Bericht der Wendlinger Zeitung am 24.12.2005

Kirche zeigt sich wieder von ihrer schönsten Seite

Innensanierung der Jakobskirche wurde erfolgreich abgeschlossen - Im nächsten Jahr ist der Außenbereich dran - Heute Gottesdienste

WENDLINGEN-BODELSHOFEN. Endlich ist die Zeit des Wartens vorbei. Die Bodelshofer haben ihre Kirche wieder. Pünktlich vor den Gottesdiensten zu Weihnachten ist die Sanierung im Kircheninneren abgeschlossen. Die Schäden, die durch die Feuchtigkeit an Wänden und Boden hervorgerufen wurden, sind behoben. Die Jakobskirche erstrahlt nach der Sanierung schöner denn je.

GABY KIEDAISCH Seit Ende August war die Jakobskirche im Wendlinger Stadtteil Bodelshofen geschlossen. Gottesdienstbesucher mussten seither in die große Schwester, die Eusebiuskirche nach Wendlingen ausweichen. Jakobspilger mussten ohne einen Blick in das Kleinod mit seinem alten Wandfries und seinen vier Glasfenstern des renommierten Künstlers Hans-Gottfried von Stockhausen zu werfen, ihren Weg fortsetzen. Für vier Monate hatten die Handwerker die Jakobskirche fest im Griff und das war äußerst notwendig: wie mehrfach berichtet hat die Feuchtigkeit Mauerwerk und Boden heftig zugesetzt. Das Podest, auf dem das Gestühl ruhte, war vom Pilz befallen, die Holzwandverkleidung ebenfalls feucht. Nach der Sanierung sitzen die Gottesdienstbesucher jetzt auf gegen Holzwurm behandeltem und gründlich gereinigtem Gestühl, das auf einem neu aufgebauten Podest steht. Sorge bereitete obendrein, ob das wertvolle Wandfries aus dem 15. Jahrhundert etwas abbekommen hatte, nachdem Feuchtigkeit in allen vier Wänden festgestellt worden war. Doch Gott sei Dank war die Nässe nicht so weit nach oben gedrungen. Letztlich ein paar Zentimeter herausgebrochene Wandstücke, die den Anstoß für die Sanierung überhaupt gegeben hatten, mussten geflickt werden. Ansonsten wurde das Seccogemälde vom Restaurator gereinigt und prophylaktisch gegen Feuchtigkeit behandelt. Durch das feuchte Klima waren auch die Holzsäulen von der Empore in ihrer Stabilität angegriffen und mussten bei der Sanierung am Fußende teilweise ersetzt werden. Zusätzlich zu der von außen eindringenden Feuchtigkeit hatte nämlich die fehlende Luftzirkulation in der Kirche das Raumklima so sehr verschlechtert, dass das Holz angegriffen wurde. Abgerundet haben die Sanierung, neu eingelassene Türen, mit einem Spezialanstrich behandelte Wände, Epitaphien, die von der Wand weggerückt wurden, und neue Heizkörper, die die alten ersetzt haben. In einer großen Putzaktion, die unter dem Motto "Viele Hände geben ein schnelles Ende" stand, wurde die Kirche schließlich Anfang dieser Woche vom Baustaub gründlich befreit. Ein großer Stein ist Pfarrerin Ute Biedenbach vom Herzen gefallen, dass so viele Spender mitgeholfen haben, die Finanzierung der Sanierung zu schultern. War am Anfang von 22 000 Euro Sanierungskosten die Rede, zeigte sich bei genauerem Hinschauen, dass durch die Feuchtigkeit doch mehr zu Schaden gekommen war, als ursprünglich erwartet. Die voraussichtlichen Kosten belaufen sich deshalb auf 27 500 Euro. Weil die kleine Kirchengemeinde aber nicht alle Kosten aufbringen kann, war sie von Anfang an auf Spendengelder angewiesen. Erhofft waren 2500 Euro, der derzeitige Spendenstand von rund 7000 Euro hat die Erwartungen deshalb weit übertroffen. Dazu beigetragen haben viele Einzelspenden, genauso die Abende im Treff im Keim mit den Jakobspilgern, der Bastelkreis, der Adventsbasar mit Kaffee und Kuchen, das Benefizschwätzen mit Gerhard Raff und der Schwäbische Heimatbund Kirchheim.

Sanierung geht im Außenbereich weiter

Angesichts der größeren Schadensbilanz hätten es also nicht weniger Spenden sein dürfen. Durch die Mehreinnahmen können jetzt die Mehrausgaben vermutlich komplett finanziert werden. Allerdings sind noch einige Rechnungen offen, gibt Pfarrerin Ute Biedenbach zu bedenken. Deshalb sind für 2006 drei weitere Benefiz-Konzerte geplant, nichtzuletzt deshalb, weil nun im Außenbereich noch einiges ansteht. Bei der jetzigen Sanierung des Kirchenraums hat sich nämlich herausgestellt, dass die behobenen Schäden nur Sinn machen, wenn das Grundübel, die Feuchtigkeit, die von außen in die Kirche eingedrungen ist, auch im Außenbereich angegangen wird. Deshalb ist eine weitere Sanierung im nächsten Jahr vonnöten, vermutlich ab Frühjahr. Um die Kirche trockenzulegen muss eine Drainage um das Gebäude gelegt werden. Außerdem muss die Kanalisation genauer unter die Lupe genommen werden, die Buntglasfenster vor Rost und der poröse Sandstein auf der Ostseite der Kirche gesichert werden. Weitere Untersuchungen betreffen feuchte Stellen auf der Nordseite des Kirchturms. Gleich zwei Mal findet heute, am Heiligen Abend, ein Gottesdienst in der frisch renovierten Jakobskirche in Bodelshofen statt: um 15.30 und um 17 Uhr, am zweiten Weihnachtstag, 26. Dezember, um 10.45 Uhr (mit Abendmahl) und an Silvester um 18.30 Uhr. Pfarrerin Biedenbach freut sich über die gelungene Sanierung. Nach der Sanierung erstrahlt der Kirchenraum von der Jakobskirche wieder in frischen Farben. Die Kirchengemeinde kann die Kirche erstmals nach der Fertigstellung heute am Heiligen Abend gleich mit zwei Gottesdiensten wieder in Beschlag nehmen. Dann ist auch der Weihnachtsbaum festlich geschmückt und die Krippe steht an ihrem angestammten Platz.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 15.11.2005

"Wer still steht, kann nichts falsch machen"

Rege Teilnahme am 26. Frauenfrühstück der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen

WENDLINGEN. Knapp 115 Besucherinnen hatten sich am vergangenen Samstagvormittag im evangelischen Gemeindehaus Wendlingen eingefunden, um den Vortrag von Dr. Beate Weingardt zu hören, die das Thema "Wer "ich" sagt, muss gegen den Strom schwimmen - vom Mut, das eigene Leben zu leben" referierte. Die Diplom-Psychologin und Theologin, die mehrere Lebenshilfebücher geschrieben hat, war schon früher in der Gemeinde zu Gast.

HOLLE RAUSER "So viele Besucherinnen hatten wir noch bei keinem Frauenfrühstück", freute sich Diakonin Elisabeth Schoch-Fischer, die viele auswärtige Reservierungen erhalten hatte und das große Interesse vor allem auf den Bekanntheitsgrad der Referentin zurückführte. Das Frauenfrühstück der Evangelischen Kirchengemeinde findet zweimal im Jahr statt und stellt ein offenes Angebot dar, auch mit Frauen in Kontakt zu treten, die nicht der Gemeinde angehören. "Wir möchten damit unter dem Motto ,Lebens- und Glaubenshilfe' Akzente setzen", so Schoch-Fischer. Wie zu erwarten war die Veranstaltung, bei der grundsätzlich Rednerinnen eingeladen werden und die sich ausschließlich an Besucherinnen richtet, konsequent weiblich besetzt: Unter der Leitung von Inge Göltenboth, Hauswirtschaftslehrerin und Gemeindebeauftragte im Bildungswerk, hatte die Gemeinde ein reichhaltiges Frühstücksbüfett organisiert. Die musikalische Umrahmung am Flügel kam von Martina Arapovic am Flügel und die Konfirmandinnen kümmerten sich um die Kinderbetreuung. Vor und nach dem Vortrag gab es die Möglichkeit, sich auszutauschen und am Büchertisch zu stöbern. Dr. Beate Weingardt hat in Tübingen Psychologie und Theologie studiert und zahlreiche Bücher geschrieben. Den "Mut, gegen den Strom zu schwimmen" kennt sie aus ihrer eigenen Lebensgeschichte, die sie zu Beginn ihres Vortrags vorstellte. Aufgewachsen im schwäbischen Blaubeuren und schwanger mit 16 Jahren, war sie vor die Entscheidung gestellt, gegen ihren Willen zu heiraten, um den gläubigen Eltern und der Gemeinde "keine Schande zu machen", oder sich für ein Leben als allein stehende junge Mutter zu entscheiden. Mit Hilfe ihrer Familie entschied sie sich gegen die frühe Ehe. Vor diesem biografischen Hintergrund erschienen die Thesen Weingardts zur Selbsterkenntnis und Lebenshilfe authentisch und überzeugend. Anhand individueller, sozialer und gesellschaftlicher Hintergründe und Bedingungen erläuterte die Psychologin die Möglichkeiten, ein selbst bestimmtes Leben auch entgegen der Konvention zu führen. "Nur wer sich annimmt und sich ernst nimmt -wer weiß, wohin der Strom treibt und wer die Kraft hat, ihm entgegenzuschwimmen -, kann in entscheidenden Situationen seine eigenen Entscheidungen treffen", so Weingardt. Die Ursachen für mangelndes Selbstvertrauen sieht Beate Weingardt in schwierigen Familienverhältnissen, einer Erziehung, die zu wenig Selbstvertrauen vermittle und einer oberflächlichen Gesellschaft, die Menschen nach Aussehen, Einkommen und Leistung beurteile. Die Referentin schlug immer wieder eine Brücke zu aktuellen, vor allem Frauen betreffenden Themen, wie zum Beispiel der Pflege Angehöriger, die - auch eine typisch weibliche Aufgabe - nicht bis zur Selbstaufgabe führen dürfe. Immer wieder bezog sie auch ihr Publikum mit in die Fragestellung ein. "Nennen Sie Ihrer Tischnachbarin drei positive Eigenschaften Ihres Äußeren", forderte sie ihr Publikum auf, wohl wissend, wie schwer es Frauen im Allgemeinen fällt, ihr Aussehen zu loben. "Gerade Frauen neigen dazu, sich eher zu kritisieren", erklärte Beate Weingardt. Die Liebe zum Nächsten setze aber Selbstliebe und Selbstvertrauen voraus. Auch typische "Frauenkrankheiten" wie Angepasstheit und Perfektionismus im partnerschaftlichen oder familiären Bereich könnten dazu führen, dass ein Leben nach den Vorstellungen anderer statt der eigenen geführt würde. Neben der Nächsten- und Selbstliebe setzt die Theologin auf den Glauben als tragenden Boden für ein selbstverantwortetes Leben, wobei sie vor allem die ständige Weiterentwicklung betont. "Wer stillsteht, kann nichts falsch machen. Aber Leben bedeutet wandern, unterwegs sein, sich verändern. Jesus sagt: ,Geh Deinen Weg'", so Weingardt. Als Symbol für das Leben sieht die Psychologin den Baum, der sich ebenfalls im Lauf des Jahres verändert. "Der Baum zieht seine Kraft aus den Wurzeln und in Krisenzeiten entscheidet die Qualität des Untergrundes, ob er stehen bleibt", meint Weingardt. Ein starker Glaube und Selbstvertrauen bilden nach Ansicht der Referentin den besten Schutz in Krisenzeiten. Der Untergrund entscheide, und im Gegensatz zum Baum könne der Mensch seinen Standort aussuchen, sein Leben selbst bestimmen. Von Dr. Beate Weingardt ist zuletzt das Buch "Du bist gut genug! Wie Sie Ihre inneren Antreiber erkennen und gelassener werden können" im R. Brockhaus Verlag erschienen. Ursachen für mangelndes Selbstvertrauen sieht die Referentin Beate Weingardt in einer Erziehung, die zu wenig Selbstvertrauen vermittle und einer oberflächlichen Gesellschaft, die Menschen nach Aussehen, Einkommen und Leistung beurteile. hol

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 14.11.2005

"Der Jakobsweg ist zum Katholischwerden schön"

Für einen guten Zweck machte Dr. Gerhard Raff mit seinem Publikum einen Ausflug in die nahe und weitere württembergische Geschichte

WENDLINGEN. Wer Gerhard Raff schon einmal erlebt hat, weiß, was Richard von Weizsäcker damit meinte, als er ihn einen "Wohltäter der Menschheit" nannte. Raff tourt in Sachen Benefiz durchs ganze Land und bietet seine Hilfe an: hier geht es um das Renitenztheater, dort ist es der Brandenburger Dom und wieder woanders geht es um eine Scheune, die vor dem Abriss gerettet werden soll. Allein am Ende dieses Jahres wird Raff 250 Mal benefizgeschwätzt haben. Rund eine halbe Million Euro will Raff bis dahin für unterschiedliche Zwecke erschwätzt haben. Ob er's schafft, das liegt an den Spendern, und die waren am Freitagabend spendabel: für die Sanierung der Jakobskirche in Bodelshofen kamen 1260 Euro zusammen.

