Pressearchiv 2004

Bericht der Wendlinger Zeitung am 24.12.2004

Spender zeigten sich wieder großzügig

Am Mittwoch wurden die Weihnachtsgeschenke für Wilhelmsdorf abgeholt.

Exakt 73 an der Zahl wurden im Pfarrhaus für diese alljährliche Aktion der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen von spendenwilligen Menschen abgegeben. Wieder ein neuer Rekord, denn jedes Jahr hat es bisher eine kleine Steigerung gegeben. Beschenkt werden damit behinderte Menschen in den Zieglerschen Anstalten in Wilhelmsdorf. Das Heim liegt zwischen Ostrach und Ravensburg, wohin Gemeindedienstfrauen im September einen Ausflug machten. Dabei erfuhren sie, dass die Evangelische Kirchengemeinde in Wendlingen die einzige Gemeinde ist, die eine solche Aktion zu Weihnachten durchführt. Die teilweise Mehrfachbehinderten mit Hör-, Sprach- und geistiger Behinderung sind ohne Angehörige und bereits über 60 Jahre. Deshalb können sie Weihnachten auch nicht zu Hause verbringen, ihr Zuhause ist ganzjährig das Heim. "Umso mehr freuen sie sich über die Päckchen von außen", sagt Pfarrer Stefan Wannenwetsch. "Freilich bekommen sie auch vom Heim Weihnachtsgeschenke, aber die Zuwendung von außen ist für sie doch noch mal etwas anderes, ein Zeichen, dass auch andere an sie denken." Mit dem Verpacken der Päckchen haben sich die Spender diesmal wieder besonders viel Mühe gegeben. Eines sei schöner als das andere, freute sich Pfarrer Wannenwetsch, der allen Spendern auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön von der Kirchengemeinde ausrichtet.gki Bericht der Wendlinger

 

Zeitung am 23.12.2004

Stimmungsvolles Konzert begeisterte Weihnachtskonzert der Eusebiuskirche vor großem Publikum

WENDLINGEN (yd). "Nun sei uns willkommen", unter diesem Motto stand das Weihnachtskonzert in der Eusebiuskirche in Wendlingen unter der Leitung von Christa und Walter Schimpf. Noch bis zur letzten Minute vor Konzertbeginn strömten Menschenmassen in das Kircheninnere, um einen der letzten freien Plätze zu ergattern. Dann schließlich startete das Konzert mit einem eindrucksvollen Auftakt: Das Kirchenlied "Wie soll ich dich empfangen" (von Johann Crüger) wurde teilweise von der Kantorei, teilweise aber auch von den Zuhörern gesungen. Überhaupt bekam die Zuhörerschaft zahlreiche Möglichkeiten, selbst mitzuwirken: sei es beim Kanon "Nun sei uns willkommen" (von Walter Rein) , der nach anfänglicher einstimmiger Generalprobe schließlich mit mehreren Gruppen funktionierte; oder sei es beim "Gloria in excelsis deo" (von Jacques Berthler), das, obgleich auch ein Kanon, auf Anhieb gelang; oder gar das finale Weihnachtslied "Tochter Zion", bei dem die ganze Zuhörerschaft kräftig mitsang.

Die Stars des Abends

Aber die eigentlichen Stars des Abends waren natürlich die aktiven Teilnehmer des Konzerts: die Kantorei (unter der Leitung von Walter Schimpf), die junge Kantorei und die Lerchen (unter der Leitung von Christa Schimpf) sowie zahlreiche Solisten an den Instrumenten: Martin Schmelcher und Thomas Mathros an den Trompeten, Joachim und Eve-Marie Ulbrich an den Violinen, Borris Schaffert an der Bratsche, Ukko Speidel am Cello, Günther Holz am Kontrabass und Ulrike Beck an der Orgel.

Instrumente erklingen

Rein instrumentale Phasen waren auch im abwechslungsreichen Programm enthalten: Höhepunkte, wie die "Triosonate a-Moll op. 3, Nr. 10" (von Arcangelo Corelli) oder die "Première récréation de Musique op. VI" (von Jean-Marie Leclair L'ainé), die von den Solisten Joachim und Eve-Marie Ulbrich sowie Ukko Speidel perfekt vorgetragen wurden, ließen die Zuhörer in eine leichte meditative Stimmung verfallen. Die junge Kantorei, zwar noch am Anfang ihrer Karriere, glänzte aber mit einem professionellen Auftritt: einige polnische Weihnachtslieder sowie das "Gloria in excelsis deo" (von Paul Horn) standen auf ihrem Soloprogramm. Aber auch die Kantorei wäre an diesem Abend nicht wegzudenken gewesen: Sie bildete das stimmliche Fundament des Abends und glänzte ebenfalls durch die Darbietungen wie den Eingangschor der Kantate "Uns ist ein Kind geboren" (von Georg Philipp Telemann) oder auch das "Willkommen, süßer Bräutigam" (von Vincent Lübeck). Insgesamt bekamen die Besucher also ein musikalisches Feuerwerk zu hören. Und wer selbst dabei gewesen ist, dem wird dieses Konzert wahrscheinlich noch lange Zeit in Erinnerung bleiben.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 05.11.2004

Die Eusebiuskirche und die Hausnummer "13"

Ein Hausnummernschild an der Fassade der Evangelischen Kirche in Wendlingen gibt Rätsel auf

WENDLINGEN. Hausnummern sind eigentlich keine besonders spannende Angelegenheit. Sie sind in erster Linie praktisch, wenn man fremd ist und beispielsweise jemanden besuchen möchte. Auch der Briefträger ist über solche Hilfsmittel äußerst dankbar. Ansonsten halten Hausnummern manchmal mehr oder weniger zur Zierde für Häuserfassaden her - ganz nach dem Geschmack des Hausbesitzers, mal ganz schlicht auf das Wesentliche - die Zahl - reduziert, manche prangen auf emaillebeschichteten Täfelchen oder auf kleinen gebrannten Kacheln im spanischen Stil, als bleibende Erinnerung an den sonnigen Urlaub. Überall an jedem Gebäude sind sie angebracht, oder doch nicht an allen? Gotteshäuser scheinen da eine Ausnahme zu machen. Warum sollten sie auch eine Adresse haben? Würde doch eine Hausnummer für postalische Zwecke ohnehin keinen Sinn machen. Und zur Standortbestimmung reicht ohnehin der meist alles überragende Kirchturm als "Aushängeschild". Deshalb mutet es fast ein bisschen kurios an, wenn man eine Hausnummer an einer Kirchenfassade findet. Wie zum Beispiel an der Eusebiuskirche in Wendlingen - sie hat die Hausnummer 13.

