Pressearchiv 2007

Bericht der Wendlinger Zeitung 27.11.2007

"Bildungsarbeit ist Aufgabe der Kirchen"

Die Pfarrer Paul Magino, Stefan Wannenwetsch und Helmut Buchmann nehmen Stellung zum Beschluss des Gemeinderates

WENDLINGEN. Wir werden uns dem Gespräch nicht verweigern, betonte Pfarrer Paul Magino von der Katholischen Kirchengemeinde gestern beim Redaktionsgespräch zum Beschluss des Gemeinderates, das dritte Kindergartenjahr für die Eltern beitragsfrei zu gestalten. Überrascht sind die Pfarrer Paul Magino, Pfarrer Stefan Wannenwetsch (Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen) und Helmut Buchmann (Evangelische Kirchengemeinde Unterboihingen) allerdings schon über das Ansinnen von CDU und Freien Wählern, die Hälfte der Kosten dafür auf die Kirchen als Träger der Mehrzahl der Wendlinger Kindergärten abzuwälzen. In einer Erklärung verweisen die drei Pfarrer auf die Bildungsarbeit als wichtige Aufgabe der Kirchen. Bewusst habe der Gesetzgeber den freien Trägern gegenüber staatlichen Einrichtungen den Vorrang eingeräumt. CHRISTA ANSEL Aus der Zeitung haben die drei Pfarrer vom Beschluss des Gemeinderates erfahren, das dritte Kindergartenjahr gebührenfrei zu halten. Gegen die Stimmen der SPD, der Grünen und des Bürgermeisters haben sich CDU und die Freien Wähler dafür ausgesprochen. Die Pfarrer Magino, Buchmann und Wannenwetsch wollen sich nach Eingang eines entsprechenden Antrags der Stadtverwaltung in den Gremien der Kirchengemeinden darüber beraten. Bis heute allerdings hat niemand zu dieser Thematik mit den Kirchen Kontakt aufgenommen. Als Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden möchten diese vor einer Entscheidung in den Kirchen-Gremien Stellung nehmen. In ihrer Mitteilung bedauern sie, dass von Seiten der CDU und der Freien Wähler in dieser Sache nicht eine Übereinstimmung mit den Kindergartenträgern gesucht wurde. Und bedauert wird, dass die Frage der Beitragsfreiheit im dritten Kindergartenjahr mit den bestehenden Kindergartenverträgen verknüpft wird. Wir können nicht verstehen, dass von wenigen die Kindergartenarbeit der Kirchengemeinden in Frage gestellt wird. Die Kirchengemeinden sind in Wendlingen seit Jahrzehnten in der Kindergartenarbeit tätig. Wir tun diese Arbeit gerne und gut; wir bekennen uns zu dieser Arbeit, die wir auch weiterhin fortführen werden. Dann kontern die Pfarrer die Aussage von Stadtrat Werner Kinkelin, Bildungsarbeit sei keine originäre Aufgabe der Kirchen: Bildungsarbeit gehöre von Anfang an zu den Aufgaben der Kirchen. Schon im Taufbefehl Jesu würden die Jünger Jesu aufgefordert, zu lehren. Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht gehe auf die reformatorischen Kirchen zurück. Der von den Kirchen verantwortete Religionsunterricht sei im Grundgesetz verankert. Der Zeitungsbericht erwecke den Eindruck, dass von Gemeinderäten die Kindergartenarbeit vorrangig unter dem Gesichtspunkt der Bildung wahrgenommen werde. Kindergartenarbeit leiste viel mehr. Auch wenn die Bildungsarbeit in den Kindergärten durch die Pisa-Studien neuen Stellenwert gewonnen hätte, werde dort noch viel mehr geleistet. Die Rede ist von Erziehung, Betreuung, Integration und der Vermittlung von Werten. Den Kirchen sei es wichtig, in den Kindergärten die Werte des christlichen Glaubens zu vermitteln. Und dann verweisen Wannenwetsch, Magino und Buchmann auf den Gesetzgeber, der die Bereiche, in denen es um Wertevermittlung gehe, dem Subsidiaritätsprinzip unterworfen habe. Dies heiße, immer dann, wenn ein freier Träger diese Arbeit übernehme, er gegenüber staatlichen Einrichtungen den Vorrang habe. Diese Regelung beziehe sich auf Erfahrungen aus der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, in denen der Staat als monopolisierter Wertevermittler eine unheilvolle Rolle gespielt habe. Angesprochen auf die unterschiedliche Bezahlung der Erzieherinnen, verwies Pfarrer Magino auf die neuen Tarife, die sich immer mehr angleichen würden, die Unterschiede seien gering. Unterschiede gebe es allerdings im Qualitätsanspruch. So besetzten kirchliche Kindergärten bewusst auch die Zweitstellen mit Erzieherinnen. In den kommunalen Einrichtungen sind dies Kinderpflegerinnen. Mit Blick auf die Orientierungspläne in den Kindergärten würden die Anforderungen an die Erzieherinnen weiter steigen. In Wendlingen beteiligten sich die Kirchen an den Personalkosten mit 3700 Euro pro Gruppe. Für Pfarrer Buchmann ist das Argument, arme Familien mit der Beitragsfreiheit entlasten zu wollen, nicht schlüssig. Die Sozialstaffelung in den Elternbeiträgen sei in Wendlingen gut geregelt, orientiere sich am Bruttogehalt und an der Anzahl der Kinder. Wer wirklich arm sei, bezahle ohnehin keine Beiträge und bekomme also durch die Beitragsfreiheit auch keine Erleichterung. An den Armen gehe dieser Beschluss total vorbei, moniert der Pfarrer und wünscht sich stattdessen wie seine Amtskollegen auch eine Verbesserung der Kindergartenarbeit. Im Übrigen stünden die Kirchen mit der Stadtverwaltung laufend in guten Gesprächen, gebe es keine Entscheidung, die nicht mit den Kindergarten-Trägern besprochen werde. Verwiesen wird auf die gute Arbeit im Kindergartenausschuss. Wir können aber nur dort mitreden, wo wir an den Tisch geholt werden. Die Pfarrer Paul Magino (St. Kolumban), Helmut Buchmann (Johanneskirche) und Stefan Wannenwetsch (Eusebiuskirche) nehmen Stellung zur vom Gemeinderat beschlossenen Beitragsfreiheit im dritten Kindergartenjahr. sel Bericht der Wendlinger Zeitung 22.11.2007 Das dritte Kindergartenjahr wird beitragsfrei CDU und Freie Wähler setzen sich durch Grüne sprechen vom Versuch, bestehende Verträge mit den Kirchen auszuhebeln WENDLINGEN. Es war eine ausgesprochen intensive Debatte in der jüngsten Sitzung des Wendlinger Gemeinderates. Auf der Tagesordnung stand der Antrag der CDU-Fraktion, das dritte Kindergartenjahr für die Eltern kostenfrei zu gestalten. Bürgermeister Ziegler hielt diesen Antrag für eine durchaus ehrenhafte Sache, stellte aber doch die Frage in den Raum, ob es nicht besser sei, in einem anderen Bereich etwas Gutes für die Bildung zu tun. Beschließe das Gremium jetzt die Gebührenfreiheit, schwäche das die Positionen der Kommunen in ihren Verhandlungen mit dem Land mit Blick auf die Ausweitung der Kleinkindbetreuung. Mit elf Ja-Stimmen aus den Fraktionen von CDU und Freien Wählern wurden diese Argumente beiseitegeschoben, die Gebührenfreiheit für das dritte Kindergartenjahr beschlossen und gleichzeitig die Forderung erhoben, das so entstehende finanzielle Defizit zwischen Stadt und den Kirchen als den freien Trägern der Kindergärten zu teilen.

CHRISTA ANSEL Die Forderung der CDU, Familien unter die Arme zu greifen, das dritte Kindergartenjahr für sie beitragsfrei zu gestalten und Eltern so Spielraum für individuelle Förderungen der Kinder zu lassen, war gekoppelt mit einem Finanzierungsvorschlag. Und der holt die Kirchen als die freien Träger der Kindergartenarbeit in Wendlingen mit ins Boot. Stadtrat Alois Hafner hatte nicht nur Argumente für dieses Bonbon an die Eltern formuliert (Wir wollen mit dem Vorschlag Familien entlasten und verstärkt in die Kleinkindbetreuung investieren, wir wollen Kinder nicht weiter in die Armut abrutschen lassen), er legte auch einen Finanzierungsvorschlag auf den Tisch: Die fehlenden Elternbeiträge im dritten Kindergartenjahr teilen sich Kommune und Kirchen. Hafner sprach von der besonderen Situation, der Trägerschaft der Kindergartenarbeit durch die Kirchen. In Wendlingen seien besondere Verträge beschlossen. Demnach bezahlten die Kirchen zehn Prozent der Personalkosten, die Stadt trage 90 Prozent. In den meisten anderen Kommunen betrage das Verhältnis aber 20 zu 80 Prozent. Leider sei man in der Vergangenheit mit den Kirchen zu keinem Konsens gekommen, die Kostenverteilung anzugleichen. Wenn es den Kirchen aber wichtig sei, Familien zu entlasten, sie aus der Armutsfalle zu holen, dann müsse sie jetzt Bereitschaft zeigen, den Fehlbetrag durch die Beitragsfreiheit im dritten Kindergartenjahr mit der Kommune zu teilen. Er, Hafner, gehe von einem Fehlbetrag von rund 120000 Euro aus. Der Anteil der Kirche betrage also 60000 Euro, das sei in etwa der Betrag, den die Kirchen ihrem Personal mehr bezahlten, die bei den jetzigen Vertragsbedingungen aber doch tatsächlich von der Stadt getragen würden. Man habe in so vielen Bereichen Gebühren eingeführt, jetzt sei es an der Zeit, Familien einmalig zu entlasten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende war sich dessen wohl bewusst, dass dieser Beschluss der Gebührenfreiheit im dritten Jahr die Kirchen in Zugzwang bringe, mit den alten Verträgen aufzuhören. Erst in der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung zurrte Stadtrat Werner Kinkelin (Freie Wähler) diesen Punkt dann fest, stellte bei der Verwaltung den Antrag, den Kindergartenvertrag mit den freien Trägern aufzukündigen. Bildungsarbeit, meinte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Gespräch mit der Redaktion, sei keine originäre Aufgabe der Kirche. Wer die Arbeit bezahle, solle auch bestimmen können.

Versuch, die Kirchen an den Pranger zu stellen

Damit bestätigte der Stadtrat im Nachhinein den Verdacht, den Stadträtin Ursula Vaas-Hochradl (Die Grünen) zuvor schon in öffentlicher Sitzung geäußert hatte: Den Fraktionen von CDU und Freien Wählern gehe es nicht um Bildung, sondern darum, die Kirchen an den Pranger zu stellen und bestehende Verträge zu lösen. Sie warnte davor. Es gebe keine gesetzliche Grundlage, die freien Träger abzuschaffen. Im Übrigen glichen sich die Tarife der Kommunen und der Kirche immer mehr an. Stadtkämmerer Volker Ilg wies darauf hin, dass die Kirchen die Stellen der Zweitkräfte mit Erstkräften besetzten, das sei teurer, aber auch qualitativ besser. Es sei an der Zeit, das Gespräch mit den Kirchen zu suchen. Vergebens hatte zuvor Bürgermeister Ziegler vor einem beitragsfreien Kindergartenjahr gewarnt und darin die Unterstützung der Grünen und der SPD gefunden. Diese Gebührenfreiheit schwäche die Position der Kommunen gegenüber dem Land. Vor allem im Blick auf die Einführung des Orientierungsplans für Bildung und Erziehung in den Kindergärten und der Verbesserung der Sprachförderung im vorschulischen Bereich zeichneten sich zusätzliche enorme Anforderungen an die Kindertageseinrichtungen ab. Es sei nicht Sache der Stadt, mit einer Gebührenfreiheit vorzupreschen und so die Stellung der kommunalen Landesverbände zu schwächen. Mit dem Wendlinger Beschluss entlasse man das Land aus der versprochenen gesetzlichen Regelung eines beitragsfreien Kindergartenpflichtjahrs vor dem Übergang in die Grundschule. Für Wendlingens Bürgermeister und die Verwaltung habe der quantitative und qualitative Ausbau der Kinderbetreuungsangebote Vorrang vor einer Beitragsfreiheit. Die durchaus vorhandenen finanziellen Spielräume der Stadt seien im vorgezogenen Ausbau des Angebots der Ganztags- und Kleinkindbetreuung besser investiert.

Die Entscheidung ist pädagogisch falsch

Stadträtin Ursula Vaas-Hochradl (Grüne) hält die schließlich gefällte Entscheidung für pädagogisch falsch. Sinnvoller sei es, die Kinder so früh wie möglich in den Kindergarten zu holen. Stadträtin Dr. Gabriele Fitzner hält es grundsätzlich für richtig, Bildung gebührenfrei zu halten. Aber statt der anvisierten Beitragsfreiheit solle man doch lieber kommunale Dinge fördern. Sie sprach vom Kinderland Baden-Württemberg und davon, dass hier jemand etwas bestelle und nicht bezahle. Wendlingen ist übrigens die einzige Kommune im Landkreis, die sich für eine solche Gebührenfreiheit im Kindergarten ausgesprochen hat. Das Wohl der Kindergartenkinder stellen Befürworter und Gegner des beitragsfreien dritten Kindergartenjahres, wie es jetzt der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen hat, in den Vordergrund. WZ-Archivbild


Bericht der Wendlinger Zeitung 19.11.2007

Dann folgt die Rückkehr ins Leben

Pfarrerin Irmtraud Ahlers referierte im Gemeindehaus in Wendlingen über die Krise als Chance

WENDLINGEN. Gut besucht war das jüngste Frauenfrühstück der Eusebius-Gemeinde am vergangenen Samstagvormittag. Die Gemeinde hatte zum Vortrag Krise als Chance Wenn Lebensträume zerbrechen von Pfarrerin Irmtraud Ahlers eingeladen. Dabei konnte Gemeindediakonin Elisabeth Schoch-Fischer zugleich ein Jubiläum verkünden: Das Frauenfrühstück fand bereits zum 30. Mal statt.

HOLLE RAUSER Ein Angehöriger stirbt, eine Beziehung geht zu Ende, Eheprobleme, Arbeitslosigkeit Krisen haben viele Gesichter. Wie sie entstehen, wie sie zu bewältigen sind, das versuchte Referentin Irmtraud Ahlers, Pfarrerin in Esslingen, in ihrem Vortrag vor den rund 100 Zuhörerinnen beim Frauenfrühstück der Eusebiuskirchengemeinde zu analysieren. Ahlers kommt dabei direkt aus der Praxis: Sie bietet Fortbildungen für ehrenamtliche Seelsorger an und ist ausgebildete Supervisorin.

Lebenskrisen sind so individuell wie die Menschen

So individuell wie die Menschen sind auch die Lebenskrisen, erläuterte Irmtraud Ahlers zu Beginn ihres Vortrages. Plötzlich auftretende Krisen, ein langsam sich aufstauendes Unglück, Lebensträume, die nicht verwirklicht werden können, die Auslöser von Krisen können ganz unterschiedlich sein, so die Referentin. In ihrem Vortrag befasste sich die Pfarrerin mit der Definition, dem Sinn und den Phasen einer Krise, wobei sie bereits zu Anfang betonte, dass der Satz Krise als Chance für den Betroffenen nicht unmittelbar umsetzbar sei: Krisen lähmen über einen längeren Zeitraum, in dem kein Handeln möglich ist, so Ahlers. Ein Abschied, Unsicherheit über die neue Lebenssituation, Trauer oder die Einsicht, gescheitert zu sein das braucht Zeit und Kraft. Zum Verständnis von Krisen gehört auch die richtige Einschätzung von Lebensidealen und Träumen, betont Ahlers. So sei lebenslange Gesundheit und Fitness ein Ideal, das nicht jeder erreichen könne. Wir werden älter, unser Schwung verliert sich. Gleichzeitig nehme der gesellschaftliche Druck, bis ins hohe Alter sportlich zu sein, zu. Das Wort Krise kommt aus dem Griechischen und bezeichnet einen Scheide-, einen Höhepunkt, ursprünglich auch im klassischen Theater. Wer in einer Krise stecke, so Ahlers, fühle sich in seiner ganzen Existenz bedroht. Er ziehe sich zurück: Krisen machen einsam. Damit muss ich alleine fertig werden, sei ein Satz, den sie oft in der Seelsorge höre. Eigentlich sei dieser Rückzug aber fatal, denn Krisen kann niemand aus eigener Kraft bewältigen. An diesem Punkt gebe es nur zwei mögliche Reaktionen: die Suche nach Hilfe bei Beratern, Seelsorgern, Therapeuten oder das Verschleppen, Verdrängen der Krise, was Depressionen, innere Konflikte und Schuldgefühle hervorrufen könne. Klassischerweise lassen sich Krisen laut Irmtraud Ahlers in vier Phasen teilen. Am Anfang steht der Schock, die Starre, die Leugnung des Problems. Die Dauer kann Tage, Wochen, sogar Jahre betragen: Ich kenne Fälle, in denen die Trauer über den Tod eines Angehörigen erst Jahre später zugelassen wurde, erzählt die Pfarrerin. Die zweite Phase ist geprägt von Unruhe, Selbstentwertung, der Suche nach Schuldigen und kann sich auch in psychosomatischen Symptomen äußern wie Schlafstörungen und Infektanfälligkeit. Doch am Ende der zweiten Phase steht der schöpferische Sprung, wie es die von Ahlers zitierte Psychologin Verena Kast nennt. Das Tal ist durchschritten. Der Verlust wird realisiert, die Einsichtsphase bricht an, so Irmtraud Ahlers. Am Ende der Krise steht die vierte Phase, in der der Mensch sich wieder öffnen kann, Nähe zulässt und sich mit dem Schmerz konfrontiert. Es folgt die Rückkehr ins Leben. Elementar für die Überwindung der Krise sei die Bereitschaft, sie zu akzeptieren. Die Kunst des Scheiterns besteht darin, die Krise anzunehmen, sie aus der Tabuzone zu holen, so Ahlers: Die Krise ist eine Eiszeit aber der im Herbst geschnittene Baum wird nach dem Winter neu austreiben vielleicht ganz anders, vielleicht viel schöner als zuvor. Das nächste Frauenfrühstück findet am 23. Februar 2008 statt. Es spricht Familientherapeutin Annegret Scherz-Dollmann zum Thema Was sind wir unseren Eltern schuldig. Pfarrerin Irmtraud Ahlers beim Frauenfrühstück in Wendlingen. hr

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 12.11.2007

"In Wendlingen braucht man keine Angst zu haben"

In Wendlingen braucht man keine Angst zu haben Kriminalkommissar Harald Meissner diskutiert beim Männerstammtisch der Evangelischen Kirchengemeinde über seine Arbeit

WENDLINGEN. Pfarrer Martin Frey, Organisator des Männerstammtisches der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen, gab dem jüngsten Treffen dieser Männerrunde im Lamm den Titel. Angelehnt an das Jahresthema Wasser für unser Leben der Ökumenischen Erwachsenenbildung hatte er in der Einladung folgende Formulierung gewählt: Verbrechensflut: Brechen alle Dämme?. Diese populistische Fragestellung konnte der Referent des Abends, Kriminalkommissar Harald Meissner aus Kirchheim, so nicht bejahen. Im Gegenteil Meissner verabschiedete die Männerrunde mit dem Hinweis: In Wendlingen braucht man keine Angst zu haben. Zumindest nicht im Bereich der Jugendkriminalität, die in die Zuständigkeit des Kriminalkommissars fällt.