GABY KIEDAISCH Mittlerweile war Dr. Gerhard Raff zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre in Wendlingen. Zweimal davon kam er nach Unterboihingen, wo er für die Renovierung der St.-Kolumban-Kirche und für die Restaurierung des Palmesels den Klingelbeutel füllen half. Jetzt war er auf der anderen Seite Wendlingens, Im Städtle, und sprach in der Eusebiuskirche für die Trockenlegung der Jakobskirche, die "nasse Füße bekommen hat", wie Pfarrerin Ute Biedenbach zu Veranstaltungsbeginn dem Publikum bildlich vor Augen führte. Trotz seines übervollen Terminkalenders konnte sie den Landeshistoriker, Schriftsteller und mit seinem Bestseller "Herr, schmeiß Hirn ra!" weltweit meistgelesenen Dialektautor, Dr. Gerhard Raff, an diesem Martinstag in der Eusebiuskirche willkommen heißen. Zu verdanken war sein Kommen Heinz Gösele, der Raff das Versprechen beim letzten Benefizschwätzen in Unterboihingen abgerungen hatte. Die Landeshistorie kennt Raff wie kein anderer. Aus seinem reichen Wissen bekamen die Zuhörer am Freitag eine über zweistündige Kostprobe. Dazu bedurfte Raff keines Manuskripts oder allzu großer Vorbereitung. Er setzte die Ortsgeschichte in den übergeordneten Rahmen der württembergischen Landesgeschichte und machte genau an dieser Stelle weiter, wo er vorher abgeschweift war. So schafft Raff ganz nebenbei Bezüge und Beziehungen von heutigen Adelsgeschlechtern Europas (aber auch von Pfarrerinnen) zu ihren schwäbischen Vorfahren. Oder wer hätte je geahnt, dass Caroline von Monaco eigentlich ein ?schwäbisches Mädle? ist?! Die Lösung ist Mutter Grace Kelly, die Schwaben in ihrer Ahnentafel gehabt haben soll, sogar von der Reutlinger Alb. Als Landeshistoriker räumte Raff ein für allemal auf mit der Mär vom Herzog Ulrich, der auf der Flucht vor den Feinden hoch zu Ross von der Köngener Brücke in den Neckar gesprungen sein soll, um so seinen Verfolgern zu entrinnen.  "Das hat Wilhelm Hauff frei erfunden. In seinem Roman Lichtenstein hat er die erlogene Geschichte festgehalten", und Raff rückt das geschichtliche Bild wieder zurecht: Herzog Ulrich, nach dem die Brücke später benannt wurde, hatte tatsächlich mit seinem Heer in der Gegend gelagert und war auf der Suche nach einem Weg zur Überquerung des Neckars. Doch vermutlich hatte es zu dieser Zeit gar keine Brücke bei Köngen gegeben, sondern nur eine Furt. An dieser Stelle hatte ein anderer seinen Auftritt: Raff erinnerte an Heinrich Schickhardt, den "schwäbischen Leonardo", der Hofarchitekt Herzog Friedrichs I. von Württemberg war und die Brücke bei Köngen nach ihrem Einsturz, 1602 neu erbaut hat. Nebenbei lässt Raff noch einfließen, dass er über Schickhardt in seinem neuesten Buch "Das 3. Hirn", das in wenigen Tagen erscheint, ebenfalls eine Geschichte verfasst hat. Der Mann ist fleißig, schreibt ein Buch nach dem anderen. Mit einem weiteren will er im nächsten Jahr beginnen, da werden dann die Benefizreisen weniger. Und weil der Herzog Ulrich seit der Legende mit der Ulrichsbrücke halt mit Köngen und - geografisch näher gelegen - mit Wendlingen verbandelt ist, erinnerte Raff an einen zweiten Zeitgenossen Ulrichs, an Hans von Hutten, der in der Köngener Peter-und-Pauls-Kirche einst beigesetzt wurde, bis er, aus den Klauen seines Mörders Herzog Ulrich freigegeben, in seiner fränkischen Heimat zur Ruhe kommen konnte. Weit weg von seiner schwäbischen Heimat, aber mit "württembergischen Geld" finanziert hat Raff die Sanierung einer alten, ehrwürdigen spanischen Herberge in La Faba, gelegen am berühmten Jakobsweg. Aus direktem Bezug also - weil die Jakobskirche in Bodelshofen ebenfalls Pilgerstätte gewesen ist - berichtete Raff über den Jakobsweg und seine persönlichen Begegnungen. Dabei gab er die Äußerung seines Doktorvaters Hansmartin Decker-Hauff zum Besten, die man sich durchaus zu Herzen nehmen sollte: "Der Jakobsweg beginnt an deinem Bettvorleger." Auf die Wendlinger trifft das auf jeden Fall zu. Also, wozu immer in die Ferne schweifen?! Vor allem, wenn Santiago de Compostela vom Massentourismus aus aller Welt hoffnungslos überlaufen ist. "Der Jakobsweg ist zum Katholischwerden schön", sagte Raff angesichts der landschaftlich reizvollen Strecke. Doch wegen der Massen am Ziel werde man gerne wieder evangelisch. Gänzlich unbeeindruckt ließ das Publikum eine von Raff angekündigte Versteigerung. Obwohl für einen guten Zweck, fand sich lediglich für die angepriesene Karte des Oberamts Nürtingen ein einziger Bieter. Ob beim zweiten Bild die Höhe des angesetzten Preises das Publikum verschreckt hatte oder ob Wendlinger schon allein aus Lokalpatriotismus niemals etwas anderes als Wendlinger Ansichten an die Wand zu hängen pflegen - es fand sich jedenfalls niemand dafür und Raff musste das Bild wieder mitnehmen. ?Dann vielleicht doch beim Benefizschwätzen in Neckartailfingen.? Dafür fanden Raffs Bücher reißenden Absatz, und wer eine Signatur vom Autor wollte, der erhielt obendrein noch eine Widmung. Obwohl Gerhard Raff beim Benefizschwätzen auf sein Honorar verzichtet, musste er nicht mit leeren Händen nach Degerloch zurückfahren. Frisches Holzofenbrot, gebacken im Schatten der Jakobuskirche, und Landjäger, im Schatten der Eusebiuskirche hergestellt, wurde am Ende der vergnüglichen Veranstaltung von Pfarrerin Ute Biedenbach an den Schwaben mit Hirn überreicht. Geduldig signierte Gerhard Raff am Ende des Benefizschwätzens seine Bücher. gki

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 13.10.2005

"Der Glaube macht tüchtig für Konflikte"

Die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen hat einen neuen Jugendreferenten: Klaus Onischke

WENDLINGEN. Die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen hat seit Anfang September einen neuen Mitarbeiter. Und das, obwohl die Zahl der Stellen unverändert blieb. Klaus Onischke wirkt in Wendlingen als Jugendreferent. Möglich wurde der Einsatz dieses engagierten jungen Mannes, nachdem Diakonin Elisabeth Schoch-Fischer ihren Auftrag reduziert und Klaus Onischke den Bereich der Jugendarbeit übertragen hat. Gesprächsbereitschaft, Offenheit und gelebte Ökumene sind Klaus Onischke wichtig. Und da wird er auch den Spagat zwischen seiner 50-Prozent-Stelle in Wendlingen und der Nebentätigkeit als Jugendreferent in seinem Heimatort Nürtingen-Neckarhausen schaffen.

CHRISTA ANSEL Er möchte mit seinem Dienst als Jugendreferent etwas von dem zurückgeben, was er selbst in der Kinderkirche und den Jugendgruppen der Kirche als wohltuend erfahren hat. "Hier kann ich Klaus sein, so wie ich bin." Nach seiner Ausbildung als Koch hat Klaus Onischke am CVJM-Kolleg in Kassel Theologie und Sozialpädagogik studiert. Zu seiner neuen Aufgabe in Wendlingen gehört die Arbeit mit den Kinder- und Jungschargruppen, mit jungen Erwachsenen. Noch steht das Kennenlernen seines neuen Betätigungsfeldes im Mittelpunkt. Gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Kirchengemeinde will er schauen, wo zusätzlicher Bedarf besteht, wo vorhandenes ergänzt, ausgeweitet werden kann. Klaus Onischke sieht seine Aufgabe darin, viele Menschen für Gott zu gewinnen, einen Beitrag zu leisten am Bau des Reiches Gottes. Er will jungen Menschen zeigen, dass die Bibel nichts verstaubtes ist, dass Glaube "mit mir heute zu tun hat, mit Hoffnung, Zuversicht." Zuletzt war Klaus Onischke beim CVJM in Erlangen tätig. Wendlingens Pfarrer Martin Frey unterstützt die Arbeit des Jugendreferenten und weiß, wie wichtig es ist, einen sprachfähigen Glauben zu praktizieren, damit Kinder ganz selbstverständlich damit aufwachsen. Glaube mache tüchtig für Konflikte, biete Kindern Orientierung. Viel Beziehungsarbeit sei erforderlich, um junge Menschen zu gewinnen, um neue Gruppen, Aktionen und Projekte anbieten zu können. Das sieht auch Klaus Onischke so und sucht deshalb den engen Schulterschluss mit der Kommune, mit den Schulen, mit dem Jugendhaus. Auf vorhandenen Strukturen will er aufbauen und weiß die Verantwortlichen der Kirchengemeinde da hinter sich. Dazu gehört auch Thomas Kaiser vom Leitungskreis des Evangelischen Jugendwerks, der mit dem neuen Jugendreferenten vor allem bei der Ausarbeitung der Konzeption, bei der Entwicklung des Profils der Jugendarbeit eng zusammenarbeiten möchte. Für Pfarrer Martin Frey gehört dazu auch die Frage, was dabei für die evangelischen Christen in Wendlingen das besondere sein soll. Geschaut werden müsse, was in der Stadt gebraucht werde, was vorhanden sei und was fehle, ?Wir sind für die anderen da.?

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 30.09.2005

Schäden sind doch größer als erwartet

Sanierung der Jakobskirche in Bodelshofen wird teurer - Feuchtigkeit hat sich in allen Wänden ausgebreitet - Wandmalerei nicht in Gefahr

WENDLINGEN-BODELSHOFEN. Die Sorge, dass bei der Sanierung der Jakobskirche doch mehr herauskommt, als bisher angenommen, hat sich als berechtigt erwiesen. Die Feuchtigkeit, die nach ersten Betrachtungen lediglich in einem Teil des Mauerwerks erwartet worden war, wurde in allen Wänden festgestellt. Außerdem weisen auch die tragenden Holzpfeiler von der Empore feuchte Stellen auf.

