und klanglicher Intensität steigert. Das Programm zeigte sich als ein Gang durch die Musikgeschichte. Einen wichtigen Abschnitt bildete dabei das 19. und 20. Jahrhundert. Ungemein sensibel und einfühlsam intonierten die Bläser des Posaunendienstes - übrigens allesamt Laienbläser - den wunderbaren sechsstimmigen Choralsatz "Nun danket alle Gott" aus der Lobgesang-Sinfonie, den sie zuvor schon bei der Bearbeitung des "Marche triomphale op. 65/59" von Sigfrid Karg-Elert in den Kirchenraum hineindonnerten. Bei der Bearbeitung beider Sätze Adagio-Allegro des nachfolgenden Bläsersextetts es-Moll von Oskar Böhme offerierten sie eine andere Seite ihrer großen Bandbreite blechbläserischen Könnens, indem sie auch einem diffizil-filigranen kammermusikalischen Werk bestens gerecht wurden. Beim nächsten Programmteil - einigen Spirituals - zeigte Hans-Ulrich Nonnenmann bei diesen in letzter Zeit oft stark strapazierten Gesängen eine glückliche Hand bei der Auswahl pfiffiger Arrangements von Ingo Luis und Chris Woods. Zu einem Höhepunkt wurde noch einmal "Hymn 1" (aus "The Gospel Hall") von Chris Hazell. Der Begeisterungssturm am Schluss des Konzertes war groß und manche Zugabe musste gespielt werden. Der Dank und der Ausdruck der Freude an die Bläser des Schwäbischen Posaunendienstes zeigte sich überdeutlich.  

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 28.10.2003 

Auf der Suche nach einem unbezahlbaren Schatz

Am Wochenende fanden erstmals "Ökumenische Kinderbibeltage" in Wendlingen statt - Über 80 Kinder nahmen daran teil