GABY KIEDAISCH Für die meisten ist es eine echte Neuigkeit: Eine Hausnummer am Kirchturm? Wo? Noch nie gesehen. Auch der Schreiberin ist das Täfelchen noch nie aufgefallen. Dabei prangt die Hausnummer nicht erst seit gestern auf einem Steinquader neben der großen Eingangstür. Wie lange schon, das kann eigentlich auch niemand so genau sagen. Damit einigen wir uns auf "schon lange", darauf deutet auch der Zustand des Emailleschildchens hin, das schon ein bisschen lädiert aussieht. Bloß wie und warum die Kirche zu ihrer Hausnummer gekommen ist, das bleibt erst mal ein Rätsel. Im Staatlichen Vermessungsamt in Plochingen weiß man da mehr. Die Antwort ist nüchterner als man gemeinhin denkt. Tatsache ist, dass jedes bebaute Flurstück in der Regel mit einer Gebäudenummer versehen wird, da machen auch Kirchen keine Ausnahme. Ordnung muss sein. Selbst Garagen können eine Hausnummer erhalten. Zuständig dafür sind die Kommunen. Sie nummerieren die Gebäude durch. Dass allerdings auf der Kirchenfassade der Eusebiuskirche die Hausnummer 13 prangt, das ist verwirrend. Denn, die Adresse der Kirche ist Im Städtle 3. Da kann das Bauamt der Stadt Wendlingen weiterhelfen. "Die 13 stammt noch von der früheren Adresse der Kirche", weiß Stadtbaumeister Paul Herbrand. Und die hieß Burgstraße 13. Die Änderung wurde in den 1970er Jahren vollzogen: 1976 wurde das alte Rathaus abgebrochen, das sich hangabwärts vor der Kirche befand. Der freie Platz wurde anschließend dafür genutzt, um die Freitreppe zum Kircheneingang zu bauen. Damit war die Verbindung zur unten liegenden Straße hergestellt, was die Stadt dazu veranlasst hat, die Adresse von Burgstraße 13 in Im Städtle 3 umzuwandeln. Verfolgt man die Gebäudebezeichnung in die Anfänge der Landesvermessung zurück, die zwischen 1818 und 1848 vollzogen wurde, so lässt sich aus der so genannten Urkarte von 1823 (Oberamt Esslingen) für die Eusebiuskirche die Gebäudenummer 83 herauslesen. Damals wurden die Gebäude fortlaufend nummeriert, Straßennamen waren hierbei noch unwichtig. In Klammer daneben steht die Nummer 60. Diese Zahl lässt sich jedoch nicht klar definieren. Aus dem Kataster von 1959 lässt sich nachvollziehen, dass die Eusebiuskirche die Adresse Burgstraße mit der Nummer 13 trägt. Noch 1895 ist lediglich die Nummer 83 ohne Straßennamen festgehalten worden. Mit Einführung der Straßennummerierung erhielt die Eusebiuskirche die Adresse Burgstraße 13. Wann diese Straßenbezeichnung eingeführt wurde, lässt sich aus den alten Büchern im Vermessungsamt allerdings nicht nachvollziehen. Es gibt lediglich den Hinweis, dass dies zwischen 1895 und 1959 gewesen sein muss. Weshalb noch heute die alte Hausnummer 13 neben dem Haupteingang der Eusebiuskirche prangt und nicht die 3, das gibt weiterhin Rätsel auf - vielleicht aus nostalgischen Gründen, wer weiß? Erhaltenswert ist diese Hausnummer auf jeden Fall - zeigt ihr Beispiel doch, dass es noch viele Geheimnisse zwischen Himmel und Erde gibt. Und sie erinnert uns daran, dass nicht alles so ist, wie es vielleicht manchmal scheint. Indes ist die Eusebiuskirche kein Einzelfall, wenn es um die Hausnummer geht, auch wenn man an vielen Kirchen - aus bekannten Gründen - auf diesen Hinweis verzichtet. Prominentes Beispiel mit einer "sichtbaren" postalischen Adresse ist der Kölner Dom: Der hat übrigens die Hausnummer 4. Falls Sie also mal das Bedürfnis haben sollten, dorthin schreiben zu wollen: "Domkloster 4" ist die korrekte Adresse. Der Brief kommt garantiert an. gki

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 19.10.2004

"Ein Werbeträger in Sachen Religion und Glaube"

Herzliche Verabschiedung von Pfarrer Dieter Bofinger durch die Kirchengemeinde - Investitur in Stuttgart am 31. Oktober

WENDLINGEN. Verabschiedungen haben immer etwas Melancholisches an sich. Dies wurde auch am Sonntag deutlich, als sich die Evangelische Kirchengemeinde von Pfarrer Dieter Bofinger verabschiedete, der zwölfeinhalb Jahre die Pfarrstelle in der Uhlandstraße innehatte. Obwohl bei allen Reden im Gemeindehaus durch die Bank weg Wehmut, aber auch Dankbarkeit ob der bereichernden Jahre mit Pfarrer Bofinger mitschwang, war es eine überaus heitere Verabschiedung, bei der - angesichts manches Grußwortes - auch viel gelacht und geschmunzelt werden durfte. Eine übervolle Eusebiuskirche hatte bereits am Morgen die Wertschätzung der Gemeinde gegenüber Pfarrer Bofinger deutlich gemacht.

GABY KIEDAISCH Diese Wertschätzung setzte sich auch im Anschluss an den Gottesdienst fort, der ein letztes Mal von Pfarrer Bofinger gestaltet worden war. Der Musikverein Wendlingen erwies Bofinger seine Reverenz, indem die Musiker vor dem evangelischen Gemeindehaus in der Bismarckstraße ein Ständchen für den scheidenden Pfarrer gaben. Zu einer stimmungsvollen Verabschiedung in der Kirche hatten zuvor die Kantorei der Eusebiuskirche unter Leitung von Walter Schimpf und die Junge Kantorei unter Leitung von Christa Schimpf sowie ein Bläserensemble des Wendlinger Musikvereins beigetragen. Beim anschließenden Stehempfang im Gemeindehaus gaben Querflötistin Gisela Hentschel, begleitet von Kantor Walter Schimpf am Klavier, mit Mozart, Gossec, Besozzi und Fauré die zu der Verabschiedung passende musikalische Note. Auf witzige musikalische Art verabschiedeten sich die Erzieherinnen der Kindergärten. Die Liste der Grußworte war lang - elf an der Zahl. Doch die Redner verstanden es, mit ihren Grußworten das Publikum bei der Stange zu halten. Kurt Eppinger, Zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats, würdigte vor allem Bofingers gemeindenahes Wirken, sein Zugehen auf die Gemeindeglieder, sein positives Verhältnis zu den Vereinen. "Vermissen werden wir besonders deine guten Predigten", sagte er und, "nach dem Gottesdienst konnten wir stets etwas mit nach Hause nehmen". Das einsetzende Klatschen der Gemeindeglieder unterstrich Eppingers Worte. Bofinger habe nicht zu den Lauten im Gremium des Kirchenbezirks gehört, sagte Barbara Rau-Preuss, die anstelle des verhinderten Dekans den Dank des Evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen überbrachte. Es habe sich aber immer gelohnt ihm zuzuhören, wenn er etwas gesagt habe. "Es hatte immer Hand und Fuß." Für den Distrikt Unterer Neckar und für die Evangelische Kirchengemeinde Unterboihingen sprach Pfarrer Helmut Buchmann. Sein sehr persönlich gehaltenes Grußwort war gespickt mit vielen augenzwinkernden Äußerungen. Buchmann bedankte sich für den kollegialen Austausch. "Wir verlieren einen Mann der Horizonte und einen diskutierfreudigen Kollegen." Wehmütig zeigte sich auch Pfarrer Paul Magino von der Katholischen Kirchengemeinde Wendlingen-Unterboihingen. Er fragte sich, ob er nun gerne oder nicht so gerne einen Abschiedsgruß spreche. Er bedankte sich für das "gute ökumenische Miteinander". Bofinger sei nicht nur in der Kindergartenarbeit stets ein verlässlicher Partner gewesen. Magino würdigte die Zusammenarbeit in der ökumenischen Erwachsenenbildung als auch bei den ökumenischen Gottesdiensten. Heiner Köble schätzte Bofingers Auffassung des Verkündigungsauftrags. Er habe stets die Menschen da aufgesucht, wo sie mit ihren Problemen nicht weiterkommen. "Wir verlieren einen Theologen, der modellhaft Erwachsenenbildung praktiziert hat", sagte der Geschäftsführer des Kreisbildungswerks Esslingen. Bürgermeister Frank Ziegler nannte Pfarrer Dieter Bofinger in seinem Grußwort einen "Werbeträger in Sachen Religion und Glaube". "Sie waren überzeugend in Ihrer Arbeit", lobte Ziegler und verband damit die Hoffnung, dass alle seine künftigen Erwartungen in Erfüllung gingen. In seiner Funktion als Geschäftsführer der Schulleiter betonte Ulrich Renz die schwierige Aufgabe, jungen Menschen Werte zu vermitteln und Orientierung zu geben. Bofinger war hier auch als Jugendpfarrer gefordert. Der Rektor der Ludwig-Uhland-Schule bedankte sich bei Bofinger für die "menschlichen Kontakte und gute Zusammenarbeit". Für den Ortsring Wendlingen und den Ortsring Unterboihingen überbrachte Karl M. Müller die Glückwünsche. Dabei hob er die besondere Beziehung zwischen der evangelischen Kirche und dem Ortsring hervor. Der Vorsitzende des Wendlinger Ortsrings der Vereine erinnerte in diesem Zusammenhang an Pfarrer Mistele, der den Ortsring 1970 aus der Taufe gehoben hatte. Für die "harmonische und konstruktive Zusammenarbeit" insbesondere beim Städtlesfest dankte er Bofinger, der zum Vorstand des Ortsrings gehört hat. Die Verabschiedung ging einigen Rednern sehr nahe und so manche Träne wurde heimlich verdrückt. Kantor Walter Schimpf sprach für die 30 Mitarbeiter der Kirchengemeinde. Bofingers Weggang hinterlasse eine große Lücke. Vermisst werde seine offene, auf Menschen zugehende Art. Er gratulierte der Friedenskirche, Bofingers neuer Kirchengemeinde in Stuttgart, schon heute: "Sie bekommen einen brillanten Pfarrer. Und mit Ehefrau Ruth Conrad liefern wir noch eine brillante Pfarrerin dazu." Pfarrerkollege Stefan Wannenwetsch zählte in seiner Rede auf, wie viel Menschen Bofinger im Laufe seiner Schaffenszeit getraut, getauft, konfirmiert, aber auch bestattet hat. Diese Zahlen seien selbstverständlich keine Erfolgsbilanz, aber sie zeigten nachdrücklich, dass der Beruf des Pfarrers viel mehr umfasst, als bisweilen damit verbunden werde. "Was das für die Menschen, die du begleitet hast, bedeutet hat, zeigen diese Zahlen nicht." Mit dem Weggang Bofingers werde vielen bewusst, "was nun alles nicht mehr selbstverständlich stattfindet, sondern durch einen Notdienst weitergeführt werden muss". Wannenwetsch dazu: "Mit deiner Persönlichkeit hast du die Arbeit unserer Kirchengemeinde mit geprägt und damit für die Öffentlichkeit unverwechselbar gemacht." Dann galt es für Pfarrer Dieter Bofinger selbst Abschied zu nehmen, auch wenn der Umzug erst in einer Woche bevorsteht. Vieles, so Bofinger, lasse er hier zurück. "Viele Erinnerungen werden mich und meine Frau begleiten. Besonders viele einzelne Menschen und die Gemeinde bleiben in meiner Erinnerung." Das lasse den Abschied schwer fallen, auch wenn nun Neues mit der Friedenskirche locke. Mit "Seien Sie Gott befohlen" verabschiedete er sich und verband damit die Hoffnung, möglichst viele Wendlinger wieder in Stuttgart sehen zu können.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 18.08.2004

