Pressearchiv 2006

Bericht aus der Wendlinger Zeitung

06.12.2006 Musikalischer Gottesdienst zum Advent

Voll klang es am Sonntag in der voll besetzten Eusebiuskirche in Wendlingen beim musikalischen Gottesdienst zum ersten Advent. Zum Gesangbuchjubiläum (eingeführt vor genau zehn Jahren) sang die Gemeinde ein Gesangbuchständchen. Zum Buxtehude- und Paul-Gerhardt-Jahr erklangen Teile der Kantate Wie soll ich dich empfangen von Dietrich Buxtehude sowie viele weitere gemeinsame Adventslieder. Im Anschluss an den Gottesdienst und während des Kirchenkaffees ließen die Eusebiusglöckner die Lieder noch einmal vom Turm der Wendlinger Eusebiuskirche erklingen. pm/b2s-fotografie

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 05.12.2006

Stimmungsvolle Messe Hubertusmesse in der Eusebiuskirche Wendlingen

WENDLINGEN (heh). In diesen Tagen, in denen sich die Natur allmählich zur Ruhe begibt und die Farbenpracht des herbstlichen Waldes langsam zu Boden fällt, blicken die Jäger wie erst kürzlich in Hubertusmessen auf die jagdliche Ernte des Jagdjahres zurück und danken dem Schöpfer für Anblick und Ernte. Seit dem Mittelalter kommen Jäger zu Hubertusmessen in die Kirchen zur Ehre ihres Schutzpatrons, des Heiligen Hubertus. Dieser war der Legende nach ein wilder, zügelloser Jäger, dem am Karfreitag, als er jagen war, ein Hirsch mit einem leuchtenden Kruzifix zwischen den Geweihstangen erschien und ihn mit den Worten: Hubertus, ich erlöste dich und dennoch verfolgst du mich ansprach. Aus Hubertus, dem Jäger ohne Grenzen, wurde fortan ein Heger und Bewahrer der Natur, der die Wildtiere als Geschöpfe Gottes achtete. Etwa um 705 n. Chr. wurde Hubertus Bischof von Lüttich. Bereits im 10. Jahrhundert wurde Hubertus von den Jägern als ihr Schutzpatron verehrt. So schmücken die Jäger heute den Kirchenraum und gestalten die Hubertusmesse mit. Dieses Jahr war es wieder so weit. In der Eusebiuskirche in Wendlingen wurde die Hubertusmesse gefeiert. Zelebriert wurde die Messe von Pfarrer Stefan Wannenwetsch. Das Gotteshaus war nahezu bis auf den letzten Platz besetzt und der Altarraum erstrahlte, geschmückt im Grün der heimischen Wälder. Zum Einmarsch der Parforcehornbläser schmetterten die Fürst-Pless-Hörner von der Empore das Jagdsignal Begrüßung. Die Melodien Kyrie, Gloria und weitere liturgische Stücke der Parforcehornbläser reihten sich harmonisch in den Gottesdienst ein. Unter der bewährten, musikalischen Leitung von Eberhard Beck wurden die Stücke stimmungsvoll intoniert und konnten sich im einfachen, hellen und harmonischen Kirchenraum voll entfalten. Pfarrer Wannenwetsch begrüßte die Kirchengemeinde und begann seine Predigt mit den Worten: Von der Jagd verstehe ich nichts. Als Pfarrer von der Bibel aber umso mehr. Mit den Worten von Apostel Paulus (Römer 8, 20 ff) zeigte er auf, dass eine Schicksalsgemeinschaft zwischen Mensch und der Schöpfung besteht und unser Verhalten vom Respekt zu unseren Mitmenschen, Tieren und der Natur geprägt sein soll. Unsere innere Haltung zur Jagd sollte erfüllt sein vom Respekt und der Achtung gegenüber dem Tier als Mitgeschöpf. Wichtig ist, dass es im Jägerhandwerk darum geht, etwas in Ordnung zu halten. Dass man den Unterschied zwischen dem notwendigen Töten und einem sinnlosen Morden erkennt. Am Schluss seiner Predigt zitierte er Martin Luther, der sagte: Jagd ist so gut oder schlecht, wie der Jäger gut oder schlecht ist. Mit dem Hubertusmarsch klang der Gottesdienst aus und die Fürst-Pless-Hörner begleiteten den Ausmarsch der Parforcehornbläser mit dem Jagdsignal Auf Wiedersehn. Dankend nahmen die Bläser den lang anhaltenden Applaus der Kirchengemeinde entgegen. In Gesprächen auf der großen Treppe vor der Eusebiuskirche zeigte sich, dass die Hubertusmesse mit dem Mitwirken der Jagdhornbläser ein wichtiges Bindeglied zwischen Jägerschaft und Nichtjägerschaft ist. Mitwirkende der Hubertusmesse waren unter anderem an der Orgel Walter Schimpf, Bläser der Jägervereinigung Nürtingen und Kirchheim. Die musikalische Leitung Parforcehörner hatte Eberhard Beck, die musikalische Leitung Fürst-Pless-Hörner Huldreich Müller. heh

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 20.11.2006

"Das Wesentliche bekommt man geschenkt"

Pfarrerin z. A. Dr. Ruth Conrad referierte beim Frauenfrühstück der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen

WENDLINGEN. Voll besetzt zeigte sich der Saal im evangelischen Gemeindehaus Wendlingen am vergangenen Samstagmorgen. Diakonin Elisabeth Schoch-Fischer hatte anlässlich des zweiten diesjährigen Frauenfrühstücks Pfarrerin z. A. Dr. Ruth Conrad eingeladen, die von 2001 bis 2004 in der Eusebius-Gemeinde als Vikarin tätig war, und nun landeskirchliche Assistentin an der theologischen Fakultät der Universität Stuttgart ist. Unter dem Titel Viel Glück und viel Segen: Was meinen wir, wenn wir vom Segen reden? analysierte Conrad in beeindruckender Klarheit und sehr anschaulich den Segens-Begriff in der Alltagssprache sowie seinen theologischen Ursprung. Ihr Honorar stellt Ruth Conrad für die Jugendarbeit der Friedensgemeinde in Stuttgart zur Verfügung.

HOLLE RAUSER 130 Gemeindemitglieder nutzten die Gelegenheit, die beliebte ehemalige Pfarrerin wieder zu sehen und im Anschluss an den Vortrag ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Umrahmt wurde die Ansprache von Liedern, Gebeten und musikalischen Beiträgen von Tobias Flick von der Musikschule Wendlingen/Köngen. Das Wort Segen ist in der Alltagssprache weit verbreitet und findet sich in zahlreichen Sprichwörtern und Wünschen. Im umgangssprachlichen Kontext taucht der Begriff etwa in den Zitaten Sich regen bringt Segen, Heile heile Segen, im Tischgebet oder in der Arbeitswelt als etwas absegnen oder absegnen lassen auf. Zu anderen Gelegenheiten wünscht man sich Gesegnete Weihnachten oder singt das bekannte Geburtstagslied Viel Glück und viel Segen.