WENDLINGEN. Bereits vor einigen Jahren hat die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen Kinderbibeltage veranstaltet. Im Jahr der Bibel fanden nun erstmals als ökumenische Veranstaltung Kinderbibeltage statt. 83 Kinder - evangelisch und katholisch - hatten sich angemeldet und nahmen am Freitag und Samstag mit großem Interesse daran teil, galt es doch einen besonderen Schatz zu suchen. GABY KIEDAISCH Was eine Schatzsuche mit Bibeltagen zu tun hat? - Oberflächlich betrachtet zunächst einmal etwas mit dem Alter der Zielgruppe. Die Erst- bis Viertklässler wurden eingeladen, sich an einer zweitägigen Schatzsuche zu beteiligen. Jede Einheit - drei waren es insgesamt - stand unter dem Motto einer Bibelstelle. Am Freitagnachmittag hieß es im evangelischen Gemeindehaus Bismarckstraße "Der Schatz im Acker" nach Matthäus 13, 44. Ein kleines Theaterstückchen sollte zunächst in das Thema mit der biblischen Geschichte einführen. Dabei standen der alte Petrus (gespielt von Susanne Geyer) und Elmar Goldzahn (Birgit Pfeiffer-Pschorn) im Mittelpunkt. Elmar Goldzahn befindet sich auf Schatzsuche. Dabei begegnet er Petrus. Der erzählt ihm die Geschichte eines Bauern, der beim Pflügen eines gepachteten Ackers auf eine Schatzkiste stößt. Darin enthalten sind Gold- und Silberschmuck. Der Bauer vergräbt die Schatzkiste wieder und verkauft Haus und Hof, um mit dem Geld dem Besitzer den Acker abzukaufen und so an den Schatz heranzukommen. Elmar Goldzahn hätte es genauso gemacht, aber Petrus stellt ihm eine andere Frage: "Willst Du nicht den Schatz Deines Lebens finden?" Elmar ist perplex. "Geld und Schmuck wiegt nicht die Freundschaft zu Gott auf", sagt Petrus. Und Elmar fragt kleinlaut: "Ja, wo finde ich denn Gott?" - "Hier in Deinem Herzen", antwortet Petrus und empfiehlt "Lies die Bibel und mach' Dich auf die Suche nach Gott." Doch Elmar Goldzahn ist noch nicht ganz überzeugt. Er will erst einmal weiter nach einem Schatz graben und sich das Ganze noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Dies war sozusagen der Ausgangspunkt der Kinderbibeltage. Dann ging es in die Einzelgruppenarbeit mit jeweils neun bis zwölf Kindern pro Gruppe, acht waren es insgesamt. Bei der Auswahl der Spiele, Bastelarbeiten und Gespräche wurde das Alter der Kinder entsprechend berücksichtigt. Die Viertklässler beispielsweise starteten mit der "Reise nach Jerusalem". Schied ein Kind aus, durfte es sich einen Halbedelstein aussuchen. Ganz anders die Erstklässler: Sie durften Sand sieben - und stießen dabei auf den einen oder anderen Edelstein. Dieser Stein wurde anschließend in einer Schatztruhe aufbewahrt, die im Rahmen der Bibeltage von jedem Kind gebastelt wurde. Mit jedem weiteren Spiel oder jeder weiteren Bastelarbeit füllte sich die Schatzkiste, wie zum Beispiel mit einem Fensterbild, das die Form eines Herzens hatte oder mit einem Schafmobile, das aus Wolken, Schafen und einem Schäfer bestand. Vom "verlorenen Schaf", Lukas 15, 4-7, handelte eine weitere Aufführung am Samstagvormittag. Bei diesem Gleichnis wurde den Kindern bewusst, dass jeder Mensch unter den vielen Milliarden von Menschen wichtig ist und für Gott einzigartig nach dem Motto "Ich bin ein Schatz, ich bin so wertvoll, dass auch Gott mich sucht". Zum festen Bestandteil bei den Bibeltagen gehörte das gemeinsame Liedersingen. Zu Beginn des Freitags und Samstags sowie zum Ende des Einführungsteils wie auch später, als sich alle voneinander verabschiedeten, wurde dies auf musikalische Weise getan. Dem Titelthema entsprechend entpuppte sich das Lied "Komm' mit, komm' mit, wir suchen einen Schatz" zur gemeinsamen Parole während der Bibeltage. Und weil auch Bibeltage ganz schön hungrig machen können, gab es am Samstagmittag für alle ein gemeinsames Mittagessen. In der Küche des Gemeindehauses bereiteten zwei Mitarbeiterinnen Spaghetti mit Tomatensauce vor. Frisch gestärkt ging es mit der Bibelstelle "Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz" aus Matthäus 6, 19-21 weiter. Die meiste Erfahrung mit Kinderbibeltagen hat Elisabeth Schoch-Fischer. Die Gemeindediakonin hat vor einigen Jahren Bibeltage für Kinder in der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen angeboten. Den entscheidenden Ausschlag für die jetzigen "Ökumenischen Kinderbibeltage" gab ein Gespräch im Rahmen der Ökumenischen Erwachsenenbildung. Damals wurde die Idee geboren, im "Jahr der Bibel" eine entsprechende Veranstaltung für Kinder anzubieten.

Eine schöne ökumenische Erfahrung

Daraufhin wurde in monatelangen Vorbereitungen von den 16 Mitarbeiterinnen der drei Kirchengemeinden - die evangelische Kirchengemeinde der Eusebiuskirche, die evangelischen Kirchengemeinde der Johanneskirche und die katholische Kirchengemeinde von St. Kolumban - ein spannendes Konzept auf die Beine gestellt. "Dies war auch eine gute Gelegenheit, die Mitarbeiterinnen der anderen Kirchen einmal genauer kennen zu lernen", sagt Elisabeth Schoch-Fischer. "Es war eine schöne ökumenische Erfahrung für alle", so ihr Fazit. 

Jeder Einzelne ist der größte Schatz

Das Ziel der Kinderbibeltage war es schließlich, dass die Kinder über das materielle Denken hinaus erkennen, dass eigentlich sie selbst der größte Schatz sind, den es zu entdecken gilt - und der ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen. Das letzte "Schmuckstück" für die ganz persönliche Schatztruhe war deshalb ein kleiner Spiegel. Beim Hineinschauen konnte jedes Kind sein eigenes Antlitz entdecken. Im Einklang mit Gott zu sein, aus den Glaubenswerten Kraft und Halt für sein persönliches Leben zu schöpfen, ohne dass dieser "Schatz" jemals gestohlen werden kann - das war die eigentliche Botschaft für all die kleinen Teilnehmer der zu Ende gegangenen "Ökumenischen Kinderbibeltage". Die "Schatzsuche" fand sowohl im großen als auch im kleinen Rahmen statt. In den einzelnen Gruppen nahm man sich altersspezifisch des Themas an. Im Bild eine Gruppe von Neun- bis Zehnjährigen mit Gemeindediakonin Elisabeth Schoch-Fischer und Vikarin Ruth Conrad beim Basteln einer Schatztruhe.gki   