Ausdruck von Volksfrömmigkeit

Ein Reformationstischtuch gibt noch heute Rätsel auf - Neue Leihgabe fürs Wendlinger Stadtmuseum

WENDLINGEN. Nach der Bibel von 1730 und dem Modell der Eusebiuskirche aus Streichholzschachteln hat das Stadtmuseum eine weitere Leihgabe der Evangelischen Kirchengemeinde erhalten. Es handelt sich diesmal um ein so genanntes Reformationstischtuch. Die Evangelische Kirchengemeinde Bodelshofen, die zweitkleinste in Württemberg, hat das Exponat zur Verfügung gestellt.

GABY KIEDAISCH Die Leihgabe für das Stadtmuseum wurde kürzlich Bürgermeister Frank Ziegler vor Ort im Stadtmuseum überreicht. Dieses Tischtuch gehört zu einer Reihe von Exponaten, die ausgestellt werden. Die Kirchengeschichte in Wendlingen und seinen Stadtteilen soll dadurch für den Besucher plastischer und greifbar dargestellt werden. Solche "Reformationstischtücher" sind Ausdruck volkstümlicher Frömmigkeit, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich war und eine starke Verbundenheit vor allem der Landbevölkerung mit der Kirche darstellt. Der Glaube spielte damals eine große Rolle im täglichen Leben. Über die Person, die das Tischtuch genäht und mit roter Stickerei versehen hat, ist nichts bekannt. Genauso wenig über den Zeitpunkt, zu dem die Handarbeit angefertigt wurde. Pfarrerin Ute Biedenbach von der Evangelischen Kirchengemeinde vermutet, dass eine fromme Frau - eventuell aus Bodelshofen - die Tischdecke bestickt hat und der Kirche anlässlich des Reformationsfestes von 1817 geschenkt hat. Deshalb ist zu vermuten, dass das Reformationstischtuch auch um diese Zeit hergestellt worden ist. In der Mitte des weißen, ovalen Tischtuchs befindet sich die Stickerei mit dem Schriftzug "Auf das Jubelfest der Reformation 1817". "Damit ist das Reformationsfest am 31. Oktober 1817 gemeint", erläuterte Pfarrerin Biedenbach bei der Übergabe, genau 300 Jahre, nachdem Martin Luther die 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen hat. Dieses Datum wird bis heute gefeiert. Über den Fundort lässt sich so viel sagen: das Tuch wurde von Michael Pangert auf dem Dachboden der Jakobskirche in Bodelshofen bei einer Bau-Schau vor vier Jahren gefunden. "Darin waren Kirchenkerzen eingewickelt", sagte Pangert. Im Wendlinger Stadtmuseum wird das Tuch einen ehrenvollen Platz im Raum "Evangelische Kirchengeschichte und Württemberg" erhalten.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 14.08.2004

"Die Eusebiuskirche aus Streichholzschachteln"

Neue Leihgaben fürs Wendlinger Stadtmuseum: Evangelische Kirchengemeinde übergibt zwei Exponate