Segen und Gemeinschaft

Dr. Ruth Conrad griff in ihrem Vortrag dieses Beispiel auf, um darzulegen, ob und wie Glück und Segen zusammenhängen. Dazu interpretierte sie die hebräische Übersetzung des bekannten Schlusswortes am Ende des Gottesdienstes (Der Herr segne dich . . .). In diesem Segenswunsch verdichtet sich wie in einem Kristall , was die Bibel über den Segen sagt. Gnade, Geborgensein bei Gott, Zuwendung und Fürsorge Gottes und schließlich der Frieden diese Begriffe stecken in dem einfachen Wort Segen. Der Segen ist der Weg von Gott ins Leben und vom Himmel zur Erde, so Dr. Ruth Conrad. Doch entfalte der Segen seine Kraft erst in der Gemeinschaft. Alltag, Glaube und das Miteinander sind umfangen vom Segensbegriff, so die Pfarrerin. Folglich sei das Segnen immer wichtig beim Ende und Neuanfang von Lebensabschnitten wie Taufe, Konfirmation oder Hochzeit. Der Segen begleitet den Abschied, im Wunsch nach dem Segen liegt alles Hoffen und Fragen. Die Geschichten Abrahams und Jakobs illustrieren Conrad zufolge solche Übergänge und zeigen dennoch in ganz unterschiedlicher Weise zwei biblische Gestalten, denen Gottes Segen zufällt. In beeindruckender und fundierter Weise stellte die Referentin zunächst Abraham vor, der im 12. Kapitel der Bibel für den Anbruch eines neuen Zeitalters steht, nach einer Ära, die alle Kennzeichen des Segens, nämlich Friede, Gnade und Miteinander, missen lässt. Die ersten elf Kapitel stehen für die Horrorgeschichte der Menschheit, angefangen von der Sünde bis hin zu Mord und dem Turmbau zu Babel. Der Fluch wächst ständig, schilderte Ruth Conrad anschaulich. An diesem dunklen Punkt, öffnet sich der Himmel, und Abraham wird von Gott auserwählt und gesegnet. Hier brachte die Referentin den Glücksbegriff ins Spiel. Der Spruch Jeder ist seines Glückes Schmied ist Unfug. Glück kommt vom Segen und wahres Glück ist nicht banal und materialistisch, so Conrad. Glück sei eine passive Erfahrung und habe viele Gesichter. Ein Gottesdienst, Naturerleben, ein friedlicher Moment in der Familie, ein Buch, ein Gespräch mit Freunden in solchen Augenblicken werde einem Glück und damit auch der Segen Gottes zuteil. Für einen Moment öffnet sich der Himmel, man spürt die Kraft und hört die harmonische Melodie des Lebens. Diesen Moment dürfe man nicht verpassen. Glück ist unverfügbar. Wer immer nur damit beschäftigt ist, seines Glückes Schmied zu sein, blickt nie nach oben, warnte Conrad. Wer aufmerksam ist und diese Glücks- und Segenserfahrung machen darf, bekommt einen anderen Blick auf sich selbst, einen Blick, der das Leben neu gestalten und Mut und Vertrauen für die Zukunft wachsen lasse. Das Wesentliche im Leben wird dir geschenkt, schloss die Referentin den ersten Teil ihres Vortrags.

Schatten der Vergangenheit

Wie wenig Glück, Segen und materielles Wohlergehen miteinander zu tun haben, schilderte Ruth Conrad im Folgenden an der Bibelfigur Jakob, der, obwohl reich, abgesichert und vordergründig zufrieden, an der Schuld aus seiner Vergangenheit schwer zu tragen hat. Die Erschleichung des Erstgeburtsrechts und des väterlichen Segens machen ihm zu schaffen. Die Schatten der Vergangenheit werden in der Geschichte Jakobs zu einem mysteriösen Wesen, das die ganze Nacht mit ihm ringt. Er ringt mit seinen Lebensängsten, er kämpft mit Gott, so wie wir das in den dunklen Zeiten unseres Lebens tun. Und dennoch seien solche Kämpfe mit Zweifel und Leid wichtig. Erst in der Tiefe unseres Selbst finden wir unser wahres Ich. Aus dem Kampf bis zur Morgenröte geht Jakob als Gewinner hervor, er fordert den Segen ein und bekommt ihn doch er hinkt. Er ist gezeichnet, aber er geht der Sonne entgegen, umschrieb Ruth Conrad eindringlich und ergreifend das Bild. Wer Gott den Segen abringen müsse, sei auch mit einer Wunde gezeichnet. Doch mit dieser Wunde tragen wir Gottes Zeichen an uns. Wir können auf das Leben gelassen zurückblicken, betonte Conrad. Nicht ohne Grund komme das Wort Segnen vom lateinischen signare, das kennzeichnen bedeute. Wir haben das Glück nicht in der Hand und Segen ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, fasste Ruth Conrad abschließend ihren Vortrag am Samstag zusammen. Das Frauenfrühstück der Evangelischen Kirchengemeinde findet zweimal im Jahr statt. Das nächste Treffen dieser Art ist am 24. März 2007 mit Ragini Wahl, der Asylbeauftragten des Evangelischen Kirchenbezirks. 

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 03.11.2006

25 Jahre Verband Christlicher Pfadfinder

Mit einem großen Elternabend feierte der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) Wendlingen kürzlich sein 25-jähriges Bestehen. Das Thema des Festes, Die Märchen aus dem Gurkenglas, ließ viel Raum für Phantasie und Spaß. Denn wer weiß schon, warum der Elf Zwölf seine Märchen ausgerechnet in einem Gurkenglas versteckte? So reichte das bunte Programm von Theater und Gurkensoul (Sippe Puma), über Geistergurken-Schwarzlichttanz (Sippe Adler) bis hin zu Märchenpotpuree-Schattenspiel (Sippe Skorpione). Einführend gab es einen kurzen Film, den die Pfadfinder an zwei Wochenenden im Vorfeld gedreht hatten und der den Hintergrund der Geschichte beleuchtete. Geführt wurden die Gäste an diesem Abend durch die verschiedenen Märchen des Gurkenglases von Gundriel Gurke (Oliver Streppel), der mit viel Phantasie und Begeisterung Einblicke in sein Gurkenglas gewährte. Der Förder- und Freundeskreis des Verbandes Christlicher Pfadfinder Wendlingen kümmerte sich um die Bewirtung in der Pause und organisierte hierfür ein großes Buffet, das keine Wünsche offen ließ. pm

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 25.10.2006

"Ein Wägelchen war bisher der absolute Renner"

Ehrenamtlichen-Projekt in evangelischen Kindergärten in Wendlingen: Weitere Förderung durch Zusatzangebot im Hebel-Kindergarten

WENDLINGEN. Gesellschaft ist in Bewegung, verändert sich laufend. Das betrifft nicht nur die Menschen auf dem Arbeitsmarkt, Familien, kirchliche und soziale Einrichtungen, die Auswirkungen sind bis in die Kindergärten zu spüren. Als eine Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen lässt sich auch das Projekt Ehrenamtliche in Kindergärten einordnen, das von der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen ins Leben gerufen worden ist. Neben der Lesepatin im Alleenkindergarten (wir berichteten) bastelt seit kurzer Zeit ein weiterer Ehrenamtlicher mit einer Gruppe des Kindergartens in der Hebelstraße. GABY KIEDAISCH Auf Anregung von Pfarrer Martin Frey ist das angestrebte Ziel in allen drei Kindergärten, die unter Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen stehen, Ehrenamtliche mit ihren besonderen Fähigkeiten in das erzieherische Konzept des Kindergartens einzubinden. So fiebern jedes Mal die Kinder im Kindergarten Alleenstraße einer Lesepatin entgegen, die bereits seit geraumer Zeit einmal wöchentlich Geschichten erzählt. Seit Juni kommt nun ein weiterer Ehrenamtlicher in die Tigergruppe des Kindergartens Hebelstraße, um mit einer kleinen Runde einmal monatlich zu werkeln und zu basteln.