GABY KIEDAISCH Nach dem Ausbau des teilweise wurmstichigen Gestühls, des vom Pilz befallenen Podests, der feuchten Holzverkleidung und nach Freilegung des Mauerwerks ist das Ausmaß der Schäden an der historischen Kirche doch größer als zunächst erwartet. Die Feuchtigkeit hat sich in allen vier Wänden festgesetzt. Zum Glück, muss man sagen, ist die Feuchtigkeit noch nicht bis in die Seccomalereien vorgedrungen. Vor negativen Überraschungen ist man bei alten Gemäuern nie sicher, das hat sich einmal mehr auch in dem Bodelshofer Kleinod aus dem 12. Jahrhundert gezeigt. Weshalb man zu einem früheren Zeitpunkt Holzbalken in den Betonboden unter dem Podest eingemauert hat, die jetzt beim Ausbau zum Vorschein gekommen sind, kann sich niemand erklären. "Das hat uns sehr überrascht", sagte Kirchenpflegerin Elisabeth Hartmann bei der Besichtigung. Die Balken sind inzwischen entfernt. Bevor der Boden eingeebnet wird, soll das Austrocknen des feuchten Mauerwerks mit einem Trocknungsgerät beschleunigt werden. Doch ob man das zu Hilfe nehmen darf, muss erst noch mit dem Denkmalamt abgeklärt werden. Außerdem muss der Kirchengemeinderat entscheiden, ob beim Einebnen des Untergrunds die teurere Variante angewandt werden soll oder ob man daran doch sparen muss. Denn bei knapp 100 Gemeindemitgliedern in der zweitkleinsten Kirchengemeinde Württembergs sind einige 1000 Euro mehr oder weniger eine beträchtliche Summe, auch angesichts von überschaubaren Rücklagen, die nicht mehr als 10 000 Euro ausmachen. Da nun feststeht, dass die Schäden doch größer sind, werden die geschätzten Sanierungskosten von bislang 22 000 Euro bei weitem nicht ausreichen. Jetzt geht das für die Sanierung zuständige Architekturbüro Essig von rund 5000 Euro Mehrkosten aus. Darin noch nicht enthalten sind die Kosten, die die teurere Sanierungsvariante für den Boden ausmachen würde. Verfault sind auch teilweise die tragenden Säulen der Empore. Eine Stütze ist im unteren Bereich schon so porös, dass nichts anderes übrig bleibt, als sie in diesem Bereich abzunehmen und das herausgesägte Stück zu ersetzen. Bei den beiden anderen Säulen muss diese Prozedur auch angewandt werden, obwohl sie noch stabiler sind, aber durch die Feuchtigkeit arg gelitten haben. Als Manko hat sich in dem Kirchenraum die fehlende Luftzirkulation herausgestellt. Sie ist im Wesentlichen die Ursache dafür, dass sich das Raumklima verschlechtert hat und die Feuchtigkeit am Mauerwerk "hinaufgekrochen" ist. Auch ist die Lage der Kirche am Hang nicht optimal, da das Grundwasser von hier in die darunter liegende Lauter fließt. Außerdem steckt die Nordwand der Kirche mehr als einen halben Meter im Boden. Aus Rücksicht auf den Denkmalschutz muss bei der Sanierung behutsam vorgegangen werden. So verbietet es sich, einfach durch die Außenwand des alten Gemäuers eine Öffnung zu bohren, um damit eine Querlüftung durch den Kirchenraum bis Emporentüre zu erreichen. Damit die Luft in der Kirche dennoch zirkulieren kann, müssen die Architekten erfinderisch werden. Um das Problem zu lösen, kommt deshalb nur noch die Eingangstür in Frage, in die vermutlich ein Gitter eingesetzt werden kann. Durch die unvorhergesehenen Schäden wird sich die Fertigstellung der Kirche voraussichtlich um zwei Wochen nach hinten verschieben. Bis in der Kirche wieder ein Gottesdienst gefeiert werden kann, werden vermutlich noch fünf Wochen ins Land ziehen. Damit könnte Anfang November die Kirche wieder bezogen werden. Umso dringlicher ist die Kirchengemeinde auf Spenden angewiesen. Schon heute wird zum Benefiz-Schwätzen am 11. November eingeladen, wenn Gerhard Raff um 19 Uhr in der Eusebiuskirche lesen wird. Für die Sanierung der Jakobskirche hat die Evangelische Kirchengemeinde ein Spendenkonto eingerichtet: Evangelische Kirchenpflege Bodelshofen, Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen (BLZ 611 500 20), Konto: 48 901 154. Wo sonst Wandmalereien und Sakrales dominieren, haben jetzt die Handwerker Einzug gehalten. Die wertvolle Seccomalerei ist unter Tüchern geschützt, die Steinwände liegen offen, die Bestuhlung und das Podest sind entfernt.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 26.09.2005

Im Miteinander den Weg des Glaubens gehen

Wendlingen bereitete dem neuen evangelischen Pfarrer Martin Frey einen herzlichen Empfang mit Investiturgottesdienst und Ständerling

WENDLINGEN. Nicht nur das sonnige Wetter zeigte gestern, dass es für die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen etwas Erfreuliches zu feiern gibt: Mit einem festlichen Gottesdienst wurde der neue Pfarrer Martin Frey im Beisein der Gemeinde in sein Amt eingesetzt.

GABY KIEDAISCH Wie froh die Kirchengemeinde über die Wiederbesetzung der Pfarrstelle II in der Uhlandstraße ist, das wurde nicht nur in den Reden beim anschließenden Stehempfang im evangelischen Gemeindehaus Bismarckstraße deutlich, sondern zeigte sich auch in einem vollen Gotteshaus. In der Eusebiuskirche hatte sich die Gemeinde versammelt, um bei der feierlichen Investitur dabei zu sein, die von der Kantorei, der Jungen Kantorei und Instrumentengruppe gesanglich wie musikalisch begleitet wurde. Im Beisein der Zeugen Antje Breitenbach und Pfarrerin Petra Dais wurde Pfarrer Martin Frey von Dekan Michael Waldmann verpflichtet und in sein Amt eingesetzt. Nach dem Weggang von Pfarrer Bofinger war die Pfarrstelle zehn Monate vakant geblieben. Die Länge dieser Zeit sei auch durch Sparmaßnahmen begründet gewesen, verdeutlichte Pfarrer Stefan Wannenwetsch von der ersten Pfarrstelle der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen bei seiner Begrüßung während des Stehempfangs anschließend im Gemeindehaus. Bei dieser Gelegenheit warf Wannenwetsch einen Blick zurück auf diese Zeit, in der in der Gemeinde fast keine Veranstaltung ausgefallen sei. Der Grund dafür habe nicht daran gelegen, dass es im zweiten Pfarramt so wenig zu tun gäbe, gab Wannenwetsch zu verstehen, sondern daran, dass viele mitgeholfen hätten. Ihnen allen drückte er seinen herzlichen Dank aus. Sein ausdrücklicher Dank galt den Kollegen des Distrikts Unterer Neckar, die die meisten Beerdigungen für das zweite Pfarramt übernommen hatten, den Lektoren, die die Gottesdienste feierten, Pfarrer Taut, der den letzten Konfirmandenjahrgang durch das Konfirmandenjahr begleitete und die Konfirmation feierte, Diakonin Schoch-Fischer und Christa Schimpf, die die Geburtstagsbesuche übernahmen, Kurt Eppinger, dem Zweiten Voristzenden des Kirchengemeinderats, der das Wahlverfahren für die Besetzung organisierte, und Kirchenpflegerin Elisabeth Hartmann, die die Pfarrhausrenovierung in der Uhlandstraße organisierte. "So weit der Blick zurück, jetzt soll er nach vorne gerichtet werden", sagte Wannenwetsch, der seinen neuen Kollegen und dessen Ehefrau Ae-Sun Lee-Frey auch im Namen seiner Frau Pfarrerin Ute Biedenbach herzlich willkommen hieß und seine Freude auf die gemeinsame Zusammenarbeit ausdrückte. Pfarrer Martin Frey war am 13. Mai zum Pfarrer auf die Pfarrstelle II gewählt worden und vom Landesbischof zum 1. September auf diese Stelle ernannt worden, daran erinnerte Kurt Eppinger in seinem Grußwort für die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen. Bei dieser Gelegenheit dankte auch er allen, die die Vakanz überbrücken halfen, besonders Pfarrerin Biedenbach und Pfarrer Wannenwetsch, die die Hauptlast während dieser Zeit getragen haben. Für seine neuen Aufgaben wünschte er Pfarrer Frey viel Kraft und eine gute kooperative Zusammenarbeit mit den Pfarrern und allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Bürgermeister Frank Ziegler überbrachte die besten Wünsche der Stadt Wendlingen. "Einen Tag zum Feiern" nannte er die Investitur von Pfarrer Frey, "man hat auf Sie gewartet, das haben die vielen Menschen im Gottesdienst gezeigt", bemerkte das Stadtoberhaupt. Neben den eigentlichen Aufgaben seien insbesonders die Ansprüche an einen Pfarrer heute gewachsen, der heute auch als Moderator, Kommunikator, Mediator und Werbeträger gesehen werde. Pfarrer Helmut Buchmann hieß Frey im Namen der Evangelischen Kirchengemeinde Unterboihingen und dem Distrikt Unterer Neckar "an der Peripherie der Landeshauptstadt Stuttgart" willkommen. Er freue sich ganz besonders auf die Zusammenarbeit bei den Kindergärten und in der Erwachsenenarbeit. Pfarrer Paul Magino von der Katholischen Kirchengemeinde Wendlingen-Unterboihingen drückte in seinem Grußwort seine Freude über das künftige Miteinander aus, sei doch das Verhältnis zwischen den Kirchengemeinden in der Stadt von einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit geprägt. Dass dieses Miteinander nun auch wieder mit der zweiten Pfarrstelle weitergehen könne, darüber freue er sich besonders. Auch der Rektor der Ludwig-Uhland-Schule, Ulrich Renz, der im Namen der Wendlinger Schulen sprach, freute sich, dass die Lücke nun geschlossen ist. "Auf den neuen Pfarrer ist man gespannt", sagte er und zeigte sich überzeugt davon, dass sich Frey seiner Verantwortung stellen werde. Eine Verantwortung, die nicht im Kopf, sondern im Herzen beginne. Karl M. Müller, Vorsitzender des Ortsrings der Wendlinger Vereine, überbrachte seinerseits als auch von seinem Kollegen Gerd Happe vom Unterboihinger Ortsring die besten Grüße. Müller erinnerte mit seiner Rede an den früheren evangelischen Pfarrer Mistele, den er als "geistigen Kopf und Motor" eines gemeinsamen Ortsrings würdigte. Nachdem dieser nicht zustande gekommen sei, habe dieser den Wendlinger Ortsring gegründet und das Städtlesfest. Müller hob in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Ortsring und der Kirchengemeinde hervor. Das Schlusswort an diesem Tag gehörte Pfarrer Martin Frey. Er bedankte sich bei allen, die im Gottesdienst mitgewirkt hatten. "Seien Sie nachsichtig mit mir", sagte er ob der vielen Erwartungen, die in den Reden und in der Gemeinde an ihn gerichtet wurden. Er freue sich auf die Zusammenarbeit in der Kirchengemeinde, zwischen den Kirchengemeinden, im Distrikt, mit der Gemeinde, den Vereinen und den Menschen. Umrahmt wurde der Stehempfang, bei dem die Gemeindemitglieder ihren neuen Pfarrer und dessen Frau Ae-Sun Lee-Frey kennen lernen und ihnen einen guten Start wünschen konnten, von Musikstücken von Händel, Reger und Mozart, gespielt von Sonja Berger an der Violine und Kantor Walter Schimpf am Klavier. 

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 22.09.2005

"Man muss die Menschen zusammenbringen"

Pfarrer Martin Frey wird am kommenden Sonntag, 25. September, in sein Amt in der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen eingesetzt

WENDLINGEN. Anfang September hat Pfarrer Martin Frey seinen Dienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen aufgenommen. Er wurde auf die zweite Pfarrstelle in der Gemeinde gewählt, die seit knapp einem Jahr vakant war. Am kommenden Sonntag wird Pfarrer Frey feierlich in sein Amt eingesetzt, wozu die Gemeinde eingeladen ist.