WENDLINGEN. Heute und morgen in fünf Wochen wird das Wendlinger Stadtmuseum eingeweiht. Der Countdown läuft also. Der Einbau der Vitrinen geht zügig voran. "Schon bald", freut sich die Museumsfachfrau Dr. Michaela Häffner, "können wir die ersten Exponate im Museum platzieren." Eine alte Lutherbibel und ein Modell der Eusebiuskirche aus 1000 Streichholzschachteln konnte Bürgermeister Frank Ziegler bereits in Empfang nehmen. Die zwei Leihgaben sind von der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen und wurden am Donnerstag dem Stadtmuseum übergeben. GABY KIEDAISCH Alles muss seine Ordnung haben. Für die beiden Leihgaben wurden zwischen der Eusebiuskirche und der Stadt Wendlingen am Donnerstag die Verträge unterzeichnet. Zu den übergebenen Exponaten gehört ei- ne Nachbildung der Eusebiuskirche aus dem Jahre 1942. Das Besondere daran ist nicht nur die maßstabsgetreue Nachbildung der Kirche vor der Renovierung im Jahre 1956 mit Sonnenuhr und noch mit dem hinteren Eingang. Reizvoll ist vor allem das "Baumaterial", aus dem das Modell zusammengesetzt ist: Zirka 1000 Streichholzschächtelchen wurden dafür gesammelt. Der Tüftler, der sich das ausgedacht hat, ist Adolf Kaiser, der sie als Festgabe für die Kinderkirche anlässlich des Gustav-Adolf-Festes im Jahre 1942 gebaut hat. Die Kirchenpflege kaufte damals den Kindern die Kirche ab. In jede Streichholzschachtel wurden zehn Pfennig gelegt, so dass insgesamt 100 Reichsmark dem Gustav-Adolf-Werk gestiftet werden konnten. Im Wendlinger Stadtmuseum wird das Kirchenmodell einen Extra-Platz bekommen. Ins rechte Licht gerückt wird sie im Raum "Evangelische Kirchengeschichte und Württemberg" in einem beleuchteten Schaukasten. Weil das Modell vor allem auch Kinder interessieren dürfte, wurde der Schaukasten speziell für sie ganz nieder eingebaut. Die Kirchengeschichte spielt in Wendlingen und seinen heutigen Stadtteilen eine ganz besondere Rolle. Weil Wendlingen eben nicht - wie viele andere Gemeinden - hauptsächlich nur von einer Konfession geprägt worden ist, sondern eben auch durch die Enklavenstellung der katholischen Bevölkerung in Unterboihingen im evangelischen Württemberg, wird der Religion im Stadtmuseum - im wahrsten Sinne des Wortes - breiten Raum eingeräumt. In zwei nebeneinander liegenden Räumen werden den Besuchern die evangelische und katholische Kirchengeschichte näher gebracht. Da erfährt man dann zum Beispiel, dass die Reformation in Wendlingen 1539 eingeführt worden ist. Und ein evangelischer Pfarrer in den Ort gekommen ist. "Etwas fürs Auge" wird dann auch garantiert die Lutherbibel von 1730 sein. Da ist sich Michaela Häffner sicher. Die Bibel mit Kupferstichen, zum Beispiel einem Stadtplan von Jerusalem und Ansichten des Tempels, mit Abbildungen von Kultgegenständen und Götzenbildern sowie Karten von Palästina und den Reisen der Apostel, war bereits bei der Bibelausstellung im vergangenen Jahr anlässlich des Jahres der Bibel im Rathaus zu bewundern. Im Stadtmuseum bekommt sie wie das Kirchenmodell einen besonderen Platz zugewiesen. Von ihrer Größe und Pracht werden sich die Besucher im aufgeschlagenen Zustand überzeugen können. Erschienen ist die 1248 Seiten starke Bibel im Verlag Cotta in Tübingen und enthält das Alte und Neue Testament nach einer Übersetzung von Martin Luther. Eingebunden in einem schwarzen Ledereinband auf Holzdeckel mit Blindprägung und Messing- sowie Eckbeschlägen. Restauriert wurde das gute Stück - wie vermerkt ist - im Jahre 1889. Dass manchmal solche Schätze über Jahre oder gar Jahrzehnte unbemerkt bleiben, das zeigt die Geschichte über den Fund dieser Bibel. Im Vorfeld der Kirchenrenovierung wurde der Dachstuhl des evangelischen Pfarrhauses Im Städtle genauer in Augenschein genommen. Dabei fand Kurt Eppinger die Bibel in einem Bündel unter der Dachschräge, auf dem sich bereits der jahrzehntealte Staub angesammelt hatte. 

"Tag der offenen Tür" 18./19. September

Mit einem Festakt wird das Stadtmuseum am Samstag, 18. September, eröffnet. Ab 13 Uhr werden die Türen für die Öffentlichkeit aufgemacht, ebenso am Sonntag, 19. September. An beiden Tagen wird nebenbei noch allerlei geboten. Für Kinder gibt es ein Extra-Programm mit historischen Spielen und einem Quiz rund ums Museum. Für das leibliche Wohl sorgt der Museumsverein, der künftig den Betrieb des Museums übernehmen wird. Mehrmals an beiden Tagen wird es Führungen durchs Museum geben. Ein außergewöhnlicher Einfall: das Modell der Eusebiuskirche besteht aus Streichholzschachteln. Trotzdem bringt es einiges an Gewicht auf die Waage.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 24.07.2004

Der Mensch im Zentrum seiner kirchlichen Arbeit Pfarrer

Dieter Bofinger wechselt zur Friedenskirche nach Stuttgart - Der evangelische Pfarrer verabschiedet sich nach knapp 13 Jahren

WENDLINGEN. Nach zwölfeinhalb Jahren nimmt Pfarrer Dieter Bofinger Abschied von Wendlingen. Der evangelische Pfarrer von der Eusebiuskirche wird Anfang November in der Friedenskirche in Stuttgart seinen kirchlichen Dienst antreten. "Ich habe eine neue berufliche Herausforderung gesucht", begründet Pfarrer Bofinger seine Motivation für den anstehenden Wechsel.

GABY KIEDAISCH Wenn Pfarrer Dieter Bofinger sich Ende Oktober aus Wendlingen verabschiedet, dann blickt er auf bereichernde Jahre zurück. "Es war eine schöne Zeit", sagt er, und wie er das sagt, da mischt sich gleichzeitig Wehmut in die Freude über die neue Herausforderung, die in Stuttgart auf ihn wartet. In Wendlingen habe er Heimatgefühle entwickelt. Und das hängt zum einen an den Menschen in und außerhalb der Kirchengemeinde, zum anderen aber auch an seiner Arbeit, die in weiten Teilen über die normale Pfarrerarbeit hinausgeht. Da ist die Erwachsenenbildung, in der er mitarbeitet und die er in Wendlingen mit aufgebaut hat. Der gute Kontakt zur katholischen Kirche von St. Kolumban und der damit verbundene Gedanke der Ökumene seien ihm dabei stets wichtig gewesen, blickt Bofinger dankbar zurück. Etabliert hat sich auch der Männerstammtisch, der auf seine Initiative und zweier weiterer Kirchengemeinderäte vor fünf Jahren gegründet wurde. Seither treffen sich durchschnittlich 15 Männer - wie bei einem Stammtisch eben so üblich - in einer Gaststätte, entweder dem "Deutschen Haus" oder im "Lamm", um sich über ein vorgegebenes Thema auszutauschen. Bei dieser Diskussion, der immer ein so genanntes Impulsreferat von einem zum Thema eingeladenen Referenten vorausgeht, muss Mann nicht nur stark sein, sondern darf auch seine Schwächen zeigen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst in der Rolle des Mannes, aber auch Aktuelles wie zum Irakkrieg werden beim Männerstammtisch thematisiert. Mit unterschiedlichen Themen befasst sich auch der Filmclub Totale, eine Einrichtung in der ökumenischen Erwachsenenbildung, die sich mit Kinofilmen befasst. Dabei wird gezielt eine Auswahl getroffen. In der Gruppe werden die Filme dann gemeinsam im Kino angeschaut und anschließend darüber diskutiert. Die Kommunikation mit den Menschen steht für Bofinger dabei im Vordergrund. Zu erfahren, was die Menschen bewegt, welche Sorgen, Ängste, Wünsche sie haben. Aber auch um ihnen zu zeigen, welche Antworten Gott darauf hat. Derlei Angebote sind für solche Menschen gedacht, die eine weitere Art des Austausches mit Kirche und mit ihrem Glauben suchen. Sie sind aber auch der Versuch, den Kontakt zu jenen wieder herzustellen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben. Da zu sein für den Menschen und die Kommunikation unter den Menschen zu fördern, das ist ein zentrales Anliegen seiner Arbeit stets gewesen. In der Gottesdienstreihe bietet die Kirche seit geraumer Zeit einen Abendgottesdienst an, der thematisch ausgerichtet ist. Dieser Gottesdienst in der Johanneskirche, immer 18 Uhr, befasst sich jedes Mal mit einem neuen Thema. Bisherige Themen waren Glück, Zeit, Liebe. Weitere sind geplant: Freundschaft am 24. Oktober, Engel am 12. Dezember und Lachen am 20. Februar 2005. Die Rede und die Meditation stehen hier jeweils im Mittelpunkt. Dass hierfür ein Bedarf besteht, das zeigen die durchschnittlich 200 Personen, die bisher zu den sonntäglichen Abendgottesdiensten gekommen sind. Für Familien scheint dieser Zweitgottesdienst besonders attraktiv, denn für die eineinhalbstündige Dauer des Gottesdienstes wird eine Kinderbetreuung angeboten. Für Pfarrer Dieter Bofinger bleibt nur zu hoffen, dass die Gottesdienstreihe auch nach seinem Weggang vom Mitarbeiterteam weitergeführt werden kann. "Die Verbindung unter den Stadtteilen wird dadurch mit gefördert." Einen regelmäßigen Austausch zwischen der Kirchengemeinde und der Stadtverwaltung hat Bofinger als Geschäftsführer der Kindergärten unter evangelischer Trägerschaft insbesondere im Kindergartenausschuss. Über die gute Zusammenarbeit ist er dankbar. Die Arbeit im Kindergartenausschuss gehörte zu den vielen Aufgaben von Pfarrer Bofinger, der Anfang der 90er Jahre die zweite Pfarrstelle an der Eusebiuskirche angetreten hat. Davor war er Pfarrverweser in Ellwangen gewesen. Ende Oktober geht der 53-Jährige nach Stuttgart und am 1. November wird er mit einer feierlichen Investitur in sein Amt eingesetzt. Er freue sich auf seine neue Aufgabe, die mit vom multikulturellen Umfeld der Friedenskirche geprägt ist und einen hohen Ausländeranteil aufweist. Hier schließt sich scheinbar wieder der Kreis. Bevor Bofinger sein Theologiestudium in den 70er Jahren in Tübingen absolviert hat, war er für drei Jahre in Indien, Afghanistan und Nepal im christlichen Sozialdienst. Diese Erfahrungen kann er nun für seine bevorstehende Aufgabe gut einbringen. Nicht nur beruflich auch privat hat sich eine Veränderung ergeben: Wenn sonst die Dienste der Kirche von den Gemeindemitgliedern in Anspruch genommen werden, so tauscht Pfarrer Bofinger am heutigen Samstag mal diese Rolle: Er und Ruth Conrad, Pfarrerin z.A. treten in der Eusebiuskirche vor den Traualtar. 