Die Chemie stimmt

Dieter Kaiser bringt als früherer Raumausstatter mit eigener häuslicher Werkstatt ideale Voraussetzungen für die Arbeit mit den Kinder mit. Als Opa von fünf Enkelkindern drei davon besuchten bis vor kurzem noch den Kindergarten Hebelstraße kann er es auch gut mit den Dreikäsehochs. Das spürt man auch daran, wie er mit den Kindern umgeht, die ganz unkompliziert auf den älteren Herrn zugehen. Geduldig erklärt er, was sie später selbst machen sollen. Wos klemmt, da gibt er behutsam Hilfestellung. Die Chemie zwischen Herrn Kaiser und den Kindern stimmt, freut sich Uta Palm, die die drei evangelischen Gruppen im Kindergarten Hebelstraße leitet. Und damit er sich um jedes Kind individuell kümmern kann, hat sich die Gruppengröße von sechs Kindern gut bewährt. Obwohl sich in der Kindergartengruppe wesentlich mehr Kinder befinden und jedes Mal nur sechs mitarbeiten können, gibt es keinen Streit oder gar Tränen. Die Kinder zeigen Verständnis dafür, erläutert Uta Palm, die darin auch eine gute Übung für die Kinder sieht, sich in Geduld zu üben. Allerdings achte auch jedes Kind peinlich darauf, dass keines übergangen werde. Deshalb führt Uta Palm eine Liste mit sämtlichen Namen der Kinder, die bereits dran waren. Ganz stolz zeigen die Kinder ihre neueste Kreationen. Mit einem selbst gemachten Wurfball versuchen sie, durch einen Ring an der Decke zu schießen. Das macht ihnen so viel Spaß, dass sie gar nicht mehr zu bremsen sind. Der Wurfball besteht aus Stoffresten und ist mit Bastelwolle gefüllt. Beim Werfen flattert ein Schweif Bänder durch die Luft, was obendrein noch lustig aussieht. Der absolute Renner bei den Kindern ist bisher ein Wägelchen, dessen Räder sich richtig drehen. Kaum zu glauben, dass Drei- bis Sechsjährige in der Lage sind, so etwas zu bauen. Um die Kleinen aber nicht zu überfordern, achten Dieter Kaiser und die Erzieherinnen darauf, dass die vorgesehenen Arbeiten altersgerecht ausgewählt werden. An einer niederen Werkbank, die sich bereits im Fundus des Kindergartens befand, lernen die Kinder mit Hammer, Feile und Schraubenzieher umzugehen. Manche hatten bislang keines dieser Werkzeuge in der Hand gehabt. Nach dem Orientierungsplan für Kindergärten sollen bestimmte Bildungs- und Entwicklungsziele umgesetzt werden, wobei Sinne, Sprache, Denken, Körper, Gefühl/Mitgefühl, Sinn, Werte, Religion im Mittelpunkt stehen. Mit dem Zusatzangebot sollen Kinder in ihrer ganzheitlichen Förderung noch mehr unterstützt werden. Neben dem Erlernen von bestimmten Fertigkeiten, der sinnlichen Wahrnehmung, der Förderung von Sprache und Anregung des Denkens beim Basteln spielt bei diesem Projekt auch die persönliche Beziehung zwischen Kind und Ehrenamtlichen eine wichtige Rolle. Der Kontakt zu Menschen außerhalb der Kindergartenwelt soll den Kindern weitere soziale Beziehungen eröffnen. Mit dem Projekt soll auch der Kontakt nach außen verstärkt werden, so Pfarrer Frey. Frey freut sich darüber, dass die Erzieherinnen den Wert dieses Zusatzangebots erkennen und gegenüber dem Projekt aufgeschlossen sind. Richtig stolz sind die Kleinen über ihre Wurfbälle, die sie zusammen mit dem Ehrenamtlichen Dieter Kaiser (Bild) gebastelt haben. gki


Bericht aus der Wendlinger Zeitung 17.05.2006

"Naturnahes Refugium als Zentrum des Spielens"

Der evangelisch und katholisch geführte Kindergarten besteht seit einem Vierteljahrhundert. Garten durch Elterninitiative saniert.

WENDLINGEN. Naturnahes Spielen hat im Kindergarten in der Hebelstraße in Wendlingen absolute Priorität. Gummistiefel und Matschhose gehören also zur Grundausstattung der Kinder. Seit auf Elterninitiative im Jahr 2000 der Garten zu einem naturnahen Refugium umgearbeitet wurde, stehen Hügel, Brücken und Höhlen bereit zum Spiel. In diesem Jahr feiert der Kindergarten Hebelstraße ein Jubiläum: Seit 25 Jahren besteht die Einrichtung mit vier Gruppen. In trauter Ökumene teilen sich evangelische und katholische Kirche die Trägerschaft. Das wird am 22. Juli gefeiert. Und damit dann auch der Garten sich wieder einladend präsentiert, haben jetzt Eltern am vergangen Samstag ordentlich Hand angelegt und das Refugium grundlegend saniert und aufgeräumt.

CHRISTA ANSEL Gebaut wurde der Kindergarten eigentlich schon 1978. Die evangelische Kirche betrieb dort anfangs alleine den Kindergarten. Seit 1981 sind es vier Kindergartengruppen in der Hebelstraße: drei unter Trägerschaft der evangelischen, einer unter der Trägerschaft der katholischen Kirche. Seit 25 Jahren also funktioniert dieses ökumenische Miteinander unter einem Dach hervorragend. Grund genug, zu feiern. Damit es am 22. Juli im Haus und auch im Garten einladend aussieht, haben jetzt Eltern der über hundert Kinder zur Eigeninitiative gegriffen. Am vergangenen Samstag wurde der intensiv genutzte große Garten grundlegend saniert. Bald 25 Väter und Mütter waren im Einsatz, Erzieherinnen waren mit dabei und Kinder. Ein Stück Plattenweg wurde neu angelegt, Rindenmulch als Fallschutz unter Schaukel und Rutsche erneuert. Manche vom Spielen regelrecht verdichteten Gartenbereiche wurden aufgelockert und neu eingesät. Berge von Laub wurden zusammengetragen, Hauswände mit dem Dampfstrahlgerät gesäubert. Im Gespräch mit Uta Palm (Leiterin der drei evangelischen Kindergartengruppen), Gabriele Großmann (Leiterin der katholischen Gruppe), Uli Schmid und Dietmar Hierl vom Elternbeirat wurde jetzt im Vorfeld des Jubiläums auch über die pädagogische Arbeit dieses Kindergartens gesprochen. Beide Seiten, Eltern und Erzieherinnen, empfinden ehrenamtliches Engagement als ein ausgesprochen schönes Miteinander, in das die Kinder ganz bewusst eingebunden sind und von dem sie auch viel lernen können. Uta Palm und Gabriele Großmann erinnern an den im Jahr 2000 durch Elterninitiative angelegten Garten, ein naturnahes Refugium. Das sei ein tolles Erlebnis gewesen, habe alle Beteiligten zusammenwachsen lassen.

Spielen mit und in der Natur

Im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit im Kindergarten Hebelstraße steht das Bemühen, Kindern die Natur nahe zu bringen. Seit der großen Umgestaltung ist der Garten zum Zentrum der Einrichtung geworden. Hier trainieren Jungen und Mädchen auf den Hügel oder den Balance-Balken ihr Gleichgewicht. Hier finden Kinder Bäume zum Klettern, also wichtige motorische Herausforderungen. Hier bieten Höhlen und abgeschiedene Winkel Rückzugsmöglichkeiten. Hier laden Wasser und Sand zum Matschen ein. Wichtig ist Erzieherinnen und Eltern, Kindern das so vielseitige Spielzeug Natur zu vermitteln. Da braucht es kaum zusätzliches Spielmaterial. Vielleicht mal eine Schaufel oder einen Eimer. Sich selbstverständlich in der Natur zu bewegen, das können Kinder hier wieder lernen. Und also geht es ab in den Garten, wann immer ein Kind das möchte und unabhängig vom Wetter. Dass Eltern ihre Kinder dann schon mal schmutzig vom Kindergarten abholen, daran haben sich alle gewöhnt und die Vorteile solch naturnahen Spielens längst erkannt. Dankbar sind die Eltern auch für das außergewöhnliche Engagement der insgesamt neun hier tätigen Erzieherinnen. Diese probieren seit einem Jahr veränderten Öffnungszeiten, weil sie die gesellschaftlichen Veränderungen wahrgenommen und aufgegriffen haben. Im Kindergarten Hebelstraße erklären sich die Erzieherinnen bereit zu schichten. Möglich werden so Öffnungszeiten, die Berufstätigen und Alleinerziehenden entgegenkommen: 7.30 bis 12.30 und 14 bis 16.30 Uhr, mittwochs und freitags ist am Nachmittag geschlossen. Erzieherinnen und Eltern möchten dieses Konzept auch nach den Sommerferien beibehalten. Die Kindergartenträger werden darüber noch beraten. Wer Geburtstag feiert, hat Wünsche frei. Und da appellieren Mitarbeiter und Eltern an die Stadt, lange anstehende Mängel in Ordnung zu bringen. Dazu gehören unter anderem Mängel im Bereich der Toiletten. Wenig Verständnis bringen die beiden Elternvertreter dafür auf, dass um jede kleine Notwendigkeit hartnäckig bei der Stadt nachgefragt, gekämpft werden muss. Mehrere Male auch wurde schon die Länge der Seile ausgemessen, die zwischen vorhandenen Balken gespannt zum Klettern einladen. Installiert sind sie noch nicht. Vielleicht werden die Wünsche erfüllt, bevor am 22. Juli zwischen 14.30 und 18.30 Uhr eingeladen wird zu einem Fest Mit allen Sinnen. Die Einladung richtet sich an alle, die in den letzten 25 Jahren mit dem Kindergarten in Berührung kamen und auch an solche, die diese Einrichtung in der Hebelstraße einmal von innen kennen lernen wollen. Naturnahes Spielen und dazu gehört auch das Klettern auf Bäumen hat im Kindergarten Hebelstraße in Wendlingen oberste Priorität.