GABY KIEDAISCH Nach dem Weggang von Pfarrer Bofinger musste die zweite Pfarrstelle in der Uhlandstraße wegen der Wiederbesetzungssperre erst einmal vakant bleiben. Umso größer ist die Freude der Kirchengemeinde, dass diese aufgehoben wurde und die freie Stelle wiederbesetzt werden konnte. Der Kirchengemeinderat hatte sich bereits im Mai für Pfarrer Martin Frey von der Auferstehungskirche in Stuttgart-Rot entschieden. Seit August ist Pfarrer Frey mit seiner Frau Ae-Sun Lee-Frey und Tochter Lea in Wendlingen und hat bereits erste Kontakte zur Stadt und zur Kirchengemeinde geknüpft. Seine Frau Ae-Sun kam als Krankenschwester nach Deutschland und arbeitet als MTA im Bürgerhospital in Stuttgart. Tochter Lea will nach bestandenem Abitur erst einmal die Welt kennen lernen und geht für ein Jahr nach Australien und Neuseeland. Über die Stationen Beuren, Böblingen, Künzelsau und Stuttgart-Rot, wo Pfarrer Frey an der Auferstehungskirche 14 Jahre tätig war, wechselt der gebürtige Esslinger, Jahrgang 1953, nach Wendlingen. Die Zeit sei reif gewesen für einen Wechsel, sagt Frey, der in Rot neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit sich auch in der Kultur stark engagiert hat. Pfarrer Frey freut sich darauf, in der Eusebiuskirche Gottesdienste zelebrieren zu dürfen - stellt doch die Kirche und die Umgebung in den Augen des Kirchenmannes ein besonderes Kleinod dar. Als persönlicher Freund von Musik freut er sich deshalb auch auf das reichhaltige kirchenmusikalische Angebot der Kantorei. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Pfarrer Frey in der "Beziehungsarbeit", wie er das nennt. Hier hat Frey ganz besonders die Familien mit Kindern im Blick. Heutzutage, wo Beziehung eher auseinander laufe, will er die Kommunikation, die Gemeinschaft fördern und Einzelne beheimaten. Frey will als Mensch überzeugen und sucht deshalb das Gespräch mit anderen Menschen. Zu seinem breiten Aufgabengebiet als Pfarrer gehört auch der Schulunterricht, Kindergärten, die Erwachsenenbildung, aber auch die Organisation von Festivitäten innerhalb der Kirche, wie das Städtlesfest. Der Mensch muss ganzheitlich angesprochen werden, ist Freys Credo. Deshalb ist es ihm ein Anliegen entgegen der allzu überhand nehmenden Kopflastigkeit unserer Zeit alle Sinne des Menschen anzusprechen. Die Kunst und die Kultur sind solche Sinnesträger, weshalb er sich hier gerne engagiert. Damit lassen sich "ganz andere Zugänge zum Kern der biblischen Botschaft erschließen", so Pfarrer Frey. Gute Erfahrungen hat er damit bereits in Rot gemacht. Dort hat er im Laufe seiner Amtszeit auch vieles angestoßen wie die "Roter Tage der Musik" oder die "Roter Auferstehungsnacht", in der unterschiedliche Kultursparten zusammengebracht wurden und wo auch der Gaumengenuss nicht zu kurz kam. Die Begegnung der Menschen liegt Pfarrer Frey am Herzen. Aus diesem Grund war auch der "Roter Ohrensessel", entstanden. Ein Forum für Menschen aus der Gemeinde, ähnlich der Nürtinger Eckbank im Bürgertreff. Oder: Kunst im Turm. Das war schon so etwas wie ein Markenzeichen der dortigen Auferstehungskirche. Warum einen Kirchturm leer stehen lassen, wenn er genauso gut für junge Künstler als Kirchturm-Ateliers genutzt werden kann, fragte sich Pfarrer Frey und hat damit auch viel Ungewöhnliches angestoßen ? aber immer unter der Prämisse, Glaube, Kirche und Gemeinde zu vereinen. Warum also nicht einmal eine Ausstellung im Gemeindehaus? Ohne dabei jedoch mit anderen vorhandenen Kunststrukturen vor Ort konkurrieren zu wollen. Das wäre ihm ein Gräuel. Ihm geht es um das Miteinander. Die Offenheit in der Gemeinde, das ökumenische Miteinander, das gute Verhältnis der evangelischen Kirche zur bürgerlichen Gemeinde und zur katholischen Gemeinde waren es eben auch, was ihn an Wendlingen gereizt haben, bevor er hierher wechselte. So hat Pfarrer Frey viele Ideen, für die er die Menschen auch hier gewinnen möchte. Erfreut zeigt er sich über die vielen Ehrenamtlichen, was auch etwas über die Lebendigkeit einer Kirchengemeinde aussagt. Menschen in Vereinen, Organisationen, Schulen, Gewerbe - kurz, alle möchte er einbinden und zusammenbringen. "Das hat etwas mit der Menschwerdung Gottes zu tun", sagt er. Zur Amtseinsetzung von Pfarrer Frey am kommenden Sonntag, 25. September, lädt die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen herzlich ein. Der Investiturgottesdienst ist um 9.30 Uhr in der Eusebiuskirche, ein Stehempfang um 11 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Bismarckstraße.


Bericht der Wendlinger Zeitung am 09.07.2005

Feuchte Stellen setzen Jakobskirche heftig zu

Kleinod aus dem 12. Jahrhundert muss saniert werden - Finanzierung größtenteils gesichert - Auf Spenden trotzdem angewiesen

WENDLINGEN-BODELSHOFEN. Die Jakobskirche im Stadtteil Bodelshofen ist sanierungsbedürftig. Die hölzerne Wandverkleidung ist vom Pilz befallen, der Holzwurm nagt an den Bänken und das schlimmste, Feuchtigkeit hat den Mauern zugesetzt. Rasch muss jetzt gehandelt werden, soll nicht auch die wertvolle Seccomalerei unter den feuchten Wänden leiden. Nach der bisherigen Kostenschätzung sind rund 22 000 Euro für die Sanierung erforderlich. Der größte Kostenanteil ist durch Angespartes und Zuschüsse abgedeckt, doch mindestens 2500 Euro muss die kleine evangelische Kirchengemeinde durch Spenden und Sonderaktionen noch aufbringen. GABY KIEDAISCH Ein zirka vier Zentimeter großes Bruchstück aus der Wandmalerei und eine morsche Stelle im Holzboden haben bei Pfarrerin Ute Biedenbach die Alarmglocken läuten lassen. Inzwischen haben Gutachter erste vage Vermutungen bestätigt: in einem Teil der Kirchenwände hat sich Feuchtigkeit festgesetzt. Die Ursache dafür sehen die Fachleute in der Lage der Kirche. Direkt am Hang fließt das Grundwasser in die darunter liegende Lauter. Deshalb ist nach bisherigem Erkenntnisstand lediglich ein Teil von der Nord- sowie ein Stück der Südmauer betroffen. Bei augenscheinlicher Betrachtung der Wände schließt kaum etwas auf den feuchten Zustand im Mauerwerk, noch haben Salze der Salpetersäure die Wand nicht angegriffen oder die davor angebrachten Epitaphien ?angefressen?. So lange will man freilich nicht warten. Sobald der Oberkirchenrat grünes Licht für die Zuschüsse gibt, sollen Restauratoren und Handwerker in die Kirche einziehen. Für die kleine Kirchengemeinde bedeutet das, dass während der Zeit der Sanierung der Gottesdienst ausfallen muss. Für wie lange, das vermag zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keiner so genau sagen. Nach den Positionen auf der Maßnahmenliste zu urteilen, gehen vorsichtige Schätzungen von mindestens sechs bis acht Wochen aus. Doch was die Handwerker und Restauratoren tatsächlich erwartet, das wird sich erst zeigen, wenn die Lamperie an der Wand und der Holzboden mit den Bänken entfernt sind. ?Im Moment wissen wir nicht, was bei der Sanierung noch alles herauskommt?, sagt Pfarrerin Ute Biedenbach besorgt. Bei der anstehenden Sanierung kann nach Aussagen von Experten auf eine Drainage entlang der Außenmauer verzichtet werden. Dies sei bei der letzten großen Sanierung 1964 bereits gemacht worden. Die Feuchtigkeit im Mauerwerk wird diesmal von innen angegangen. Dazu wird der Putz von der Wand abgeschlagen und spezieller Sanierputz aufgebracht. Wenn das erledigt ist, kann der Maler anrücken. Bei den Untersuchungen des Kircheninneren wurde festgestellt, dass der Holzboden an einigen Stellen brüchig und wie die Lamperie vom Pilz befallen ist. Die Ursache dafür ist in der Holzverkleidung zu suchen, die die von außen eindringende Feuchtigkeit abgehalten hat, in den Raum auszudünsten. "Deshalb ist die Feuchtigkeit in der Wand nach oben gekrochen und gefährdet damit die Wandmalerei," weiß die Pfarrerin. Während man künftig auf die Wandverkleidung verzichten will, müssen Holzboden und Holzpodest ersetzt und mit einem neuen Lüftungsgitter versehen werden. Die teils wurmstichigen Bänke werden gegen den tierischen Eindringling behandelt.

Wandmalereien gefährdet

Behutsames Vorgehen hat vor allem bei den Wandmalereien oberste Priorität. Der wertvolle Passionszyklus, der zwischen 1420 und 1430 entstanden ist, und bei der letzten großen Sanierung der Kirche vor 42 Jahren entdeckt wurde, muss abgehängt und gereinigt werden. Das kann nur von Spezialisten gemacht werden. Genauso der Umgang mit den Epitaphien, die viel zu nah auf dem Mauerwerk sitzen. Sie müssen weiter weg von der Wand gerückt und gereinigt werden. Ein Hinweis auf die Feuchtigkeit ist nach jetziger Erkenntnis der modrige Geruch in der Luft, der vor allem bei geschlossener Tür wahrgenomen wird. Ein Nachteil: außer der Kirchentür lässt sich kaum ein Fenster öffnen. Eine entsprechende Belüftung der Kirche hat bisher völlig gefehlt. Das soll mit der jetzigen Sanierung nun nachgeholt werden. Außerdem wird die Heizung auf Herz und Nieren geprüft und neue Konvektoren müssen montiert werden.

Sanierungskosten etwa 22 000 Euro

Was die Sanierung kosten wird, das wurde in einem Finanzierungsplan detailliert aufgestellt. Danach muss die zweitkleinste Kirchengemeinde Württembergs mit gerade mal 90 Gemeindeglieder 22 000 Euro aufbringen. An Rücklagen hat die Kirchengemeinde 10 000 Euro angespart. Mit Zuschüssen von 9500 Euro kann die Gemeinde vom Kirchenbezirk und Oberkirchenrat rechnen. Vermutlich keinen Zuschuss wird es vom Denkmalamt geben, da der Mindestaufwand für eine Bezuschussung nicht erreicht worden sei, sagte Pfarrerin Ute Biedenbach. Inwie-weit die Sanierung durch die Stadt Wendlingen unterstützt wird, das muss erst noch mit einer Anfrage geklärt werden. Bleibt für Pfarrerin Biedenbach zu hoffen, dass sich die restlichen, bis jetzt noch nicht gedeckten 2500 Euro durch Spenden und Sonderaktionen ausgleichen lassen.

Morgen ökumenischer Gottesdienst

Übrigens: Zu einem ökumenischen Gottesdienst wird am morgigen Sonntag, 10. Juli, in die Jakobskirche nach Bodelshofen um 18 Uhr eingeladen. Pfarrerin Ute Biedenbach und Pfarrer Paul Magino zelebrieren den Gottesdienst. Wer die Sanierung des Kleinods unterstützen möchte, für diejenigen hat die Evangelische Kirchengemeinde ein Spendenkonto eingerichtet: Evangelische Kirchenpflege Bodelshofen, Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen (BLZ 611 500 20), 48 901 154. Besorgt schaut Pfarrerin Ute Biedenbach in die Zukunft: Was bei der anstehenden Sanierung noch alles herauskommt, weiß bislang keiner genau. gki

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 28.06.2005

Unterwegs auf den Wegen des Lebens

Der Bezirksarbeitskreis Frauen des Evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen lud zum liturgischen Abendspaziergang nach Wendlingen ein

WENDLINGEN. Gottesdienste in freier Natur sind mittlerweile gang und gäbe im Kirchenalltag. Eine weitere Form des Gottesdienstes erfreut sich seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit: der liturgische Spaziergang. Ähnlich den mannigfaltigen Theatergruppen, die dem klassischen Bühnenraum den Rücken kehren und ihr Publikum mit auf die Reise nehmen, funktioniert diese Form der kirchlichen Andacht. Bereits zum vierten Mal lud der Bezirksarbeitskreis des evangelischen Dekanatamts Nürtingen seine engagierten Frauen ein, in diesem besonderen Rahmen einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern, aber auch Kontakte zu pflegen. Theologische Unterstützung leistet dabei Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vinçon, die der Oberensinger Kirchengemeinde vorsteht.