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 19.07.2004

Viele Bürger nutzten "Städtlesfest" zur Begegnung

Am Samstag lockte das schöne Wetter zum 6. Städtlesfest - Gruppen der Kirchengemeinde und Vereine boten unterhaltsames Programm WENDLINGEN. Bei hochsommerlichen Temperaturen zog das "Wendlinger Städtlesfest" am Samstag wieder viele Bürger an. Im malerischen Winkel zwischen Eusebiuskirche und Pfarrhaus wurde an zahlreichen Ständen jede Menge für Groß und Klein geboten. Schön war es anzuschauen, wie die einzelnen Kirchengruppen der Evangelischen Kirchengemeinde und die Vereine des Ortsrings Wendlingen bei der Gestaltung des Festes wieder gemeinsam an einem Strang zogen.

GABY KIEDAISCH Zum sechsten Mal luden die Evangelische Kirchengemeinde der Eusebiuskirche und die Vereine zum traditionellen Städtlesfest an den selbigen Ort ein. Diesmal zeigte sich einmal mehr, dass die Kirche einen direkten Draht zu Petrus haben muss - zeigte sich das Wetter doch von seiner besten Seite nach den vergangenen Wochen, die so gar nicht an Sommer erinnern wollten. Also war man damit schon mal auf der sicheren Seite, es war des Guten fast wieder zu viel, suchten die Besucher doch gerne Schutz unter schattigen Sonnenschirmen. An allen Ecken und Enden roch es nach Gebratenem und Gegrilltem, so dass einem das Wasser im Mund zusammenlief angesichts der Hähnchen und Schweinehälse auf dem Grill. Zur nachmittäglichen Kaffeestunde mischte sich der Duft des schwarzen Muntermachers und feiner Kuchen dazwischen, die von fleißigen Gemeindemitglieder fürsorglich gebacken worden waren. An den Besuch von Kindern beim Fest wurde besonders gedacht. Sie konnten den ganzen Nachmittag von einem Stand zum nächsten gehen und basteln und malen, wie am Stand der Kinderkirche, wo zum Beispiel kleine Kunst-Sandbilder entstanden, oder sich am Stationenspiel beteiligen, das das Evangelische Jugendwerk mit Dosenwerfen, Bleistifteinlochen oder Städtequiz spickte. Filzen war am Stand der Freunde der Gartenschule angesagt. Ein schaurig-lustiges Kasperlestück mit dem "Schlossgespenst" führte der Kindergarten Hebelstraße für die Kleinen auf. Und für Abkühlung sorgte der Eisverkauf der Jungschar "Regenbogen". Auf musikalische und gesangliche Unterhaltung musste beim Städtlesfest wie immer nicht verzichtet werden. Der Sängerbund Wendlingen hatte den musikalischen Reigen mit fröhlichen Weisen eröffnet, während die Big-Band der Musikschule Köngen/Wendlingen anschließend "swingige" Töne anschlug. Bevor der Griechische Tanz- und Kulturverein mit folkloristischen Tänzen einen Hauch von Meer und Urlaub vor die Kirchentreppe zauberte, hatte die AH-Gruppe des Akkordeonclubs Wendlingen vorher mit Polka und Boogie-Woogie kräftig in die Tasten gegriffen. Ein kleines Konzert gab der Kinderchor in der kühlen Eusebiuskirche. Unter Leitung von Christa Schimpf sangen Spatzen, Lerchen und Junge Kantorei einträchtig Spirituals, Kanons und Kirchenlieder. Dann sorgte die Hip-Hop-Gruppe aus dem Jugendhaus für Aufmerksamkeit, bevor der Musikverein Wendlingen zum Abendessen und bis zum Schluss des Festes mit schwungvollen Stücken in bewährter Weise unterhielt. Zum Gelingen des Festes beigetragen haben zudem die DLRG Wendlingen, das Partnerschaftskomitee St.-Leu-la-For3et, der Radsportverein, die Skizunft, das Deutsche Rote Kreuz, Ortsgruppe Wendlingen-Unterensingen, der TSV, der Motorsportclub, der Schützenverein und der Kleintierzüchterverein. Verkauft wurden außerdem Bastelarbeiten der Handarbeitsgruppe und Produkte am Eine-Welt-Stand. Der Festerlös kommt der Kirchentreppen-Sanierung zugute. Wie immer war die Beteiligung der Gruppen und Vereine wieder riesig. Alle drei Jahre findet das Städtlesfest statt, das auf das Treppenfest von Pfarrer Mistele zurückgeht. Pfarrer Ulrich Wimmer hat es seinerzeit als Städtlesfest wieder ins Leben gerufen und in der Tradition der Verbindung von Kirchengemeinde und Vereinen fortgesetzt. "Das trägt zur Kommunikation untereinander bei", sagte Pfarrer Dieter Bofinger, der die Federführung bei die Organisation hat, über den Sinn des Städtlesfestes. Für die Menschen habe das Fest den Charakter und die Funktion eines Stadtteilfests angenommen. Einen besinnlichen Ausklang nahm das Städtlesfest mit einem Konzert mit einem ungewöhnlichen Instrument. Die fünf Kirchturmglocken von Eusebius stimmten fünf Lieder an, die von Kantor Walter Schimpf extra dafür arrangiert worden sind und an die Reihe anknüpfen "Vom Turme klingt's", die Schimpf vor zwei Jahren anlässlich des 500. Geburtstags der Siedlerglocke eingeführt hat. Bis zu 2000 Besucher genossen den Kontakt und die angenehme Atmosphäre im Städtle.gki Durch schöne klare Stimmen überzeugten der Kinderchor und die Junge Kantorei unter Leitung von Christa Schimpf und begleitet von Walter Schimpf am Klavier in der Eusebiuskirche. Die AH-Gruppe im Akkordeon-Club sorgte für eine schwungvolle Darbietung auf der Handharmonika.gki

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 29.04.2004

Kletterer bringen "Taubenabwehr" an

Zweiter Anlauf am Kirchturm der Eusebiuskirche, um Taubenplage Einhalt zu gebieten - 50 Prozent der Kosten übernimmt die Stadt

WENDLINGEN. Schon im vergangenen Jahr haben in Wendlingen Tauben für Schlagzeilen gesorgt. Im Turm der Eusebiuskirche hatten sich die Flattermänner häuslich niedergelassen. - Zum Ärgernis der Evangelischen Kirchengemeinde, denn die gefiederten Untermieter fielen durch ihre übel riechenden und unschön aussehenden Hinterlassenschaften auf, gleichwohl mussten Kirchgänger bisweilen vor dem Portal feststellen: Nicht alles Gute kommt von oben. Damals griff man zu einem viel versprechenden Mittel, indem man vor die Kirchturmöffnungen Netze spannen ließ, die die Störenfriede davon abhalten sollten, sich häuslich niederzulassen (wir berichteten). Die Freude über die "Aussperrung" war jedoch nur von kurzer Dauer. Blieb den Tauben der Einstieg in den Turm verwehrt, setzten sie sich eben dann auf die Gesimse am Turm und auf den Turmfirst. In kürzester Zeit waren die Steinplatten rund um das Hauptportal mit Taubenkot wieder übersät. Seit letzten Herbst müssen deshalb Kirchgänger darauf verzichten, durch den Haupteingang die Kirche zu betreten. Freilich ein unhaltbarer Zustand. Die Evangelische Kirchengemeinde hat deshalb ein Kletterunternehmen beauftragt, auf den Gesimsen eine so genannte Taubenabwehr anzubringen.