CHRISTA ANSEL Pfarrer Frey sprach von den skurrilen, drastischen Kriminalfällen, die im Mittelpunkt der Berichterstattung stünden, sprach von der gefühlten Situation, alles werde bizarrer und verrückter. Die Diskussionsrunde solle das alles auf eine reale Ebene stellen und auffordern, auf Fakten und Zahlen zu schauen. Auch wenn sich Harald Meissner beim Männerstammtisch auf seinen Zuständigkeitsbereich Jugendkriminalität und Sexualdelikte beschränkte und etwa statistische Zahlen zur Kriminalität in Wendlingen nicht mitgebracht hatte und sich auch nicht auf mögliche Tendenzen oder deren gesellschaftspolitische Hintergründe einlassen mochte, entspann sich eine angeregte Diskussion.

Vom jugendlichen Übermut zur Straftat

Im Mittelpunkt stand die Arbeit der Kriminalpolizei im Umgang mit Strafdelikten im Kinder- und Jugendbereich. Erkennbar wurde an Beispielen aus der Arbeit des Kriminalkommissars, dass Situationen, die die einen als jugendlichen Übermut einstufen, durchaus strafbaren Charakter haben können. Meissner berichtete von Straftaten im Schulbereich. Es sei eben kein jugendlicher Übermut, sondern eine Straftat, wenn Jugendliche einem anderen unter Drohung die Jacke abziehen. Ab 14 Jahren seien Jugendliche voll für ihr Handeln verantwortlich. Und so könne man die Graffiti-Bilder auf S-Bahnen oder Gebäuden wohl als durchaus kreativ sehen, immer blieben sie aber eine Sachbeschädigung.

Stärkeres Eingreifen der Lehrer gewünscht

Man müsse nicht alles mit harter Hand angehen und gleich die Polizei holen, meinte einer der Diskutanten. Zuerst solle man doch versuchen aufzuklären, auch wenn die Jugendlichen heute ziemlich verzogen seien. Meissner machte die Beobachtung, dass die Hemmschwelle der Gewalt sich nach unten verschoben habe. Der Polizist sieht darin auch die Öffnung innerhalb Europas, vor allem die Öffnung zum Osten. Viele Kinder seien im Krieg aufgewachsen, hätten andere Erfahrungen mit Gewalt und der Respektierung des Eigentums anderer. Delikte im Schulbereich passierten in der Hauptschule häufiger als im Gymnasium. Das habe auch mit dem Sprachproblem und dem Hang zu Statussymbolen vieler Haupt- und Förderschüler zu tun. Meissner wünscht sich hier ein stärkeres Eingreifen der Lehrer. Wohl sei Erziehung in erster Linie Aufgabe der Eltern. Wo Eltern dies aber nicht leisten könnten, müssten andere einspringen. Meissner hält es auch für eine Aufgabe der Polizei, aufklärend zu wirken, damit Kinder und Jugendliche die Schranken einer Gesellschaft nicht überschreiten. Sei das Kind in den Brunnen gefallen, gäbe es das bewährte Mittel des Täter-Opfer-Ausgleichs. Er selbst habe dies oft schon durchaus erfolgreich praktiziert, alle Kontrahenten, Täter und Opfer, an einen Tisch zu bringen und im gemeinsamen Gespräch den Vorgang und die sich daraus ergebenden Konsequenzen aufzuarbeiten. So bekämen junge Menschen auf dem Weg der Buße die Chance, auf den rechten Weg zurückzufinden. Wiederholungstäter gäbe es nach einer solchen Intervention fast nie. Pfarrer Martin Frey bedauerte, dass das Empfinden von Gnade und Erbarmen gegenüber dem Schwächeren immer häufiger ganz fehle, im Zweifel der Schwächere selbst schuld sei. Wie anders lasse sich erklären, dass ein blinder Mann in einer Nachbargemeinde von Jugendlichen traktiert werde? Woher komme ein solches Verhalten, fragte Wendlingens Pfarrer. Eine plausible Antwort konnte hier auch Harald Meissner nicht geben. Für alles brauche man eine Befähigung, nur nicht für die Elternrolle. Woran es Jugendlichen meist mangele, sei Anerkennung auch im Elternhaus. Da sei der Weg für die Bildung von Jugend-Gangs oft schon bereitet.

Frühes Eingreifen verhindert Straftaten

In Wendlingen allerdings gäbe es keine solche Gangs, die grölend und schreiend durch die Gassen ziehen und Straftaten verüben, betonte Meissner. Das sei mit auch ein Verdienst des frühen Eingreifens der örtlichen Jugendsachbearbeiter bei der Polizei. Wichtig sei, frühzeitig alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit Kinder und Jugendliche nicht straffällig werden. Das erfordere die Zusammenarbeit von Polizei, Sozialem Dienst, Eltern und Schule. Ausführlich streifte Meissner in der Diskussion den Strafkomplex um Sexualdelikte, zu denen auch der Missbrauch und die Misshandlung Schutzbefohlener zählt. Es gebe kein Recht, Kinder zu schlagen, betonte Meissner und forderte die Erwachsenen auf, Auffälligkeiten zu erkennen und zu melden. Wer da nicht direkt zur Polizei wolle, der könne sich, betonte Martin Frey, ja beispielsweise dem Pfarrer anvertrauen.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 25.09.2007

"Fusion eröffnet mehr Chancen als Nachteile"

Bei der Gemeindeversammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen überwogen die Vorteile für eine Zusammenführung

WENDLINGEN. Eingeladen zur Gemeindeversammlung waren am Freitagabend die Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde in Wendlingen. Über die anstehende Fusion der beiden Evangelischen Kirchengemeinden Unterboihingen und Wendlingen wurden die Mitglieder aus erster Hand von den Pfarrern Stefan Wannenwetsch, Ute Biedenbach und Martin Frey informiert. Welche Hoffnungen beziehungsweise Befürchtungen die Mitglieder gegenüber dieser Neuerung hegen, darüber gab die Gemeindeversammlung ebenfalls Aufschluss. Dabei zeigte sich, dass die Zusammenführung überwiegend als Chance denn als Nachteil betrachtet wird. GABY KIEDAISCH Nach besinnlichen Worten durch Pfarrer Martin Frey und gemeinsam gesungenen Liedern erläuterte Pfarrer Stefan Wannenwetsch zunächst, wie es zu der Entscheidung, eine Kirchengemeinde zu bilden, überhaupt gekommen war. Dies sei bereits vor Jahrzehnten von oben immer wieder angeregt worden, verdeutlichte Wannenwetsch. Konkreter Ausgangspunkt ist der Pfarrplan der Landeskirche, wonach im Kirchenbezirk Nürtingen nach einer Vereinbarung in der Bezirkssynode 2,5 Pfarrstellen bis 2011 gestrichen werden sollen. In einer zweiten Runde bis 2013 hat die hiesige Kirchengemeinde den Auftrag erhalten, hier ebenfalls tätig zu werden. Als konkreten Ausgangspunkt vor Ort nannte Wannenwetsch die anstehende größere Sanierung der Johanneskirche in Unterboihingen. Hier steht die Forderung einer gemeinsamen Gebäudenutzungskonzeption im Raum und soll in einem gemeinsamen Prozess entwickelt werden. Während einer gemeinsamen Klausur der beiden Kirchengemeinden in Bad Boll sei man zu der Erkenntnis gekommen: Wir werden eine Gemeinde. In den Kirchengemeinderatsgremien beider Kirchen sei im Juli schließlich die einstimmige Entscheidung darüber gefallen.

Gesellschaftliche und kirchliche Veränderungen

Dass die Kirche reagieren muss, das machen gesellschaftliche und kirchliche Veränderungen deutlich: wie der demografische Wandel, Mobilität, Individualisierung, die Finanzierungssituation der Kirchen, aber auch die zunehmende Schwierigkeit, ehrenamtliche Ämter zu besetzen. Dazu gehört auch der Kirchengemeinderat. Für die bevorstehenden Kirchengemeinderatswahlen fehlt noch ein Kandidat. Bis 5. Oktober läuft die Frist aus. Bei dieser Gelegenheit appellierte Wannenwetsch an die Mitglieder, bei der Suche behilflich zu sein. Auch die Ganztagsschule werfe neue Fragen zur Jugendarbeit auf.

Welche Erwartungen werden gehegt

Wannenwetsch verband die Hoffnung, dass mit Abschluss des Zusammenführungs-Prozesses bis 2013 alle zufrieden sind und die Kirchengemeinde dadurch überlebensfähiger werde. Der Weg zum Zusammenschluss führt über das gegenseitige Kennenlernen, über Gruppen und Kreise, nannte Wannenwetsch als wichtige Voraussetzung für den Prozess. Verschiedene Synergien brächten Entlastungen mit sich, wodurch andere Energien freigesetzt werden könnten und wieder in andere Aufgaben sinnvoll eingesetzt werden könnten. Wie beispielsweise bei der gemeinsamen Kindergartenverwaltung. Wannenwetsch gab dabei ganz deutlich zu verstehen, dass dies ohne Personalabbau vonstatten gehen solle. Einsparungen beim Personal seien lediglich über natürliche Fluktuation wie Ruhestand vorgesehen. Und schließlich sollen die Gemeindemitglieder in den Prozess eingebunden werden, indem sie über die geplanten Gemeindeversammlungen informiert werden. Das weitere Vorgehen sieht für den 11. Oktober eine letzte gemeinsame Sitzung der alten Kirchengemeinderatsgremien vor, bevor sich dann die neuen Kirchengemeinderäte bereits mit den Fragen der Fusion beschäftigen werden. Dabei ist eine Weiterarbeit auf drei Schienen vorgesehen: Mit gemeinsamen Projekten soll das bessere Zusammenwachsen entwickelt werden. Ein Gebäudenutzungskonzept soll als Nächstes erstellt werden. Im Vordergrund steht hierbei als Erstes die dringende Renovierung der Johanneskirche. Beide Kirchen bleiben gottesdienstliche Gebäude, machte Wannenwetsch deutlich, nachdem bereits entsprechende Befürchtungen aufgekommen seien, keine wird verkauft oder geschlossen. Als Drittes stehe die Ausarbeitung einer Ortssatzung und der Geschäftsordnung für die neue Kirchengemeinde an. Am Ende dieses Prozesses, 2013, steht die Auflösung der jeweiligen Kirchengemeinden durch die Kirchengemeinderäte an, die auch die Gründung einer neuen Kirchengemeinde beschließen. Nach diesen Ausführungen von Pfarrer Wannenwetsch waren die Gemeindemitglieder gefragt. Wie schätzen sie die bevorstehende Fusion ein? In Gruppen sollten die einzelnen Mitglieder jeweils zwei positive und jeweils zwei negative Punkte sammeln, die die Zusammenführung mit sich bringe. Wo werden Chancen und wo Nachteile gesehen? Dies führte in den Gruppen zu anregenden Diskussionen mit Ergebnissen, die für den anstehenden Fusionsprozess hoffen lassen. Zwar waren auch Befürchtungen laut geworden, wie dass dies zulasten einzelner Gebäude ginge, gar Pfarrhäuser aufgegeben werden müssten und es weniger Pfarrstellen gebe. Es gab aber auch Gruppen in der Gemeindeversammlung, die keine einzigen negativen Punkte im Zuge des Zusammenschlusses sahen. Die meisten vorgebrachten Punkte beschäftigten sich mit den Chancen, die eine solche Fusion mit sich bringt, wie die Bündelung der Kindergartenarbeit oder der Erhalt der Kirchenmusik, der Erwachsenenbildung, dass die Jugendarbeit belebt werde, mehr Wirtschaftlichkeit, dass durch Synergien neue Freiräume entstünden, die wieder woanders sinnvoll eingesetzt werden könnten. Wichtig war den Gemeindegliedern auch, das wurde deutlich gesagt, dass auf die Befürchtung von Unterboihinger Kirchenmitgliedern, vereinnahmt zu werden, Rücksicht genommen werden solle. Diese Angst war laut Pfarrer Wannenwetsch bei der Gemeindeversammlung auf Unterboihinger Seite einige Tage vorher angeklungen. Die Fusion steht demnach für die meisten Wendlinger Kirchenmitglieder für Lebendigkeit, Brückenbildung, aber auch konkret für die Chance veränderter Gottesdienstzeiten. Auch wurden Hoffnungen gehegt, dass die beiden Ortsteile dadurch noch besser zusammenwachsen werden. Stimmen wurden laut, die sagten, dass eine solche Zusammenführung der beiden Kirchengemeinden längst überfällig sei.

Bodelshofen wird selbstständig bleiben

Bei diesem Prozess bleibt eine Kirchengemeinde ausgenommen: Bodelshofen. Nachdem sich hier genügend Kirchengemeinderäte aufstellen lassen, auch finanziell alles gut bestellt ist und die Verwaltung ohnehin bei der Evangelischen Kirchengemeinde in Wendlingen liegt, soll die zweitkleinste Kirchengemeinde in Württemberg selbstständig bleiben. 

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 15.08.2007

"Jeden Tag eine gute Tat"

Der VCP Wendlingen feiert 100 Jahre Pfadfinder

WENDLINGEN(os). Was bedeutet es Pfadfinder zu sein? Normalerweise verbindet man damit jeden Tag eine gute Tat. Doch Pfadfinder zu sein bedeutet mehr. Um dies zu ergründen stellten die Pfadfinder ihr diesjähriges Sommerlager unter das Motto Pfadfinder Back to the roots. Die drei Sippen Pumas, Adler und Huskies und Mitarbeiter fuhren nach Bayern auf den Bucher Berg (nahe Regensburg) und lernten dort wieder die Grundlagen des Pfadfinderseins kennen. Gemeinsam hajken, Kanutouren und Spiele erleben, Lager bauen wie einen Turm, einen Fahnenmasten, Sitzringe für die Feuerstelle nur aus Holz und Seilen zusammenbauen, zusammen um ein Lagerfeuer sitzen und singen. Jedoch suchte sich der Stamm Wendlingen dieses Thema für das Lager nicht ohne Grund aus: Die Teilnehmer sollten nicht nur lernen, dass man sich auch ohne Handy, Radio und Computer beschäftigen kann, sondern auch dass es etwas Besonderes ist, in einer Gruppe etwas gemeinsam zu erleben. Dieses Jahr feiert die Pfadfinderbewegung ihren 100-jährigen Geburtstag. Lord Baden Powell gründete 1907 die Pfadfinderbewegung mit dem Hintergrund, den Jugendlichen eine Möglichkeit zu geben gemeinsam Natur und Abenteuer zu erleben unabhängig von ihrer Herkunft oder finanziellen Lage. Der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder ist Teil dieser weltweiten Pfadfinderbewegung, die durch die Weltverbände World Organisation of the Scout Movement (WOSM) und World Association of Girl Guiding and Girl Scouting (WAGGGS) gebildet wird. Deshalb feierten die Wendlinger Pfadfinder mit Millionen anderer Pfadfinder weltweit Scouting Sunrise am Morgen des 1. August. Bei Sonnenaufgang erneuerten alle Pfadfinder gemeinsam ihr Versprechen, ihr Leben auch weiterhin nach den pfadfinderischen Werten und Idealen zu leben wie zum Beispiel der Achtung aller Mitmenschen und der Natur und sein Leben sinnvoll zu nutzen, woraus sich auch der Spruch ableitet: Jeden Tag eine gute Tat. Um dieses Ideal auch gleich zu leben und umzusetzen, haben alle Teilnehmer auf dem Lager für die Gemeinde Breitenbrunn, an der der Lagerplatz liegt, eine gute Tat vollbracht. Gemeinsam wurden Wanderbänke restauriert, Gemeindeplätze aufgeräumt und ein öffentliches Kneippbecken von Schlamm und Unrat befreit. Nachdem die Wendlinger Pfadfinder letzten Sommer auf einem großen Bundeslager in der Nähe von Berlin waren und nächstes Jahr ein großes Landeslager auf dem Programm steht, genossen die Teilnehmer (Carolin Schramm, Yannick Knapp, Lea Breining, Jenny Reinelt, Hannah Schulze, Selina Müller, Daniel Eckert, Hendrik Klemm, Jan Jauch, Maximilian Hierl, Sven Bulach und Daniel Benink) und Stammesmitglieder (Tine Dachtler-Sperr, Felix Deuschle, Sabrina Deuschle, Nadine Fischer, Caroline Kuhn, Kathrin Kuhn, Sabrina Kronschnabel, Jasmin Maier, Nina Maier, Barbara Schmitz und Oliver Streppel) den familiären Rahmen eines kleinen Lagers auf einem malerischen Lagerplatz mitten im Altmühltal. Noch eine Kleinigkeit in eigener Sache. Wer Lust hat, bei den Pfadfindern dabei zu sein und zehn bis elf Jahre alt ist, ist bei der Sippe Huskies willkommen. Kontaktaufnahme ist bei Barbara Schmitz unter Telefon (07024) 928370. 