ASTRID SCHLUPP-MELCHINGER "Mittlerweile sind wir schon Vorbild für benachbarte Dekanate, die diese Idee begeistert aufgegriffen haben", erzählt Beate Haußmann vom Organisationsteam. Der liturgische Spaziergang findet jedes Jahr an einem anderen Ort des Dekanatbezirkes statt, der in etwa dem Altkreis Nürtingen entspricht. Auf diese Weise sollen die Mitglieder auch räumlich erfahren, wo die Kolleginnen zu Hause sind und sich engagieren. Rund um Neckartailfingen, Zizishausen und Unterensingen sowie Nürtingen und Oberensingen war die Gruppe bereits auf Wanderschaft. Und so viel sei vorab gesagt: Von den landschaftlichen Reizen der Wendlinger Umgebung waren die Damen, die von weiter her kamen, äußerst angetan. Trotz tropischer Temperaturen hatten sich am Freitagabend rund 80 Frauen versammelt. Doch zuerst ging es in die kühle Eusebiuskirche - bei diesen Hitzegraden prinzipiell der bessere Ort für eine Zusammenkunft. An dieser ersten Station begrüßte Karin Löw die angereisten Verantwortlichen der kirchlichen Frauenkreise und legte das Thema des Abends dar: "Wege des Lebens", begleitet vom Text der biblischen Ruth-Geschichte. Unser ganzes Leben lang hindurch gingen wir die unterschiedlichsten Wege, mal gehe es "bergauf, mal bergab, mal ist er unbeschwert, mal mühsam, oft gemeinsam mit anderen, manches Mal auch in Einsamkeit, behütet oder gefährlich oder an einem Kreuzweg stehend, der eine Entscheidung fordert", so stieß Karin Löw die vielfältigen Facetten dieses Themas an. "Wir wollen erzählen, beten, singen, schweigen, tanzen und reden". Und dann ging es raus in die Gluthitze. Gleich nach dem Wendlinger Friedhof bog man auf die Felder ab. Es gab viel zu erzählen und in diesem Augenblick war die Gruppe nicht von normalen Spaziergängern zu unterscheiden. An einer Weggabelung wurde mit Liedern und einem Gebet Rast eingelegt. Als dann die Organisatorinnen die Damen zum Pilgerschritt anhielten, erhielt die beschauliche Wanderung den Charakter einer Pilgerfahrt. Drei Schritte vor, einer zurück, bewegte sich die Gruppe wiegend vorwärts, dazu den Kanon singend: "Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht." Die einheitliche Bewegung und die geschlossen auftretenden Stimmen wirkten faszinierend. Vorbeilaufende Spaziergänger blickten recht perplex auf diese geschlossene Phalanx singender, ausschreitender Frauen, die ihnen fest auftretend im Wiegeschritt entgegenkamen. Nach einem kurzen Marsch läutete ein zarter Gong den schweigenden Abschnitt dieses außergewöhnlichen Spaziergangs ein. Der Kies knirschte auf dem Weg, Staub und Hitze, Vogelgezwitscher und der Geruch des reifenden Getreides wurden viel intensiver wahrgenommen, ebenso wie ein Kleintransporter, der plötzlich des Weges brummte. An der dritten Station traten die Teilnehmerinnen zum Kreistanz zusammen. Obwohl dieser in ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen abläuft, war die Hitze kaum auszuhalten und alle waren erleichtert, als der nächste Haltepunkt im Schatten eines Gartenhäuschens erreicht worden war. Dort wurden frisches Brot und kühles Wasser sinnbildlich geteilt. Es gab keine Becher, die geöffnete Handschale musste reichen und wurde aus irdenen Krügen mit dem kühlen Nass gefüllt und das Entbehrte wurde umso höher geschätzt. "Ah, ist das eine Wohltat", war von vielen zu hören. Der Weg am Golfplatz vorbei zeigte, dass der Rasen dort kein Wasser entbehren musste, und wies darauf hin, dass die vorletzte Station des Abendspaziergangs, die Jakobuskirche, nicht mehr weit war. Und viele Besucherinnen von auswärts stellten anerkennend fest, wie schön es hier doch sei. Das bauliche Kleinod in Bodelshofen war ein idealer Ort, um einzukehren, war doch das Kirchlein das gesamte Mittelalter hindurch eine Sammelstelle für Pilger auf dem Weg ins berühmte Santiago de Compostela. Nach Gesang und Gebet musste noch der Weg zurück nach Wendlingen ins evangelische Gemeindehaus bewältigt werden. Dort erwarteten die Wegesuchenden zum Ausklang dieses besonderen Abendspaziergangs weitere gemeinsame Gespräche sowie ein kleiner Imbiss zur Stärkung, den sich alle redlich verdient hatten. Einen besonderen Augenschmaus und gleichzeitig einen sich über alle Tische durchziehenden Bezug zum Thema "Wege des Lebens" bot der sinnbildliche rote Faden, den Lore Mahrt aus Oberensingen in äußerst phantasievolle Dekorationen umgesetzt hatte.


Bericht der Wendlinger Zeitung am 14.06.2005

2500 Kilometer unterwegs auf dem Jakobsweg

Zwei Wendlinger Ehepaare starteten am Sonntagmorgen auf eine ganz individuelle und höchst anspruchsvolle Pilgerwanderung

WENDLINGEN. Sie haben sich intensiv vorbereitet, haben trainiert auf eine höchst anspruchsvolle Unternehmung. Siegfried und Helga Bauer und Philipp und Erika Laubach starteten am Sonntag früh an der Jakobskirche zu einem 2500 Kilometer langen Weg nach Santiago de Compostela. Unterwegs sind die vier Wendlinger mit dem Rad und zu Fuß. Acht Wochen sind für diesen höchst anspruchsvollen Pilgerweg eingeplant. Am Sonntag früh wurden sie im Beisein ganz vieler Radlerfreunde von Pfarrerin Ute Biedenbach, von Pfarrer Paul Magino und von Edmund Zeller von der Jakobsweg-Gemeinschaft herzlich verabschiedet.

CHRISTA ANSEL Davon, auf dem historischen Jakobsweg einmal selbst unterwegs zu sein, haben die Bauers und die Laubachs immer mal wieder geträumt. Jetzt, nachdem alle aus dem aktiven Berufsleben ausgestiegen sind, stellen sie sich dieser Zeit und Kraft fordernden Unternehmung. Am Sonntagmorgen starteten die vier Radler vom Radsportverein Wendlingen zur ihrer Pilgerfahrt. In acht Wochen wollen sie Santiago de Compostela beziehungsweise das 100 Kilometer entfernt am Meer gelegene Finisterre erreicht haben. Die ersten 2000 Kilometer legen die Bauers und die Laubachs mit dem Rad zurück. Durch Frankreich hindurch bis zum spanischen Burgos, schon mitten in den Pyrenäen gelegen, wollen sie mit dem Rad fahren. Das sind gut 2000 Kilometer. Zwischen 80 und 100 Kilometer am Tag möchten sie auf dem historischen Jakobsweg unterwegs sein. Die letzten 500 beziehungsweise 600 Kilometer wollen Helga und Siegfried Bauer und Erika und Philipp Laubach zu Fuß gehen. Eine gewaltige Herausforderung, der sich die vier - alle zwischen 60 und 65 Jahre alt - stellen. Vier Wochen wollen sie sich Zeit nehmen für die Tour mit dem Rad, noch mal vier Wochen für die Wanderung zu Fuß. In Burgos, wo die Wendlinger vom Rad auf die Füße umsteigen, werden die vier von Bauers Tochter erwartet. Sie nimmt die Räder entgegen und bringt den vier Mutigen neues Reisegepäck. Intensiv haben sich alle vier auf diese Pilgerreise vorbereitet. Viele Bücher haben sie gelesen, viele Menschen haben sie in der Organisation unterstützt, von eigenen Erfahrungen berichtet und so dafür gesorgt, dass die Wendlinger frohen Mutes in ihr ganz persönliches Wagnis aufbrachen. Erst kürzlich waren die vier unterwegs auf dem Jakobsweg von Rothenburg ob der Tauber bis nach Wendlingen. 150 Kilometer, die ahnen ließen, wie sehr die Füße nach einem sieben- oder achtstündigen Marsch zu schmerzen beginnen. Viele Menschen haben sie am Sonntagmorgen verabschiedet. Unter ihnen fast die gesamte Wendlinger Pfarrerschaft. Pfarrerin Ute Biedenbach, die Pfarrerin der Jakobskirche, die gemeinsam mit Pfarrer Stefan Wannenwetsch nach Bodelshofen gekommen war, freute sich darüber, erstmals Menschen von der Bodelshofer Jakobskirche aus auf den Pilgerweg zu schicken. Sie ging ein auf das Zeichen der Pilger, die Jakobsmuschel, die in Bodelshofen an vielen Stellen zu finden ist. Die Pfarrerin sprach ein Gebet zum Aufbruch und setzte den ersten Stempel in das Pilgerbuch der Bauers und der Laubachs. Edmund Zellner erzählte eine Geschichte von der "Jakobsweg-Vorbereitung" und zeigte sich zuversichtlich, dass die vier angesichts der intensiven Vorbereitung und des guten Trainings wohlbehalten wieder zu Hause ankommen werden. Er sprach von einer wahrhaftig großen Strecke, die die zwei Männer und zwei Frauen miteinander bewältigen wollten. Zellner, der die vier Radsportler bei ihrer Vorbereitung unterstützt hat, sprach davon, dass diese längst wahre Jakobspilger geworden seien. Viele gute Wünsche begleiteten die vier Radler und Gottes Segen, den Pfarrer Paul Magino am Sonntag früh unter freiem Himmel sprach. Ausgestattet mit Kartenmaterial vom Jakobsweg durch Deutschland, Frankreich und Spanien, sind die Radler zuversichtlich, diese Strecke zu bewältigen. Übernachtet wird entlang des Jakobswegs immer dort, wo sich Gelegenheit bietet. ?Da sind wir flexibel?, weiß Siegfried Bauer. In irgendeinem Pilgerhaus oder einem Pfarrhaus wird sich schon allabendlich ein Bett für die müden Pilger finden.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 23.05.2005