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 07.04.2006

"Politik vernachlässigt Sozialanspruch"

Referent Martin Maier informierte über Armut in Deutschland und ihre Ursachen

WENDLINGEN. "?Die Kirchen haben sich aus der Position der Vordenker des sozialen Fortschritts verabschiedet." Martin Maier, zuständig unter anderem für die Organisation der Arbeitslosenhilfe beim Diakonischen Werk Baden-Württemberg, sparte während seines Vortrags zum Thema Armut durchaus nicht mit Kritik am eigenen Lager. Maier war am Mittwoch auf Einladung der Lokalen Agenda und der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen ins evangelische Gemeindehaus Bismarckstraße gekommen, um über die aktuelle Armutssituation in Deutschland zu informieren.

HEINZ BÖHLER "Tragen die Schwachen die Last der Armen?", hatte vielsagend der Untertitel seines Vortrages geheißen. Eine direkte Antwort darauf gab er selbst nicht, doch wer ihm zugehört hatte, die Zahlen, die Martin Maier zusammengestellt hatte, zu interpretieren verstand und die täglich von den Medien, wie Maier sagte, "kritiklos weitergereichte Propaganda der Neoliberalen" kritisch zu lesen versteht, kam um ein kaum eingeschränktes "Ja" einfach nicht herum. Die von Margaret Thatcher und Ronald Reagan eingeleitete Revolution der Weltwirtschaft, die eine Privatisierungsorgie und eine "Verschlankung" des Staates zur Folge hatte, war durch die auf den Fall des mit dem westlichen Kapitalismus konkurrierenden Sowjetsystems hin eintretende Globalisierung um ein Vielfaches verstärkt über die Lohnabhängigen der Welt hereingebrochen. "Der Markt regelt alles", lautet der schlaue Spruch bis heute, und nach der wohl kaum interessenfreien Ansicht der Reichen tut er das wohl auch, vorausgesetzt man blendet die Vorgaben des Grundgesetzes aus, das in den Artikeln 20 und 28 ausdrücklich eine soziale Komponente fordert ("Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat"). Maier erwähnt auch den Absatz 2 des Artikels 14, der da heißt: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen", dies allerdings sei inzwischen eine Auffassung, die zumindest nicht mehr gerne gehört werde. Zumindest was die Beteiligung an der Finanzierung der Aufgaben des Gemeinwesens angeht, hat sich mit der tatkräftigen Unterstützung durch die (nur ihrem Gewissen verantwortlichen) Politiker eine einseitige Entlastung der großen Vermögen durchgesetzt und dies, wie eine von Martin Maier präsentierte Grafik zeigte, in eklatantem Umfang. Hat der Anteil der Steuern auf Gewinne 1960 noch rund 35 Prozent betragen, ist der Anteil dieser Steuerarten bis 2002 auf 12,2 Prozent zurückgegangen, während der Anteil der auf Arbeit und Verbrauch zu entrichtenden Abgaben sich seither von 37,5 auf 79,2 Prozent erhöht habe, bei einem (fast) kompletten Wegfall der Substanzbesteuerung von Vermögen. Nicht zuletzt dadurch hat sich, so Maier, die Schere zwischen Arm und Reich in diesem Land immer mehr geöffnet: Mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens der Deutschen von 9 Billionen Euro wird von ganzen zehn Prozent der Bevölkerung kontrolliert, während sich deren ärmstes Zehntel (rund acht Millionen Menschen) im Minusbereich befindet. Zuwachs im Privateigentum hat auch nur noch das reichste Bevölkerungszehntel, während immer größeren Teilen Arbeitslosigkeit und Armut drohe. Arm nämlich ist man bei uns dann, wenn man aufgrund der Einkommensverhältnisse am Lebensstandard seiner Umgebung nicht mehr teilnehmen kann. Und dass dieser Zustand spätestens mit dem Bezug von Arbeitslosengeld II (auch "Hartz IV" genannt) zwangsläufig eintritt, weist der Referent anhand einiger Beispielsrechnungen nach: Ein Alg-II-Empfänger habe 345 Euro im Monat zur Verfügung, bekomme aber keinerlei Einzelbeihilfen mehr, wenn größere Anschaffungen nötig sind. Eine Verschuldung könne so bereits durch eine umfangreiche Reparatur an einer Waschmaschine eintreten. "Da kommt ein Langzeitarbeitsloser nie wieder heraus", weiß Martin Maier aus seiner Arbeit in der Arbeitslosenförderung. Eine Chance auf mehr als einen 1-Euro-Job habe ein Betroffener derzeit auch nicht, denn von den Arbeitsagenturen würden die "Fälle" notgedrungen nur noch verwaltet, weil es auch dort an Personal und Geld fehle. Doch das seien, so Maier, alles keine Naturgesetze, auch wenn die neoliberale Propagandamaschinerie dies der Bevölkerung als solche unterzujubeln versuche. Mit einer Stellung der Sozialsysteme auf eine breitere Basis, indem unter Wegfall der Beitragsbemessungsgrenzen alle Einkünfte zur Finanzierung herangezogen würden, zählte er mögliche Lösungen auf. Die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, eine Erhöhung der Spitzensteuersätze, die Einführung einer Börsenumsatz- und einer Spekulationssteuer, vor allem aber eine effektive Bekämpfung der Steuerhinterziehung brächten Milliardenbeträge in die Schatullen der öffentlichen Hände. Maier schloss seinen Vortrag mit einer Geschichte aus dem Persischen: Nachdem der König den Städten seines Reiches angedroht hatte, für jeden verhungerten Armen einen Reichen im Kerker verhungern zu lassen, verhungerte in seinem Reich niemand mehr. Martin Maier sprach im Evangelischen Gemeindehaus über Armut. heb

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 06.04.2006

Den Ahnen auf der Spur mit dem Ortsfamilienbuch

Erstes Ortsfamilienbuch Wendlingen und Bodelshofen erschienen - Angela Heilemann aus Wendlingen hat dafür akribisch geforscht

WENDLINGEN. Woher die eigenen Vorfahren kommen, welche Berufe sie ausgeübt haben, was aus ihnen geworden ist ? daran besteht bei den meisten ein großes Interesse. Aber nur die wenigsten können über ihre Herkunft über Jahrhunderte hinweg detailliert Auskunft geben, geschweige denn haben sie einen Stammbaum. Meist bleibt es bei dem Wunsch der Ahnenforschung. Dem kann jetzt abgeholfen werden: im Cardamina Verlag ist jetzt ein Ortsfamilienbuch von Wendlingen und Bodelshofen erschienen. In jahrelangem Quellenstudium hat Angela Heilemann aus Wendlingen über 4000 Familiennamen erfasst. "Damit können Forschungswillige künftig fündig werden", sagte sie im Rahmen einer kleinen Feier anlässlich der Übergabe des ersten Exemplars an die Evangelische Kirchengemeinde in Wendlingen.

GABY KIEDAISCH Insgesamt sind 4389 Familiennamen im Ortsfamilienbuch (von 1558 bis 1875) aufgeführt. Das bedeutet, dass sämtliche Personen und Familien in Bodelshofen und Wendlingen, die in den Kirchenbüchern stehen, darin erfasst wurden, und zwar alphabetisch nach Namen und chronologisch entweder nach dem Eheschließungsdatum oder dem Geburts- oder Todesdatum. Darüber hinaus beinhaltet das Ortsfamilienbuch auch so genannte Ortsfremde, die sich nur sehr kurz hier aufgehalten haben oder auf der Durchreise waren. Des Weiteren ist eine Liste der Konfirmanden von 1725 bis 1875 enthalten. Eine kurze Ortsgeschichte von Wendlingen gibt einen ersten Überblick. Mit dem Ortsfamilienbuch erhält der Leser auch eine Liste mit Amtsinhabern wie Bürgermeister, Schulmeister und Pfarrer, die teilweise sogar bis in die Gegenwart aufgeführt sind. Eine Kirchenbuchstatistik und Verzeichnisse über Namen und Orte vervollständigen das fast 500 Seite starke Ortsfamilienbuch. Diese Verzeichnisse sind insbesondere unerlässlich bei der Suche nach den Ehefrauen, die aus anderen Orten stammen und nicht alphabetisch innerhalb der Familien geordnet zu finden sind.