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 14.07.2007

Erklärtes Ziel: ab 2013 eine Kirchengemeinde

Die Kirchengemeinderäte der Evangelischen Kirchengemeinden Unterboihingen und Wendlingen rüsten sich für die Zukunft

WENDLINGEN. Der Beschluss der Kirchengemeinderäte der beiden Evangelischen Kirchengemeinden Wendlingen und Unterboihingen fiel einstimmig aus: Ab der Kirchenwahl im Jahr 2013 soll es eine gemeinsame Kirchengemeinde in der Stadt geben. Damit wollen die beiden bisher selbständigen Kirchengemeinden aktiv reagieren auf die gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen, die sich durch den demographischen Wandel und gesellschaftliche Veränderungen ergeben. Die im November neu zu wählenden Kirchengemeinderäte beider Gemeinden erhalten den Auftrag, ein zukunftsfähiges Konzept dieser ab 2013 anvisierten einen Kirchengemeinde auszuarbeiten.

CHRISTA ANSEL Im Gespräch mit der Redaktion erläuterten die beiden Pfarrer Stefan Wannenwetsch (Wendlingen) und Helmut Buchmann (Unterboihingen) gemeinsam mit den jeweils Zweiten Vorsitzenden der Kirchengemeinderäte, Kurt Eppinger (Wendlingen) und Horst Matt (Unterboihingen), die Beweggründe für diesen jetzt nach einer Klausurtagung in Bad Boll von beiden Gremien beschlossenen gemeinsamen Weg. In diesem Schritt sehen alle eine große Chance, Kirche zukunftsfähig zu gestalten. Überlegungen, sich zu einer Kirchengemeinde zusammenzuschließen, gab es immer wieder. In Zeiten, in denen viele Einrichtungen angesichts fehlender finanzieller Mittel den Gürtel enger schnallen müssen, werden solche Ansätze konkreter. Den Schritt aufeinander zu machen die Wendlinger Evangelischen Kirchengemeinden freiwillig, ohne starken Druck von oben.

Die Zeit für einen Zusammenschluss ist reif

Die Zeit für einen Zusammenschluss ist reif, sind sich Pfarrer und Kirchengemeinderäte einig. Und da drückt die Unterboihinger Gemeinde ganz sicherlich die verhängte Haushaltssperre besonders, sind in der Johanneskirche doch einige Sanierungsarbeiten erforderlich. Arbeiten, die über Sicherungsmaßnahmen hinausgehen, können in diesem Gotteshaus allerdings erst angepackt werden, wenn eine künftige gemeinsame Gebäudenutzungs-Konzeption ausgearbeitet ist. Die Vorteile dieses Zusammenschlusses liegen auf der Hand: was heute in den zwei Gemeinden (Wendlingen mit rund 4000 Mitgliedern und Unterboihingen mit rund 1700 Mitgliedern) doppelt vorgehalten werden muss, braucht es künftig nur noch einmal. Vorgesehen ist also eine Gemeinde, ein gemeinsamer Kirchengemeinderat, eine Verwaltung, ein Haushalt, eine gemeinsame Verantwortung für alle kircheneigenen Gebäude, eine Verantwortung für die kirchlichen Kindergärten. Direkte Auswirkungen auf die derzeit drei Pfarrstellen oder die Stellen im Verwaltungsbereich soll diese Zusammenlegung keine haben, betonten die Kirchenvertreter. Mit dem gemeinsamen Schritt in die Zukunft wollen die Kirchenverantwortlichen nicht nur die wirtschaftlich veränderte Situation bewältigen, sondern auch inhaltlich die Kirche neu ausrichten. Die Chance, Kirche neu zu gestalten, sei eine riesige Herausforderung an die künftigen Kirchengemeinderäte. Nie zuvor habe in den letzten Jahrzehnten so die Möglichkeit bestanden, das bestehende Korsett zweier ganz unterschiedlicher Kirchengemeinden zu verändern, gemeinsame visionäre Perspektiven aufzuzeichnen. Im gemeinsamen Weg sehen die Kirchengemeinden eine Chance, die Gemeinde überlebensfähiger zu machen. Zahlreiche Herausforderungen durch gesellschaftliche Veränderungen gelte es zu bewältigen. Dazu gehöre Pluralität, Schnelllebigkeit, Mobilität und Individualisierung, verändertes Ehrenamt, religiöse Strömungen oder Veränderungen im Bildungswesen (und damit in der Jugendarbeit). Ziele einer gemeinsamen Kirchengemeinde sind zufriedene Gemeindemitglieder, die sich in ihrer Vielfalt unter einem Dach zusammenfinden, ein Netzwerk bilden, das an Vorhandenes anknüpft, in dem die Menschen aufeinander zugehen. Ganz wichtig ist den Verantwortlichen die Einbindung der Mitglieder der Kirchengemeinden in den Prozess der Zusammenlegung. Ende September sind in Unterboihingen und in Wendlingen Informationsveranstaltungen für die Gemeindemitglieder vorgesehen. In einer weiteren gemeinsamen Sitzung der Kirchengemeinderäte im Oktober sollen erste konkrete Schritte festgezurrt und den im November neu zu wählenden Kirchengemeinderäten mit auf den Weg gegeben werden.

Kein Verkauf von Kirchengebäuden geplant

Eine ganz wichtige Aufgabe der neuen Gremien wird die Erarbeitung eines Gebäudekonzeptes sein. Zu klären sein wird, wie welches Gebäude in einer gemeinsamen Gemeinde genutzt und erhalten werden kann. Dabei sei nicht an den Verkauf möglicher Gebäude gedacht, betonten die Kirchenvertreter im Redaktionsgespräch. Nicht betroffen von den Wendlinger und Unterboihinger Fusionsplänen ist die kleine, noch eigenständige Kirchengemeinde Bodelshofen mit dem Kleinod Jakobskirche. Die Verwaltung der Kirchengemeinde wird jetzt schon von Wendlingen aus bewerkstelligt. Und mit Wendlingen teilt sich die Gemeinde auch die Pfarrerin. Ab 2013 wollen die evangelischen Kirchengemeinden Wendlingens, die Eusebiuskirchengemeinde und die Johanneskirchengemeinde, eine gemeinsame Gemeinde bilden. Fotomontage: b2s-fotografie


Bericht der Wendlinger Zeitung 09.07.2007

"Städtlesfest" rund um die Eusebiuskirche

Ein Fest der Begegnung: Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen und Vereine feierten am Samstag gemeinsam

WENDLINGEN. Der 7. 7. 2007 ist nicht nur für viele Hochzeitspaare ein besonderes Datum gewesen, für die Evangelische Kirchengemeinde in Wendlingen war es auch gleichzeitig das 7. Städtlesfest, das sie am Samstag rund um die Eusebiuskirche gefeiert hat. Hunderte von Bürgern zog es bereits am frühen Nachmittag ins Wendlinger Städtle, wo die Kirchengemeinde das Fest gemeinsam mit Vereinen bis in die Nacht ausgerichtet hatte. Musik, Gesang, Tanz, Führungen, Spiele und Kulinarisches waren die besten Voraussetzungen für ein heiteres und gelungenes Fest der Begegnung.

GABY KIEDAISCH Nach den vorausgegangenen Tagen, teils kühlen und regnerisch, reichte am Samstagmorgen der Blick zum Himmel: der war blau, sonnig und der Tag wurde warm. Genau richtig für das Städtlesfest. Der Wunsch auf schönes Wetter ward damit erhört. Wen wunderts. Verfügen die Kirchenverantwortlichen doch scheinbar über einen direkten Draht nach oben. Dem guten irdischen Draht untereinander war es zu verdanken, dass das Fest wieder gemeinsam von Kirchengemeinde und Vereinen ausgerichtet werden konnte. Und damit eine schöne Tradition alle drei Jahre rund um die Eusebiuskirche von neuem auflebt. Zwischen Kirche und Vereinen herrscht eine gute Verbindung, freut sich Pfarrerin Ute Biedenbach, bei der nach dem Weggang von Pfarrer Bofinger die Fäden für die Organisation und Durchführung für das Fest zum ersten Mal zusammenliefen. Von Pfarrer Hans Mistele zunächst als Treppenfest initiiert, erhielt das Städtlesfest unter Pfarrer Wimmer seinen heutigen Namen. Stets im Boot von Anfang an die Vereine, die wie selbstverständlich ihre Teilnahme jedes Mal aufs Neue gerne bestätigen. Pfarrerin Biedenbach und die Evangelische Kirchengemeinde wissen, dass dies nicht hoch genug einzuschätzen ist. Für den Stadtteil Wendlingen, ist es darüber hinaus das einzige Fest, das in der früheren Ortsmitte, im Städtle, gefeiert wird. Umso mehr hat das Städtlesfest eine besondere Bedeutung für die Menschen hier. Gut und gerne 23 Vereine, Kirchengruppen, Kindergärten und weitere Einrichtungen gestalteten engagiert auf vielfältige Weise das Fest. Pünktlich zum Festauftakt erklang die Fanfare des Posaunenchors, gefolgt von einem musikalischen, gesanglichen und tänzerischen Programm in der Kirche und vor der großen Freitreppe, wo der Sängerbund Wendlingen, der Akkordeonclub, die Breakdance-Gruppe des Jugendhauses Zentrum Neuffenstraße, die Big Band der Musikschule Köngen-Wendlingen und der Musikverein Wendlingen zur allgemeinen Freude der vielen Gäste unterhielten. Die bunte Mischung von Angeboten und die vielen Vereine machen das Besondere an diesem Fest aus, so Pfarrerin Ute Biedenbach.

Gemeinsames Singen in der Kirche mit Kindergärten

Derweil die Besucher draußen den Nachmittagskaffee mit vielen gespendeten Kuchen genossen, war man in der brechend vollen Eusebiuskirche gespannt auf den Chorgesang der Spatzen und Lerchen unter Leitung von Christa Schimpf. Erstmals waren auch die Kinder der Kindergärten Hebel-, Alleen- und Blumenstraße mit ihren Erzieherinnen mit von der Partie im Schlepptau die Eltern und Großeltern, stimmten Hunderte Kehlen in ein gemeinsames Liedersingen mit internationalem Liedgut ein. Ein bewegender Augenblick bei so viel Anteilnahme, die ansteckend wirkte, heiter machte und sogleich die Sorgen und Nöte für einen Augenblick verschwinden ließ. Gleichzeitig war es die beste Werbung für die verschiedenen jungen Chöre in der Eusebiuskirche, die vom Kindergartenalter aufwärts alle in den Chorgesang einbinden und neuen Nachwuchs in den eigenen Reihen gerne aufnehmen. Weitere Angebote waren den Kindern draußen vorbehalten mit Spielen und Basteleien. Evangelisches Jugendwerk, Freunde und Förderer der Gartenschule und der VCP sorgten hier für einen spannenden Nachmittag. Auf große Resonanz stießen auch die von Pfarrer Martin Frey angebotenen Führungen durch die Ausstellung von Gabriele Kaiser. Außerdem wurde der 2008-Kalender Eusebius bewegt angeboten, und wer einmal den seltenen Blick vom Kirchturm werfen wollte, der kam auch hier auf seine Kosten. Undenkbar ein Fest ohne kulinarische Genüsse. Für eine ausgewogene und ausgesprochen schmackhafte Küche sorgten mit Brathähnchen, Grill- und französischen Spezialitäten DLRG, DRK, Freiwillige Feuerwehr, Kleintierzüchter, Motorsportclub, Partnerschaftskomitee Saint-Leu-la-Forêt, Radsportverein, Skizunft und TSV. Alle Teilnehmer spenden den gesamten Erlös des Festes zugunsten der Pflege der Eusebiuskirche. Diesmal wird das Geld für die Sanierung der Feuchtigkeitsschäden auf der Nordseite der Kirche verwendet. Orgelmusik mit Walter Schimpf hatte schon am Nachmittag in das Kircheninnere gelockt. Den passenden Ausklang eines rundherum gelungenen Festes schlug der Kantor zu später Stunde mit einem Glockenkonzert vom Turme an. Leger und ohne Zeitdruck nutzten die Besucher das Städtlesfest, sich zu treffen und in gemütlicher Atmosphäre zu parlieren.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 05.07.2007

Geldspende für DRK-Bereitschaft

Der Bastelkreis der evangelischen Kirche in Wendlingen spendete 500 Euro für die Helfer vor Ort des DRK Wendlingen. Seit 1981 besteht der Bastelkreis der Eusebiuskirche in Wendlingen. Damals wurde er von der Frau des Pfarrers Koschay gegründet. Anfänglich bastelte man dort nur für den Eigenbedarf, doch dann kamen Aufträge von Verwandten, Bekannten und Nachbarn hinzu. Vor allem zur Oster- und Weihnachtszeit steigerte sich die Nachfrage. So wurde der heutige Bazar, der zweimal im Jahr (zu Ostern und zu Weihnachten) im evangelischen Gemeindehaus Bismarckstraße stattfindet, ins Leben gerufen. Verkauft werden überwiegend Kränze, schön dekorierte Gestecke und andere zur jeweiligen Jahreszeit passende Bastelarbeiten. Alles wird sorgfältig von Hand und mit viel Liebe dekoriert und gestaltet. Dazu trifft sich der Bastelkreis, der zur Zeit aus zirka 15 bis 20 Frauen besteht, jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat ab 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Bismarckstraße. Vor jedem Bazar entscheiden die Künstler des Bastelkreises gemeinsam, wer den Erlös ihrer Kunstwerke bekommen soll. Dabei wird sehr kritisch entschieden, denn das Geld soll sinnvoll und immer für einen guten Zweck gespendet werden. Diesmal entschied sich der Bastelkreis für die Helfer vor Ort des DRK Wendlingen. Unser Bild zeigt die Übergabe der Spende. ub

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 30.06.2007

Vom Nil über die Wüste an den Neckarstrand

Skulpturen- und Objekt-Ausstellung mit der Keramikkünstlerin Gabriele Kaiser in der Wendlinger Eusebiuskirche eröffnet Bis 13. Juli

WENDLINGEN. Was hat der Nil mit Wendlingen gemeinsam? Für gewöhnlich nicht mehr oder weniger als mit anderen schwäbischen Städten. Aber dieser Tage könnte man meinen, dass Wendlingen nicht am Neckar, sondern am Nil liegt, zumindest wenn man das Jahresthema Wasser von der ökumenischen Erwachsenenbildung in Betracht zieht. In diesem Rahmen stellt seit Donnerstag Gabriele Kaiser in der Eusebiuskirche Skulptur- und Objektkunst unter dem Titel Am Nil aus.

GABY KIEDAISCH Der Klang ist ungewöhnlich. Statt Orgelmusik erhellen Trommelschläge den Kirchenraum. Die Besucher lauschen am Eröffnungsabend aufmerksam den beiden Trommlerinnen Sigrid Crasser und Heike Schulz. Sie stimmten rhythmisch-musikalisch auf den Inhalt der Kunstausstellung am Donnerstagabend ein: Der Nil, von dem sich das unterjochte Volk Israel unter Führung Mose aufmacht, um im gelobten Land mehr Glück zu haben. Der Auszug aus Ägypten, die Durchquerung der Wüste, das Rote Meer, die Offenbarung Gottes vor Mose im brennenden Dornbusch sind zentrale Ereignisse im zweiten Buch Mose (Exodus). Einiges davon hat die Keramikkünstlerin Gabriele Kaiser, die in Wendlingen geboren wurde und seit 1989 wieder hier lebt und arbeitet, in ihren ausgestellten Arbeiten umgesetzt. Die Geschichte Mose in Ton zu erarbeiten war eine besondere Herausforderung für mich, sagte Gabriele Kaiser bei der Begrüßung. So nehmen neben Stelen und Säulen, die in den letzten 10 bis 15 Jahren nach Reisen in andere Kulturen wie dem Sinai entstanden sind, die zehn Plagen aus der Mosesgeschichte breiten Raum in der Ausstellung ein. Die ehemalige Studentin der Freien Kunstschule in Nürtingen setzte sie extra für die Ausstellung künstlerisch in zehn unterschiedliche Steine aus Ton um: wie die Froschplage mit abstrakt angedeuteten Froschkörpern auf dem Rücken des Keramiksteins, oder mit einem roten Mischton mit Oxyd und Glasur bearbeitet, was die Verwandlung von Wasser in Blut symbolisieren soll. Auch die Geschichte mit dem brennenden Dornbusch und Miriam mit Frauenchor hat die Wendlinger Künstlerin als Lichtobjekte aus marmoriertem Ton umgesetzt. Symbolträchtig sind die Keramiktafeln mit den drei Zaubern Moses, womit Gott diesen ausgestattet hatte, um den Pharao zu überzeugen: die aussätzige Hand wird wieder gesund, der Stab wird zur Schlange und die Verwandlung von Wasser zu Blut.