Unterwegs auf den Spuren Bachs

Kantorei der Eusebiuskirche reiste nach Thüringen und Sachsen

WENDLINGEN (so). Die Kantorei der Eusebiuskirche Wendlingen unternahm kürzlich eine Reise zu verschiedenen Stätten Johann Sebastian Bachs in Thüringen und Sachsen. Unter der Reiseleitung von Günter Kaßberger und anderen Mitgliedern des Reiseteams (Ingeborg Spendou, Elisabeth Hartmann, Christa und Walter Schimpf) begegnete die Gruppe Landschaften, Burgen und Bach- und Lutherstätten. Nach einer eindrucksvollen Führung durch die Wartburg, die Stätte, an der Martin Luther als "Junker Jörg" das Neue Testament übersetzte, ging es aber auch schon weiter nach Eisenach ins Bachmuseum und in das Lutherhaus. Dank der sehr gelungenen Einführung in Bachs Leben in Eisenach von Kantor Walter Schimpf ließen sich alle gern auf das "Abenteuer Bachmuseum" ein. Ein freundlicher Museumsführer stellte verschiedene Bach-Instrumente vor und spielte darauf, um ein Gehör für diese zu verschaffen. Später im Lutherhaus gab es so viel zu bestaunen und betrachten, dass für müde Schwaben in Thüringen einfach nicht die passende Zeit war. Als gegen Abend die Reise im Bus nach Wechmar bei Gotha in das dortige Bachmuseum ging, lauschte der ganze Chor dem Vortrag von Frau Hartmann zur Familie Bach in Wechmar gespannt. Eine Museumsführung gab gekonnt nicht nur Einblicke in den Stammbaum der großen Familie Bach, sondern auch in die Geschichte Wechmars. "Von Wechmar aus zog die Bachfamilie in die Welt." Veit Bach, der Ururgroßvater von Johann Sebastian, kam aus Ungarn zurück nach Wechmar in das Bachhaus, das besichtigt wurde. Auf einer Fläche von 60 Quadratmetern sind im Stammbaum 1520 Namen von 550 verschiedenen Bachfamilien dargestellt. Vom Kurort Brutterode, dem Unterkunftsort der Wendlinger Reisegruppe, ging es anderntags auf Fahrt durchs romantische Saaletal, vorbei an Nietzsches Grundschule. In Naumburg berichtete eine Stadtführerin Interessantes. Sehr beeindruckend war in der St.-Wenzel-Kirche die Hildebrandt-Orgel. Die Wendlinger konnten an dem gewaltig-gigantischen Klang teilhaben und davon ausgehen, dass sie nach umfassender Restaurierung so zu hören war, wie Johann Sebastian Bach sie einst hörte. Die Hildebrandt-Orgel war eine seiner Lieblingsorgeln. Wie die Reisenden der Kantorei alle auf die Thomaskirche und den Thomanerchor in Leipzig "brannten"! Doch zunächst genossen sie einen Stadtrundgang. Beeindruckend war der Vespergottesdienst "Motette mit dem Thomanerchor", der sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird. Der Leiter des Chores, Professor Georg Christoph Biller, ist als Thomaskantor 16. Nachfolger Johann Sebastian Bachs. 1723 wurde Bach in das Amt eingeführt, das er 27 Jahre lang ausführte. Am darauf folgenden Tag fuhr die Gruppe über Gotha nach Erfurt und dort ging es "auf Bach'schem Wege durch die Stadt". Das Orgelkonzert in der Predigerkirche genossen alle in vollen Zügen. Am Nachmittag ging es nach Weimar mit seinen vier Berühmtheiten: Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder. Großen Eindruck machten originale Urkunden und Briefe Schillers. Der Ausflug nach Arnstadt am Sonntag bildete einen schönen Abschluss. Die Gruppe nahm am Gottesdienst in der Bachkirche teil. Johann Sebastian Bach war als Jugendlicher Kantor in dieser Kirche, die sich als einzige "Bachkirche" nennt. Wunderschön gefiel dabei das weiß-goldene Kirchenschiff und zur Freude aller erklärte sich ein Kirchengemeinderatsmitglied der Bachkirche bereit, über die Geschichte dieser ehemaligen "Armenkirche" zu erzählen. Im Anschluss an den Gottesdienst ließen die Wendlinger es sich nicht nehmen, mit einem musikalischen Beitrag den Kirchenraum zu füllen - natürlich musste auch etwas von Bach dabei sein.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 19.05.2005

Die Zeit der Vakanz ist vorbei

Evangelischer Kirchengemeinderat wählte einen neuen Pfarrer

WENDLINGEN. Im Oktober letzten Jahres wurde Pfarrer Dieter Bofinger von der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen verabschiedet. In Stuttgart hat er eine neue Aufgabe übernommen und von Stuttgart kommt auch sein Nachfolger, den der Kirchengemeinderat am vergangenen Freitag gewählt hat: Pfarrer Martin Frey.

CHRISTA ANSEL Pfarrer Stefan Wannenwetsch machte gestern die freudige Mitteilung. Das Besetzungsgremium - bestehend aus den stimmberechtigten Mitgliedern des Kirchengemeinderates und einem Vertreter des Kirchenbezirks - hat am vergangenen Freitag entschieden: Pfarrer Martin Frey wird Nachfolger von Pfarrer Dieter Bofinger. Ausgewählt wurde der neue Pfarrer an der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen aus drei Vorschlägen des Oberkirchenrates. Pfarrer Martin Frey wurde 1953 geboren, ist verheiratet und Vater einer Tochter. Zur Zeit noch versieht Martin Frey seinen Dienst in Stuttgart-Rot an der Auferstehungskirche. In Wendlingen wird er das Pfarramt II der Evangelischen Kirchengemeinde übernehmen. Noch offen ist der Umzug der Familie Frey von Stuttgart nach Wendlingen und der Dienstbeginn von Pfarrer Martin Frey. Bis August gibt es für die Pfarrstelle am Pfarramt II ja eine Wiederbesetzungssperre. Die Investitur, der Einführungsgottesdienst, ist aber bereits terminiert. Die Einsetzung findet am Sonntag, 25. September, in der Eusebiuskirche statt. Der gebürtige Esslinger Martin Frey freut sich auf seine neue Aufgabe in Wendlingen. Er sei mit der Gegend um Wendlingen sehr vertraut, freue sich auf die Vielfalt des kirchengemeindlichen Lebens in Wendlingen. Man schaue ja schon genau hin, bevor man sich um eine Pfarrstelle bewirbt, versicherte Martin Frey. An Wendlingen habe ihm gefallen, wie sehr man sich hier bemühe, alle positiven Kräfte zu bündeln, um "für die Menschen etwas Heilsames hinzukriegen". Und da gehöre für ihn die Zusammenarbeit mit allen Religionen dazu. Man darf auf den neuen Wendlinger Pfarrer gespannt sein, widmet er sich doch mit großem Engagement der Verbindung von Kirche und Kultur, pflegt intensive Kontakte mit Musikern und Künstlern. In seiner bisherigen Kirchengemeinde in Stuttgart-Rot ist er der Initiator eines Kulturcafés, zahlreicher Ausstellungen, musikalischer und literarischer Abende in der Kirche. Im Turm der Auferstehungskirche in Stuttgart-Rot sind Künstlerateliers eingerichtet. Am 2. Juli steigt im Stuttgarter Stadtteil Rot übrigens die "Roter Kulturmeile" mit der Auftaktveranstaltung "Rot geht". Mit dieser Aktion will Pfarrer Martin Frey die Roter zum Mitmachen anregen, das Verantwortungsbewusstsein der Menschen für ihre Stadt stärken. Mit großem Interesse hat Martin Frey von der Galerie der Stadt Wendlingen gehört, weiß er um das Industriedenkmal auf dem Otto-Areal. Gespannt ist er nicht nur auf die vielen Gruppierungen und Kreise seines künftigen Wirkungskreises. Zum Kennenlernen einer Stadt gehört für Pfarrer Martin Frey immer auch die Auseinandersetzung mit deren Geschichte.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 19.04.2005

Bodelshofen ­ ein Sonderweg in der Geschichte

Wechselnde Besitzverhältnisse in der zweitkleinsten Kirchengemeinde Württembergs - 1933 nach Wendlingen eingemeindet

WENDLINGEN-BODELSHOFEN. Für viele ist Bodelshofen etwas Besonderes: Die Jakobuskirche, die Zwischenstation für viele Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela war, und die wechselvollen Besitzverhältnisse zeichnen die bis heute zweitkleinste Kirchengemeinde Württembergs als ein geschichtsträchtiges Kleinod aus, das seinen besonderen Charme bis heute bewahrt hat.

GABY KIEDAISCH Zu den Verehrerinnen des Weilers, der seit 1933 Stadtteil von Wendlingen ist, gehört Renate Treuherz. Die Lehrerin für Deutsch, Ethik und Geschichte am Ludwig-Uhland-Gymnasium in Kirchheim beschäftigt sich auch in ihrer Freizeit mit der Historie. Bodelshofen gibt hierfür genügend Belege aus der Vergangenheit, die ihr Interesse geweckt haben. Auf Einladung des Schwäbischen Heimatbunds, Regionalgruppe Kirchheim, führte sie am vergangenen Mittwoch eine 45-köpfige Personengruppe durch die wechselhafte Geschichte Bodelshofens. Bereits in der Jungsteinzeit wurde der heutige Weiler von Menschen besiedelt. Obwohl die einzige planmäßige Ausgrabung im Stadtteil Unterboihingen in den 1960ern gemacht wurde, ist die größte jungsteinzeitliche Siedlung der Stadt Wendlingen in Bodelshofen zu finden. Verschiedene Fundplätze mit Waffen, Hausgeräten, Grundmauern von Häusern belegen dies. Alleine 208 solcher Funde gehen auf Baumaßnahmen zurück, die zwischen 1970 bis 1972 in zwei Baugruben gefunden wurden.

Auf Mauern aus Keltenzeit erbaut

Heute glaubt man, dass dort, wo sich die Jakobuskirche befindet, früher ein keltisches Heiligtum gethront hat. Zu dieser Erkenntnis kommen Experten, weil eine künstliche Wasserader in der Mitte der Kirche und quer durch das Kirchenschiff geflossen ist. Von den Kelten weiß man, dass sie auch Wasser an bestimmte Stellen unter der Erde geführt haben. Auf so eine Wasserader ist man bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1964 gestoßen. Renate Treuherz ist auch überzeugt davon, dass die Kirche, die auf das Jahr 1105 zurückgehen soll - erste urkundliche Erwähnungen reichen bis 1268 zurück - auf den ursprünglichen Mauern aus der Keltenzeit errichtet worden ist. Während die Gemeinden Wendlingen und Unterboihingen früher zu den Grafen von Aichelberg gehörten, hatten in Bodelshofen die Herzöge von der Teck das Sagen. Mit der Reformationszeit wurden die Spuren der früheren katholischen Kirche verwischt. Bei der Generalsanierung der Kirche im Jahre 1964, bei der die Kirche entwässert und meterhoch umgraben wurde, kam beim Abschlagen des Putzes Seccomalerei zutage. "Im Gegensatz zum Fresco eine Wandmalerei, die auf trockenem Putz ausgeführt wird", erläuterte Renate Treuherz. Sofort taten sich Ähnlichkeiten auf mit der Kirche in Schwieberdingen. Daraus schloss man, dass das Secco zwischen 1420 und 1430 entstanden sein muss. Es stellt sich für Treuherz die Frage, wer Interesse an so einer Ausschmückung der Kirche gehabt haben könnte. Die Geschichtslehrerin: "Die Herren von Wernau haben den Weiler gekauft, um hier einen würdigen Ort für sich zu finden." Der Historiker Dr. Gerhard Hergenröder komme allerdings zu einem anderen Schluss: danach wollten sie eine angemessene Begräbnisstätte für sich gestalten.

Von Stockhausens Glasfenster

Nicht nur der Passionszyklus mit seinen einzelnen Stationen bis zur Kreuzigung ziert den Kirchenraum, auch die vier Glasfenster sind eine besondere Bereicherung: Sie stammen von dem renommierten Künstler Hans-Gottfried von Stockhausen. "Die Kirche zeigt die Entwicklung seines Lebenswerks auf", wies Renate Treuherz bei der Führung durch die Jakobuskirche hin. Von Stockhausen hat sich mit seinen Werken zwischen den Jahren 1953 bis 1998 in dem Kirchlein verewigt.

Auf dem Weg nach Santiago

Die Jakobuskirche von Bodelshofen gehörte zu den Pilgerstationen im Mittelalter, die in jüngster Zeit wieder entdeckt wurden. Das Muschel-Stern-Symbol weist an der Straße auf die Besonderheit. Anhand von Funden, die bei Ausgrabungen gemacht wurden, konnte rekonstruiert werden, dass Bodelshofen eine Station auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela gewesen ist. - "Eine der größten Wallfahrtsbewegungen des Abendlandes", erläuterte Renate Treuherz, die vergleichbar mit Rom und Jerusalem sei. Die Pilgergruppen sammelten sich hier oder suchten hier eine Nachtstätte auf ihrem weiten Weg nach Spanien. Wechselvoll sind die Besitzverhältnisse von Bodelshofen. Schriftlich festgehalten ist als Eigentümer das Dominikanerinnenkloster von Kirchheim, das den Hof 1292 erworben hat. Gleiches geschah 1451, als die Nonnen den Weiler an die Herren von Wernau übergaben, jedoch nicht den Klosterhof.