GABY KIEDAISCH Seit gestern tut sich am Turm der evangelischen Eusebiuskirche Ungewöhnliches. Kletterer werden am Kirchturm gesichtet. Keineswegs wird der steinerne Turm allerdings als Übungshang für eine Alpenbesteigung genutzt. Weit gefehlt, die Kletterprofis aus Eislingen verrichten harte Arbeit: Weil das Mieten eines Krans weitaus teurer gekommen wäre als die Aktion mit den Bergsteigern, hat man sich schon beim letzten Mal für diese ungewöhnliche Art der Installation entschieden. In Bernhard Fischer und seinem Kollegen Peter Riedmüller hat die Evangelische Kirchengemeinde ein erfahrenes Team mit der Arbeit beauftragt. Sie hatten bereits im letzten Jahr die Gitternetze an den Öffnungen erfolgreich angebracht. Zu Fischers und Riedmüllers Arbeitsplätzen gehören nicht nur Kirchtürme, sondern auch Windkraftanlagen und Kühltürme. Sie sind überall dort gefragt, wo man mit herkömmlichen Mitteln nur schwer oder gar nicht hinkommt. Den Großteil des Jahres verbringt das Team allerdings mit Baumpflegearbeiten, die ein Arbeiten in schwindelnder Höhe genauso erforderlich machen. Ihr jetziger Auftrag betrifft die Stellen am Turm, die von den Tauben als Schlafplatz genutzt werden, und das sind die Absätze an Turm und First. Zur Taubenabwehr hat sich an Kirchtürmen ein dreiteiliges Drahtsystem bewährt, das Bernhard Fischer und sein Kollege Peter Riedmüller gestern und heute an den sechs Vorsprüngen anbringen. Weil auf dem First des Turms ein solches System jedoch wenig Sinn hätte, hat man sich hier für so genannte Vogelspikes, hochragende Zacken, entschieden. Wenn alles installiert ist, soll ein für alle Mal Ruhe einkehren, hofft Pfarrer Stefan Wannenwetsch. "Zur Konfirmation können wir dann wieder den Haupteingang nutzen." Die ungewöhnliche Aktion inklusive Material ist mit 2000 Euro veranschlagt. Nach einem gültigen Vertrag aus dem Jahre 1892, in dem sich die bürgerliche Gemeinde bereit erklärt, für Arbeiten an Turm, Uhr und Glocke mit aufzukommen, trägt die Stadt Wendlingen 50 Prozent der Gesamtkosten, das bestätigte gestern auch Stadtkämmerer Volker Ilg. Weil sich die Taubenplage mittlerweile an verschiedenen Stellen der Stadt ausgedehnt hat und nach dieser Aktion am Kirchturm zu erwarten ist, dass sich das Problem woandershin verlagert, wird vom Kirchengemeinderat der Eusebiuskirche die Anregung laut, ob zum Beispiel durch ein Taubenhaus der Plage Einhalt geboten werden könne. Städte wie Tübingen oder Esslingen haben damit bereits erste Erfahrungen gemacht. Prinzip des Taubenhauses ist, dass die Tauben dort angefüttert werden und brüten. Die Eier werden dann durch Gipseier oder andere Attrappen ersetzt. Auf Nachfrage bei Bürgermeister Frank Ziegler will man "sich in der Folgezeit" mit dem Thema intensiver beschäftigen. Das Thema habe jedoch vorerst nicht erste Priorität, da gäbe es Dringenderes. Ob Taubenhaus oder andere Alternative, eine Patentlösung für die Taubenplage habe man noch nicht gefunden. Vorerst könne er den Bürgern jedoch nur raten, keine Tauben zu füttern. Kletterer bringen seit gestern eine so genannte Vogelabwehr am Kirchturm der Eusebiuskirche an. Auch hier heißt die Devise: Ohne entsprechende Sicherung geht nichts.gki


Bericht der Wendlinger Zeitung am 02.04.2004

Das Geheimnis der Matthäuspassion

Vortrag im evangelischen Gemeindehaus - Der "Nachbarspfarrer" referierte

WENDLINGEN (itt). Wenn der Pfarrer am Karfreitag in seine Kirche einlädt, macht er regelmäßig eine aufschlussreiche Beobachtung. Der Gottesdienst am Vormittag ist mäßig besucht, bei der nachmittäglichen Aufführung von Bachs Matthäuspassion im selben Gotteshaus kann die Kirche den Besucherandrang kaum bewältigen. Warum ist das so? An einer Antwort darauf versuchte sich Pfarrer Dr. Thomas Erne von der Köngener Kirche Peter und Paul in einem Vortrag im Wendlinger evangelischen Gemeindehaus in der Bismarckstraße. Eine der möglichen Erklärungen gibt der Holländer Maarten t'Haart in seinem Buch "Bach und ich". Als Kind hörte er den Choral "Wohl mir, dass ich Jesum habe". Er wurde von der Musik so ergriffen, dass ihm die Tränen kamen und er keine Ruhe gab, bis der Organist den Choral wiederholte. Der Köngener Pfarrer ("Meine liebste Version der Passion ist nicht von Rilling, sondern von Gardiner") lehnte sich in seinem Vortrag an den Philosophen Hans Blumenberg an, der am Ende seines Lebens ein kleines Büchlein über die Matthäuspassion schrieb. Blumenberg interessierte die innige Verbindung von Passionsmusik und Passionstext. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Bach vom Text unmittelbar angesprochen wurde und so auf einzigartige Weise vom Anfang bis zum Ende eine Musik schreiben konnte, die den Zuhörer im Innersten trifft und ihn in einen Zustand der Betroffenheit und Ergriffenheit versetzt. Es ist die Musik, die anspricht, während nach dem Urteil dieses Philosophen die theologische Grundposition des Textes dem heutigen Menschen nicht mehr zugänglich ist.

Musik im Gottesdienst 

Für Pfarrer Dr. Erne ist es einerseits ein verführerischer - aber falscher - Gedanke, aus dem guten Besuch der Matthäuspassion auf das Wiedererstehen des alten Zustandes einer Volkskirche zu schließen, andererseits ist es für ihn ein starkes Argument für Musik im Gottesdienst. Musik, sagt Pfarrer Erne, lässt auch die Texte entdecken. Von den fünf Passionen, die Bach komponierte, sind nur zwei, die 1729 entstandene Matthäuspassion und die Johannespassion, erhalten geblieben. Es gibt einige gute Gründe für die Annahme, dass Bach in der Matthäuspassion Teile der verschollenen Trauermusik erneut verwendete, die er in Köthen anlässlich des Todes des Fürsten von Anhalt-Köthen geschrieben hatte. Aus Bachs Neigung, auf früher geschriebene Musiken zurückzugreifen, folgert Albert Schweitzer in seinem Buch über Bach sogar, dass von der Musik des Thomaskantors eigentlich nichts verloren gegangen sei. "Im Protestantismus darf man musikalisch ergriffen sein, das ist eine protestantische Kulturtugend", sagte der Köngener Pfarrer in Wendlingen. In Anlehnung an Blumenberg sieht Pfarrer Erne die schwächste Stelle in der Matthäuspassion ("ein blinder Fleck") in Bachs "leichtfüßigem" Übergehen der Szene am Ölberg, des Dramas von Jesu Ringen mit Gott, seinem Glauben, es könne alles auch anders ausgehen. Im Gegensatz dazu sieht er die auch musikalisch stärkste Szene der Passion in der Kreuzigung, in Jesu Schrei des Verlassenseins, in der verzweifelten Erkenntnis, dass sich spätestens jetzt Gott zeigen müsse - und er sich nicht zeigt. So werde die Passion zu einem überwältigenden Drama und Bachs großes Werk zu einem Werk großer Menschlichkeit. 