Fast detektivische Arbeit

Wie viel Akribie, Recherche, Sach- und Fachverstand hinter dem von Angela Heilemann verfassten und herausgegebenen Ortsfamilienbuch stecken - mal ganz abgesehen vom zeitlichen Aufwand -, das kann man als Außenstehender angesichts der vielen erfassten Namen und dazugehörigen Daten und Querverweise nur erahnen. Insgesamt sieben Jahre hat Angela Heilemann an dem Nachschlagewerk gearbeitet. Vorwiegend im Pfarrhaus im Städtle habe Frau Heilemann die kirchlichen Quellen studiert, kann sich Pfarrerin Ute Biedenbach noch gut an die Zeit erinnern, weil sie damals mit Ehemann Pfarrer Wannenwetsch frisch in Wendlingen die Pfarrstelle angetreten habe. Vor allem in den Abendstunden, wenn die Familie versorgt war, widmete sich Angela Heilemann noch stundenlang dem Quellenstudium auch zu Hause. Stundenweise durfte sie sogar die alten und wegen ihres genealogischen Gehalts sehr wertvollen Bücher und Register mit nach Hause nehmen. Dafür war allerdings die Erlaubnis des Oberkirchenrats notwendig, der seine Einwilligung dazu geben musste.

Viele Quellen ausgewertet

Für die Erfassung der Namen und dazugehörigen Daten wie Geburtsdaten, Geburtsort, Familienstand, Namen der Kinder, Beruf und so weiter hat die Familienexpertin zahlreiche kirchliche wie weltliche Quellen ausgewertet. Wer schon einmal einen Blick in solche Bücher geworfen hat, der weiß, dass das meiste handschriftlich und dann noch in altdeutscher Schrift geschrieben ist, was heutzutage nur noch die wenigsten lesen können. Für Angela Heilemann war das allerdings kein Problem, denn sie hatte schon früher ihre Kenntnisse in Sütterlin bekundet, was zur Ahnenforschung unerlässlich ist. Fündig für das Quellenstudium wurde die Zweite Vorsitzende des Museumsvereins in Taufbüchern, Ehebüchern, Totenbüchern von Wendlingen (von 1558 bis 1875) und Bodelshofen (von 1616 bis 1875), des Weiteren in Familienregistern (von zirka 1752 bis 1875), in Konfirmandenregistern (von 1725 bis 1875) und Seelenregistern, auch Familienregister genannt (von 1634 bis 1640 und 1650 bis 1732). Darüber hinaus hat sie auch weltliche Quellen gewälzt wie Inventur- und Teilungsakten für Bodelshofen von 1699 bis 1870 und für Wendlingen von 1743 bis 1875. Darin aufgelistet ist sämtlicher Besitz von der Kleidung über Küchengeräte bis zu Häusern, Äckern und Wiesen, aber auch die Schulden. Keiner, der im Ortsfamilienbuch schmökert, muss sich allerdings Sorgen machen, denn Daten und Namen sind ab 1875 tabu, sprich stehen unter Datenschutz und dürfen für solche Zwecke nicht verwendet werden. Dem jetzt erschienenen Ortsfamilienbuch vorausgegangen waren ursprünglich Nachforschungen in der eigenen Familie, sagte Angela Heilemann bei der Präsentation des Buchs im Wendlinger Pfarrhaus. Aus diesem Interesse heraus hatte sich dann die Idee für ein Ortsfamilienbuch für Wendlingen und Bodelshofen ergeben. Das Ortsfamilienbuch (OFB) Wendlingen und Bodelshofen, von Angela Heilemann (Hrsg.), 497 Seiten, erschienen im Cardamina Verlag, Ochtendung, kann für 37,50 Euro über das Bürgerbüro des Wendlinger Rathauses oder das Wendlinger Stadtmuseum bezogen werden.


Bericht aus der Wendlinger Zeitung 24.02.2006

Geschichten, vorgelesen von einer Lesepatin

Frühkindliche Bildung: Sprache und Lesefreude wecken - Kindergarten Alleenstraße geht neue Wege

WENDLINGEN. Der Kindergarten Alleenstraße in Wendlingen geht neue Wege. Als fester Bestandteil sollen künftig Geschichtenerzählen und Vorlesen auf dem Kindergarten-"Stundenplan" stehen. Mit einer Lesepatin und der passenden Atmosphäre soll bei den Jüngsten das Interesse an Sprache geweckt werden, damit sie später Freude am Lesen bekommen.

GABY KIEDAISCH Die Eltern der Kindergartenkinder wurden von dem Vorhaben des Kindergartenträgers, der evangelischen Kirche Wendlingen, mit einem Schreiben vorab informiert. Die Teilnahme an diesen besonderen Vorlesestunden einmal im Monat donnerstagnachmittags und freitagmorgens ist für die Kinder freiwillig. Wer will kommt, wer nicht, der bleibt in seiner Gruppe und wird von den Erzieherinnen anderweitig beschäftigt. "Wir wollen damit ein Angebot machen", sagt Astrid Blankenhorn, eine der Erzieherinnen. Sie und ihre Kolleginnen wissen, dass "einige Kinder gleich von Anfang an begeisterte Zuhörer sein werden, andere aber mehr Zeit benötigen, um sich auf die Vorlesestunde einzulassen", sagt Ulrike Schilling, die Leiterin des viergruppigen Kindergartens. Hintergrund dieser Vorlesestunde, die zu einer regelmäßigen Einrichtung werden soll, ist die stärkere und gezieltere sprachliche Förderung von Kindern bereits in der frühkindlichen Erziehung. Geschichtenerzählen und Vorlesen sind dabei wichtige methodische Bausteine für die Entwicklung eines jeden Kindes. Wer sich sprachlich richtig ausdrücken kann, und das beginnt bereits im Kindesalter, hat es später in der Schule, im Verfolgen des Unterrichts, nicht nur in Deutsch und beim Erlernen eine Fremdsprache, sondern auch in Mathematik beim Verstehen von Textaufgaben wesentlich einfacher und das zieht sich durch bis ins Erwachsenenalter. Mit dem Orientierungsplan für Kindergärten werden bestimmte Bildungsziele verfolgt, die von allen Kindergärten bis 2009 umgesetzt werden müssen. "Ein wichtiges Ziel dabei ist die Förderung der kommunikativen Fähigkeiten", erläutert Pfarrer Frey, als Vertreter des Kindergartenträgers, das neue Angebot. Zwar gehören das Vorlesen und das gemeinsame Bilderbuchanschauen mit den Erzieherinnen zum täglichen Kindergartenbesuch dazu, auch im Alleenkindergarten (so kann jede Kindergartengruppe auf eine eigene kleine bunte Bibliothek zurückgreifen), dennoch soll mit der neuen Lesestunde noch einmal ein ganz anderer Rahmen geschaffen werden als bisher. Mit abgehängten Tüchern und gedämpftem Licht soll eine Atmosphäre entstehen, in der sich die Kleinen wohl fühlen. Durch den visuellen Eindruck sollen sie bereits ein positives Gefühl gegenüber den Geschichten bekommen. Und wenn dann noch jemand extra zum Vorlesen in den Kindergarten kommt, das ist dann etwas Besonderes. Als ehrenamtliche Lesepatin hat der Kindergarten für dieses Projekt eine bereits erfahrene Geschichtenvorleserin gewinnen können. Lore Schaich (65) liest seit zirka fünf Jahrzehnten regelmäßig in der Raidwanger Kinderkirche vor. Daran erinnern sich die gestandenen Erzieherinnen Kerstin Schaich und Eva Steireif noch heute bestens. Sie haben selbst als Kinder den Geschichten von Lore Schaich mit Begeisterung gelauscht. Einmal im Monat wird sie nun im Kindergarten Alleenstraße vorlesen. Für die Auswahl der Bücher und Geschichten sorgen die Erzieherinnen. Dabei wird darauf geachtet, dass den jüngeren Kindern abgeschlossene Geschichten vorgelesen werden, bei den etwas älteren könne auch schon Geschichten mit Titelhelden vorkommen, die mit jeder neuen Geschichte ein abgeschlossenes Abenteuer erleben. Die Bücherpalette orientiert sich aber auch an jahreszeitlichen oder biblischen Geschichten, die bekanntlich auch das pralle Leben widerspiegeln. Die Erzieherinnen freuen sich schon jetzt auf den Start der Vorlesestunden. Nächste Woche finden die ersten beiden statt.