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 20.10.2003 

Treppenaufgang zur Eusebiuskirche umfassend saniert

Rund 50 000 Euro investierte die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen in die umfassende Sanierung des Treppenaufgangs zur Kirche. Ein neues Geländer wurde genauso installiert wie eine neue Beleuchtung. Die Platten auf den Zwischenterrassen des Treppenaufgangs wurden der Platzgestaltung vor der Eusebiuskirche angepasst und durch die unregelmäßigen Natursteinflächen reizvoll aufgelockert. Am gestrigen Sonntag wurde der Abschluss dieser Arbeiten mit einem kleinen Fest gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst servierte der Musikverein Wendlingen ein fröhliches Platzkonzert, derweil Mitglieder der Kirchengemeinden eigens für diesen Zweck angefertigte Tassen mit dem Logo der Eusebiuskirche verkauften und zu Kaffee und Tee einluden. Der Verkaufserlös soll mithelfen, die Kosten für diese Neugestaltung zu finanzieren. Wer sich gestern früh in den Sonnenstrahlen auf den Treppen verweilend wärmte, der geriet ob dieser neu gestalteten Fläche geradezu ins Schwärmen. Wie könnte dieser Raum genutzt werden? Erste Ideen sind längst entwickelt. Vielleicht wird es ja Wirklichkeit und werden die Treppen und der Straßenraum davor im nächsten Sommer genutzt für Konzerte der Wendlinger Vereine, für Filmvorführungen, für Veranstaltungen mit Kindern und jungen Menschen. Ein wenig würde damit auch die Tradition wieder aufleben, die Pfarrer Hans Mistele bezweckte, als er Anfang der 70er Jahre im Auftrag der Kirchengemeinde das alte Wendlinger Rathaus erwarb, abbrechen und die Freitreppe vor der Kirche bauen ließ, um hier die Treppenfeste zu initiieren. Pfarrer Hans Mistele war von 1962 bis 1977 Pfarrer an der Eusebiuskirche in Wendlingen. sel     

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 09.10.2003

Fundstücke aus den Wendlinger Kirchenarchiven

Interessantes Ergebnis ökumenischer Zusammenarbeit: Bibelausstellung im Wendlinger Rathaus unter dem Titel "Suchen. Und Finden"

WENDLINGEN. "Suchen. Und Finden" ist der Titel einer ungewöhnlichen Ausstellung in den Vitrinen des Wendlinger Rathauses. Die beiden evangelischen und die katholische Kirchengemeinde haben sich nicht nur im gemeinsamen ökumenischen Angebot der Erwachsenenbildung auf das "Jahr der Bibel" besonnen, sondern jetzt auch die Archive geöffnet und ungewöhnliche Exponate für eine Bibel-Ausstellung im Rathaus zusammengetragen. Am Dienstagabend wurde die Ausstellung eröffnet. Noch bis zum 20. November können die Fundstücke aus den Archiven zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden. CHRISTA ANSEL