Neuen Zugang finden

"Bach bringt hier etwas zum Klingen, was die theologischen Texte verdecken", stellte der Vortragende fest. Die Musik mache etwas Unerträgliches erträglich. Sie nehme Fragen ab und lasse keine Fragen zu. So könne der Mensch von heute über Bachs Musik das Leiden erspüren und Zugang zu etwas finden, was ihm weithin verloren gegangen sei. Pfarrer Dieter Bofinger, der Hausherr, der eingangs den "Nachbarspfarrer" begrüßt hatte, sprach auch das Schlusswort. Er dankte dem Referenten für die neuen Perspektiven auf ein meisterliches Werk. Für den Köngener Pfarrer war es nicht der erste Vortrag in Wendlingen gewesen. Das vorausgegangene Referat hatte den Titel getragen: "Thomas Mann als Protestant".

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 30.03.2004

Leidensgeschichte in neuer Gestalt

Aufführung des Rockoratoriums "Jesus am Ölberg" in der Jakobskirche

WENDLINGEN-BODELSHOFEN (itt). Kein anderes Gotteshaus hätte für die Aufführung des Rockoratoriums "Jesus am Ölberg" besser geeignet sein können als die Bodelshofener Jakobskirche. Auf den 500 Jahre alten gotischen Wandmalereien, welche die Kirche auch künstlerisch bedeutsam machen, sind eben jene Stationen vom Leben und Sterben Christi zu sehen, die in dem Oratorium musikalisch abgehandelt werden. Eine weitere Parallelbeziehung war zwischen Text und Musik gegeben. Nicht nur sind die Wurzeln der Musik, die das Oratorium tragen, in der Neuen Welt zu suchen, auch der Textteil des Werkes war ganz in englischer Sprache gehalten. Dass es nicht immer Bach sein muss, wenn es um das Passionsgeschehen geht, zeigte der Zuspruch, den das Rockoratorium fand. In der - allerdings nicht großen - Kirche waren am Sonntag alle Plätze besetzt. Aufgeführt wurde das Werk von der Kirchheimer Gruppe Opera Nova; die Musik stammt aus der Feder von Werner Dannemann. Nicht alltäglich war der Einsatz der von Elke Rogge gespielten Drehleier, einem Instrument aus den Anfängen europäischer Musik. Es wirkte über Strecken nicht nur als eine Art Generalbass, es sorgte auch für die selten zu hörende Kombination der ruhigen Klangbilder früher Musik mit den Aufgeregtheiten des aus dem Jazz geborenen Rock. Überhaupt sind viele Stilrichtungen in die Musik des Oratoriums eingegangen. Elemente des Free Jazz sind ebenso zu hören wie Anklänge an den Blues oder orientalisierende Melismen. In ihren eindringlichsten Abschnitten schwingt sich die Musik auf zu Klangkombinationen von überraschender Intensität, wenn etwa die Geburt Jesu bejubelt wird, die Versuchung Gestalt annimmt in den verführerischen Modulationen der Querflöte oder die Gefangenschaft in ausweglosen Kreisbewegungen zum Ausdruck kommt. Dabei verfängt sich das Oratorium zu keiner Zeit in den Netzen ausgesprochener Programmmusik, von der ersten Note an bleibt sie ihrem variablen Duktus rhythmisierter Beschwingtheit treu. Für den mächtig aufrauschenden Abschnitt "Saviour speak" (Erlöser sprich) mit einem wie frei improvisierenden Saxophon (Christina Epple) gab es Beifall auf offener Szene. Werner Dannemann, der Komponist, spielte an dem Abend die Gitarre und übernahm als Sänger eine tragende Rolle. Wie er in der Szene "Jesus am Ölberg" zu einem dunkel getönten Ostinato in der Drehleier die Gitarre lispeln ließ oder mit gespensterhaft stumpfen Akkorden die Bedrängnisse dieser Nacht verdeutlichte, war ein Klagegesang von ganz eigener Art. Die in gebändigten Abwärtsbewegungen gehaltenen Stimmen Daniela Epple (Mezzosopran) und Katharina Schwarz (Sopran) vervollständigten diese Nachtmusik voller Trauer und verstörender Echos. Auf den trauernden Gestus der Musik zu "Jesus am Ölberg" folgte der von allen Stimmen und Instrumenten getragene Jubel der Auferstehung mit einer so luftigen und ausgeklügelten musikalischen Figur im "Amen", dass es schon an die Kunst der barocken Meister erinnerte. Die Zustimmung des Publikums übertraf bei weitem das Maß des Höflichkeitsbeifalls. "Wir spüren, dass es Ihnen einigermaßen gefallen hat", sagte Werner Dannemann und bewegte sein Ensemble zu einer Zugabe. Sie bestand in "Silence and Peace", dem Titelsong des Werkes. Pfarrerin Ute Biedenbach, die eingangs begrüßt hatte, sprach auch das Schlusswort. Sie lobte das Ensemble für das spirituell-musikalische Erlebnis und dankte dem Publikum für die Bereitschaft, sich neuen Formen in der Gestaltung der Leidensgeschichte zu öffnen.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 22.03.2004

Hier finden Frauen Gemeinschaft und Denkanstöße

Frauenfrühstück der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen feierte den zehnten Geburtstag - Ilka Wimmer erzählte Märchen

WENDLINGEN. So viele Anmeldungen wie noch nie hat Gemeindediakonin Elisabeth Schoch-Fischer für das Frauenfrühstück am vergangenen Samstag erhalten. Sicherlich lag das am zehnten Geburtstag, den diese Einrichtung feiern konnte. Den Anstoß für diese Möglichkeit der Begegnung von Frauen aller Altersgruppen und Konfessionen haben im Mai 1994 die damaligen Kirchengemeinderätinnen Inge Göltenboth, Waltraud Rapp, Isolde Schulte-Günnes (damals noch Gehring) und Angela Söllner gegeben. Sie waren auf der Suche nach einem besonderen Angebot eigens für Frauen, hatten sich bei entsprechenden Einrichtungen in anderen Gemeinden umgesehen und schließlich ein Konzept für die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen gefunden, das auf der Basis ehrenamtlichen Einsatzes beruht und längst über die Grenzen Wendlingens hinaus Anziehungskraft ausübt. Und das liegt nicht nur am kulinarischen, sondern auch am geistigen Angebot, an den Denkanstößen, die Frauen hier suchen und finden.