Schloss wird abgebrochen

Mit dem Verkauf Wendlingens an Württemberg im Jahr 1545 zog sich Wolf Heinrich von Wernau nach Bodelshofen zurück. Bestandteil des Verkaufvertrages war eine neue Residenz, die sich Wolf Heinrich auf Kosten von Herzog Ulrich in Bodelshofen errichten ließ. Hierbei handelte es sich um das Schloss im Kirchheimer Tiergarten, das abgebrochen und in Bodelshofen wieder aufgebaut wurde. Doch eine lange Lebensdauer war dem Schloss nicht vergönnt: Franz Gottlieb von Palm ließ es 1744 teilweise abbrechen, nachdem er es vier Jahre vorher mit dem Hofgut erworben hatte. Der Bankier von Palm hatte Größeres vor: ein Residenzschloss mit einer weitläufigen Gartenanlage. Doch dazu kam es nicht, nachdem der Adlige kurze Zeit später verstarb. In der damaligen Zeit war auch Steinbach und das Stadtpalais in Esslingen in den Besitz von Palms gekommen. Mit der Heirat Berthold Schillings von Cannstatt mit Apollonia, einer Schwester von Wolf Heinrich von Wernau, kam Bodelshofen 1550 in den Besitz Württembergs. Abermals änderten sich die Besitzverhältnisse im Jahre 1616, als Bodelshofen an das Herzogtum Württemberg verkauft wurde. Damit wurde eine jahrhundertealte Klausel aufgehoben, nämlich dass Bodelshofen katholisch bleibt. "Damit wurde die Reformation in dem Weiler eingeführt", erklärte die Führerin ihren Zuhörern. Protest blieb von den damals 40 Einwohnern nicht aus, die sich gegen die Zwangskonvertierung zunächst zur Wehr setzten. Noch ein paar Mal wechselten die Besitzverhältnisse des kleinen Weilers, bis Gudrun von Massenbach, die Mutter des heutigen Gutsbesitzers Heiko Freiherr von Massenbach, das Gut im Jahre 1947 erbte. Bodelshofen hatte lange Zeit einen Sonderstatus: seit 1829 wurde es gegen den Willen Wendlingens Teilgemeinde mit einigen Sonderrechten. So konnten sich die Bodelshofer auf ein eigenes Bürgerrecht berufen oder hatten einen eigenen Ortsvorsteher. Endgültig wurde der Weiler mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 nach Wendlingen eingemeindet. Seither ist er der kleinste Wendlinger Stadtteil. Regelmäßig wandeln Interessierte auf geschichtsträchtigen Spuren. Der Schwäbische Heimatbund, Regionalgruppe Kirchheim, war diesmal in Bodelshofen. gki

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 08.04.2005

Defizite bei der Sprachfähigkeit der Kinder

Pfarrer Paul Magino und Pfarrer Stefan Wannenwetsch sprachen beim "runden Tisch" der SPD-Senioren über die Aufgabe der Kirchen

WENDLINGEN. Um die Aufgaben der Kirchen in Wendlingen ging es beim jüngsten "runden Tisch" des Kreisverbandes Esslingen der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Seniorinnen und Senioren im Café "Hefekränzle". Gesprächspartner der gut besuchten Runde waren die beiden Wendlinger Pfarrer Paul Magino von der Katholischen Kirchengemeinde St. Kolumban und Pfarrer Stefan Wannenwetsch von der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen. Aus beider Erzählungen wurde deutlich, dass die Aufgabe der Kirche über die Begleitung der Menschen in ihren Lebenssituation hinausgeht. Erkennbar wurden gemeinsame Aufgaben der beiden großen Kirchen und Einblick erhielten die Besucher von der Mitwirkung der Kirchen an gesellschaftlichen Prozessen. Besonders deutlich wurde dies an der Kindergartenarbeit, für die in Wendlingen die Kirchengemeinden die Hauptverantwortung tragen.

CHRISTA ANSEL Pfarrer Stefan Wannenwetsch, der sich gemeinsam mit seiner Frau Ute Biedenbach die Pfarrstelle an der Eusebiuskirche in Wendlingen teilt, listete die Reihe der Lebensstationen auf, bei denen die Kirche die Menschen begleitet. Das reicht von der Taufe nach der Geburt bis hin zum Tod. Und hier sei die Begleitung der Angehörigen eine ganz wichtige Aufgabe vor allem dann, wenn ein früher Tod verkraftet werden müsse. Stefan Wannenwetsch streifte die Aufgabe der Kirchen bei der Sozialstation oder der Diakoniestation oder das Mitwirken der Pfarrer am Religionsunterricht. Ein ganz anderes Aufgabenspektrum habe die Kirche als Träger von Kindergartengruppen. In Wendlingen sind es neun evangelische und sechs katholische Gruppen. Diese Aufgabe sei ausgesprochen aufwändig, befinde sich doch im Kindergartenbereich vieles im Umbruch, sei man stets gefordert, sich in Veränderungen des Arbeitsrechts einzuarbeiten.

Kirche als Arbeitgeber

Die Kirchen, betonte Stefan Wannenwetsch, seien die zweitgrößten Arbeitgeber in der Bundesrepublik. Und es bereite große Sorgen, dass die Evangelische Landeskirche jährlich 40 Millionen Euro einsparen müsse. Schließlich beanspruchten 80 Prozent des Kirchenhaushalts allein die Personalkosten. Das werde allerdings von der Politik und deren Steuersystem nicht wahrgenommen. Die großen Kirchen vor Ort, unterstrich Pfarrer Paul Magino, hätten viele gleiche und gemeinsame Aufgaben. Zum Diakoniebereich gehörten neben der Kindergartenarbeit auch die Seniorenarbeit und der Besuchsdienst. Die Verkündigung, betonte Paul Magino, habe in der katholischen Kirche mit fast täglichen Gottesdiensten in Wendlingen oder Oberboihingen ein stärkeres Gewicht. Er streifte die Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion und die Firmung und kam dann zum Bereich "Zeugnis geben", zum Auftritt der Kirche nach außen. Die Mitwirkung der Kirche am gesellschaftlichen Prozess zeige sich deutlich an der Kindergartenarbeit. Hier gelte es den Kindergartenalltag inhaltlich weiterzuentwickeln. Es müsse gesehen werden, dass das Kinder- und Jugendhilfegesetz mehr fordert als nur die Betreuung der Kinder ab drei Jahren bis zum Schulbeginn. Die Betreuung dürfe mit dem Eintritt in die Schule nicht aufhören. Die Kirchen nutzten ihre Chance, solche inhaltlichen Themen beispielsweise im Kindergartenausschuss einzubringen. In der Diskussion waren sich die Pfarrer mit den Besuchern einig, dass die Ausbildung der Erzieherinnen verbessert werden müsse, weil deren Anforderungen gewachsen sei. Immer mehr Eltern delegierten Erziehung an Kindergarten und Schule. Dazu bräuchten Erzieherinnen besseres Rüstzeug. Paul Magino hält es für dringend notwendig, die Sprachförderung im Kindergarten zu intensiveren. Die Sprachfähigkeit der Kinder stelle ein großes Problem dar. Davon betroffen seien keineswegs nur Kinder ausländischer Nationalitäten. Familien, die abends den Kindern vorlesen, würden immer weniger. An wie vielen Tischen, fragte der Pfarrer, werde heute noch das Gespräch mit den Kindern gesucht und geführt? Die verkorkste Sprache im Kinderkanal des Fernsehens trage nicht dazu bei, Kinder in ihrem Sprachvermögen zu fördern. Förderung dürfe aber nicht so aussehen, dass das letzte Kindergartenjahr zum ersten Schuljahr werde. Kindern im Kindergarten müsse man ihre Kindheit noch lassen.

Islam-Unterricht an Schulen sinnvoll

Voller Sorge angesprochen wurde in der Gesprächsrunde die "weltweite Verbreitung des Islam" und die fehlende Bereitschaft zur Integration. Pfarrer Paul Magino forderte auf, die Wirklichkeit in der Bundesrepublik zu sehen. Und dazu gehörten auch die islamistischen Mitglieder. Hier komme es darauf an, das Miteinander des Lebens zu gestalten. Er halte Islam-Unterricht an öffentlichen Schulen für sinnvoll und notwendig. Die generelle Verurteilung von Koranschulen durch einige Besucher mochte der katholische Pfarrer so nicht stehen lassen. Auch unter den Koranschulen gebe es solche, die den Koran so auslegten, wie er geschrieben und gemeint sei, nämlich als humane Sache, die das Zusammenleben im Auge habe. Das Spektrum der Themen, die beim "runden Tisch" der SPD-Senioren angesprochen wurde, war breit gefächert. Unter anderem fragten die Besucher nach der Zahl der Kirchenaustritte. Und auch da gaben die beiden Pfarrer bereitwillig Auskunft. An der Eusebiuskirche mit 4300 Gemeindemitgliedern waren es 2004 genau 21 Austritte. In der Katholischen Kirchengemeinde Wendlingen und Oberboihingen mit 5975 Mitgliedern waren es im vergangenen Jahr 25 Kirchenaustritte, vier Wiedereintritte und zwei Erwachsenentaufen. Die Begründung für die Austritte bekämen die Kirchen meist nicht mit, bestätigte Paul Magino. Bei den jüngeren Leuten seien es aber meist finanzielle Aspekte.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 01.02.2005

Einladung zur Erweiterung des Horizonts

Im Januar ist zum neunten Mal ein Programm der ökumenischen Erwachsenenbildung gestartet

WENDLINGEN (sel). Ökumenische Zusammenarbeit, wie sie in Wendlingen zur Tradition gehört, zeigt sich jetzt schon zum neunten Mal auch im gemeinsamen Erwachsenenbildungsprogramm der evangelischen Eusebius-Gemeinde und der Johannes-Gemeinde sowie der katholischen St. Kolumban-Gemeinde. Wieder ist dieses ökumenische Erwachsenenbildungsprogramm eineEinladung, sich auf Neues einzulassen, nachzudenken, sich auseinander zu setzen, den Horizont zu erweitern. Die Männer und Frauen, die sich in der Vorbereitung dieses Bildungsprogramms in den jeweiligen Ausschüsen der drei Kirchengemeinden engagieren sehen in diesem Angebot auch die Chance, deutlicher zu erkennen, wer man selbst ist und und so auch leichter Distanzen zu überbrücken und auf einander zuzugehen. Wie in den Programmen zuvor findet der Neugierige auch jetzt wieder feste Angebote, wie beispielsweise die Reihe "Bibel im Gespräch", die das nächste mal am 17. Februar, in das Katholische Gemeindezentrum einlädt. Ein Teil des Programmes im Rahmen der Erwachsenenbildung hat bereits im Januar stattgefunden. Schauen wir uns die Veranstaltungen einmal näher an, die folgen. Unter dem Titel ?Brot ist nicht nur Brot? findet eine zweite Veranstaltung am 24. Februar im Katholischen Gemeindezentrum statt. Der Abend steht unter dem Thema "Brot für die eine Welt - Partnerschaftlicher Welthandel". Peter Wittemann berichtet vom weltweiten Kampf Millionen von Menschen ums nackte Überleben, von ungerechten Handelsstrukturen, die den Gegensatz zwischen Industrie- und Entwicklungsländer noch verschärfen. Und er berichtet von Möglichkeiten, Projekte durch fairen Handel zu unterstützen. Am 17. April wird eingeladen zu einer Fahrt ins Brotmuseum nach Ulm. Und um "Brot in der Bibel" geht es am 30. Juni im Gemeindezentrum St. Georg mit Dr. Michael Hartmann. Ein ganz anderer Bereich wird angesprochen unter der Rubrik "Eltern-Kind-Familie". Am 8. März kommt Christiane Heinze von der Drogenberatung des Landkreises in die Ludwig-Uhland-Schule und spricht zum thema "Kinder und Alkohol". Erziehungshilfen unter dem Stichwort "Mit Liebe und Konsequenz" gibt am 10. März im Kindergarten Am Talbach in Oberboihingen der Erziehungsberater Professor Martin Furian. Am 8. April fragt Stefan Hermann, Pfarrer und Dozent am Pädagogisch-Theologischen Zentrum Stuttgart, "Pisa - wie viel Erziehung brauchen wir?" im Gemeindehaus in der Neuburgstraße. Wie immer gehört zum Weiterbildungsprogramm auch ein spezielles Angebot für Frauen. Zur "Frauensternstunde" wird alle 14 Tage donnerstags eingeladen ins Gemeindehaus in der Neuburgstraße. Frauen jeden Alters sind dazu eingeladen, sich Gedanken zu machen über ihre Situation, gemeinsam zu reden, zu singen, zu beten und Texte der Bibel zu vertiefen. Ähnlich auch das Angebot des Evangelischen Frauentreffs jeden zweiten Donnerstag im Monat am gleichen Ort. Angesprochen sind damit vor allem Frauen aber der Lebensmitte. Der nächste Begegnungsnachmittag für Frauen im Gemiendehaus in der Bismarckstraße findet am 7. Februar zur Thematik des Weltgebetstages, "Lasst uns Licht sein", statt. Ansonsten wird dazu immer am ersten Montag eines Monats eingeladen.