Kunst in der Kirche soll regelmäßig stattfinden

An diesem ungewöhnlichen Ort, in der Eusebiuskirche, findet erstmals eine Kunstausstellung statt. Die erste ihrer Art, begrüßte Pfarrer Martin Frey die vielen Besucher, die zur Vernissage gekommen waren. Von ihm stammt die Idee, mindestens einmal im Jahr in der Folge der Erwachsenenbildung eine Ausstellung in der Kirche unter dem Motto Kunst in der Kirche zu beherbergen. Beim Jahresthema Wasser waren ihm Gabriele Kaisers Stelen und Säulen aus Keramik in ihrem Garten ins Auge gefallen, die er mit dem Nil, mit Ägypten assoziiert hat der Bezug zur biblischen Geschichte von Moses und dem Auszug aus Ägypten war da nicht weit. Um einen Einzug handelte es sich da wohl eher, als sich am Donnerstagabend die Kirche mit Besuchern füllte, darunter, so ist zu vermuten, auch mit solchen, die eine Kirche von innen das letzte Mal bei ihrer Konfirmation gesehen haben. Kunst in die Kirche zu bringen, dem steht deshalb auch der Wunsch von Pfarrer Frey nahe, die Kirche den Menschen auf diesem Wege wieder ins Bewusstsein zu bringen, in der Begegnung auf vielleicht für manchen ungewöhnlichem Terrain. Gabriele Kaiser arbeitet seit über 20 Jahren mit diesem wie sie selbst sagt faszinierenden Material. Alle Arbeiten sind aus verschiedenfarbigem, schamottiertem Ton. Einem Werkstoff, so alt wie die Erde, womit sich die Künstlerin dem Thema noch von einer anderen Seite genähert hat. Unbedenklich und schadlos kann sich der Betrachter in der Ausstellung einem Krokodil oder einem Dromedar nähern, die neben den abstrakten Arbeiten die gegenständliche Seite der Künstlerin darstellen. Und tatsächlich begegnen sie einem wieder in der Nillandschaft wie die Stelen, die an ägyptische Pyramiden erinnern. So archaisch die Trommelklänge die Kirche ausfüllten, so fügen sich in ihrer Archaik die modernen künstlerischen Arbeiten von Gabriele Kaiser wunderbar in den Chor der Kirche ein. Beim Ausstellungsbesucher wird dies sicherlich seine Wirkung nicht verfehlen. Bis zum 13. Juli ist die Ausstellung von Gabriele Kaiser immer donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr in der Eusebiuskirche geöffnet. Außerdem bietet Pfarrer Frey Führungen am Samstag, 7. Juli, beim Städtlesfest um 14.45 und 18.15 Uhr sowie außer dieser Reihe an. Anmeldung im Pfarramt II, Uhlandstraße 2, Telefon (0 70 24) 68 81. Der Eintritt ist frei. Die erste Ausstellung in der Eusebiuskirche zog am Eröffnungsabend gleich eine große Schar von Besuchern in das Gotteshaus. Besondere Aufmerksamkeit zogen zehn Steine an, die sich zu Füßen der Besucher befinden. Sie symbolisieren die zehn Plagen aus dem Buch Mose. Fotos: gki Gabriele Kaiser und Pfarrer Frey im Gespräch. Bericht der

 

Wendlinger Zeitung 26.06.2007

Kunst in der Kirche schafft Begegnungen

Die Wendlinger Keramikerin Gabriele Kaiser gestaltet die erste Kunstausstellung im Chor der Eusebiuskirche Vernissage am Donnerstag

WENDLINGEN. Für Pfarrer Martin Frey ist die Begegnung zwischen Kirche und Kunst nicht neu. Für die evangelische Eusebius-Kirchengemeinde wohl. Seit bald zwei Jahren ist Martin Frey Pfarrer an der Eusebiuskirche. Mit dem Wechsel von Stuttgart-Rot nach Wendlingen hat er eines mit umgezogen: sein Engagement für die Kunst, für die Kultur. In Wendlingen hat er nicht nur die Idee eines Künstler-Stammtisches verwirklicht. Jetzt wird der Chor der Eusebiuskirche erstmals für eine Kunstausstellung geöffnet. Die Wendlinger Keramikerin Gabriele Kaiser stellt hier Figuren und Skulpturen zum Thema Am Nil aus. Was die Kirchengemeinde mit der Kunstausstellung bezweckt, nämlich neue Begegnungen zu schaffen, das hat die Künstlerin in ihren Arbeiten längst umgesetzt: in ihren Skulpturen und Objekten begegnen sich moderne Kunst und urbiblische Geschichte. Am Donnerstag, 28. Juni, 20 Uhr, wird zur Vernissage in die Eusebiuskirche eingeladen.

CHRISTA ANSEL Erwachsenenbildung ist für Pfarrer Martin Frey ein weites Feld. Voller Lob ist er für die Ökumenische Erwachsenenbildung, wie sie in Wendlingen Tradition hat. Seit einigen Jahren steht dieses Angebot unter einem Jahresthema. In diesem Jahr dreht sich alles um das Wasser. Auf Freys Initiative hin ist das Erwachsenenbildungsprogramm ergänzt worden durch einen Schreibwettbewerb zum Jahresthema. Und jetzt steht die erste Kunstausstellung in der Eusebiuskirche bevor.

Die Geschichte Moses in Ton umgesetzt

Beim Weg durch die Mittelstraße in Wendlingen ist Pfarrer Martin Frey auf die Keramikerin Gabriele Kaiser gestoßen. Für den Pfarrer alles andere als ein Zufall. Beim Anblick der Skulpturen und Säulen kam dem Pfarrer spontan der Gedanke an die Nillandschaft, an das zentrale biblische Gewässer, an den Auszug des israelitischen Volkes aus Ägypten und die Wüstenwanderung, an die Geschichten des Mose, an die Erzählungen des Wunders am Schilfmeer und die Rettung aus der Sklaverei der Ägypter. Für Wendlingens evangelischen Pfarrer zeigt sich in dieser zentralen biblischen Geschichte der Befreiergott, der Gott, der es nicht zulasse, dass einer über den anderen herrsche. Die Keramikerin Gabriele Kaiser hat die Geschichten des Mose aufgegriffen und in einer intensiven Auseinandersetzung die Thematik in Skulpturen und Objekte umgesetzt. Bald ein halbes Jahr lang hat sich die Wendlingerin mit dem Thema dieser ungewöhnlichen Ausstellung befasst und ein Konzept einer Landschaft realisiert, das dem Chor der Eusebiuskirche einen ganz anderen, ganz ungewöhnlichen Charakter verleihen wird. Geschaffen hat Gabriele Kaiser eine Nillandschaft mit Stelen und Pyramiden, mit Fröschen, Krokodilen, Vögeln und Dromedaren. Für die Keramikerin war diese Auseinandersetzung mit der Wüstenlandschaft kein neues Feld. Oft schon hat sie den Sinai bereist, hat die Vielfalt der erdigen Farben in zahlreichen Objekten festgehalten. Und doch galt ihre künstlerische Auseinandersetzung bislang eher der Darstellung von Mensch, Tier und Fabelwesen. Zum ersten Mal hat sie sich mit einer Geschichte auseinandergesetzt, hat versucht, den Ton naturalistisch und abstrakt zugleich zu gestalten. Die Feinheiten und die Grobheiten des stark mit Schamott durchsetzten Tons kommen dem Thema Am Nil dabei ausgesprochen entgegen.

Gestaltete Steine symbolisieren die Plagen

Die Ausstellungsbesucher werden überrascht sein, wie kreativ Gabriele Kaiser beispielsweise die zehn Plagen gestaltet hat, die über Ägypten gekommen sind, nachdem Pharao es abgelehnt hatte, die Israeliten in die Wüste ziehen zu lassen. Zehn ganz unterschiedlich gestaltete Steine stehen symbolisch für diese Plagen. Lichtdurchflutete Stelen stehen für Miriam, die nach der Flucht durch das Schilfmeer in der Wüste auf die Pauke gehauen, mit Frauen einen Siegestanz aufgeführt hat. Trommeln werden es sein, die diesen Teil der Geschichte des Mose bei der Vernissage zur Ausstellung Am Nil am kommenden Donnerstag, 28. Juni, 20 Uhr, in der Eusebiuskirche musikalisch ergänzen. Gespielt werden sie von Sigrid Crasser und Heike Schulz. Pfarrer Martin Frey wird die Gäste dieser ungewöhnlichen Begegnung im Gotteshaus begrüßen. Die Ausstellung von Arbeiten der Keramikerin Gabriele Kaiser ist ein Beginn von Kunst in der Kirche. Mindestens einmal im Jahr soll das Ökumenische Erwachsenenprogramm mit einer solchen Aktion ergänzt werden. Und das möglichst aus dem großen Kreis der Wendlinger Kunstschaffenden. Das Thema für 2008 steht bereits fest: miteinander reden, miteinander leben. Die Ausstellung Am Nil ist bis 13. Juli immer donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr in der Eusebiuskirche zu sehen. Am Nil wird am 28. Juni um 20 Uhr eröffnet.


Bericht der Wendlinger Zeitung 09.06.2007

"Armut bedeutet nicht nur Mangel an Geld"

Martin Frey, evangelischer Pfarrer in Wendlingen, appellierte vor SPD-Senioren an menschliche Zuwendung für ausgegrenzte Menschen

WENDLINGEN. Armut bedeutet nicht nur ein Mangel an Geld, ist sich Wendlingens evangelischer Pfarrer Martin Frey sicher. Armut zeigt sich auch im Mangel an menschlicher Zuwendung, an Nähe und Würde. Und: Armut gibt es auch in Wendlingen. Dies könne jeder sehen, der genau hinschaue und hinhöre. Vor den SPD-Senioren des Kreises, die sich kürzlich im Wendlinger Café Hefekränzle trafen, appellierte der Pfarrer, die Chancen zu nutzen, um Menschen in Armut zu helfen. Und dabei kommt es ihm weniger darauf an, bestehende Defizite im sozialen Netz auszumachen. Wichtiger sei die Motivation, der Wille, wir tun etwas für Wendlingen. Eine Arbeitsgruppe aus den evangelischen und katholischen Kirchengemeinderäten wollen Konzepte erarbeiten, wie eine solche bürgerschaftliche Hilfe aussehen kann.

CHRISTA ANSEL Gesucht wird bei der Ausarbeitung dieses Hilfekonzeptes nicht nur die Verbindung zur Lokalen Agenda in Wendlingen. Gesucht werden auch Menschen, die bereit sind, sich für Menschen in Wendlingen einzubringen. Mit ins Boot nehmen möchte der Pfarrer da aber auch die entsprechenden Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Das Leben, betonte Martin Frey, passiere zwischen den Menschen einer Gemeinde. Und hier etwas zu tun, sei auch im eigenen Interesse: Ich muss etwas tun an meinem Ort, weiß der Pfarrer und ermuntert, über das Aufzeigen von Mängeln im sozialen Netz hinauszugehen, selbst aktiv zu werden, auf die Ausgegrenzten und Missachteten zuzugehen.

Armut ist von der Politik verursacht

Armut sei bewusst von der Politik verursacht, die den schlanken Staat fordere und den Abbau des sozialen Netzes betreibe. Wer über Armut spreche, spreche von konkreten Menschen, die in konkreten Notsituationen steckten. Dagegen müsse etwas getan werden. Armut gebe es auch in Wendlingen, auch wenn dies im ersten Moment so nicht aussehe. Und, betont der Pfarrer, wir haben alle Chancen, gegen Armut etwas zu tun. Es muss sie geben, die Armut, allein statistisch gesehen. Nehme man die Zahl der 276 Bedarfsgemeinschaften in Wendlingen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen seien, und verdreifache diese, komme man auf über 800 Menschen, Erwachsene und Kinder, die arm seien. Nicht nur die Beratungsstellen würden mit der Armut konfrontiert. Dazu gehörten auch die Pfarrämter. In allen Kirchengemeinderäten der Stadt habe man diese Problematik diskutiert und sei zur Überzeugung gelangt, hier handeln zu müssen. Frey sprach von der absoluten Armut in den Hungerländern und von der relativen Armut, die sich auf das Durchschnittseinkommen der Bevölkerung (2003: 1624 Euro) beziehe. Von einem Armutsrisiko werde dabei von all denjenigen gesprochen, die weniger als 60 Prozent (974 Euro) des Durchschnittseinkommens verdienten. Arm seien die Menschen, die weniger als 50 Prozent (812 Euro) zur Verfügung hätten. Menschen, die Arbeitslosengeld II erhielten, bekämen neben Wohngeld gerade mal 345 Euro pro Kopf. Davon müsse neben Nahrungsmitteln, Kleidung, Kosten für Strom, Telefon oder öffentlichen Nahverkehr alles bestritten werden. Diese Zahl sei erschreckend, meinte Martin Frey, wie soll man davon leben?. Von Armut betroffen seien neuerdings immer häufiger auch Menschen der mittleren Einkommensschicht. Das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen oder Alleinerziehenden sei groß. Je mehr Kinder eine Familie habe, desto größer die Gefahr der Armut. Verständlich werde da die Angst vieler Menschen, sich in einer auf die Arbeit fixierten Gesellschaft noch für Kinder zu entscheiden. Erschreckend sei da auch die große Zahl der Menschen, die trotz enormen Arbeitseinsatzes so wenig verdienten, dass sie aufstockende Hilfe bräuchten. Martin Frey warnte davor, Empfänger von Arbeitslosengeldern mit dem Vorurteil zu begegnen, diese hängen ohnehin nur faul zu Hause ab. Die Zahl derer, die diese Hilfe missbrauche, sei sehr gering. Die wirklich Betroffenen versuchten auf vielfältige Weise, ihr Problem zu lösen, indem sie beispielsweise Verzicht übten und Strategien entwickelten, günstig an die erforderlichen Dinge zu kommen. Manch einer suche sich einen Nebenjob, andere vertrauten auf ein Netz von Freunden und Verwandten. Viele aber litten unter den Folgen der Armut. Krankheit, Sucht, Gewalt, Verlust des Selbstwertgefühls rückten in den Mittelpunkt.

Menschen vor Ort müssen aktiv werden

Um Armen zu helfen, müssten Menschen vor Ort aktiv werden. Die Hoffnung, dass sich auf politischer Ebene etwas bewege, habe er längst aufgegeben, so Frey. Wir vor Ort müssen etwas tun, uns verantwortlich fühlen und uns in die Pflicht nehmen. Vorstellen könne er sich beispielsweise, den bestehenden Wendlinger Hilfsfonds (eine Stiftung von 25 000 Euro) auszubauen, um über Zustiftungen und anderes an mehr Kapital zu kommen. Vielleicht auch könne so eine Art Lotsenstelle geschaffen und finanziert werden, eine Anlaufstelle für Menschen in Armut. Ohne Hemmschwelle müssten Betroffene direkten Zugang zu Beratern finden, die ihnen aus der individuellen Situation heraushelfen könnten. Und das auf eine Art und Weise, die die Würde der Menschen nicht verletze. Tatsache sei doch, dass in kleinen Einheiten, wie sie in den Wendlinger Stadtteilen anzutreffen seien, Armut nicht ohne weiteres in Erscheinung trete. Niemand wolle sich mit dem Makel der Armut identifizieren. Hilfe, das wurde auch in der Diskussion mit den SPD-Senioren deutlich, braucht kreative Ideen. Bei der Ausarbeitung eines eigenen Konzepts lohne da durchaus der Blick über den Tellerrand hinaus. Gegen Armut und soziales Unrecht vorzugehen, sei biblischer Auftrag. An Geld und Ressourcen mangele es nicht. Alles sei nur eine Frage der Verteilung, um Menschen die Chance zu geben, am Reichtum und den Lebensmöglichkeiten teilzuhaben. Anderen Menschen zu zeigen, du hast einen Wert, ich kümmere mich um dich, das gehe nur auf lokaler Ebene.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 21.05.2007

Schreibwettbewerb zum Thema Wasser

Ökumenische Erwachsenenbildung in Wendlingen fordert zum Mitmachen auf Texte werden prämiert und öffentlich vorgestellt

WENDLINGEN. Das Jahresthema des Programms der Ökumenischen Erwachsenenbildung befasst sich mit dem Thema Wasser für unser Leben. Wasser ist Leben und unersetzlich für Mensch und Natur, heißt es im jüngsten Programmheft, mit dem die evangelischen und die katholische Kirchengemeinde Wendlingens einladen zum Besuch einer ganzen Reihe von Veranstaltungen. Zum Angebot gehört aber nicht nur die Information und die Auseinandersetzung zum Thema Wasser. Aufgefordert wird jetzt unter der Regie des evangelischen Pfarrers Martin Frey zu einem Schreibwettbewerb Wasser. CHRISTA ANSEL Obwohl zwei Drittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt ist, leiden viele Menschen unter Wassermangel. Nur 2,6 Prozent der Wasservorräte sind Süßwasser und also für Mensch und Tier verwertbar. Die Bewahrung von genügend Trinkwasser ist eine zentrale Lebensaufgabe, schreibt Initiator Martin Frey. Wasser ist also mehr als ein Lebensmittel. Brunnen, Bäche, Flüsse, Seen und Meere üben auf viele Menschen eine starke Anziehungskraft aus. Wasser gilt in allen Kulturen als Symbol für Leben und für Reinheit, aber auch für Tod. In der biblischen Überlieferung spielt Wasser eine zentrale Rolle, etwa in den Schöpfungstexten oder in der Noah-Erzählung. Wassergeschichten findet der Leser immer wieder auch in den Evangelien. Nicht zuletzt ist die Taufe für den christlichen Glauben höchst bedeutsam.

Nach oben ist keine Altersgrenze gesetzt

Eingeladen zum offenen Schreibwettbewerb zum Thema Wasser sind alle Interessierten ab 17 Jahre beziehungsweise der Klassenstufe elf. Nach oben ist keine Grenze gesetzt. Aufgefordert sind alle, die sich in den Kategorien Lyrik oder Kurzprosa ausdrücken möchten und die sich um das Lebenselixier Wasser Gedanken machen möchten. Der Text sollte allerdings eine DIN-A4-Seite nicht überschreiten. Eingereicht werden sollen die Texte bis zum Freitag, 29. Juni, beim evangelischen Pfarramt in der Uhlandstraße 2 in Wendlingen. Dem eigenen Text angehängt werden muss ein Anmeldeformular mit den persönlichen Daten der Poeten. Dieses Blatt und die Bedingungen des Literaturwettbewerbs liegen im Buchladen im Langhaus und in der Geschäftsstelle der Wendlinger Zeitung in der Albstraße aus. Natürlich winken bei jedem Wettbewerb Preise. Die evangelischen und die katholische Kirchengemeinde haben Geldpreise ausgesetzt. Zahlreiche Sachpreise gehen an die Schreiber und Schreiberinnen, deren Texte von der Jury ausgewählt werden. Die Jury besteht übrigens aus einer Lektorin, einer Gymnasiallehrerin, einer Buchhändlerin, einer Redakteurin und aus jeweils einem Vertreter der drei am Ökumenischen Erwachsenenbildungsprogramm beteiligten Kirchengemeinden. Die Mitglieder dieses Gremiums werden alle Texte lesen und bewerten.