CHRISTA ANSEL Die organisatorischen Fäden für das Frauenfrühstück laufen seit zehn Jahren bei Gemeindediakonin Elisabeth Schoch-Fischer zusammen. Als die Initiatorinnen 1994 auf der Suche nach Mitstreiterinnen waren, fanden sich mühelos Frauen, die sich hier einbringen wollten. Heute besteht der Mitarbeiterstamm aus 25 Frauen, die großen Einsatz zeigen. In der Regel wird für 80 Frauen ein Frühstücksbuffet vorbereitet und werden am Ende auch alle Spuren dieses fröhlichen Treffens im Gemeindehaus in der Bismarckstraße auch wieder beseitigt. Zu denen, die aktiv mit dabei sind, gehören immer auch junge Mädchen, die sich der Betreuung der Kinder annehmen. Das Leitungsteam des Frauenfrühstücks besteht neben Gemeindediakonin Elisabeth Schoch-Fischer aus Inge Göltenboth (Küchenleitung, Referentin und nicht selten auch Moderatorin), aus Else Block, Brigitte Sigg, Helga Pfeiffer und Sonja Rapp. Zu den treuen Begleitern gehören immer aber auch Schülerinnen und Schüler der Musikschule Köngen-Wendlingen. Am Samstag, zum zehnten Geburtstag, waren dies Friederike Mainx (Querflöte) und Rahel Trautwein (Klavier), beide Preisträgerinnen bei "Jugend musiziert". Inge Göltenboth hatte beim Geburtstagsfest am Samstag die Motivation der Initiatorinnen nochmals hervorgehoben. Gesucht habe man nach einem Angebot zum Verwöhnen, nach einem geistigen Angebot für Frauen jeden Alters, die offen und neugierig sind, nach Referaten und Impulsen zu Themen, die möglichst viele Frauen interessieren, und nach einem Angebot für Gespräche untereinander. Alles zusammen hat sich in den zehn Jahren mit der Schaffung des Frauenfrühstücks fest etabliert. Vor allem die Zeit des Gesprächs und des Austausches untereinander sei immer besonders wichtig, betonte Inge Göltenboth. Und zum Angebot gehört immer auch die Kinderbetreuung und ein Büchertisch. Elisabeth Schoch-Fischer hat einen ganzen Themenkatalog zusammengestellt, der in den vergangenen Jahren beim Frauenfrühstück angesprochen worden war. Da ging es darum, die eigene Persönlichkeit zu entdecken, um Themen wie Neid, Wut, Nähe und Distanz, Krisenzeiten und Chancenzeiten, Freundinnen als Wegbegleiter oder um Träume, Lebensträume, die eigenen Grenzen. Als Referentinnen konnten Pfarrerinnen, Psychotherapeutinnen, Künstlerinnen oder Psychologinnen gewonnen werden. Immer wieder aber kamen die Referentinnen auch aus den eigenen Reihen, etwa Inge Göltenboth oder Elisabeth Schoch-Fischer selbst. Biblische Themen und Glaubensfragen wurden thematisiert - und das stets überkonfessionell. Zum Geburtstagsfest des Frauenfrühstücks empfingen die vielen Gäste am Samstag die Märchenerzählerin Ilka Wimmer besonders herzlich. Märchen, betonte Ilka Wimmer, ebneten den Weg in die Innenräume der Seele, seien Flügel der Phantasie. Wer sich auf den Weg zu diesen Innenräumen mache, spüre, dass alle Schätze der Welt schon da seien. Leider kämen solche Besuche oft zu kurz, erinnere man sich zu wenig an die eigenen Seelenkostbarkeiten. Zwei Volksmärchen aus Spanien und Afrika hatte Ilka Wimmer als Geschenk für das Frauenfrühstück mitgebracht. Märchen zeigten, wie lange und beschwerlich Wege sein könnten. Märchen schenkten Lebensweisheit, deren Symbole wirkten tief. Märchen seien zeitlos, berichteten von einem tieferen Wissen der Menschheit, von einer Wahrheit und Weisheit, denen auch der Wandel der Zeit nichts anhaben könne. In Märchen gehe es immer um Aufbruch und um das Finden des ureigenen Weges. Dabei drängten sich Märchen nicht auf und zeigten doch, dass "wir nicht bleiben können, wie wir sind". Die Gäste des Frauenfrühstücks ließen sich gern von Ilka Wimmer mitnehmen in eine ganz leise Märchen- und Klangwelt. Mit gemeinsamen Liedern und der Musik der beiden jungen Talente der Musikschule ging das Fest zu Ende, nicht ohne dass Elisabeth Schoch-Fischer dem großen Kreis der ehrenamtlich tätigen Frauen ganz persönlich für deren Einsatz dankte und zum nächsten Frauenfrühstück Ende Oktober die Einladung aussprach. Am 23. Oktober geht es um den Sinn des Ärgerns. Ein Buffet voll kulinarischer Köstlichkeiten gehört zum festen Bestandteil der Frauentreffen der Evangelischen Kirchengemeinde.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 11.02.2004

Bastelkreis spendet 500 Euro an "Werkstatt"

Die Bastelkreisgruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen hat 500 Euro der Werkstatt am Neckar zukommen lassen. Der Betrag soll für eine Freizeit am Bodensee im nächsten Jahr verwendet werden. Unser Bild entstand bei der Übergabe des Schecks in der Werkstatt, in der Heinrich-Otto-Straße, wo derzeit 65 Personen mit psychischen Erkrankungen beschäftigt sind. Leiter Helmut Püschel stellte den Vertreterinnen des Bastelkreises die Einrichtung der Samariterstiftung vor. Ziel der Wiedereingliederungsmaßnahme ist, die Beschäftigten für den Arbeitsmarkt wieder fit zu machen. In der Werkstatt am Neckar werden unter anderem Aufträge wie Kabel-, Montage- und Verpackungsarbeiten für namhafte Firmen in der Umgebung erledigt. Der Bastelkreis, der sich mit zirka 15 Frauen regelmäßig zum Basteln im Gemeindehaus Bismarckstraße trifft, hat mit ihren Verkäufen ihrer Bastelarbeiten einige hundert Euro zusammenbekommen. 500 Euro erhält die Werkstatt am Neckar, weitere 500 Euro ArBeg in Wernau, darüber hinaus konnte der Bastelkreis 120 Sitzkissen für die Kirchengemeinde sponsern. Brigitte Sigg, Marlene Specht, Betty Hohn, Wilma Hermann und Heidi Wascher nahmen im Rahmen der Spendenübergabe gerne die Führung durch die Werkstätte wahr.gki

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 03.02.2004

Feierliche Ordination von Ruth Conrad

Nach zehn Jahren wieder eine Einsetzung in ein evangelisches Pfarramt in Wendlingen - Kirchengemeinde feierte mit

WENDLINGEN. Nach zweieinhalb Jahren im Vikariatsdienst ist Ruth Conrad in das evangelische Pfarramt feierlich eingesetzt worden. Am Sonntag war die Ordination in der Eusebiuskirche im Beisein der Gemeinde. Mit einem Ständerling anschließend im evangelischen Gemeindehaus Bismarckstraße wurde die Amtseinsetzung gefeiert, gleichzeitig verabschiedete sich Ruth Conrad von Wendlingen, da sie ab März in den so genannten unständigen Pfarrdienst der Württembergischen Landeskirche übernommen und mit einem Dienstauftrag an der Universität Tübingen tätig sein wird. Ganz den Rücken kehren wird Ruth Conrad der Lautergemeinde allerdings nicht. Sie wird hier wohnen bleiben und auch weiterhin in der Ökumenischen Erwachsenenbildung mitarbeiten.

GABY KIEDAISCH Die letzte Ordination ist in Wendlingen schon eine Reihe von Jahren her: zirka zehn Jahre. Somit war die Ordination von Ruth Conrad mehr als das Zelebrieren der Amtseinsetzung. Mit dem feierlichen Einzug der Vikarin, der Pfarrer und des Kirchengemeinderats begann der Gottesdienst mit Ordination am Sonntagmorgen in der gut besetzten Eusebiuskirche. Schuldekanin Renate Schullehner begrüßte die Gemeinde zu diesem besonderen Tag am letzten Sonntag nach Epiphanias. Pfarrerin Ute Biedenbach, die Ausbildungspfarrerin von Ruth Conrad, erläuterte die Amtseinsetzung in das Pfarramt als "Dienst der Verkündigung". Ihre Ordinationspredigt leitete Ruth Conrad mit dem Zweiten Korintherbrief ein. Im Mittelpunkt ihrer Rede stand das Verhältnis von "Schein und Sein". Über "billigem Geglitzere" vergesse mancher, dass zum Schein auch das Sein gehört. Im wahren Licht, nicht im grellen Schein erkenne man sich echt. Das wahre Leben sei das Zusammenleben mit anderen Menschen. Tragisch sei, wenn Sein und Schein auseinander gingen. "Gott hat [Der Rest des Artikels sowie die vorhergehenden sind im digitalen Nirwana verschwunden und werden demnächst ergänzt]