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 21.02.2006

Wahrhaftiger und vollmundiger Lobgesang

Begeisterte Stimmung beim Festkonzert der Kantorei der Eusebiuskirche - Gute Chor- und Solistenleistung

WENDLINGEN. Ausgelassene Jubelstimmung, ergreifende Emphase, glänzende Solistenleistungen, vollmundiger Lobgesang ? das Festkonzert der Wendlinger Kantorei zu deren 75. Jubiläum kann gewiss als einer der Höhepunkte im musikalischen Leben der Stadt herausgestellt werden. Am Sonntagabend war die Eusebiuskirche von den dicht gedrängten Zuhörerscharen angefüllt, was kaum verwundern mag ob der Erlesenheit von Programm und Ausführenden.

MARTIN R. HANDSCHUH Felix Mendelssohn war das Konzert gewidmet, unter der geistreichen Ägide des Kantors Walter Schimpf sollten zwei wirkmächtige, bekannte Werke die eine göttliche Botschaft, verkörpert in der schönsten und eindringlichsten Sprache überhaupt, der Tonkunst, die Sinnen wie Herzen des Publikums erheben. Zu Beginn das vielgeliebte wie Ehrfurcht heischende Violinkonzert e-Moll op. 64, Bravourstück und Prüfstein für jeden Meister der vier Saiten. In Joachim Ulbrich fand sich so ein fingerfertiger Virtuose, der die reichen Facetten der Komposition trefflich auszuleuchten wusste in seinem förmlich mitreißenden, wenngleich nicht immer an der reinsten Schönheit des Tones orientierten Spiel. Wohlgefällige Kadenzen überzeugten dabei ebenso wie Passagen in rasenden Tempi, welche aber nicht zu mechanischer Repetition verkamen, sondern exaltiert und mit Esprit lockten. Aufs Äußerste empfindsam geriet das Andante, mit berückendem Liebreiz, der nicht von der "geleckten Verzückung", die Mendelssohn von etlichen sehr deutschen Zeitgenossen attestiert bekam, kündete, sondern mit Wahrhaftigkeit anzurühren vermochte. Ulbrichs kongenialen Partner verkörperte das hervorragend besetzte Sinfonieorchester, welches von Walter Schimpf mit dramaturgischem Feingefühl gut koordiniert und zu respektabel wohltönender, plastisch-farbenreicher Leistung angespornt wurde. Eben dieses Potential konnten die engagierten Instrumentalisten bei dem ersten Teil der nun folgenden 2. Symphonie in B-Dur voll ausschöpfen. Feierlich und erhaben erklingt das Motiv zu ?Alles was Odem hat, lobe den Herrn? aus dem 150. Psalter, welches auch dem Werk zu dem Beinamen "Lobgesang" verholfen hat, klar akzentuiert, wenig pathetisch, dafür konzentriert nimmt Walter Schimpfs Interpretation für sich ein, dabei auch ganz bemerkenswert der hoffnungsfroh beschwingte Teil im Dreier-Takt. Zum wahren Quell der Freude geriet die Sopranpartie der bewährten und immer wieder neu sich steigernden Gundula Peyerl, die angenehm timbriert, stets angepasst und überlegt konturierte, dabei ein großes Spektrum verschiedenartiger Schattierungen auszudrücken wusste. Beachtenswertes Feingefühl bewies sie auch in den Duetten, jenem mit dem erwähnenswerten Einsatz von Christa Schimpf (gleichfalls Sopran) und dem mit dem Tenor Georg Kaplan, welches tiefschürfend wie ergötzlich in vollkommener Harmonie hinströmte. Kaplan selbst bestach durch seine wohlgetroffene Artikulation, die ganz effektvoll die wesentlichen Textaussagen der Rezitative deutete und auch sonst um ein hohes Maß an Differenzierung bemüht war. In den Arien indes wäre bisweilen eine etwas leichtfüßigere Beweglichkeit nicht schädlich gewesen, wovon auch die Deklamation gewiss hätte profitieren können. Last, but not least zum wesentlichen Träger des musikalischen Geschehens, zu den allen Lobes werten Sängern der Kantorei der Eusebiuskirche: Mit großem Eifer und Können bestritten die geschulten Kehlen die anspruchsvolle Partie, blieben souverän auch unter der Bestürmung durch das Orchester, das stellenweise mit seiner blechkräftigen Macht die Oberhand gewonnen hatte. Umso klarer trat die eindrückliche Kunstfertigkeit des Satzes im A-cappella-Teil des Chorals ?Nun danket alle Gott? zu Tage, der aus der wohlangebrachten Schönheit der Stimmen seine Überzeugungskraft gewann. Überwältigend freilich das Finale, klanggewaltig, stolz, den hohen Glanz des Göttlichen nachstellend, eine gleißende Apotheose monumentalen Charakters, die reinste Vermannigfaltigung des Grundmotivs, des ewigen Gotteslobes. Nicht minder ausdrucksstark gerieten die lang anhaltenden Demonstrationen der Begeisterung im Publikum, das seine Ergriffenheit wie Erhebung lautstark bekundete. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ Gundula Peyerl (Bild Mitte) in einem Konzert glänzender Solistenleistungen. Foto: mrh


Bericht aus der Wendlinger Zeitung 07.02.2006

"Das Singen ist ein Schatz unserer Kirche"

Bewegender Festgottesdienst zum 75-Jahr-Jubiläum der Eusebiuskantorei in Wendlingen

WENDLINGEN. "Wir danken dir, Gott, wir danken dir" - nichts als der Titel der Kantate BWV 29, deren Sinfonia eingangs die Eusebiuskirche in herrlichen Glanz tauchte, könnte das Anliegen des sonntäglichen Festgottesdienstes zur Feier des 75-jährigen Jubiläums der Kantorei der Eusebiuskirche besser in Worte kleiden. Und obgleich sich Worte des Dankes und des Lobes in Überfülle ergossen hatten, kündete doch die Musik, das Erlebnis des gemeinsamen Gesangs viel ergreifender von jener einzigartigen Stimmung, die sich eben nicht adäquat mit sprachlichen Mitteln umschreiben lässt. MARTIN R. HANDSCHUH Im Mittelpunkt stand, wie könnte es anders sein, die stolze Jubilarin, die mit frischer Stimme und frohem Mut klangfreudig das Evangelium verkündete, von einem wohltönenden Orchester und dem versierten Organisten Jens Wollenschläger unterstützt, angeleitet von Kantor Walter Schimpf, ohne den die Musik an der Eusebiuskirche nicht das wäre, was sie ist: höchstes Gotteslob. Auf das Musizieren in eben diesem Sinne hob Pfarrer Martin Frey in seiner euphorischen, mitreißenden, ?nicht einfach ganz normalen? Predigt ab, die sinnigerweise das Lied "Nun jauchzt dem Herren, alle Welt" auslegte. Weil Gott die Menschen von der allgegenwärtigen Lähmung und Angst befreie, gebe es genug Gründe, ihn zu loben, es gelte, "den Mund richtig aufzumachen, zum kräftigen Singen". Das praktizierte der Geistliche sodann als Schlusswort, intonierte die letzte Strophe des Predigtliedes, bevor die ganze Gemeinde freudig mit einfiel. ?Das Singen und Musizieren ist ein Schatz unserer Kirche?, bemerkte Lothar Friedrich vom Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg in seinem Grußwort, ?es hat wohltuende Wirkung für den gesamten Menschen?. Der Lobpreis, der aus der tiefsten Schicht der Seele dringe, zeige auch, dass der Singende mit sich und seinen Mitmenschen im Reinen ist. Der Kirchenmusikdirektor hob die Leistung des Kantorenehepaares Christa und Walter Schimpf, das hier schon seit 35 Jahren wirkt, deutlich hervor, ebenso wie das ehrenamtliche Engagement der Sänger. Aus deren Reihen wurden acht für lange Chormitgliedschaft von 25 bis 50 Jahren geehrt, darunter Christa Schimpf für 40-jährige Verdienste auch in der Jugendarbeit. Deren Früchte sind nicht zuletzt an der stimmkräftigen Mitwirkung junger Sängerinnen, derer auch einige für ihren Einsatz Anerkennung empfingen, zu ermessen. Seitens der Evangelischen Kirchengemeinde gratulierte Pfarrer Stefan Wannenwetsch und brachte der aktiven Singgemeinschaft seinen Dank ?für die treue Mitarbeit in Kirche und Gemeinde? zum Ausdruck und wünschte auch künftig "immer die richtigen Töne und Gottes Segen". Den "Respekt der Stadt" zollte am Sonntagvormittag Gerd Happe als Erster Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Wendlingen, der die Ovationen des Bürgermeisters Frank Ziegler und des Gemeinderats überbrachte. Happe ging zudem auf die Anfänge des Chores ein, welche in Erinnerung zu rufen zu diesem Anlass angemessen erscheine: Die Kantorei ist als Kind der Singbewegung nach dem Ersten Weltkrieg vor allem auf Bestreben des in dieser Hinsicht affizierten Pfarrers Emil Strebel, der den Chorgesang in der Wendlinger Kirche gefördert wissen wollte, etabliert worden. Schon 1928 war die Gründung eines Chores avisiert, aber selbst zwei Jahre später hatten die Bemühungen noch keinen nennenswerten Erfolg. Der Palmsonntag 1931 indes kann als die Geburtsstunde der Eusebius-Kantorei aufgefasst werden, seitdem bereichern die Sänger Gottesdienst und auch das Konzertleben in ungezählten Aufführungen. Die "ungeheuere Wichtigkeit" des aktiven Musikmachens hob die Pfarrerin für Kirchenmusik im Dekanat Nürtingen, Dorothea Gölz-Most sodann hervor, postulierte gar das Singen als Maßnahme zur Gewaltprävention. Ganz in diesem Sinne dürfte dann wohl der Einfall gewirkt haben, dass die Gemeinde dem Chor daraufhin ein überschwänglich gedichtetes Geburtstagsständchen vorgetragen hat. Ihren Höhepunkt erreichte die Jubelstimmung zum Schluss des Gottesdienstes in der Wendlinger Eusebiuskirche, als die Kantorei, alle ehrenden Worte bestätigend, in erhebender Manier Johann Sebastian Bachs Choral "Sei Lob und Preis mit Ehren" anstimmte. Man weiß, wem der Dank zu gelten hat. Chorgesang und Worte des Dankes waren am Sonntag beim Festgottesdienst anlässlich des Jubiläums der Kantorei angesagt: Kantor Walter Schimpf dirigierte den Chor. Foto: mrh