Besonderes Angebot für Frauen

Am 7. März thematisiert der Begegnungsnachmittag für Frauen "Taizé, ein Weg des Vertrauens" im Gemeindehaus in der Bismarckstraße. Und beim Frauenfrühstück am 19. März im Gemiendehaus in der Bismarckstraße geht es um "Geschwister - eine Rolle für's Leben". Als Referentin eingeladen ist Ulla Reyle, Dozentin für Gemeindediakonie und Gemeindepädagogik. Tage der Einkehr und Begegnung für Frauen im Kloster Kirchberg bei Sulz werden angeboten vom 4. bis 6. April. Durch die Tage wird das Thema begleiten: Menschenhände - Gottes Hände. Nachgespürt wird dem, was Menschen mit ihren Händen tun können und was Gottes Hände tun. Der Begegnungsnachmittag für Frauen am 2. Mai im Gemeindehaus in der Bismarckstraße befasst sich mit dem Thema "Garten - Garten des Lebens". Referentin ist Gemeindediakonin Elisabeth Schoch-Fischer. Unter dem Begriff "Kultur" hat die ökumenische Erwachsenenbildung in Wendlingen ein vielfältiges Paket geschnürt. Traditionell gehört dazu der Literaturkreis, der sich jeden ersten und dritten Dienstag im Monat im Gemiendehaus in der Bismarckstraße trifft - stets abends ab 20.15 Uhr. Gemeinsam werden literarische Werke ausgewählt und besprochen. Dazu gehört dann auch immer die Biografie des Autors und der zeitgeschichtliche Hintergrund. Zwei höchst spannende und sensible Themen sind im Januar bereits abgehalten worden. Beispielsweise der Film "Mein kleines Kind", der die Schwangerschaft einer Frau schildert, deren Kind behindert auf die Welt kommen wird. Oder der Abend zum Thema ?Israel im Spannungsfeld des nahen Ostens?.

Gemeinsam ins Kino

Auf was sich Interessierte noch freuen dürfen, ist das Angebot des Filmclub Totale. Am 7. März und am 20. Juni geht es gemeinsam ins Kino nach Esslingen. Begleitet werden Interessierte von Thomas M. Müller, der die Filmauswahl tritt, und Dr. Ulrike Altherr, die nach dem Film die Gesprächsrunde leitet. Ziel des Filmclub Totale: gemeinsam einen Film ansehen und anschließend im Gespräch verborgene Botschaften aufspüren. Wilhelm Busch steht am 21. April im Mittelpunkt. Entdeckt werden soll an diesem Abend im Gemeindehaus in der Bismarckstraße Wilhelm Busch der geniale Zeichner, der verkannte Maler und Schöpfer vieler Aphorismen und Redensarten. Am 7. Mai wird eingeladen zu einem Konzert mit dem Trio Voccord, einem Ensemble für Alte Musik in die Kapelle im Hürnholz auf dem Unterboihinger Friedhof. Susanne Finckh-Bucher, Wolfgang Deiß und Franziska Finckh haben für diesen Abend ein Programm musikalischer Marienverehrung aus der Renaissance und Barockzeit zusammengetellt. "Leben gestalten" - hier wird eingeladen zur Fastenwoche, die übrigens heute, am 1. Februar startet. "Bach getanzt - Tanz als Mediation" heißt das Programm, das am 25. Februar und am 26. Februar im Gemeindezentrum St. Georg stattfindet und von Kirchenmusikdirektor Gerd Kötter aus München geleitet wird. Um meditatives Tanzen zum Thema "Osterfreude gestalten" geht es am 11. März im Gemeindehaus in der Neuburgstraße. Gemeinsam wollen sich die Teilnehmer auf neue Weise den christlichen Festen widmen, sich miteinander Raum für Ruhe und Besinnung nehmen. Da wird meditatives Malen und meditatives Tanzen eingesetzt. Ein Abend für alle, die offen sich, sich auf etwas Neues einzulassen. "Der Riese China" oder "Zwischen Wirtschaftsmacht und Entwicklungsland" ist der Abend im Gemeindehaus in der Neuburgstraße am 6. Mai überschrieben. Simone Jaumann-Wang berichtet aus dem Reiche der Mitte und vor allem davon, wie es den Menschen geht bei explosionsartigem Wachstum und fortschritt und dem westlichen Einfluss auf das chinesische Denken und Handeln.

Besondere Gottesdienste

Im Rahmen von "Ökumene und Kirche" wird am 20. Februar zum nächsten Horizonte-Gottesdienst unter dem Titel "Lachen, ein Stiefkind der Bibel oder . . " in die Johanneskirche. Weitere Horizonte-Gottesdienste sind terminiert für den 17. April zum Thema "Garten - Symbol des Lebens" und am 26. Mai zum Thema "Amos". Um am 4. März wird eingeladen in die Eusebiuskirche zum ökumenischen Gottesdienst am Weltgebetstag der Frauen. Um das Apostolische Glaubensbekenntnis und einen Versuch christlicher Standortbestimmung geht as am Freitag, 4. Februar, im Gemeindehaus in der Neuburgstraße. Pfarrer Christoph Bruckmann will das Glaubensbekenntnis an diesem Abend verständlicher machen. Die Programmheft für das erste Halbjahr der Ökumenischen Erwachsenenbildung liegt in allen Wendlinger Kirchengemeinden aus und gibt ausführliche Informationen zu den einzelnen Angeboten.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung am 28.01.2005

"Jugendliche sind Spiegel der Erwachsenenwelt"

"Stadt aktuell" im Gespräch mit den Theologen Paul Magino und Dieter Bofinger - Ökumene hat in Wendlingen hohen Stellenwert

WENDLINGEN. Eine gelungene Mischung aus biografischen Details und ganz persönlichen Weltanschauungen wurde den Gästen bei der Gesprächsrunde "Stadt aktuell" am Mittwoch im Treff im Keim präsentiert. Gäste von Moderator Horst W. Bantel waren die Theologen Paul Magino und Dieter Bofinger. Während Paul Magino unverändert in der Katholischen Kirchengemeinde in Wendlingen und Oberboihingen wirkt, hat Dieter Bofinger den Dienst an der Eusebiuskirche im Herbst letzten Jahres aufgegeben und ist heute an der Stuttgarter Friedenskirche tätig. Zustimmung erhielt Dieter Bofinger von den Zuhörern, als er vom vergessenen christlichen Glauben sprach und davon, dass "wir in Mitteleuropa so den fundamentalistischen Bestrebungen der Religionen nichts entgegenzusetzen haben". Paul Magino zeigte sich einmal mehr als Verfechter ökumenischer Zusammenarbeit, ohne dabei die jeweils eigene Spezifikation aufzugeben.

CHRISTA ANSEL Eröffnet hat Moderator Horst W. Bantel die jüngste Gesprächsrunde "Stadt aktuell" mit der Biografie der Pfarrer, die beide im April 1951 geboren wurden und die beide viele Jahre beim gemeinsamen Pfarrdienst in Wendlingen Ökumene praktiziert haben. "Da geht noch mehr", ist sich der katholische Priester Paul Magino sicher. Die berufliche Zusammenarbeit beider hat sich durch den Wechsel von Dieter Bofinger nach Stuttgart getrennt, in ihren Ansichten scheinen sie sich aber unverändert nah. So sprach Paul Magino von der Aufmüpfigkeit, die seine Biografie durchzieht, von seinem Bestreben, über den Kirchturm hinaus zu schauen, und nannte sich Dieter Bofinger einen "Spät-68er", der erst beim Aufenthalt im afghanischen Kabul zum christlichen Glauben gefunden hat, den er dann wenig später viele Jahre in Indien praktizierte und lebte. Beide entdeckten in ihren persönlichen Biografien die rebellische Phase, die sie nach außen mit langen Haaren demonstrierten. Beide studierten sie in Tübingen Theologie. Und da besuchte der katholische Student evangelische Gottesdienste in der Stiftskirche und hörte Vorlesungen in der evangelischen Fakultät. In Tübingen entdeckte der evangelische Student die Faszination der liturgischen Gestaltung der katholischen Gottesdienste, die Besinnung auf Stille und das Wesentliche. Was die Zuhörer bei dieser Gesprächsrunde mit höchster Aufmerksamkeit honorierten, war die Offenheit der beiden Theologen. Paul Magino beispielsweise, der Opern- und Theaterfreund, der ein Stipendium für Mathematik der Theologie zuliebe ausgeschlagen hat, gab bereitwillig Einblick in Entscheidungen zum Zölibat. Dieter Bofinger hatte keine Mühe zu erklären, als Jugendlicher mit der Kirche wenig "am Hut" gehabt zu haben, und von der Verblüffung zu reden, die der junge Rebell vom Killesberg im Freundeskreis mit seiner Entscheidung zum Theologiestudium ausgelöst hat. Auf Horst W. Bantels Frage, wie die Kirche die Jugend erreichen könne, zeigte sich Dieter Bofinger skeptisch. "Die Jugendlichen sind nur ein Spiegel der Erwachsenenwelt", ist sich Bofinger sicher. Was er als Pfarrer beim Konfirmandenunterricht erlebe, sei ein großer Traditionsabbruch. Junge Menschen hätten vom christlichen Glauben keine Ahnung mehr. Da wüssten türkische Jugendliche viel mehr von ihrer Religion zu berichten. Ansetzen müsse man bei den Erwachsenen, die das Christentum vergessen hätten. Die Menschen hätten etwas verloren, was zur Tiefenwirkung des Lebens beitrage. Daraus entstehe ein großes Problem: "Wir in Mitteleuropa haben die Religion aufgegeben. Das ist nicht gut." So habe man den religiösen fundamentalistischen Bestrebungen nichts entgegenzusetzen. Dieter Bofinger appellierte: "Wir müssen eine Form von Religiosität beibehalten." Damit dies gelinge und Kirche die Menschen wieder anspreche, sollten auch andere Formen des Gottesdienstes gesucht werden. In Wendlingen habe man mit den in der Johanneskirche stattfindenden Horizonte-Gottesdiensten einen solchen Weg beschritten. Horst W. Bantel stellte die Frage, ob Ökumene der Weg sei, die Menschen wieder für die Kirche zu interessieren. Für Paul Magino war die ökumenische Praxis in Wendlingen vor elf Jahren Ausschlag gebend für seine Entscheidung, nach Wendlingen zu kommen. Wichtig sei aber auch, trotz Ökumene in der eigenen Kirche und der eigenen kirchlichen Identität zu wachsen. Bei aller Gemeinsamkeit und beim Miteinandertun (?und da geht noch mehr?) dürfe aber die jeweils eigene Spezifikation nicht aufgegeben werden. Beide Kirchen hätten sich schon in der Vergangenheit Anstöße gegeben. Das sei notwendig, gehe aber nur in ökumenischer Offenheit. Und da redete Dieter Bofinger dann auch von seinem Traum, von der Vision einer Abendmahlsgemeinschaft zwischen beiden Kirchen. Gefragt, um was die beiden Pfarrer die jeweils andere Kirche beneideten, nannte Pfarrer Paul Magino das Wort Gottes, das bei der evangelischen Kirche im Mittelpunkt des Handelns stehe. "Das ist bei uns noch nicht in dem Maß Wirklichkeit, die ich mir wünsche - da lerne ich noch immer von der evangelischen Kirche." Pfarrer Dieter Bofinger fasziniert an der katholischen Kirche die liturgische Gestaltung. Und er beneidet deren Geschlossenheit im Auftritt. Davon könne die evangelische Kirche lernen. Angesprochen auf das bürgerschaftliche Wendlingen hätte Dieter Bofinger den Wendlingern etwas mehr Mut zu ungewöhnlichen Entscheidungen gewünscht. Für Dieter Bofinger sind manche Entscheidungen nicht auf die Zukunft hin gedacht. Er forderte auf, in anderen Dimensionen zu denken. Ein Problem der Stadt sehen beide Pfarrer in der Zweiteilung in Stadtteile. Diese unsichtbare Grenze sei immer noch spürbar. Paul Magino fordert auf, am "Wir-Gefühl" der Bürger zu arbeiten. Statt Fronten aufzubauen, solle mehr miteinander gearbeitet werden. Eine besondere Stellung habe hier die Johanneskirche als Kirche mitten in der Stadt. Beide Gesprächspartner von Horst W. Bantel bei "Stadt aktuell" waren sich darin einig, dass dieser zentrale Ort einer christlichen Gemeinschaft mitten in Wendlingen künftig viel stärker betont werden solle.