Pfarrer Paul Magino von St. Kolumban eröffnete die Ausstellung und ging ein auf die Überlegungen des ökumenischen Ausschusses der Wendlinger Kirchen, sich im "Jahr der Bibel" mit Fundstücken aus den Archiven und von Wendlinger Familien im Rathaus zu präsentieren. Wendlingens neuer Bürgermeister Frank Ziegler ließ es sich nicht nehmen, die Ausstellungsbesucher zu begrüßen. Er ging ein auf das Motto "Suchen. Und Finden", sprach vom Suchen im Internet, vom Suchen nach Arbeit, vom Suchen nach Antworten auf Fragen des Lebens. Finden könnten Menschen Antworten in der Bibel, deren Wurzeln weit in die Vergangenheit zurückreichten. Die Bibel sei auch heute noch ein Bestseller auf dem Buchmarkt. Gerne biete die Stadt Wendlingen für die Bibelausstellung der Kirchen ein Dach, betonte Bürgermeister Ziegler und präsentierte sich im Anschluss daran gemeinsam mit seiner Frau Melanie und Heimo Wlasak vom Kirchengemeinderat der Eusebiuskirche als gewitzter Kandidat in Pfarrerin Ute Biedenbachs Quiz "Wer wird Biblionär?". Am Ende des Fragenmarathons blieben sogar noch Joker übrig. Pfarrer Stefan Wannenwetsch erläuterte bei der Vernissage am Dienstag die ausgestellten Exponate, von denen das älteste Exemplar aus dem Jahr 1597 ist und das jüngste Exemplar wohl eine Bibel im Scheckkartenformat oder gar auf CD-ROM. Normalerweise werden die jetzt ausgestellten Bibeln sorgsam in den Archiven der beiden evangelischen Kirchengemeinden und der katholischen Kirchengemeinde der Stadt aufbewahrt. Einige wenige Exemplare an Familienbibeln wurden von Wendlinger Familien für diese Ausstellung bereitgestellt. Im "Jahr der Bibel", so Pfarrer Wannenwetsch, wolle man zeigen, was sonst im Verborgenen schlummere. In der Vitrine im Erdgeschoss wird der Blick vom stattlichen Exemplar einer Bibel aus dem Jahr 1730 angezogen. Sie schlummerte lange Zeit unter einem Haufen Dachziegel auf dem Dachboden des evangelischen Pfarramtes der Eusebiuskirche und wurde dort erst vor wenigen Jahren gefunden. Pfarrer Wannenwetsch machte auf dieses besondere Buch aufmerksam und berichtete auch vom Wunsch des künftigen Stadtmuseums, diese Bibel dort zu zeigen. Der Kirchengemeinderat will darüber beraten. Im Erdgeschoss zu finden ist aber beispielsweise auch eine Familienbibel mit Bildern des Schnorr von Carolsfeld mit ausgesprochen idealisierenden Darstellungen der biblischen Geschichten und viel Raum für den Eintrag wichtiger Familiendaten im Anhang. Solche Bibeln sind von Generation zu Generation vererbt worden und waren in früheren Jahren auch so etwas wie der Vorgänger des heutigen Familienstammbuches. Andere Bibeln zeigen Bildnisse der württembergischen Herzöge, der einstigen Kirchenherren. Zeugnisse also für eine höchst problematische Beziehung zwischen Thron und Altar. In direkter Nachbarschaft findet sich das älteste Exemplar, die "Benedictionale", ein Buch aus dem Jahr 1597 mit Segnungen für ganz unterschiedliche Situationen aus dem Bestand der Kirchengemeinde St. Kolumban. Die Vitrine im Obergeschoss des Rathauses zeigt in ihrer mittleren Ebene so etwas wie den Arbeitstisch eines Pfarrers. Hier findet sich das Alte Testament in hebräischer Sprache genauso wie das neue Testament in griechischer Sprache. Hier entdeckt der Besucher sprachliche Schlüssel für jede Bibelstelle oder beispielsweise die Synopse, die die vier Evangelien nebeneinander stellt und den Vergleich erleichtert. Abgerundet wird die Ausstellung mit Bibeln für Kinder, mit Schulbibeln (die mancher aus der eigenen Kinderzeit kennt), mit Bibeln in Blindenschrift oder mit Losungsbüchern der Herrnhuter Brüdergemeine, die seit 1731 ohne Unterbrechung bis heute in jedem Jahr neu verlegt werden. Kantor Walter Schimpf und Gisela Hentschel sorgten bei der Eröffnung der Bibelausstellung für den musikalischen Rahmen. Großes Interesse fand die Eröffnung der Ausstellung der Wendlinger Kirchengemeinden zum "Jahr der Bibel" im Rathaus am Dienstagabend. Mit dabei Wendlingens neuer Bürgermeister Frank Ziegler mit Frau Melanie (rechts).sel   

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 20.09.2003

"Wer nicht vergibt, ruiniert seine Gesundheit"

Wie gehe ich mit Kränkungen um? - Vortrag im Rahmen der ökumenischen Erwachsenenbildung  