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 03.02.2006

Basteln für einen wohltätigen Zweck

Bastelkreis der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen besteht seit 25 Jahren

WENDLINGEN. Wenn es sie nicht bereits gäbe - man müsste sie glatt erfinden: seit 25 Jahren basteln die Damen vom Bastelkreis der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen für wohltätige Zwecke. Zweimal im Jahr werden die Bastelarbeiten im Gemeindehaus verkauft und jedes Mal profitiert eine gemeinnützige Einrichtung von der ehrenamtlichen Arbeit.

GABY KIEDAISCH Sein Jubiläum hat der Bastelkreis im Stillen gefeiert, genauso wie er all die Jahre Gutes ohne großen Aufhebens getan hat. Pfarrerin Ute Biedenbach hatte Grüße der Evangelischen Kirchengemeinde überbracht. Als symbolisches Zeichen des Dankes hatte sie einen geflochtenen Hefezopf in Form einer 25 zum Verzehr mitgebracht. Untermalt wurde die kleine Feier mit einem Ständchen des Posaunenchors. Bärbel Koschei war es, die den Bastelkreis Anfang 1981 ins Leben rief. Die Pfarrersfrau sah den Bedarf nach solchen Aktivitäten in der Gemeinde. Mit dem 1989 sanierten Gemeindehaus in der Bismarckstraße zum 450. Jubiläum der Kirchengemeinde ergab sich außerdem die Möglichkeit, die Idee mit einem Raum, wo man sich regelmäßig treffen konnte, realisieren zu können. Gleich im September nach der Gründung fand der erste Basar statt. Sein Erlös wurde damals (wie noch weitere Male) dem Umbau des Gemeindehauses gewidmet. Viele weitere Summen, die später beim Verkauf der Bastelarbeiten zusammenkamen, stecken heute in der restaurierten Siedlerglocke, in der Orgel und in der Sanierung der Eusebiuskirche, oder kamen dem Posaunenchor zugute. Ein Großteil des bisher mit den Bastelarbeiten erwirtschafteten Geldes spendeten die Frauen sozialen und anderen wohltätigen Einrichtungen wie Heimen, Selbsthilfegruppen oder der Partnergemeinde Gotha-Siebleben in den neuen Bundesländern. Im Laufe der vielen Jahre wurden so mehrere 10 000 Euro "erbastelt", die viele Menschen unterstützten und eine Freude bereiteten. Wem die jeweilige Spende zukommen soll, wird gemeinschaftlich - wie alles - unter den Frauen im Bastelkreis besprochen. Einige Aufgaben wurden unter den Frauen verteilt, wie die Verwaltung der Kasse, die Termin- und Öffentlichkeitsarbeit oder der Einkauf. Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat, jeweils ab 19.30 Uhr, treffen sich die rund 20 Frauen im Obergeschoss des evangelischen Gemeindehauses in der Bismarckstraße. In gemütlicher Runde um einen großen Tisch herum packt jede der Teilnehmerinnen ihre Arbeiten aus, man beratschlagt gemeinsam, was für die jeweiligen jahreszeitlichen Basare gebastelt werden soll, neue Ideen werden präsentiert. Manche sind dabei zu Spezialistinnen für bestimmte Bastelarbeiten geworden wie zum Beispiel für Kränze oder für Fensterbilder. Die fertigen wie halbfertigen Bastelarbeiten und das Material werden in Schränken aufbewahrt, die ebenfalls in ehrenamtlicher Arbeit von geschickten Ehemännern mit Regalböden versehen wurden. Alt und Jung gehören der bunt gemischten Gruppe an. 29 Jahre ist die Jüngste, die Älteste zählt stolze 88 Jahre. Zwischen zehn und 20 Damen basteln regelmäßig im Gemeindehaus. Es gibt auch weitere die wegen ihres betagten Alters von zu Hause den Basar mit Gestricktem und Genähtem unterstützen und damit ihre Verbundenheit zum Bastelkreis weiter ausdrücken. Wenn auch die meiste Zeit der Treffen dem Basteln gewidmet wird, wobei natürlich der gegenseitige Gesprächsaustausch nie zu kurz kommt, gibt es hin und wieder Unterbrechungen, bei denen die Frauen gemütlich zusammenfinden wie zur Weihnachtsfeier, zu der die Pfarrer der Kirchengemeinde eingeladen werden, oder zum jährlichen Ausflug mit dem Gemeindedienst. Das jetzige Jubiläum führt den Bastelkreis ins Brotmuseum nach Ulm. Zweimal im Jahr werden die übers Jahr gebastelten, gestrickten, gestickten, genähten und gehäkelten Kunstwerke ausgestellt und zum Verkauf im Gemeindehaus angeboten. Das geschieht immer in Verbindung mit den Gemeindenachmittagen wie es sie seit 1989 beziehungsweise 1994 gibt. Dabei hat sich der Sonntag für den Frühlingsbasar als besonders günstig erwiesen, traditionell wird am Samstag vor dem Totensonntag der Adventsbasar abgehalten. Seit der Sanierung des Gemeindehauses findet der Gemeindenachmittag in diesen Räumlichkeiten statt, wo auch Kaffee und Kuchen zum Basar angeboten werden. Zur Bereicherung der Nachmittage tragen außerdem die Kindersingkreise seit 1998 bei. Gerne erinnern sich die Damen vom Bastelkreis an das Jahr 1989 zurück, als die ersten Übersiedler aus der ehemaligen DDR zum Gemeindenachmittag eingeladen wurden. Mit dem Basar im Jahr 1997 wurde die Hilfe für Isabell unterstützt. Vor 1989 wurden die Bastelarbeiten beim Weihnachtsmarkt verkauft. Wer sich allerdings bei den Basaren als Käufer zu lange Zeit lässt, der muss unter Umständen mit leeren Händen nach Hause gehen. Kaum etwas bleibt bei den Basaren übrig, so dass sich für die Frauen Nachverkäufe wie beispielsweise nach dem Gottesdienst nicht mehr lohnen. Verkauft wird von Puppenkleidchen, Kinderschürzen, Schmusepuppen über Fensterbilder, Socken, Handschuhe, Schals, Tisch- und Türkränze, Filzsterne, Tierkissen bis zu Oster- oder Weihnachtsdekorationen alles. Einiges des zu verarbeitenden Materials bekommen die Frauen für den wohltätigen Zweck selbst gespendet, notwendiges Handwerkszeug wie Klebepistolen oder Nähmaschine sind einmalige, aber notwendige Anschaffungen. Brigitte Sigg hofft, wie die anderen Bastelteilnehmerinnen, dass sie gemeinsam noch lange Spaß haben werden und ihnen die Ideen für die Bastelkreationen nie ausgehen. Darüber müssen sich die Frauen aber nicht wirklich Gedanken machen, denn es ist ihnen stets Neues eingefallen. Schon heute sind alle am 26. März eingeladen, dann ist nämlich der nächste Termin für den Gemeindenachmittag, bei dem der Bastelkreis seine neuesten Kreationen für das Frühjahr und für Ostern vorstellt und wieder für einen wohltätigen Zweck verkauft: diesmal kommt der Erlös der Werkstatt am Neckar und der Telefonseelsorge zugute. Frauen (aber auch Männer), die Freude am Basteln haben und einen wohltätigen Zweck damit unterstützen wollen, sind jederzeit im Bastelkreis willkommen; Kontaktaufnahme bei Brigitte Sigg, Telefon (0 70 24) 5 17 26. 