Texte werden prämiert und öffentlich vorgestellt

Abschluss des Literaturwettbewerbs Wasser wird dann eine öffentliche Veranstaltung am Donnerstag, 19. Juli, ab 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in der Bismarckstraße sein. An diesem Abend werden eingebettet in ein musikalisches Programm die Preisträger und deren Texte der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Sechs Wochen lang haben jetzt also all die Menschen Zeit, die sich berufen fühlen, zum Thema Wasser ihre Gedanken aufzuschreiben. Das können kurze lyrische Zeilen genauso sein wie Prosatexte. Wichtig ist nur, beim Thema zu bleiben: Wasser für unser Leben. Ein Spaziergang auf dem Lauterbegleitweg in Wendlingen kann manche Anregung liefern für Texte zum Thema Wasser. sel

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 19.05.2007

Frühkindliche Förderung fängt im Kindergarten an

Ein Leitsystem lenkt Eltern pfiffig durch den Dschungel des Orientierungsplans Kindergarten Alleenstraße mit Tag der offenen Tür

WENDLINGEN. Seit dem vergangenen Jahr kursiert der Orientierungsplan in baden-württembergischen Kindergärten. Viele Eltern haben davon schon etwas gehört, aber was genau gemeint ist, das wissen längst nicht alle. Wie der Orientierungsplan im Detail umgesetzt wird, das obliegt jedem Kindergarten selbst. Noch ist nicht alles ausgeklügelt, die Pilotphase läuft noch bis 2009/2010. Seine Umsetzung ist in den Kindergärten allerdings in vollem Gange. Auch im Kindergarten Alleenstraße.

GABY KIEDAISCH Wer errät die Figur hinter dem Vorhang? Ein Tier, ein Ding, was kann es sein? Im Raum der Sinne kann sich jeder im Schattenspiel üben oder sich unter die Farbdusche stellen. Im nächsten Gruppenraum informiert eine Bilderreihe über eine Aufführung von Kindergartenkindern, bei der eine biblische Geschichte im Vordergrund stand. Ein religionspädagogisches Projekt, das zum Feldbereich Sinn, Werte und Religion gehört.

Inhalte transparent gemacht

Beim Tag der offenen Tür im Kindergarten Alleenstraße konnten sich die Eltern ein Bild davon machen, was mit dem Orientierungsplan im Einzelnen gemeint ist. Statt mit langweiligen Texten die Bildungsziele in ihren einzelnen Entwicklungsfeldern zu erklären, hatten die Erzieherinnen eine pfiffige Idee. Jeden Leistungsbereich stellten sie einzeln in einem dafür gestalteten Raum vor. Hierzu klebten die Erzieherinnen verschiedenfarbige Linien auf den Flurboden, die, wenn man ihnen folgte, geradewegs zum gewünschten Thema führten. Ein Beispiel: Folgte man dem Leitsystem mit der roten Linie, kam man in einen Raum, wo der Körper im Mittelpunkt stand. Und weil Bewegung und Sport ein inhaltlicher Aspekt ist, konnten die Kinder nach Herzenslust den Balancierbalken, diverse Schaukelmöglichkeiten und ein Trampolin nutzen. Am Ende der blauen Linie kam man direkt in den Raum, in dem inhaltliche Beispiele zur Förderung des Denkens vorgestellt wurden. An den kleinen Tischen puzzelten, spielten, experimentierten und bauten Eltern und Kinder gemeinsam. Zu den einzelnen Bildungs- und Entwicklungsfeldern gehören außerdem Gefühl und Mitgefühl sowie Sprache. Die inhaltlichen Ausprägungen werden detailliert im Qualitätshandbuch des Kindergartens erfasst und dargestellt. Hiervon konnten sich die Eltern an übersichtlichen Texttafeln ebenfalls ein Bild machen.

Eine Blume symbolisiert den Orientierungsplan

Als zusätzlichen Gag erhielt jeder Gast am Eingang einen grünen Streifen in Form eines Blumenstängels, der symbolisch für den Orientierungsplan stand. An einem Ende befand sich ein Kreis, der den Blütenboden einer Blume darstellen sollte. Folgte man nun allen Leitlinien auf dem Boden, kam man jedes Mal in einen anderen Raum, in dem exemplarisch zu jedem Thema verschiedene Aktionen, Spiele, Kasperletheater, Vorlesestunde, Stuhlkreis und anderes vorbereitet waren, an denen man sich beteiligen konnte. Beim Besuch eines jeden Entwicklungsfeldes gab es jedes Mal ein Blütenblatt, worauf mit Lettern Sinne, Körper, Denken und so weiter stand. Klebte man die einzelnen Blüten um den Blütenboden, entstand eine Blume, die man mit einem weiteren Blatt zum Thema Beobachtung und Dokumentation vervollständigen konnte. Mit sogenannten Beobachtungsbögen soll künftig über die bisherige Beobachtung der Erzieherinnen hinaus die Entwicklung jedes einzelnen Kindergartenkindes dokumentiert werden. Dabei sind die Erzieherinnen auch auf die Mithilfe der Eltern angewiesen. Wie das geschehen soll, wurde anhand eines Videos aus einem Berliner Kindergarten gezeigt. Wandelte man durch die Flure des Kindergartens, sah man immer wieder fertige und halbfertige Blumen, die von ihren Trägern mit Bedacht getragen wurden. Mit dieser einfallsreichen wie zugleich witzigen Idee konnte jeder sinnbildlich den Orientierungsplan mit nach Hause nehmen, unter dem man sich nun dank des ausgeklügelten Leitsystems ganz genau etwas vorstellen kann. Eine Auswahl an Literatur zu jedem Entwicklungsfeld rundete das Angebot ab. Alles wurde von Eltern, Großeltern und Kindern rege genutzt. Wir haben ganz bewusst auf einen Elternabend verzichtet, bei dem der Orientierungsplan vorgestellt wird, sagt Ulrike Schilling, Leiterin des Alleen-Kindergartens. Der Gedanke war, das Thema so aufzugreifen und für die Eltern so transparent zu machen, dass sich jeder etwas unter dem Orientierungsplan vorstellen kann. Und wie könnte es besser gehen als mit einem Fest beziehungsweise mit einem Tag der offenen Tür (wenn auch nur für geladene Gäste). Zum Erfolg des Tages beigetragen hatten die Eltern, die unter anderem das Kuchenbuffet organisierten, selbst backten und verkauften sowie Kaffee und Getränke ausschenkten. Mitgewirkt haben auch die Lesepatin Lore Schaich, die Geschichten vorlas. Mit der Gesangspatin Christa Schimpf konnten sich die Eltern ausführlich unterhalten.

Eine gelebte Erziehungspartnerschaft

Der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung soll die frühkindliche Förderung unterstützen und in bestimmte Bahnen lenken. Für Erzieher ist er ein Impulsgeber zur pädagogischen Begleitung kindlicher Entwicklung. Mit dem Orientierungsplan wird auch die Zusammenarbeit mit den Eltern verstärkt. Eine gelebte Erziehungs- und Bildungspartnerschaft, sagt Erzieherin Astrid Blankenhorn. Verbindlich umgesetzt wird der Orientierungsplan für alle Einrichtungen im Kindergartenjahr 2009/2010. Der Kindergarten Alleenstraße verfügt über vier Gruppen mit derzeit rund 100 Kindern, davon sind fünf ab zweieinhalb Jahre. Beim Thema Körper können sich die Kinder nach Herzenslust bewegen und austoben. gki

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 30.03.2007

Lamentationen - Klagelieder des Jeremias

Konzert zur Karwoche mit dem Ensemble Tripla und der Sängerin Gertrud Junker in der Jakobskirche

WENDLINGEN-BODELSHOFEN (ws). Am morgigen Samstag, 31. März, findet in der Jakobskirche Bodelshofen um 19 Uhr ein feierliches Konzert zum Beginn der Karwoche statt. Es musiziert das Ensemble Tripla (Monika Tahiri, Martin Hermann und Ingrid Gräbner/Consortblockflöten) mit Gertrud Junker (Gesang) Lamentationen aus der Renaissance. Christa Schimpf rezitiert aus den Klageliedern des Jeremias. Die vierstimmigen Lamentationen wurden im 16. Jahrhundert von Johannes Gardano, Pierre de la Rue, Thomas Creqillon und Johannes de Quadris vertont. Das Entstehen eines mehrstimmigen Karwochen-Repertoires um 1500 zeigt, dass im Laufe der Zeit die Karwochenfeierlichkeiten ein besonderes liturgisches Gewicht im Kirchenjahr bekommen hatten. Dafür wurde eine besondere Musik benötigt. In einem einzigen historischen Augenblick verwandelten sich in Rom neben der Vesperpolyphonie die Lamentationen in große repräsentative und deutlich am Anspruch der Messe als führende liturgisch-festliche Gattung der Epoche orientierte Gattungen. Das Karwochen-Repertoire des späten 15. und des 16. Jahrhunderts konzentriert sich aber nicht auf Rom und den norditalienischen Raum. Mehrstimmige Lamentationen wurden auch in den deutschsprachigen Ländern, in Frankreich, in Polen, Slowenien und auf der Iberischen Halbinsel sowie unter besonderen Bedingungen in den 1560er-Jahren in England vertont. Das Programm wird ergänzt durch die Uraufführung der drei Responsorien von Laurent Jouvet, der diese im Jahr 2006 für Gertrud Junker und das Ensemble Tripla komponierte. Das Ensemble Tripla besteht seit 1999. Seine besondere Vorliebe gilt dreistimmigen Werken des späten Mittelalters und der Renaissance und es wird bei Vokalwerken durch Gertrud Junker unterstützt. Monika Tahiri studierte, nach einer kirchenmusikalischen Ausbildung, neben Blockflöte in Nürnberg, Amsterdam und Wien Tonsatz und Stimmführungsanalyse nach Heinrich Schenker sowie Klavier bei Peter Barcaba. Weiteren Unterricht erhielt sie bei Pedro Memelsdorff (Bologna) und Jeremias Schwarzer (Nürnberg). Ihr bevorzugtes Tätigkeitsfeld sind die Kompositionen von Guillaume Dufay und Francois Couperin. Martin Hermann begann sein Studium im Hauptfach Blockflöte bei Barbara Husenbeth in Trossingen und schloss mit der künstlerischen Reifeprüfung ab. Danach besuchte er Meisterkurse unter anderem bei Frans Brüggen, Jérôme Minis, Matthias Weilenmann und Pedro Memelsdorff. Neben zahlreichen Solokonzerten arbeitete er mit Orchestern, Kammerensembles und namhaften Partnern wie Ernst Leuze, Laurent Jouvet und Samuel Kummer. Martin Hermann lebt als freischaffender Flötist und Blockflötenlehrer in Kirchheim und unterrichtet an der Musikschule Owen. Ingrid Gräbner erhielt ihre Blockflötenausbildung bei Felicitas Keldorfer und Ernst Kubitschek in Salzburg. Seminare bei Nikolaus Harnoncourt, Jérôme Minis, Matthias Weilenmann und Pedro Memelsdorff ergänzten ihre musikalische Tätigkeit. Sie wirkte mit bei kammermusikalischen Auftritten sowie als Solistin mit dem Orchester Camerata Suevia. Sie unterrichtet hauptamtlich als Blockflötenlehrerin an der Musikschule Köngen/Wendlingen. Gertrud Junker studierte an der Musikhochschule Freiburg, wo sie nach dem Studium der Germanistik und Schulmusik die Fächer Gesang und Blockflöte mit der Konzertreife abschloss. Anschließend war sie Meisterschülerin bei Elsa Cavelti in Basel und wurde Gründungsmitglied des Arcadia-Ensembles, eines Spezialensembles für Alte Musik, mit dem sie sich an Musikfestivals, Konzertreihen und Rundfunkaufnahmen beteiligte. Neben ihren Auftritten als Konzertsängerin für Alte und Neue Musik sowie im Oratorienbereich übt sie eine umfangreiche Lehrtätigkeit aus. So unterrichtet sie an der Musikschule Kirchheim die Fächer Gesang und Blockflöte und lehrt seit 1994 an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Tübingen. Die Lesungen aus den Klageliedern Jeremias hält Christa Schimpf. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Weitere Informationen: www.ensemble-tripla.de.

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 27.03.2007

Vom weiten Weg der Flüchtlingsfrauen

Ragini Wahl, Beauftragte für Asyl- und Flüchtlingsfragen des Evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen, beim Frauenfrühstück in Wendlingen

WENDLINGEN. Flüchtlingsfrauen und ihre Alltagssituation waren das Thema des jüngsten Frauenfrühstücks, das die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen am Samstag im Gemeindehaus veranstaltet hatte. Der Einladung von Diakonin Elisabeth Schoch-Fischer waren weit über hundert Frauen gefolgt. Gespannt lauschten sie dem Referat von Ragini Wahl, der Beauftragten für Asyl- und Flüchtlingsfragen im Evangelischen Kirchenbezirk Nürtingen. Eindringlich schilderte die Nürtingerin die Situation von Flüchtlingsfrauen, deren Flucht-Hintergrund und deren Situation als Flüchtling in der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Ein Vortrag, der mancher Zuhörerin die Augen öffnete für Menschen, die unter uns leben, und für mögliche Chancen der Integration. Zustimmung fand Ragini Wahl mit ihrer Forderung an die Kirche, diese Chancen stärker auszuschöpfen.

CHRISTA ANSEL Frauen bitten um Asyl und leben in unserer Region hatte Ragini Wahl ihr Referat betitelt. Sie sprach von einem facettenreichen Thema, das hineinreiche bis in die Kommunalpolitik vor Ort. Es ist längst überfällig, dass wir uns mehr mit Frauen solidarisieren, forderte die Referentin die vielen Zuhörerinnen auf, genauer hinzusehen, den Alltag von Flüchtlingsfrauen wahrzunehmen. Zu sehen, was es bedeute, wenn Flüchtlingsfrauen zur Residenzpflicht verpflichtet seien, deren Radius also in Esslingen ende und ein Ausflug nach Stuttgart bereits gegen geltendes Gesetz verstoße. Wo, fragte Ragini Wahl, werden Flüchtlingsfrauen in unserer Region wahrgenommen? Warum flüchteten diese Frauen? Diktaturen und Krieg seien die Hauptgründe für Flucht. Und es gäbe viele Vorstufen von Gesellschaftssystemen, die sich selbst zerrütteten, in der Welt aber kaum wahrgenommen würden. Dazu gehöre vor allem die Korruption. Jeder Flüchtling habe damit täglich zu tun. Ohne Korruption kein Pass, keine Arbeit, keine medizinische Versorgung, keine Bildung. Das gelte beispielsweise auch für den EU-Beitrittskandidaten Türkei. Noch immer kämen die meisten Flüchtlinge in der Bundesrepublik aus der Türkei. Frauen flüchteten, weil beispielsweise der Mann aufgrund seiner politischen Tätigkeit im Untergrund verschwunden ist, weil die Familie der falschen Partei angehöre oder weil sie selbst gefoltert wurden. Viel zu lange sei das Thema Folter verdrängt worden. Wir haben Flüchtlinge als Nachbarn, die Folteropfer sind, ohne dass wir es wissen. Diese Frauen seien traumatisiert. Und das gelte auch für Frauen als Opfer von Vergewaltigungen. Diese gehörten noch immer zu den strategischen Mitteln in jedem Krieg, in jeder Auseinandersetzung, betonte Ragini Wahl. Frauen seien also in aller Regel doppelte Opfer, hätten die doppelte Last zu tragen. Dies gelte vor allem dann, wenn sie dadurch auch noch mit HIV infiziert worden seien. Darüber zu reden falle den betroffenen Frauen besonders schwer. Das aber müssten sie tun, wenn sie als Asylbewerberin in der Bundesrepublik ankämen und sich im Asylverfahren behaupten müssten. Hier träfen sie auf Rahmenbedingungen, die für Flüchtlinge abgesteckt seien und innerhalb derer der Kanon der Pflichten ungleich größer sei als der Kanon der Rechte.

Vom langen und teuren Instanzenweg

Ein langer und schwieriger Instanzenweg sei zu gehen. Ein Instanzenweg, der Geld koste, ohne Anwalt nicht gangbar sei. Wie aber sollten Flüchtlinge diese Kosten finanzieren, wenn sie in den ersten drei Jahren neben den Sachwerten wie Kleidungs-Gutscheinen und Punktekarten für den Lebensmitteleinkauf monatlich gerade mal 40 Euro Bargeld erhielten? Eine prekäre Situation für Frauen und ihre Kinder. Hätten Flüchtlinge im vierten Jahr noch immer keine Arbeit gefunden, lebten sie weiter von Sozialhilfe. Sozialhilfe bedeute für diese Personengruppe aber ein Leben unter dem Existenzminimum. Flüchtlinge, so Ragini Wahl, erhielten 30 Prozent weniger als der deutsche Sozialhilfesatz. Ein nicht unerheblicher Teil der Flüchtlinge sei ausgeschlossen vom Rechtsweg eines Asylverfahrens, obwohl er ihnen zustehe. Ein Unfug, der leider seit Jahren in der Bundesrepublik zementiert werde, kritisierte Ragini Wahl. Erreichten Flüchtlinge dann doch durch glückliche Umstände einen humanitären Status, müssten sie schauen, dass dieser ausgebaut werden könne. Manche schafften es innerhalb von zwei Jahren, andere bräuchten sechs, acht oder gar 15 Jahre, um diesen vergoldeten Status zu erreichen. Erst dann hätten Flüchtlinge die gleichen Rechte wie die Einheimischen. Es sei also ein weiter, weiter Weg für Flüchtlingsfrauen, in unserer Mitte anzukommen. Flüchtlingsfrauen seien also auf die Unterstützung von Netzwerken angewiesen. Im Landkreis gehöre zu diesem Netzwerk die Sozialarbeit der Arbeiterwohlfahrt, die aber personell unterversorgt sei. Wichtig werde da die Arbeit von Bürgerinitiativen, wie beispielsweise des Arbeitskreises Asyl in Nürtingen. Und auch die Kirche könne ungleich mehr tun, als das bisher geschehe, forderte Ragini Wahl auch die Wendlinger Frauen auf, sich dieser Problematik verstärkt zuzuwenden. Wir als Kirche schöpfen unsere Chancen viel zu wenig aus. Die Armutsdebatte müsse intensiver geführt werden. Es sei an der Zeit, sich an die Seite von Flüchtlingsfrauen zu stellen, die wegen der gesetzlichen Rahmenbedingungen immer mehr in Armut abrutschten.