WENDLINGEN. Der kleine Saal im evangelischen Gemeindehaus in der Bismarckstraße war rappelvoll. Im Rahmen des mittlerweile sechsten ökumenischen Erwachsenenbildungsprogramms sprach Dr. Beate Weingardt aus Tübingen über das Thema "Das verzeih' ich Dir nie! Vom Umgang mit Verletzungen." Vor allem Frauen waren gekommen. Das Bedürfnis zu lernen, wie man mit Kränkungen umgehen kann, war groß, das zeigten die vielen persönlichen Stellungnahmen in der Diskussion. Die Referentin Beate Weingardt traf im freien Vortrag den richtigen, zumal schwäbisch gefärbten Ton und bezog das Publikum von Anfang an mit ein. So vergingen zwei Stunden wie im Flug und die Zuhörer lernten einiges über Verzeihen und Vergeben. ASTRID SCHLUPP-MELCHINGER

Beate Weingardt, die Psychologie und Theologie studiert hat, als Pfarrerin tätig war und zur Zeit bei der Samariterstiftung in Nürtingen arbeitet, hat sich in ihrer Dissertation eingehend mit dem Problemfeld von Kränken und Vergeben auseinander gesetzt. "Wie oft habe ich es in meiner Arbeit selbst erlebt, wie viel Leid durch Kränkungen, egal welcher Art, entstehen und wie wichtig es ist, damit umzugehen und sich auch wieder zu versöhnen", sagte sie gleich zu Beginn des Vortrags. "Verstehen Sie mein Halbhochdeutsch überhaupt", fragte sie kurz darauf keck und erntete zustimmendes Gelächter. Die Auseinandersetzung mit Verletzungen der Seele betreffe alle Altersgruppen, besonders wichtig sei sie allerdings bei älteren Menschen, meinte Weingardt. Eine Krankenhauspfarrerin erzählte ihr, dass der Tod schwerer wiege, je mehr die Aussprache zwischen Menschen unerledigt bleibe. "Man muss sein Haus früh genug bestellen", forderte Weingardt die Zuhörer auf, aktiv zu werden. "Schalom, Frieden schaffen, bedeutet ursprünglich eigentlich, dass alles in Ordnung ist", erklärte Weingardt. Aber jemandem zu vergeben gehöre mit zum Schwierigsten im Leben, sagte Weingardt und erntete zustimmendes Kopfnicken. Kränkungen kennt jeder. Sie beginnen bereits im Kindesalter und reichen von kleinen Hänseleien bis hin zu Schlimmerem. Beate Weingardt lieferte selbst ein passendes Beispiel und erinnerte sich, wie schlimm es für sie war, als ihre Mutter den kaputten, aber heiß geliebten Teddybär einfach weggeworfen hatte. In jeder Beziehung gibt es genügend Möglichkeiten, den Partner zu kränken. Auch unter Kollegen, mit Nachbarn und so weiter wird jeder immer wieder mit diesem Problem und seinen hässlichen Seiten konfrontiert. Auf der anderen Seite sollte bereits im Kindesalter das Einfühlungsvermögen in andere Menschen geübt und gestärkt werden, forderte die Referentin. Denn nur so verhindere man selbst unnötige Verletzungen des Gegenübers. Zwar könnten auch Missverständnisse und Kommuniktionsprobleme dafür verantwortlich sein, doch auf ihrer Nachfrage beim Publikum trat zutage, dass die Hemmschwelle, einen anderen Menschen zu kränken, sinkt, je näher man sich ist. Wie also kann man sich erst einmal gegen Kränkungen wehren beziehungsweise ein positiveres zwischenmenschliches Klima schaffen, fragte Weingardt die Zuhörer. "Loben Sie doch mal, Sie werden sich wundern, wie viel zurückkommt", empfahl sie. "Da sind wir Schwaben viel zu vorsichtig" und erinnerte an den berühmten Spruch "Nix gsagt isch gnug globt". Je stärker das eigene Selbstbewusstsein ausgebildet sei, desto weniger lasse man sich verletzen. Das könne man lernen, indem man sich wehrt, den Mund aufmacht, anstatt alles klaglos zu schlucken. Wobei keineswegs reiner Egoismus gemeint ist, sondern die persönliche Abgrenzung. Hier seien gerade Frauen besonders im Hintertreffen, die durch eine entsprechende Erziehung zum Zurückstecken neigten, waren sich Weingardt und das Publikum einig. Manchmal allerdings müsse man sich auch einfach klarmachen, dass etwas aus Gedankenlosigkeit geschieht, gab die Referentin zu bedenken. Aus diesem Verständnis heraus lasse es sich leichter verzeihen, so ihr Rat. Falsche, auch unausgesprochene Erwartungen führten oft zu bitter empfundenen Kränkungen. "Das ist manchmal ganz schön bitter", gab Weingardt zu. Wie aber geht man idealerweise mit echten Verletzungen um, lautete die Gretchenfrage des Abends. Beate Weingardt empfahl erst einmal den Rückzug, keinesfalls sollte man sich provozieren lassen und sofort zurückschlagen. Das würde zwar eine kurzfristige Genugtuung vermitteln, aber die Spannungen stiegen nur. Der richtige Weg sei, auf den anderen zuzugehen. Hier hatte eine Zwischenruferin aus dem Publikum die Lacher auf ihrer Seite: "Des send immer wir Frauen. I sprech aus Erfahrung." Man müsse eine Aussprache herbeiführen und auch Gefühle aussprechen, empfahl Weingardt. Werde man allerdings erneut verletzt, bleibe nur der endgültige Rückzug, allerdings am besten ohne Groll. Hier schaute mancher im Publikum skeptisch. "Wer nicht vergibt, ruiniert seine Gesundheit, verdirbt sich die Laune und schaut zurück anstatt nach vorn. Verzeihen Sie trotzdem, nur so leben Sie in Frieden", so lautete das Fazit von Beate Weingardt. Nach zwei sehr anregenden Stunden erhielt man den Eindruck, dass die meisten Zuhörer danach gestärkt in die Nacht hinausgingen und sich für die Zukunft einiges vorgenommen haben.  