 

Bericht aus der Wendlinger Zeitung 13.01.2006

Wendlinger Kirchen rücken noch näher zusammen

Ökumenische Erwachsenenbildung steht erstmals unter dem Jahresthema "Leben ist eine Kunst, besonders in Zeiten des Umbruchs"

WENDLINGEN. Seit dem Jahr 2000 gibt es ein ökumenisches Erwachsenenbildungsprogramm in Wendlingen. Mit dem Start zum elften Halbjahres-Programm wurde das Angebot optimiert und unter ein Jahresthema gestellt. Das Erwachsenenbildungsprogramm, das bewusst auch junge Menschen ansprechen möchte, startet mit Überlegungen zum Thema "Leben ist eine Kunst, besonders in Zeiten des Umbruchs". Das Jahresthema künftig also als Klammer, als "roter Faden" durch ein Angebot, das unverändert von der katholischen und den beiden evangelischen Kirchengemeinden ergänzt wird. Die "Macher" hinter diesem Programm sind Dr. Ulrike Altherr (Katholische Kirchengemeinde St. Kolumban), Siegfried Kraus (Evangelische Johanneskirchen-Gemeinde) und erstmals der neue Pfarrer an der Eusebiuskirche, Martin Frey.

CHRISTA ANSEL Die Katholische Kirchengemeinde hatte für ihren Part immer schon ein Jahresthema gewählt, die evangelischen Kirchengemeinden der Stadt haben sich dieser Idee jetzt angeschlossen. Alle drei wollen also inhaltlich an einem Strang ziehen und mit der strafferen Programmgestaltung auf der einen Seite ein Angebot von höherer Qualität machen, auf der anderen Seite verhindern, dass man sich mit einem Überangebot an Terminen gegenseitig Konkurrenz macht. Die drei Kirchengemeinden arbeiten künftig im Bereich der ökumenischen Erwachsenenbildung also noch enger zusammen. Das gibt nicht nur die Möglichkeit, auf dem gemeinsamen Weg weiter vorwärts zu kommen, Synergieeffekte zu nutzen. Eine solche ökumenische Zusammenarbeit, wie sie in Wendlingen praktiziert wird, ist im Kirchenbezirk im Übrigen einmalig und beispielhaft.

Offenes, christliches Programm

Gemeinsames Ziel, so Dr. Ulrike Altherr gestern im Gespräch, sei ein weites, offenes, christliches Programm. Entstanden ist diese Idee einst im Ökumenischen Ausschuss, in dem die Zusammenarbeit vor allem auch unter dem Gesichtspunkt der Stellenknappheit angepackt wurde. Mit dem ersten Halbjahresprogramm für 2006 ist man noch mal ein Stück näher gerückt, hat die Kräfte gebündelt mit dem Ergebnis einer besseren Programm-Qualität. Drei von fünf Veranstaltungen zum Jahresthema rund um den Wandel der Gesellschaft werden im ersten Halbjahr angeboten. Am 26. Januar wird zur Eröffnung eingeladen ins Katholische Gemeindezentrum St. Georg. Wolfgang Kessler, Chefredakteur von "Publik Forum" und Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, referiert zum Thema "Die Kunst als Gesellschaft zu leben - Neue Ideen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik". In mehreren Büchern hat Wolfgang Kessler sich mit Fragen einer humanen Weltwirtschaft, mit Auswegen aus der Globalisierungsfalle befasst und Wegweiser zu mehr Gerechtigkeit aufgezeigt. In Wendlingen wird Kessler Antworten geben auf die Frage, wie Menschen angesichts von Arbeitslosigkeit, zerbrechendem Sozialstaat, stagnierender Wirtschaft und sinkenden Steuereinnahmen in der Gesellschaft zusammenleben können. Kesslers Antwort will Perspektiven aufzeigen, Hoffnung machen und auf Konzepte hinweisen, die längst in den Schubladen von Experten liegen, politisch nur nicht umgesetzt wurden. Und er will Beispiele aufzeigen, wie Wirtschaft gerecht, umweltverträglich und regional ausgerichtet sein kann. Der zweite Abend zum Jahresthema befasst sich mit Lebenskrisen und Chancen, diese mit Lebensmut zu bewältigen. Am 16. März kommt dazu Mirella Abate-Leibbrand, Pfarrerin und Leiterin des Seminars für Seelsorgefortbildung in Stuttgart, in das evangelische Gemeindehaus in der Bismarckstraße. Die Referentin wird Wege aufzeigen, wie in schwierigen Situationen Halt gefunden werden kann, und klären, welche Rolle dabei der Glaube spielen kann. Der dritte Part zum Jahresthema kommt musikalisch daher. Am 19. Mai geben Thomas und Rotraut Knodel (Diakon und Lehrerin) in der Johanneskirche ein Konzert mit feinsinnigen Liedern zur Gitarre. Die beiden Liedermacher aus Illingen erzählen in ihren fröhlichen und nachdenklichen Liedern Geschichten von Menschen, die Mut machen, Geschichten von der Zeit und Geschichten vom Himmel. In der zweiten Jahreshälfte folgen zwei weitere Veranstaltungen: am 19. Oktober mit Dr. Beate Weingardt zum Thema "Gelassenheit" und am 16. November mit Thomas M. Müller, der aus Erich Fromms "Haben und Sein" lesen wird. Übrigens werden erstmals im Ökumenischen Erwachsenenbildungsprogramm Eintrittspreise erhoben. Sie betragen bei allen Veranstaltungen zum Jahresthema drei Euro und dienen dazu, das Programm mit zu finanzieren. Im Übrigen werden die Programmpunkte um das Jahresthema mit zahlreichen Angeboten der einzelnen Kirchengemeinden ergänzt, Themen für Frauen und Männer, Komplexe aus dem Bereich der Kultur oder dem Bereich "Leben gestalten". Dazu gehört beispielsweise heute Abend um 19.30 Uhr der Vortrag von Professorin Dr. Barbara Elers aus Nürtingen zum Thema "Essen aus dem Genlabor" im Gemeindehaus in der Neuburgstraße. Erkennbar wird im neuen Programm auch die Handschrift des neuen Pfarrers Frey im Programmpunkt "Von der Kunst, von der Kunst zu leben". Dazu kommt der Künstler Sven Gossel aus Ludwigsburg am 28. September nach Wendlingen. Die neuen Programmhefte liegen in zahlreichen Einrichtungen der Stadt für Interessierte aus. Mit dem unter dem Jahresthema gebündelten Programm möchten die verantwortlichen Kirchengemeinden möglichst viele Leute ansprechen und die immer noch spürbare Scheu, das Gemeindehaus einer anderen Kirchengemeinde zu betreten, abbauen. Und irgendwann einmal, berichteten die drei Verantwortlichen beim Redaktionsgespräch, lasse sich dann vielleicht auch mal die große Vision eines gemeinsamen Wendlinger Kirchentags verwirklichen.