Das alles passierte mitten unter uns

In Gesprächsrunden wurde das Thema vertieft und Heinz Benz erinnerte bei dieser Gelegenheit an das Schicksal der siebenköpfigen Familie Batan aus Wendlingen, die mehrfach von der Abschiebung bedroht war. Das alles passierte unter uns. Und er machte aufmerksam auf die Einkaufsmöglichkeit bei Carisatt für alle Hartz-IV-Empfänger, immer donnerstags von 15 bis 16 Uhr im Hof der Gartenschule. Den musikalischen Rahmen des Frauenfrühstücks bestritt Eva Klöpfer von der Musikschule am Klavier. Diakonin Elisabeth Schoch-Fischer (links) hatte zum jüngsten Frauenfrühstück der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen die Nürtinger Fachfrau für Asyl- und Flüchtlingsfragen, Ragini Wahl (rechts), eingeladen. sel

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 21.03.2007

"Auch ein Geschenk an die Ökumene"

Feierstunde anlässlich des 400. Geburtstags von Paul Gerhardt

WENDLINGEN (ka). Eine Sternstunde erlebten Besucher und Mitwirkende gleichermaßen kürzlich in der Eusebiuskirche Wendlingen. Am Vorabend seines 400. Geburtstags standen Leben und Werk von Paul Gerhardt im Mittelpunkt der Feierstunde unter der bewährten Leitung von Eusebius-Kantor Walter Schimpf. Unter dem Motto Wach auf, mein Herz, und singe hatten Christa und Walter Schimpf das Programm mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen zusammengestellt. Nach der Begrüßung durch Pfarrer Wannenwetsch eröffnete Prälat i. R. Paul Dieterich, in früheren Jahren Vikar in Wendlingen, den Abend mit einer Einführung in das Leben Paul Gerhardts, des bedeutendsten evangelischen Liederdichters nach Luther. Der Dichter selbst machte nicht viel Aufhebens um seine Person und sein Werk. Er lebte in seinen Liedern, trat als Person ganz hinter sie zurück. 137 deutsche Lieder und Gedichte, ein paar Leichenpredigten und Briefe sind erhalten, jedoch keine Sonntags-Predigten. Umso machtvoller kommt sein unerschütterlicher Glaube an die Größe und Güte Gottes in seinen Liedern zum Ausdruck. Trost und Aufrichtung sollten die Menschen durch sie erfahren in einer Zeit grausamer Kriege, tiefgreifender geschichtlicher, kultureller und sittlicher Umbrüche. Auch er selbst bedurfte dieser Gewissheit und dieses Trostes, waren doch Verlust und Leid seine lebenslangen Begleiter. Das Gotteslob, die Freude, das Singen, das Wachsein als Voraussetzung für die Wahrnehmung der Schönheiten und des Reichtums der Schöpfung, die Überwindung von Trauer und Leid durchziehen seine Lieder und sein ganzes Leben.

Der Dreißigjährige Krieg hinterlässt seine Spuren

In Gräfenhainichen, einer kleinen Stadt südwestlich von Wittenberg, wurde er am 12. März 1607 geboren. Der Dreißigjährige Krieg, die Verwüstungen des Landes und der Menschenseelen traumatisierte die Menschen dieser Epoche. Paul Gerhardts Heimatstadt Gräfenhainichen wurde an Ostern 1637 von den Schweden, die nach dem Tod ihres Königs Gustav Adolf marodierend durchs Land zogen, geplündert und niedergebrannt. Auch sein Elternhaus fiel dieser Barbarei zum Opfer. Seine im Alter von 48 Jahren geschlossene Ehe mit Anna Maria Berthold dauerte nur 12 Jahre. Von ihren fünf Kindern überlebte nur ihr Sohn Paul Friedrich die Eltern. All diese Erfahrungen flossen, neben der Fülle und Schönheit des Lebens, in seine Dichtung und seine Lieder ein. Im Lied Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand schildert er die harten Erfahrungen seines Lebens. Stets aber weist er hinaus über das Diesseitige, erinnert an die jenseitige Hoffnung, die all dies mit Freuden annehmen und ertragen hilft. 1643 übersiedelte Paul Gerhardt nach Berlin. Dort traf er auf Johann Crüger, einen der wirksamsten Kompositionslehrer des Jahrhunderts. Dieser erkannte die große Begabung des jungen Dichters, vertonte zunächst 18 Lieder von Paul Gerhardt und nahm diese in sein 1647 erschienenes Gesangbuch auf. Damit legte er den Grundstein für den Ruhm des Dichters. In einer weiteren Ausgabe des Crügerschen Gesangbuchs von 1661 finden sich bereits 90 Paul-Gerhardt-Lieder. 1651 wurde Paul Gerhardt in Berlin ordiniert und trat seinen Dienst als Probst in Mittenwalde an. Dort war er zuständig für 11 Pfarreien. Verwaltung und Wirtschaft waren Paul Gerhardt nicht so wichtig, umso mehr dagegen der Gemeindeaufbau und die persönliche Frömmigkeit der Menschen. Inspiriert vom Schmerzensmann am Altar in der Mittenwalder Kirche dürfte er 1656 sein Passionslied O Haupt voll Blut und Wunden gedichtet haben. 1657 wurde er als Pfarrer nach St. Nicolai in Berlin berufen, geriet dort wenige Jahre später in den Berliner Kirchenstreit, der mit der Kirchenpolitik des calvinistischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zusammenhing. Paul Gerhardt versuchte sich herauszuhalten, verweigerte jedoch standhaft die vom Kurfürsten verlangte unterschriftliche Verpflichtung auf drei Toleranzedikte. Sie enthielten strenge Auflagen für die lutherischen Pfarrer. Er musste Berlin verlassen, zog mit seinem Sohn nach Lübben im Spreewald, wo er für weitere sieben Jahre eine neue Wirkungsstätte als leitender Pfarrer an der Hauptkirche fand. Dort schrieb er keine neuen Lieder mehr. Ausgebrannt und geplagt von Altersbeschwerden und Krankheiten versah er mit Mühen seinen Dienst. Aber noch in Berlin wurde ihm die Freude zuteil, dass der Kantor Johann Georg Ebeling, der Nachfolger Johann Crügers an St. Nicolai, seine gesammelten Werke, 120 Lieder, in einer eigenen Ausgabe Pauli Gerhardi geistliche Andachten herausbrachte. 28 Paul-Gerhardt-Lieder finden sich heute noch im Württembergischen Evangelischen Gesangbuch, etliche davon auch in katholischen Gesangbüchern. Ihre Aussagen sind zeitlos gültig, auch über Konfessionsgrenzen hinweg. Paul Gerhardt auch ein Geschenk an die Ökumene.

Gesanglich quer durch das Kirchenjahr

Im Wechsel mit den lebendigen und anschaulichen Ausführungen des Referenten und der gelesenen Strophen sangen Kantorei und Kirchengemeinde die Choräle in Sätzen von Johann Crüger, Johann Georg Ebeling und Johann Sebastian Bach, begleitet von einem Instrumentalensemble (Susanne und Katharina Böbel, Violinen; Wiltrud Zink, Viola; Katja Briem und Eva Klöpfer, Oboen; Ann-Katrin Zimmermann, Fagott; Cornelia Maier, Violoncello; Günter Holz, Kontrabass; Ulrike Beck, Orgel). Als Vorsänger wirkten Andreas Buchholz und Albrecht Schultze, zwei Tenöre aus den Reihen der Kantorei. Chorsänger und Instrumentalisten agierten auf hohem Niveau, verliehen den Chorälen Ausdruck und Charakter. Sie führten quer durch das Kirchenjahr und auch die Tageszeiten. Kurzweilig, tiefgründig und erfrischend war diese Abendveranstaltung auf hohem Niveau. Alle die Sängerinnen und Sänger der Kantorei, die Instrumentalisten, der Vortragende und die Gemeinde wirkten engagiert mit. Reich beschenkt und erfüllt ging man auseinander. Prälat i. R. Paul Dieterich. Foto: ka

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 27.02.2007

Gemeinde feiert Jubiläum in festlichem Rahmen

Erinnerung an 50 Jahre Kirchenumgestaltung - Warum die Frauentüre so heißt - Ausstellung und Kirchencafé Kalender vorgestellt

WENDLINGEN. Mit einem Festgottesdienst hat die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen am Sonntag die Umgestaltung der Eusebiuskirche vor 50 Jahren gefeiert. Feierlich umrahmt von der Kantorei und Instrumentalisten konnte Pfarrer Stefan Wannenwetsch ein fast vollbesetztes Gotteshaus begrüßen, darunter Architekt Walter Aldinger, die Tochter des früheren Pfarrers Fischle mit weiteren Angehörigen sowie den früheren Vikar der Eusebiuskirche und heutigen Pfarrer i.R. Christoph Scheytt. Auf die mit der Wendlinger Kirchengeschichte eng verbundenen Daten 1448, 1710 und 1957 ging Pfarrer Wannenwetsch in seiner Predigt ein. In einer anschließenden Ausstellung konnten sich die Gottesdienstbesucher ein Bild von den Arbeiten anlässlich des Jubiläums der Kirchenrenovierung machen, erstmals wurden auch die Abendmahlsgeräte der Kirche gezeigt und der neue Kirchenkalender 2008 Eusebius bewegt vorgestellt.

GABY KIEDAISCH Im Mittelpunkt des feierlichen Gottesdienstes stand die vor einem halben Jahrhundert umgestaltete Eusebiuskirche. Heute, wenn wir an die große Umgestaltung unserer Kirche vor 50 Jahren denken, können wir beim Blick auf die Geschichte unserer Kirche entdecken, wie jede Zeit Gottes ewiges Wort verstanden hat und wie dieses Verständnis sich auch in der Ausstattung der Kirche widerspiegelt, sagte Pfarrer Wannenwetsch in seiner Predigt. Anhand dreier markanter Jahreszahlen 1448, 1710 und 1957 zeigte er dies auf. So haben die Grafen von Wernau die jetzige Kirche als Grablege für ihr Geschlecht 1448 erbaut. Aus der Vorgängerkirche, über die man heute nichts mehr weiß, ist noch ein Grabmal der 1389 verstorbenen Elisabeth von Wernau überkommen. Es war eine Zeit, in der der Glaube etwas Selbstverständliches war und in heute unvorstellbarem Maß das tägliche Leben prägte. Das Lebensglück suchte man in einem seligen Sterben und in der Gewissheit der Errettung der Seele, zeigte Pfarrer Wannenwetsch auf. Mit dem Dreißigjährigen Krieg war eine Verrohung der Sitten und Moral einhergegangen. Arm und heruntergekommen war nicht nur das Städtchen Wendlingen, sondern auch die Eusebiuskirche. Dies war Anlass, die baufällige Kirche umzugestalten. Zu den Umbauten gehörte auch eine große Empore auf der nördlichen Seite des Kirchenschiffs, weil der Gottesdienstbesuch wieder zunahm. Die Menschen seien jedoch nicht frömmer geworden, erklärte Pfarrer Wannenwetsch, sondern sie seien in den Sonntagsgottesdienst gezwungen worden, um sich damit der sittlichen Verrohung zu erwehren. Eine Scharwache sorgte dafür, dass außer den Kranken keiner dem Gottesdienst fernblieb: Wer erwischt wurde, wurde streng bestraft, erklärte der Pfarrer. Da wundert es auch kaum, dass die Empore lediglich den Männern vorbehalten war, während die Frauen das darunterliegende Gestühl benutzen mussten. Die Frauen durften die Kirche auch nur durch eine bestimmte Tür betreten, sie gibt es heute noch und heißt deshalb Frauentüre. Die Ausführungen von Pfarrer Wannenwetsch über die damaligen Gepflogenheiten der angeblich so fromm gewesenen Menschen legte noch so manchen Unfug offen, der während des Gottesdienstes getrieben wurde. So wurden Dreckbollen von der Empore geworfen oder Mädchen bespuckt, auch vor Prügeleien wurde kein Halt gemacht, Hunde mitgebracht und Gastwirte ließen in den Kirchenraum hineinrufen, dass sie guten Wein ausschenkten. Festgehalten wurden solche Ausfälle und sittliche Gegenmaßnahmen in den sogenannten Kirchenkonventsprotokollen. Nur leider hat sich bisher noch niemand die Mühe gemacht, sie danach auszuwerten. Es wäre sicherlich wert, sie danach auszuwerten, sagte Wannenwetsch. Mit der letzten großen Umgestaltung der Eusebiuskirche vor 50 Jahren, bei der sich Architekt Walter Aldinger, wie sich Pfarrer Wannenwetsch ausdrückte, an der ursprünglichen Formsprache der Gotik orientierte, wurde dann die Empore wieder entfernt und die Orgel im hinteren Teil der Kirche aufgebaut. Neu waren der Altar, Kanzel und Taufstein, der nach einem Entwurf des Architekten gestaltet wurde. Zur Einweihung wurden auch ein vom Künstler Hans Gottfried von Stockhausen entworfenes Kirchenfenster übergeben, eine Schnitzerei des Ambo von Bildhauer Ulrich Henn sowie ein nach einem Entwurf von Isolde Aldinger gewebter Altarteppich mit dem Ewigkeitssymbol. Damals erhielt unsere Kirche ihr heutiges Gesicht, eine helle und harmonische Kirche, eine Kirche, in der sich die Gläubigen wohlfühlen, ein Satz den man immer wieder von den Gottesdienstbesuchern hört. Der einladende Kirchenbau hilft, dass Gottes Wort das Leben hell und voller Hoffnung machen kann, so Wannenwetsch, den Blick auf die jeweilige Zeit geworfen. Anlässlich des Jubiläums wurde auch erstmals die neue Altarbibel in Gebrauch genommen. Die festlichen musikalischen wie gesanglichen Akzente setzte die Kantorei mit den Blechbläsern, Pauken und Streichern unter der Leitung von Kantor Walter Schimpf. Angestimmt wurden unter anderem die Kantate 29 Wir danken dir Gott, wir danken dir und Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne aus dem Magnificat von Johann Sebastian Bach. Eine besondere Herausforderung war für die Gemeinde der Kanon Jesus Christus, gestern und heute. Vorgestellt am Sonntag wurde auch der neue Jahreskalender 2008 mit Fotografien in und um die Eusebiuskirche. Pfarrer Martin Frey präsentierte den Kalender mit dem Titel Eusebius bewegt. Die Eusebiuskirche als Lebensort voller Schönheit ins Blickfeld zu rücken, das ist das Anliegen mit der Herausgabe des Kalenders, bei dem Silke Bässler, Lothar Fritz, Ingrid Röhm und Christa Schimpf sowie Pfarrer Frey mitgewirkt haben. Aus Anlass der Kirchenrenovierung vor 50 Jahren sah man es als geeignet an, den Kalender bereits jetzt zu verkaufen. Von den 800 Stück hat die Stadt Wendlingen 100 abgenommen. Vom Preis des Kalenders (6,50 Euro) sind 1,25 Euro für künftige Renovierungen der Kirche. Bei Kaffee und Kuchen, von den Goldenen Konfirmanden gebacken, konnten die Besucher nach dem Gottesdienst die Ausstellung besichtigen. Der Kalender wird in folgenden Geschäften verkauft: Schreibwaren Spohn, Buchladen Deuschle im Langhaus, Bürgerbüro im Rathaus, Foto-Fritz, SZ am Berg und bei der Wendlinger Zeitung. Hostiendosen aus Zinn von 1737 und Abendmahlskelche des 17. und 18. Jahrhunderts konnten erstmals von der Kirchengemeinde besichtigt werden. Foto: b2s-fotografie

 

Berichte der Wendlinger Zeitung 22.02.2007

Mit der Renovierung ein neues Gesicht bekommen

Anlässlich des fünfzigsten Jahrestags der Kirchenrenovierung lädt die Evangelische Kirchengemeinde zu Gottesdienst und Ausstellung ein

WENDLINGEN. Vor 50 Jahren war der letzte große Umbau der Eusebiuskirche. An dieses Ereignis will am kommenden Sonntag, 25. Februar, ein feierlicher Gottesdienst erinnern. Erstmals wird dabei auch die neue Altarbibel zum Einsatz kommen. Eine Foto-Ausstellung soll den letzten großen Umbau in Wort und Bild dokumentieren. Und weil die Gelegenheit so günstig ist, bekommen die Besucher auch noch einige Raritäten zu Gesicht, die sonst wohlbehütet im Tresor schlummern: historische Abendmahlsgeräte.