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 15.09.2003

"Das passende Bild in einer sprachlosen Zeit"

Festlicher Gottesdienst in der Jakobskirche zu Bodelshofen: Geburtstagsfeier für ein außergewöhnliches Kirchenfenster  

WENDLINGEN-BODELSHOFEN (asm). Pfarrerin Ute Biedenbach war es, die die Idee hatte, das vor 50 Jahren in die Jakobskirche zu Bodelshofen eingesetzte Fenster von Hans Gottfried von Stockhausen einmal wieder in den Mittelpunkt zu stellen und dieses Kunstwerk in einem besonderen Rahmen zu würdigen. In den achtziger und neunziger Jahren wurde Stockhausen ja abermals aktiv und verwandelte die bis dato herrschende "Butzenscheibenromantik", wie sich Heiko von Massenbach erinnert, in transparente Kostbarkeiten, die einem Kleinod wie der Bodelshofener Jakobuskirche angemessener zu Gesicht stehen. Auch dies spielte natürlich eine Rolle, als gestern Morgen aus der Idee Wirklichkeit wurde: Und dass die gläsernen Kunstwerke in einem besonders festlichen Rahmen gefeiert wurden, dafür standen Martin Schmelcher an der Trompete, Walter Schimpf an der Orgel und ein Bläserquintett des Musikvereins Wendlingen. Auf dem ersten der Bodelshofer Fenster hat Hans Gottfried von Stockhausen vier Gleichnisse, noch in der künstlerischen Formensprache der Zeit nach 1945, in sinnfällige und sehr klare Bilder umgesetzt. "Wenn ich durch die Kirche führe, stelle ich immer wieder fest, dass speziell dieses Fenster Kinder ganz besonders anspricht", erzählte die Pfarrerin: "Sie erkennen sehr schnell den Sämann, den Fischzug des Petrus, das verlorene Schaf oder den barmherzigen Samariter." In ihrer Predigt charakterisierte Biedenbach den Anspruch dieser Gleichnisse: "Es sind die sichtbaren Dinge des täglichen Lebens, die die unsichtbaren Dinge vertreten." Die in den achtziger und neunziger Jahren ausgearbeiteten Fenster zeigen Stationen aus dem Leben Jesu, Motive mit Bezug auf den Jakobspilgerweg sowie eine Szene aus der Offenbarungsgeschichte. Allen ist gemeinsam, dass sie sich der Architektur und dem Raumcharakter anpassen. Neben der Motivwahl war für den Künstler die Lichtstimmung immer von besonderer Bedeutung. Wie schön die von Stockhausen geschaffenen Fenster das Licht aufnehmen und wiedergeben und von innen heraus zu strahlen scheinen, war an diesem Sonntag Vormittag bei strahlender Sonne besonders gut zu sehen. Nach dem festlichen Gottesdienst warfen zwei Ansprachen weitere Blicke auf die Entstehung und Gestaltung des Kirchenfensters. Heiko von Massenbach, dessen Familie zwei der insgesamt vier Fenster gestiftet hat, sprach anlässlich des Jubiläums "von einem Tag der Freude, der Dankbarkeit und des Zurückdenkens". Er rief den Zuhörern einige Stationen aus dem Lebenslauf des Künstlers in Erinnerung. Bereits früh zeigte sich von Stockhausen interessiert an der Malerei, selbst während der englischen Gefangenschaft in Ägypten entstanden viele Zeichnungen, 1948 dann die ersten Glasarbeiten in Zusammenarbeit mit der bekannten Stuttgarter Firma Saile. So begann der unaufhaltsame Aufstieg zu einem international renommierten Künstler.