GABY KIEDAISCH Mit der grundlegenden Erneuerung der Eusebiuskirche in den Jahren 1956/57 erhielt das Gotteshaus sein heutiges Gesicht. Damals wurde die Seitenempore im Innenraum entfernt. Auch die Orgel, die sich bis dahin im Chorraum befand, kam an ihren heutigen Platz. Damit erhielt der Kirchenraum seine ursprüngliche Gestalt wieder. Ebenso wurde das frühere Nordfenster, das man als Eingang zur Empore umfunktioniert hatte, wieder zu einem Fenster, erläutert Pfarrer Stefan Wannenwetsch den damaligen Umbau. Chor und Schiff der Eusebiuskirche stammen aus dem Jahre 1448, der Turm ist im Jahre 1510 erbaut worden. Zweihundert Jahre später hatte es die erste große Sanierung der Kirche gegeben, nachdem sie baufällig geworden war. Dabei wurde der wertvolle gotische Hochaltar entfernt. Lediglich die Predella hat auf dem Dachboden überdauert und ist im Chorraum heute zu sehen. Eine weitere umfangreiche Renovierung erfuhr die Kirche vor zehn Jahren, als die Kirchendecke einen hellen Anstrich verpasst bekam. Eine Generalüberholung erhielten auch die Kunstwerke in der Kirche wie das Fresko des heiligen Christophorus. Eine große Freude war es ebenso, die beschädigte Sidlerglocke aus dem Jahr 1501 wieder instand zu setzen. Wenn am kommenden Sonntag, 25. Februar, um 9.30 Uhr im Gottesdienst an die letzte umfangreiche Erneuerung erinnert wird, dann fällt dieser Tag fast auf den Tag, an dem die Eusebiuskirche vor 50 Jahren feierlich eingeweiht wurde. Das war am 24. Februar 1957. Der Bischof höchstpersönlich war es, der die Einweihung im Beisein der ganzen Gemeinde vornahm, begleitet von Posaunenchor und Kirchenchor. Den Gemeindenachmittag umrahmten damals der Musikverein und der Sängerbund. Eine kleine Fotoausstellung und Zeitungsausschnitte werden am Sonntag diese Kirchenrenovierung dokumentieren. Aus diesem Anlass erhält die neue Altarbibel einen würdigen Rahmen, indem aus ihr zum ersten Mal am kommenden Sonntag während eines Gottesdienstes gelesen wird. Genau 50 Jahre war die Vorgängerin alt und eigentlich noch viel älter, wenn man das Datum der Übersetzung aus dem Jahre 1912 nimmt. Möglich gemacht haben die Anschaffung der neuen Altarbibel der Bastelkreis und der Herbstbasar. Eine absolute Rarität sollten sich die Gottesdienstbesucher nicht entgehen lassen. Erstmals werden historische Abendmahlgeräte der Kirche öffentlich gezeigt. Darunter ein vergoldeter Rokoko-Abendmahlskelch aus dem 18. Jahrhundert, Kelche und Patene aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit Etuis und das wertvollste Stück, ein Hostienbehälter, den der Wendlinger Pfarrer Chategnier 1755 gestiftet hat. Die Evangelische Kirchengemeinde lädt zum Gottesdienst und anschließendem Kirchencafé im Turm am kommenden Sonntag, 25. Februar, ein. Die Goldenen Konfirmanden servieren Gebäck dazu. Und weil Eusebius eine sehr bewegte Geschichte hat und darüber hinaus auf vielfältige Art und Weise bewegt, wird am Sonntag auch ein neuer Kalender über das Gotteshaus vorgestellt, der zu erwerben sein wird (mehr dazu im untenstehenden Bericht). Die evangelische Kirche zeigt am Sonntag Abendmahlsgeräte. gki

 

"Eusebius bewegt" ­ und wie

Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen stellt erstmals Foto-Kalender über das Gotteshaus vor

WENDLINGEN. Der Titel des Kalenders für das Jahr 2008 heißt Eusebius bewegt und das trifft gleich in mehrfacher Hinsicht zu. Ob es das gesprochene Wort in der Kirche ist, das bewegt, ob es die Musik ist, die in ihr erklingt, Lichtspiele, die durch die bunten Kirchenfenster fallen, der Glockenschlag, oder ob es die Menschen sind, die sich im Kirchenraum bewegen Kirche ist bewegend und bewegt. An dieses Wortspiel knüpft der Kalender an, der von der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen herausgegeben und erstmals aufgelegt wird. Am kommenden Sonntag, 25. Februar, wird der Kalender, der in einer Gemeinschaftsarbeit mehrerer Fotografen entstanden ist, nach dem Gottesdienst vorgestellt.

GABY KIEDAISCH Der Kalender, der zu Beginn des Jahres 2007 bereits das nächste, das Jahr 2008, einläutet, ist auf Initiative von Pfarrer Martin Frey entstanden. Frey will mit diesem Foto-Kalender einmal mehr die Eusebiuskirche ins Bewusstsein der Menschen rücken. Von ihrer Schönheit ist der Gottesmann, seit er das Pfarramt II in der Uhlandstraße übernommen hat, fasziniert. Trotz ihrer strengen Gliederung und Kühle im Kirchenraum bietet die Eusebiuskirche mehr als kaltes Glas und weißgetünchte Wände, weiß Frey. Wer genau hinschaut, der entdeckt wahre Schätze, die sogar funkeln, manchmal etwas versteckt, aber immer sichtbar. Der Kalender soll dem Besucher dabei auf die Sprünge helfen und seine Neugierde wecken, so Pfarrer Martin Frey. Mit dem Künstlerstammtisch, bei dem sich regelmäßig Künstler aus Wendlingen treffen und der ebenfalls auf Anstoß von Pfarrer Frey gegründet wurde, ist die Idee des Kalenders umgesetzt worden. Das Kreativteam setzt sich aus den Fotografen Lothar Fritz, Silke Bässler und Ingrid Röhm zusammen. Neben diversen Fotografien war Silke Bässler auch für das Layout des Kalenders und die gestalterische Konzeption verantwortlich, an der auch Christa Schimpf, Chorleiterin der Eusebiuskirche, beteiligt war. Alle 13 Fotografien im DIN-A5-Format (auch als Postkarten geeignet) zeigen die Kirche von außen und innen, versteckte Nischen, Orgelpfeifen, Fenster, verschiedene Ansichten geben Stimmungen bei unterschiedlichem Tageslicht und zu verschiedenen Jahreszeiten wieder. Wie das Januar-Motiv, das ein Kirchenfenster in der dunklen Jahreszeit zeigt und gleichzeitig Ruhe, aber auch Melancholie ausstrahlt. Etwas mehr Licht lässt der Februar zu (Mariä Lichtmess), dargestellt mit bunten Glassteinen in einer Kirchenwand.

Blick auf das weltliche und Kirchenjahr

Der Kalender bezieht in seinem monatlichen Rhythmus der Bilder auch das weltliche und das Kirchenjahr mit ein. So demonstriert das Foto einer Fensternische im März das Osterfest mit dem Licht der Auferstehung. Oder der April, der bildlich Orgelpfeifen tanzen lässt. Die Verbindung lässt sich da leicht zum Sonntag Kantate anknüpfen, der im evangelischen Kirchenjahr der vierte Sonntag nach Ostern ist. In vielen Gemeinden wird dieser Sonntag mit einem besonderen musikalischen Gottesdienst gefeiert. Wenn dann das Kalenderblatt Mai erscheint, dann fällt der Blick plötzlich von ganz weit oben auf die Eusebiuskirche mit dem alten historischen Kern, dem Städtle und seiner neueren Umgebung. Die Sicht von oben ist gewollt, kommt doch auch der Heilige Geist an Pfingsten von oben. Während der Sommermonate Juni, Juli, August und September macht das Kirchenjahr Pause, die Motive symbolisieren die heißen Sommertage mit ihren Lichtspielen in der Kirche und die kühlende Erfrischung, die man hier erwarten darf. Die dunklere Jahreszeit beginnt mit dem Oktober, den Gedenktagen im November und Dezember. Die Fotos vom Gestühl und dem Uhrwerk symbolisieren in ihrer Schlichtheit die Vergänglichkeit, während die Glocken im Dezember (vom Turme klingts) das freudige Ereignis von Christi Geburt widerspiegeln.

Besondere Atmosphäre der Kirche

Dass sich die Fotografen bei ihrer Arbeit von der besonderen Atmosphäre des Gotteshauses haben einfangen lassen, das bestätigt die Wendlinger Fotografin Silke Bässler: Die schöne Stimmung in der Vorweihnachtszeit und die speziellen Lichtverhältnisse waren ein Erlebnis. Da ist es nur selbstverständlich, dass das Kreativteam mit viel Engagement seine Arbeit verrichtet hat und dass diese obendrein noch Spaß gemacht hat, wie Pfarrer Frey zusammenfasst. Der farbige Kalender ist in einer Auflage von 800 Stück erschienen und ist für 6,50 Euro erhältlich am kommenden Sonntag nach dem Gottesdienst, ab Montag, 26. Februar, dann im Buchladen Deuschle im Langhaus, bei Schreibwaren Spohn, SZ am Berg, im Bürgerbüro, bei Foto-Fritz und bei der Wendlinger Zeitung. Das druckfrische Exemplar in den Händen des Kreativteams (von links nach rechts): Lothar Fritz, Christa Schimpf, Silke Bässler und Pfarrer Martin Frey (sowie Ingrid Röhm, die nicht auf dem Foto ist). gki Bericht der Wendlinger Zeitung 13.02.2007 Bastelkreis spendet für Kinderhospizdienst Bastelkreis spendet für Kinderhospizdienst Der häusliche Kinderhospizdienst im Landkreis Esslingen mit Sitz in Kirchheim war die zweite Einrichtung dieser Art in ganz Deutschland. Seit 1998 bietet der Dienst Hilfestellung für Betroffene. Kleine unheilbare Patienten werden in dieser schweren Zeit begleitet, deren Eltern und Geschwister im täglichen Leben entlastet und unterstützt, so dass mehr Zeit und Kraft für das Notwendige bleibt. Gut ausgebildete ehrenamtliche Paten leisten diesen kostenfreien Dienst. Derzeit kann der Hospizdienst auf 32 Frauen und einen Mann zurückgreifen. Finanziert wird der Dienst von der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim, vom Malteser Hilfsdienst und durch Spenden. Der Bastelkreis der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen, bekannt für seine Frühjahrs- und Adventsbasare, hat die schöne Summe von 1500 Euro kürzlich dem Kinderhospizdienst zukommen lassen. Georg Hug, Leiter des Hospizdienstes AKuT (Anlaufstelle Kind und Tod), nahm die Spende im evangelischen Gemeindehaus Bismarckstraße in Empfang und bedankte sich für die großzügige Unterstützung. Zur Übergabe waren (von links) Adelheid Wascher, Brigitte Sigg, Georg Hug, Marlene Specht, Traute Hörz und Marianne Maier gekommen. Der Bastelkreis trifft sich jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat im evangelischen Gemeindehaus. Mitstreiterinnen sind jederzeit willkommen. gki Bericht der Wendlinger Zeitung 13.02.2007 Polyphone Klangpracht mit spiritueller Prägung Walter Schimpf und die Kantorei der Eusebiuskirche präsentierten anspruchsvolles Programm WENDLINGEN (ek). Der knapp vierzigköpfige Chor nach oben gestaffelt und optisch eindrucksvoll in Form eines V angeordnet, davor ein Kammerorchester mit Streichern, Bläsern, Pauken und Orgel, dazu die Vokalsolisten Renate Brosch (Sopran), Kathrin Rüsse (Alt), Alexander Illi (Tenor) und Gerhard Röse (Bass) so präsentierte Walter Schimpf und seine Kantorei dem gespannten Publikum am Sonntagabend in der Eusebiuskirche ein ausladendes und abwechslungsreiches Kantatenprogramm. Dabei bildete die einsätzige Kantate Nun danket alle Gott, Bux WV 79, von Dietrich Buxtehude (16371707) den Auftakt. Darin wird der spirituelle Leitsatz des Gottesdanks von den einzelnen Chorstimmen vielfach variiert, ergänzt durch ein Vokalsoloquartett in der Satzmitte. So entsteht zwischen Chor und Orchester ein reizvolles Wechselspiel, in dem den zwei Trompeten, teils signalartig, teils mit feinen Echoeffekten, eine wichtige Rolle zufällt. Hier konnten Klaus-Ulrich Dann und Hubertus von Stackelberg mit präzisem Ansatz und makelloser Intonation gefallen. Die in historischer Praxis mit sparsamem Vibrato und schlankem Ton operierenden Streicher, dazu süßer, sanft schwingender Oboenklang, zurückgenommener Gestus des Continuocellos (Michael Groß) in pulsierendem Monoton: So weit nur einige der musikalischen Eindrücke der Darbietung, die von leichteren Unsicherheiten bei den Choreinsätzen und kleineren Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Chor und Orchester bei retardierten Passagen nicht getrübt werden konnte.

Eine schwierige Herausforderung

Eine ungleich schwierigere Herausforderung erwartete die Akteure mit der bekannten Kantate Jauchzet Gott in allen Landen BWV 51 für Sopran, Trompete, Streicher und Continuo von Johann Sebastian Bach (16851750). Hier stellte sich dem Trompeter Klaus-Ulrich Dann im ersten Satz die heikle Aufgabe, schnelle Läufe in teils sehr hoher Lage bewältigen zu müssen und dabei die diffizilen, lang gezogenen Koloraturen der Sopranistin nicht zu überdecken, was meistens gelang. Rezitativo und Aria brachten sehr schön ausgesungene Sopranpassagen mit prächtiger Tonentfaltung, die Renate Brosch große Intonationssicherheit und hoch entwickelte Atemtechnik abverlangten, zurückhaltend begleitet vom Continuo. Im Choral wiederum entspinnt sich ein Zwiegesang zwischen den zwei konzertanten Violinen (Joachim Ulbrich, Lucian Klein) und dem hier besonders großvolumigen Sopran, dem die Choralmelodie vorbehalten bleibt. Ulbrich und Klein glänzten hier mit sauber ineinander greifendem Laufwerk, mal solistisch hervortretend, dann wieder sich begleitend unterordnend. Im als Fugato angeordneten Finale erstrahlte schließlich unter Mitwirkung aller Teile polyphone Klangpracht. Das Preludio aus der Partita E-Dur, BWV 1006, für Solovioline von Bach bildete eine Art Interludium, aber auch ein Bindeglied im Konzertverlauf dieses Abends. Konzertmeister Ulbrich bot dieses in nicht gerade geigerfreundlicher Tonart hochvirtuos angelegte Werk höchst ansprechend dar. Er bewältigte dessen knifflige Arpeggien und schwierige Harmonien weitgehend unangestrengt, bewies ein Gespür für differenzierte Dynamik mit gelungenen Echowirkungen und ersterbendem Pianissimo. Im ersten Satz (Sinfonia) der Kantate Wir danken dir Gott, wir danken dir BWV 29 von Bach wird der konzertante Part des vorangegangenen Preludio von der Orgel übernommen. Dabei zeigte die Organistin Ulrike Beck allergrößte Fingerfertigkeit und es war schade, dass ihr silbrig feiner Ton von dem hier etwas zu massiv operierenden Orchester bisweilen übertönt wurde. Nach festlichem Chor erklang die Tenorarie Halleluja, Stärk und Macht. . ., gesungen von Alexander Illi und konzertant begleitet durch Joachim Ulbrich und die Bassgruppe. Illis in Baritonlage durchaus sonore und gefällige Stimme wirkte dabei in hoher Lage etwas angestrengt und gepresst. Nach kurzem Bassrezitativ (Gerhard Röse) schloss sich die einschmeichelnd und im Siciliana-Wiegerhythmus komponierte Sopranarie Gedenk an uns mit deiner Liebe an, eine weitere Gelegenheit für Renate Brosch, um sich stimmlich hervorzutun. Auf das Rezitativ mit Chor folgte die Altarie Halleluja, Stärk und Macht, deren Text mit dem der Tenorarie korrespondiert. Katharina Rüsse konnte hier zwar durch feine und intonatorisch saubere Stimmführung gefallen, doch fehlte es ihrem Vortrag an diesem Abend ein wenig an Glanz und Strahlkraft. Chor und Orchester lieferten schließlich den Abschlusschoral in prächtiger Tonfülle ab. Das geistliche Konzert fand seine Fortsetzung mit dem vom jungen Händel (15851659) nach Psalm 113 komponierten und in lateinischer Sprache gehaltenen Laudate pueri Dominum. Wiederum musste Renate Brosch in diesem abwechslungsreich orchestrierten Werk einen umfangreichen Vokalsoloteil meistern. Nach kleineren Abstimmungsproblemen in der Tempogestaltung im einleitenden Laudate brillierte sie im fugierten und kompliziert zu singenden A solis ortu, im beschwingt nach vorne drängenden Excelsus und im mit majestätischem Nachdruck daherkommenden Quis sicut Dominus. Anrührend auch das arienhaft gestaltete Suscitans a terra inopem. Daneben darf die solide Leistung des Orchesters nicht unerwähnt bleiben, etwa bei den schwierigen Triller- und Vorschlagssequenzen in Qui habitare facit oder bei den energisch und scharf zu punktierenden Einsätzen der Streicher in Gloria patri. Insgesamt gelang den Ausführenden, allen voran dem souveränen Chor- und Orchesterleiter Walter Schimpf, ein beeindruckender Gesamtvortrag, den auch ein kleiner rhythmischer Wackler kurz vor Schluss nicht beeinträchtigte. Mit einem voll klingenden Dona nobis pacem, gefolgt von langem Applaus, schloss sich der musikalische Kreis des Abends. Die Sopranistin Renate Brosch beim Konzert der Kantorei und des Kammerorchesters unter Leitung von Walter Schimpf in der Eusebiuskirche. Foto: b2s-fotografie

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 27.01.2007

Wie kann Stadt noch jugendfreundlicher werden?

Mein Wendlingen wir denken mit: Jugendliche machen sich Gedanken über ihre Heimatstadt Projekt von Jugendwerk mit Jugendhaus

WENDLINGEN. Verantwortung übernehmen, der Blick aufs Ganze, Bewusstsein für das Gemeinwesen alles Merkmale, die laut Pfarrer Martin Frey zum evangelischen Christsein dazugehören. Und genau das war die Motivation für ein Projekt des Evangelischen Jugendwerks Wendlingen in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus Zentrum Neuffenstraße. Dabei wurden Plätze und Straßen in Wendlingen einmal aus der Sicht von Jugendlichen genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis haben sie Bürgermeister Ziegler in dieser Woche im Rathaus übergeben, in der Hoffnung, dass ihre Anregungen in künftiger Stadtplanung mit berücksichtigt werden.

GABY KIEDAISCH Mit dem Projekt soll auch das Profil des Evangelischen Jugendwerks in Wendlingen gestärkt werden. Denn Christsein bedeutet eben vor allem auch Verantwortung übernehmen, sich für das Ganze zu engagieren, für die bürgerliche Gemeinde da zu sein, verdeutlichte Pfarrer Martin Frey den Antrieb für das Projekt. Frey begleitet in der Evangelischen Kirchengemeinde unter anderem die Jugendarbeit. Und weil man Christ nicht nur für sich ist und nicht nur im stillen Kämmerlein betreibt, sondern mit anderen etwas macht, haben sich die evangelische Jugend und die kommunale Jugend bei diesem Projekt zusammengetan. Das Projekt soll den Jugendlichen zeigen, dass Politik nicht nur von oben gemacht wird, sondern dass sie erkennen, sie können mitbestimmen, sie werden gehört. Ein wichtiger Beitrag gegen die Politikverdrossenheit, so Pfarrer Martin Frey.

60 Jugendliche machten mit

Die Aktion war im Herbst vergangenen Jahres gestartet worden. Dabei machten sich 60 Jugendliche Konfirmanden und Jugendliche vom Jugendhaus Zentrum Neuffenstraße zwischen zehn und 15 Jahren auf und schauten sich in ihrem Wendlingen um. Dabei wurden ganz gezielt bestimmte Orte, Straßen und Plätze aufgesucht, die vorwiegend von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt werden. Unter dem Gesichtspunkt, wie kann Wendlingen noch jugendfreundlicher werden, schauten sie sich auch ganz genau dort um, wo sie selten oder gar nicht hingehen, und versuchten zu ergründen, warum sie welche Ecken meiden. Umgekehrt ergründeten sie, wo sie sich besonders wohlfühlen und was zu ihren Lieblingsplätzen zählt. Bei der Untersuchung kamen ganz überraschende Ergebnisse heraus, die übersichtlich in einem Katalog Mein Wendlingen wir denken mit! zusammengefasst wurden. Diesen Ergebniskatalog stellte Klaus Onischke, Jugendreferent des Evangelischen Jugendwerks Wendlingen, bei der Übergabe im kleinen Sitzungssaal des Rathauses vor. Die Ergebnisse hätten keinen Anspruch auf Vollständigkeit und seien nicht repräsentativ, schickte Onischke seinen weiteren Ausführungen voraus. Im Gesamtergebnis fühlen sich die Jugendlichen laut Onischke in Wendlingen durchaus wohl. Als äußerst positiv wurden von ihnen die Spielplätze genannt, wo sie sich gerne zum Chillen (im Sinne von Abhängen) treffen. Besonders der Spielplatz im Neubaugebiet Steigäcker ist sehr beliebt. Betrübt sind die Jugendlichen indes über den Wegfall des Spielplatzes an der Bismarckstraße. Doch da konnte Bürgermeister Ziegler gleich beruhigen: Er wird auf dem Gelände an anderer Stelle wieder entstehen, Gelder dafür sind bereits in den Haushalt eingestellt. Und schon 2008 soll er von den Jugendlichen wieder in Besitz genommen werden können, versprach Ziegler. Auf positive Resonanz stieß beim Bürgermeister die von Pfarrer Frey gemachte Anregung, dass die Jugendlichen in die Planung des Spielplatzes eingebunden werden. Das wäre auch ein guter Schutz vor Vandalismus und Zerstörung, sagte Frey, das habe die Erfahrung gezeigt. Viel Freizeit verbringen die Jugendlichen im Jugendhaus, aber auch in den Schulhöfen des Gymnasiums und der Realschule, die allesamt beliebt sind. Im Sommer ist vor allem die Eisdiele am Marktplatz der Treffpunkt. Dass man wegen der Polizeistation um die Ecke keinen Scheiß machen könne, wie ein Jugendlicher im Antwortkatalog bemerkte, kann nun jeder werten, wie er möchte. Wichtige Orte der Freizeitgestaltung für Jugendliche sind der Schäferhauser See, die Lauter und das Freibad. Hier treffen sich alle im Sommer. Dankbar wären die Jugendlichen über weitere Spielangebote, aber auch über einen Sprungturm im Freibad. Als weiterer Treffpunkt hat sich die Brücke an der Wehrstraße herauskristallisiert. Besonders beliebt ist dort das Brückenspringen. Ob sich allerdings hier der Wunsch nach einem Sprungturm erfüllt, das darf aus Sicherheitsgründen angezweifelt werden. Rege frequentiert werden der Sportplatz an der Lauterturnhalle und die Bolzplätze wie beim Naturfreundehaus. Allerdings wurden die fehlenden Tornetze und der schlechte Rasenzustand bemängelt. Eine Sanierung der Sportanlagen lohne sich angesichts des Baus der neuen Sportanlagen nicht mehr, gab Bürgermeister Ziegler zu verstehen. Stattdessen könne von allen die multifunktionale Fläche genutzt werden, die im Zuge der neuen Anlage zusätzlich zum Stadion und zu den Sportplätzen entstehen werde. Positive Erfahrungen hat Christof Georgi mit einem Projekt zur Verbesserung der Sportfläche beim Jugendhaus gemacht, wo Böschungen mit den Jugendlichen gepflegt wurden. Eingesetzte Gelder für Pflanzungen um die Bolzplätze hält der Jugendhausleiter deshalb für sinnvoll. Die Skateranlage gehört zweifellos zu den beliebten Treffpunkten. Allerdings könne sie nach Meinung der Jugendlichen eine neuere Ausstattung vertragen. Bürgermeister Ziegler lud die Jugendlichen ein, sich an der Planung der neuen Anlage beim Speckweg zu beteiligen. <h4>Es gibt viele dunkle Ecken</h4> Mangelnde Sauberkeit, man glaubt es kaum, war ebenfalls ein Thema bei den Jugendlichen. Achtlos liegen gelassener Müll ist bei den Jugendlichen genauso ein Thema wie die teils schlechte Beleuchtung auf manchen Schulwegen wie der Kreuzung Kanal-/Austraße und am Fußweg entlang der Ludwig-Uhland Schule. Klaus Onischke: Es gibt viele dunkle Ecken in Wendlingen. Dazu gehört auch der Bahnhofsbereich, der für Jugendliche überhaupt ein Brennpunkt zu sein scheint. Um die Unterführung vor unerlaubten Schmierereien zu schützen, wurde vorgeschlagen, einen professionellen Graffiti-Künstler zu engagieren, mit der Installation eines WCs könne vom Urinieren in Ecken abgeholfen werden. Aber auch hier winkte Bürgermeister Ziegler ab, da mit der Erweiterung der S-Bahn auch die Bahnhöfe umgestaltet werden. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt hinausgeworfenes Geld, meinte er. Wenn auch das Projekt nun abgeschlossen ist, so bleibt jetzt die Hoffnung, dass die Stadt die gemachten Anregungen praktisch umsetzt. Bürgermeister Frank Ziegler lobte den Einsatz der Jugendlichen für ihre Stadt und dass sie sich darüber Gedanken gemacht haben. Ob sich allerdings der Wunsch der Jugendlichen erfüllen lässt, dass die Stadt die Ansiedlung bestimmter Unternehmen in Wendlingen forciert, die von Jugendlichen gerne frequentiert werden, lässt berechtigten Zweifel aufkommen. Zur Wunschliste gehören unter anderem: Karstadt, H & M, Fashion-Mania, Kino, Deichmann und McDonalds. Das Ergebnis des Projekts stellte das Evangelische Jugendwerk Bürgermeister Ziegler vor. Bei dieser Gelegenheit ist auch unser Bild entstanden: die Vertreter des Evangelischen Jugendwerks, Klaus Onischke (Zweiter von rechts), Thomas Kaiser (links), Pfarrer Martin Frey (Sechster von links), vom Jugendhaus Christof Georgi (Zweiter von links etwas verdeckt), Bürgermeister Frank Ziegler (Fünfter von rechts) sowie die Konfirmanden. gki

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 19.01.2007

Das Jahresthema ist "Wasser für unser Leben"

Ganz neue Veranstaltungsformen finden sich im ökumenischen Erwachsenenbildungsprogramm in Wendlingen

WENDLINGEN. Wasser für unser Leben lautet das Jahres-Thema des jetzt vorliegenden neuen Programms der Ökumenischen Erwachsenenbildung Wendlingen. Die Katholische und die beiden Evangelischen Kirchengemeinden arbeiten auch in diesem jüngsten Programmangebot eng zusammen. Das Programm wurde im ersten Halbjahr 2007 etwas komprimiert. Dabei stand nicht der Gedanke an eine Reduzierung Pate, sondern vielmehr das Bemühen, ganz neue Veranstaltungsformen einzubringen. Spannende Versuche werden also unternommen, neben der üblichen Vortrags- und Diskussionsform ganz neuen Veranstaltungsformen Raum zu geben. Dazu gehört beispielsweise ein Gang entlang der Lauter mit biblischen Geschichten oder eine offene Schreibwerkstatt oder gar eine Kunstausstellung im Chor der Eusebiuskirche.

CHRISTA ANSEL Wer sich auf Neues einlässt, nachdenkt und sich auseinandersetzt, wird seinen Horizont erweitern so lautet die Aufforderung im jüngsten Programmheft der Wendlinger Kirchengemeinden. Und auf Neues einlassen kann man sich im laufenden Halbjahr mit dem jetzt vorliegenden Angebot wirklich. Neben den traditionellen Angeboten wie Bibelgesprächskreisen, Vorträgen zu Themen aus dem Familienkreis, Frauensternstunden, Begegnungsnachmittagen für Frauen, Männerstammtischen oder dem Literaturkreis und den Horizonte-Gottesdiensten wird eingeladen zu der Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser als Quelle des Lebens. Den Auftakt macht der bekannte und seit 1989 querschnittsgelähmte Höhlenforscher Jochen Hasenmayer, der am 25. Januar im evangelischen Gemeindehaus in der Bismarckstraße über seine vielen Forschungsfahrten mit dem von ihm konstruierten Speleonaut im Blaubeurener Blautopf berichten wird. Im katholischen Gemeindehaus St. Georg geht es am 5. März um Pfarrer Sebastian Kneipps Gesundheitslehre, um natürliche Reize und Wasseranwendungen. Es referiert Bärbel Walz von der Beurener Praxis für Ganzheitliche Gesundheit. Pfarrer Dr. Silfredo Dalfeth aus Brasilien berichtet am 29. März im Gemeindehaus Bismarckstraße über den Zusammenhang von Zukunft und Wasser, von der elementaren Bedeutung der Versorgung mit Wasser und Frieden. Die Unterboihinger Kirchengemeinde lädt am 4. Mai ein zum Vortrag über Trinkwasser für Wendlingen mit Bernhard Röhrle und Horst Weigel. Das Thema wird durch eine Fahrt zum Wasserwerk Langenau am 13. Mai ergänzt. Bei einer Führung werden Teile des größten und modernsten europäischen Wasserwerks sowie die Ausstellung Erlebniswelt Grundwasser besichtigt.

Wassergeschichten entlang der Lauter

Biblische Wassergeschichten hält Pfarrer Martin Frey am 20. Mai parat. Frühmorgens lädt er ein zum gemeinsamen Spaziergang an der Lauter. Auf dem Weg werden biblische Wassergeschichten gelesen und erzählt. Dann besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Frühstück im Hefekränzle und zum Besuch des Gottesdienstes in der Eusebiuskirche. Ein Angebot, das die Menschen mit all ihren Sinnen ansprechen möchte. Der Idee Pfarrer Freys entstammt auch das Angebot der Offenen Schreibwerkstatt zum Thema Wasser in den Kategorien Lyrik und Kurzprosa. Wer gerne schreibt, ist eingeladen, Texte nach der Ausschreibung im Mai einzureichen. Präsentiert und prämiert werden die Texte am 19. Juli in einer öffentlichen Veranstaltung. Wenn es um Wasser geht, dann darf das Brunnenprojekt von Pfarrer Kenneth Nwokolo aus dem nigerianischen Uluano nicht fehlen. Er berichtet am 13. September über das Projekt, das von so vielen Wendlingern unterstützt wird. Am Nil ist ein ganz besonderes Projekt betitelt, das erstmals die Eusebiuskirche für eine Kunstausstellung öffnet. Die Wendlinger Keramikkünstlerin Gabriele Kaiser zeigt im Chor der Kirche Skulpturen und Objekte in der Zeit vom 28. Juni bis 13. Juli. Die Arbeiten von Gabriele Kaiser schaffen Assoziationen zum Vorderen Orient, zum Nilland Ägypten. Formen und Material der Skulpturen und Objekte erzeugen eine Art Pyramidenlandschaft, deren Atmosphäre fremd und anziehend zugleich ist. So formuliert es Pfarrer Martin Frey, der diese Kunstausstellung organisiert hat. Zur Vernissage am 28. Juni erwartet die Besucher Musik und Bibeltexte passend zu den ausgestellten Exponaten. Wasser für unser Leben ist das 13. ökumenische Wendlinger Erwachsenenbildungsprogramm und zugleich das erste Programm, das alle Ausschüsse der drei Kirchengemeinden (Evangelisches Pfarramt Unterboihingen, Evangelisches Pfarramt Wendlingen, Katholisches Pfarramt Wendlingen-Unterboihingen) in noch engerer Zusammenarbeit als bisher unter ein Jahresthema gestellt haben. Ein spannendes Angebot, das die Menschen auf mehrdimensionale, ganzheitliche Weise ansprechen möchte. Der Höhlenforscher Jochen Hasenmayer berichtet am 25. Januar im Rahmen der ökumenischen Erwachsenenbildung im evangelischen Gemeindehaus in der Bismarckstraße über seine Fahrten mit dem Höhlen-U-Boot im Wasser der versunkenen Ur-Alb. pm

 

Bericht der Wendlinger Zeitung 18.01.2007

Gesangsprojekt mit dem Profi gestartet

Kinder- und Chorleiterin Christa Schimpf singt mit den Kindern in sämtlichen evangelischen Kindergärten

WENDLINGEN. Dem im vergangenen Jahr begonnenen Ehrenamtsprojekt der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen ist eine weitere Variante hinzugefügt worden. Nach der Lesepatin und einem Werkopi wird jetzt jede Woche eine Chorleiterin verstärkt mit den Kindergartenkindern singen und musizieren. Gestartet wurde im Kindergarten Alleenstraße, aber auch die anderen evangelischen Kindergärten Blumenstraße und Hebelstraße werden in das Sing-Projekt miteinbezogen.

GABY KIEDAISCH Das Angebot von Christa Schimpf hat Pfarrer Martin Frey, der unter anderem zuständig ist für die Geschäftsführung der evangelischen Kindergärten, gerne angenommen. Sie wird wöchentlich einmal zum Singen und Musizieren in einen Kindergarten kommen. Im monatlichen Turnus wechselt die Kinder- und Chorleiterin der Eusebiuskirche in einen anderen Kindergarten, der unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen steht, bis sie dann mit zweimonatiger Unterbrechung im März wieder im Kindergarten Alleenstraße zu Gast ist. Das Musizieren regelmäßiger anzubieten in jedem der drei Kindergärten, ist derzeit nicht möglich, da Christa Schimpf noch berufliche Verpflichtungen hat. Doch da der Chorleiterin das Singen von kleinen Kindern besonders am Herzen liegt, hat sie sich spontan für dieses Ehrenamts-Projekt zur Verfügung gestellt. In ihrer langen Arbeit mit Kindern hat Christa Schimpf festgestellt: Kinder singen unheimlich gerne. Die gesangliche Förderung schon ab dem Kleinkindalter ist obendrein besonders wichtig.

Singen fördert die Entwicklung

Leider ist das Singen immer mehr auf dem Rückzug. Viele Eltern singen kaum mehr mit ihren Kindern. Dabei weiß man, dass das Singen in vielfältiger Hinsicht die Entwicklung des Kindes positiv unterstützt. Nicht nur, dass beim Auswendiglernen das Gedächtnis angeregt wird, auch die Kreativität und die Persönlichkeit werden gefördert. Festgestellt haben Experten, dass heutzutage viele Erwachsene kaum mehr Lieder singen können. Bei unseren Großeltern ist das noch ganz anders gewesen, da gehörte das Wissen um ein grundlegendes Liedgut einfach dazu. Heute verfügen die wenigsten noch über ein großes Lied-Repertoire, allzu häufig müssen viele bereits nach der ersten Liedstrophe kapitulieren. Wenn man so manchen Erwachsenen danach fragt, welche Lieder er denn noch kennt, dann hört man allenfalls noch Happy Birthday und Jingle Bells. Und dennoch wünschen sich viele Erwachsene, mit ihren Kindern zu singen, freut sich Christa Schimpf.

Muttersprache des Herzens

Singen ist die Muttersprache des Herzens, sagt Christa Schimpf. Daran, dass die Kinder von heute wieder etwas über Volkslieder, aber auch Lieder aus dem Gesangbuch erfahren, hat die Kinderchorleiterin ein besonders Interesse, gehört es doch zu unserem Kulturgut. Gleich zur ersten Singstunde am letzten Freitag, bei der Kantor Walter Schimpf seine Frau auf dem Klavier begleitete, hat Christa Schimpf dem Kindergarten ein besonderes Singbuch mitgebracht. Das Repertoire dieser Ideensammlung zu Liedern des evangelischen Gesangbuchs für Kindergärten erstreckt sich von Weihnachtsliedern über Lieder über die Natur, zu Ostern, Pfingsten, Abendlieder, Lieder aus dem Gesangbuch bis hin zu jahreszeitlichen Liedern. Alle Lieder sind ausschließlich für das Kindergartenalter. Das Liedbuch ist aus einem bundesweiten Projekt hervorgegangen, dem Bündnis für das Singen mit Kindern. Christa Schimpf war bei diesem Projekt mit ihrem Fachwissen eingebunden. Auch die Erzieherinnen des Kindergartens Alleenstraße freuen sich über den Profi an ihrer Seite. Singen gehört zwar zum Erziehungsbild im Kindergarten dazu und es wird auch regelmäßig gesungen, dennoch es ist etwas anderes, wenn eine erfahrene Chorleiterin mit den Kindern spielerisch übt. Da können wir auch so manches für unsere Arbeit abgucken, sagt Erzieherin Astrid Blankenhorn. Vorerst ist das Gesangsprojekt auf ein Jahr begrenzt. Das Singprojekt soll jedoch regelmäßig eingerichtet werden. Christa Schimpf wäre deshalb besonders erfreut, wenn sich weitere Sing-Paten dafür begeistern ließen. Wer sich dafür interessiert, der kann sich bei Christa Schimpf, Telefon (0 70 24) 70 74, gerne melden. Und vielleicht geht auch der Wunsch von Walter Schimpf ja schon bald in Erfüllung: Sein Ziel ist es, dass alle Altersgruppen von den Kindergartenkindern über deren Eltern bis zu den Großeltern im Gottesdienst oder beim Städtlesfest gemeinsam singen werden. Das wäre die Erfüllung eines Herzenswunsches, sagt Schimpf. Gleich beim ersten Mal sprang der Funke über: Singen, das macht einfach Spaß (links Christa Schimpf). gki zurück