"Hab' ich das gemacht?"

Schon 1953, als er für Bodelshofen das erste Fenster gestaltete, war Hans Gottfried von Stockhausen ein viel beschäftigter Künstler, dem Kirchengemeinden in Bonn und Bad Hersfeld die Fenstergestaltung ihrer Gotteshäuser anvertraut hatten. Als er den Künstler dann in den achtziger Jahren erneut wegen der Gestaltung eines weiteren Fensters ansprach und von Stockhausen sein vor Ort sein vor drei Dekaden geschaffenes Werk besichtigte, entfuhr dem ein erstauntes, "Hab' ich das gemacht?", erinnerte sich Heiko von Massenbach amüsiert. Wie sich auch später zeigt, als der Künstler selbst das Wort ergreift, muss man bei von Stockhausen immer auf der Hut sein. Er kann sehr ironisch sein. So schockierte er damals seine Zuhörer noch mehr mit seinem Vorschlag, das alte Kirchenfenster in kleine Stücke zu zerlegen, um sie an verdiente Kirchenmitglieder weiterzureichen. Massenbach zeigte sich indes "dankbar, dass alles so geworden ist". "Wir sollten alle Kirchenfenster bauen", lautete sein Vorschlag und sah darin ebenfalls ein Gleichnis, immer wieder neue Visionen zu entwickeln und Wirklichkeit werden zu lassen. Dann trat Hans Gottfried von Stockhausen vor die Festgemeinde und erzählte, was ihn bei der Gestaltung der Kirchenfenster bewegt habe: "Wenn wir keine Zweifel an uns hätten, wo würden wir enden?", gab er zu bedenken. Betrachte er aus heutiger Sicht das 1953 geschaffene erste Fenster, dann gehe sein Blick zurück in diese Zeit, in der eine entsetzliche Aera hinter den Menschen gelegen und der Neuaufbau gerade begonnen habe. "Es war eine arbeitsreiche, aber wortlose Zeit", sinnierte von Stockhausen: "Das ist meiner Generation später oft angekreidet worden."

"Das rechte Maß für den Glauben"

Es gebe Situationen im Leben, die sprachlos machten. Und an diesem Punkt habe es bildende Kunst oft leichter, Gedanken auszudrücken und zu vermitteln, meinte von Stockhausen: Ein Bild sage oft mehr als tausend Worte. In diesem Sinne verstehe er auch die ausgewählten Gleichnisse. Doch Bilder hin, Bilder her: Für die Zuhörer besonders ergreifend war wahrscheinlich ein Erlebnis, das der Künstler aus der Zeit seiner Kriegsgefangenschaft erzählte. Zwei jüdische Wachleute in englischen Diensten, die viele Angehörige in deutschen Konzentrationslagern verloren hatten, feierten mit ihm und zwei anderen Kameraden heimlich ein deutsches Weihnachtsfest - mitten in der ägyptischen Wüste. Für Hans Gottfried von Stockhausen ein gelebtes Beispiel von Nächstenliebe, wie sie im Gleichnis des barmherzigen Samariters auf seinem ersten Fenster zum Ausdruck kommt. Und in Bezug auf die Jakobuskirche schloss er an: "Es muss nicht immer das Ulmer Münster sein. Die kleine, aber feine Kapelle hier ist das rechte Maß für unseren Glauben."